Archiv für September 2009


Burka weg oder Geld weg

30. September 2009 von Helga
Dieser Text ist Teil 16 von 55 der Serie Meine Meinung

In Amsterdam sollen Burka-Trägerinnen künftig kein Arbeitslosengeld bekommen, wenn ihnen wegen ihrer Burka Jobs verweigert werden. Dies berichtete gestern taz.de. Die Politiker der beiden regierenden Parteien begrüßten den Vorschlag; die rechtsliberale Volkspartei für Freiheit und Demokratie ging noch einen Schritt weiter und forderte, dass Burka-Tragen in der Öffentlichkeit generell zu verbieten.

Vom Bild der liberalen und weltoffenen Niederlande bleibt damit langsam nicht mehr viel. Statt sich ganz klar gegen Diskriminierung jeder Art auszusprechen wird der Eindruck erweckt, einige Formen der Diskriminierung seien ok, sogar angebracht und die Opfer selber schuld. Wer so denkt, öffnet die Tür für mehr: Heute nur die Burka, morgen Körpergeruch, übermorgen nervige Angewohnheiten?

Jedem sei seine Meinung über die Burka unbenommen, die Menschenrechte gelten aber auch für ihre Trägerinnen. Mit solchen Aktionen berauben wir sie darüber hinaus dessen, was wir sonst überall einfordern: Respekt. So wird nur erreicht, dass die Betroffenen sich immer mehr wie Bürgerinnen zweiter Klasse fühlen, denen man zwangsweise seinen eigenen, vermeintlich besseren, Lebensstil überstülpen will. Freiheitliche Gesellschaften gehen anders mit ihren Mitgliedern um.

Am schlimmsten wird es wieder einmal den Verletzlichsten gehen: Frauen, denen die Burka von ihrer Familie oder Umfeld vorgeschrieben wird. Bisher fangen die sozialen Sicherungssysteme die Diskrimierung auf. Wer ihnen die Unterstützung verwehrt macht sie noch abhängiger von den Umständen, aus denen man sie laut der eigenen Rhetorik befreien will, und macht es ihnen gleichzeitig unmöglich, ihre Situation selbstständig zu verbessern.


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Phyllis Schlafly: “…jedes soziale Übel kommt aus einem vaterlosen Zuhause”

30. September 2009 von Magda

Phyllis Schlafly, eine der größten AktivistInnen der christlich-konservativen Bewegung in den USA und eine der prominentesten GegnerInnen des 1982 erfolgreich gestürzten Equal Right Amendments, welches gleiche Rechte für Mann und Frau in föderalen und staatlichen Gesetzten verankert garantieren sollte, wurde wieder einmal losgeschickt, um die “feindlich-feministische” Übernahme der Welt anzuprangern.

Letztes Wochenende sprach Schlafly auf einer rechts-konservativen Konferenz zum Thema How to Take Back America (“Wie man die USA wieder zurückgewinnt”) und diffamiert nicht nur den heutigen feministischen Einfluss, sondern kriminalisiert auch noch so nebenbei alleinerziehende Mütter:

“(…) the feminist movement is the most dangerous, destructive force in our society today. (…) My analysis is that the gays are about 5% of the attack on marriage in this country, and the feminists are about 95% (…) I’m talking about drugs, sex, illegitimacy, drop outs, poor grades, run away, suicide, you name it, every social ill comes out of the fatherless home.”

(zu deutsch: “die feministische Bewegung ist die gefährlichte und zerstörerischte Kraft heutzutage in unserer Gesellschaft. (…) Meiner Analyse nach attackieren Homosexuelle nur zu 5% die traditionelle Heirat und zu 95% sind die FeministInnen verantwortlich. (…) Ich spreche von Drogen, Unehelichkeit, Schulabbrüchen, schlechten Noten, AussreißerInnen, Selbstmord… was auch immer – jedes soziale Übel kommt aus einem vaterlosen Zuhause”).

Immer bemüht um die Rechte der Männer, hat Schlafly nicht nur die vermeintlich konspirativen Weltherrschaftspläne Obamas aufgedeckt (Sozialismus, Kommunismus!), sondern prognostizierte gleich nach Obamas Amtsbeginn die feministische Annexion der neuen Regierung – was selbstverständlich ein großes Übel darstellen würde.

Via ThinkProgress.


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Männer sind Hüter der Gläsernen Decke

30. September 2009 von Susanne

In Diskussionen um Frauen um Führungspositionen wird denjenigen, die von der “Gläsernen Decke” sprechen gerne mal unterstellt, diese Decke gäbe es nur in ihren Köpfen und in der Wirklichkeit würden es Frauen auch nach ganz oben schaffen – wenn sie nur gut genug seien.

An diesem Märchen wird eine neue Studie arg rütteln. Zeit Online sprach vor der Veröffentlichung der Ergebnisse schon mal mit dem Studienleiter und Soziologen Carsten Wippermann und erfuhr von ihm ganz Erstaunliches:

Zum einen sprachen die von uns befragten Männer sehr positiv über Frauen. Auf der Einstellungsebene haben diese Manager eine große Sympathie für Frauen in Führungspositionen. Aber man kann dies leicht als gender political correctness entlarven, wenn man in die Tiefe geht.

(…)

Wir haben ausgemacht, dass latent drei verschiedene Mentalitätsmuster mit ihrer je eigenen Logik laufen, die schwer zu enthebeln sind. Wird Frauen der Zugang zu Posten in Kontrollgremien geboten, schließen sich gleich wieder andere Türen. Die dominierenden Mentalitätsmuster wirken wie ein mehrfach abgeriegeltes System.

Das müssen Sie genauer erläutern. Wie funktioniert das?
Alle 30 von uns befragten Manager konnte man einem Typus zuordnen. Der eine ist sehr konservativ. Bei ihm kann man eine kulturelle und funktionale Ablehnung von Frauen qua Geschlecht ausmachen. Zitate aus den Interviews sind: Frauen seien eine Irritation im inner circle und unerwünscht im Vorstand. Der andere Typus hat eine emanzipierte Grundhaltung und geht davon aus, dass Frauen chancenlos gegen die Machtrituale seien. Das Topmanagement verlangt Härte und das steht im Widerspruch zum Frauenbild in unserer Gesellschaft. Es fielen Formulierungen wie: Ein Vorstandsposten ist eine andere Sportart – und Frauen hätten nicht die Härte dafür. Frauen, die entsprechend auftreten, wirken dann nicht mehr authentisch – und für diesen Typus ist aber Authentizität ein sehr wichtiger Erfolgsfaktor. Der dritte Typus zeigt einen radikalen Individualismus. Diese Männer sagen, dass das Geschlecht eigentlich keine Rolle dabei spielt, wenn es um die Besetzung einer Führungsposition geht. Aber es gebe nicht genügend Frauen, die authentisch und flexibel genug dafür seien. Alle drei Haltungen kommen in einem Unternehmen vor. Das heißt: Erfüllt eine Frau eine der genannten Anforderungen, steht sie damit im Widerspruch zu den anderen beiden. Die gläserne Decke ist also dreifach gesichert.

Dabei mache es keinen Unterschied, wie alt die befragten Männer gewesen seien, alle Muster ließen sich in allen Altersklassen finden. Interessanterweise sagten dann aber alle Befragten, dass sie mehr oder weniger davon überzeugt seien, dass gemischte Führungsteams besser arbeiten würden als reine Männerteams. Auf der theoretischen Ebene kann man also durchaus Fortschritte zu sagen wir mal 1958 erkennen – Frauen werden nicht mehr per se als ungeeignet gesehen und man ist sich des Nutzens für ein Unternehmen bewusst – aber jeder Manager legt sich dann doch ein für ihn beruhigendes Konstrukt zurecht, warum es klar sei, dass auch in seinem Unternehmen nur so wenige Frauen Führungsrollen übernehmen.

Wippermann kündigt am Ende des Interviews an, dass es Handlungsempfehlungen nach der Veröffentlichung durch das Bundesfrauenministerium im Dezember geben wird. Worauf ich nach dem Ausgang der Bundestagswahl gleich doppelt gespannt bin. Denn jedes “Liebe Manager, jetzt lasst doch auch mal Frauen ran!”, das wir in den letzten vier Jahren so oft gehört haben, wäre ein Hohn angesichts der Ergebnisse der Studie.

Wir halten euch auf dem Laufenden.


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Besser nicht zu weiblich

29. September 2009 von Katrin
Dieser Text ist Teil 13 von 21 der Serie Freitagsgedanken

Was bringt uns Schwarz-Gelb bei der Geschlechterpolitik?
Ein Blick auf die Politik der Union während der vergangenen vier Jahre zeigt: Noch immer scheut sie sich davor, wichtige Schritte in einer veränderten Welt zu unternehmen, um das Land für diese Veränderungen wirklich zu rüsten. Das sture Festhalten an alten Konzepten beherrschte die manchmal zu ruhige Hand der Kanzlerin. Auch in der Geschlechterpolitik hat ihre Partei keine Visionen. Das zeigt sich schon am Wahlprogramm: Es soll vieles erreicht werden – ohne wirklich etwas zu tun.

(C) Frl. Zucker - fraeuleinzucker.blogspot.com/

Zum Beispiel soll sich die Gehaltslücke zwischen Männern und Frauen schließen, die Kinderbetreuungsmöglichkeiten sollen flächendeckend ausgebaut werden. Wie – das steht allerdings in den Sternen. Bei einer Ausschöpfung von Finanzierungsmöglichkeiten für das Mehr an Kinderbetreuung steht sich die Union selbst im Wege. Sie will sich nicht vom Ehegattensplitting trennen und verteilt lieber per Gießkannenprinzip mehr und mehr Kindergeld in die Familien, anstatt – wie es auch die OECD fordert – die Chancen durch Institutionen zu erhöhen. Gerade für sozial schwache Familien und das Sechstel aller Kinder, die hier in relativer Armut leben müssen.

Es könnten dabei zwei Probleme auf einmal erledigt werden: Endlich weg von der Unterstützung der Alleinversorger-Ehe und zugleich einen wichtigen ersten Schritt zu machen, um Kindern aus sozial schwachen und armen Familien zu helfen. Doch wer an das Ehegattensplitting ran will, der ist bei der Union an der falschen Adresse. Auch ein Mindestlohn – wie auch immer dieser geregelt sein könnte – ist für die zukünftige schwarz-gelbe Regierung einstimmig tabu.

Der Mindestlohn könnte Frauen helfen

Dabei könnte er einen wichtigen Beitrag zu mehr Geschlechtergerechtigkeit leisten, immerhin werden mehr als 60 Prozent der Minijobs von Frauen gestemmt. Doch mit den Arbeitgebern möchte man es sich bei Union und FDP nicht verscherzen, deswegen geht man lieber an den Kündigungsschutz ran, als per Gesetz Mindestregeln oder zu viel Anti-Diskriminierung festzulegen (ein Blick zurück in die Debatte um das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz und die damalige Blockade von Union und FDP im Bundesrat sollte einen guten Vorgeschmack bieten, was uns in diesen Fragen erwarten wird: nichts).

Ja, es wird wieder eine Kanzlerin geben. Damit leistet Angela Merkel einen wichtigen Beitrag zum Abbau von Klischees gegenüber Frauen in Macht- und Führungspositionen. Doch diese Kanzlerin ist eine ganz im Sinne der CDU: Geschlechterpolitisch hängt sie sich keineswegs aus dem Fenster. Die letzten Regierungsjahre haben gezeigt, dass sie sich das wahrscheinlich auch nicht leisten könnte. Wer so weit oben in der Hierarchie einer bis heute männerdominierten Partei wie der CDU steht, muss sich unglaublich gut anpassen, um nicht hinterrücks abgesägt oder hintergangen zu werden. Eine progressive Geschlechterpolitik hätte das Kartenhaus zum Einstürzen gebracht.

Nichtstun aus Angst vor Kontrollverlust

Es ist das eine, wenn Familien-Ministerin Ursula von der Leyen per Elterngeld und Entmystifizierung der Mutter als einzig wahrer Erziehungs-Autorität der CSU-Altherrenriege und fundamental-christlichen Mitgliedern ihrer Partei vor den Bug fährt und sich auf halbem Wege zu einer geschlechterdemokratischeren Familienpolitik auch noch durchzusetzen vermag, indem sie das neue Elterngeld einführt und den Vätern eine „Wickelprämie“ zahlt. „Care“ soll „Arbeit“ ebenbürtiger werden, so formulierte Berater Hans Bertram den Sinn dieses Vorstoßes. Doch wer sich ansieht, wie die Ministerin innerhalb der eigenen Parteireihen blockiert wird, der weiß, warum Merkel sich zu solchen Themen lieber zurückhält: Blockiert werden kommt für sie gar nicht in Frage! Denn das hieße, verlieren. Schwäche. Nicht die Kontrolle und Oberhand behalten.

Heiße Eisen fasst sie gar nicht erst an – da sollen sich andere für sie die Finger verbrennen. Deswegen liegt eine Gesetzesreform zum Thema Gender Budgeting, wie sie eigentlich schon längst hätte umgesetzt werden können/sollen/müssen, immer noch nicht vor. Und auch „gefährliche“ Themen wie Abtreibung, Benachteiligung von Männern per Wehrpflicht, arbeitsrechtliche Maßnahmen für Prostitution und andere werden wohl auch in den kommenden vier Jahren nicht behandelt werden.

(Dieser Text erschien ursprünglich als Kolumne auf Freitag.de)


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Nach der Wahl

28. September 2009 von Helga

wahl09_spot_on_women Seit den ersten Hochrechnungen gestern Abend steht es fest: Die nächste Koalition wird schwarz-gelb. Die Programme hatten wir euch vorgestellt, jetzt ist die Frage, was davon umgesetzt wird. Was erwartet ihr, liebe Leserinnen und Leser, von der nächsten Regierung in Frauenpolitik und zu Gender-Themen?


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Wahltag ist Selbermachsonntag

27. September 2009 von Meredith

selbermach Kreuzchen machen und los: Was hat euch diese Woche gendermäßig gefreut, geärgert, inspiriert oder irritiert? Platz für Jubel und stilvolles Gemeckere ist wie jede Woche in den Kommentaren genug. Einen schönen Sonntag!


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Jenseits der Gleichberechtigung

27. September 2009 von Barbara
Dieser Text ist Teil 35 von 83 der Serie Die Feministische Bibliothek

“Weit über Gleichberechtigung hinaus …” heißt ein Bändchen von Ina Praetorius, das vor kurzem im Christel Göttert Verlag erschienen ist. Untertitel: “Das Wissen der Frauenbewegung fruchtbar machen”. Es geht Ina Praetorius unter anderem darum, dass Feministinnen mehr fordern als nur Gleichberechtigung, dass Gleichberechtigung eigentlich als pars pro toto, als Teil des Ganzen, und somit als Mittel zum Zweck gesehen werden kann. Das Streben nach Gleichberechtigung sieht Praetorius sogar als hinderlich. Sie schreibt:

Was Feministinnen unter Weltgestaltung verstehen, haben sie schon in unzähligen Texten erläutert. Aber dieses Wissen, das uns eigentlich längst zur Verfügung steht, wird immer wieder vergessen. Warum? Weil wir immer noch zu sehr mit dem Kampf um Gleichberechtigung beschäftigt sind? Weil wir noch nicht aufgehört haben, das “Höhere Männliche” anzubeten, das sich heute kaum mehr “Herrgott”, sondern zum Beispiel “Wallstreet” oder “Eliteuniversität” oder “FAZ” nennt? Und weil Weltgestaltung anstrengend ist?

Ina PraetoriusAnstrengend ist ein gutes Stichwort, das die Bemühungen einer jeden Feministin treffend beschreibt. Es ist anstrengend, auf Sexismen hinzuweisen, gegen Diskriminierung zu kämpfen – und dabei nicht schlecht gelaunt, sarkastisch und verbittert zu werden.

Doch dass das Streben nach Gleichberechtigung auch Schattenseiten hat, damit gebe ich der Autorin recht, wenn sie nur vermeintlich naiv betrachtend schreibt, “… es ist nicht angemessen, lebenswichtige Dinge wie Kochen, Reinigen, Zuhören oder Kinderhüten für minderwertig zu erklären. Genauso wenig realistisch ist es zu meinen, das, was man ‘Karriere’ oder ‘öffentliche Positionen’ nennt, sei grundsätzlich interessant”. Was interessant oder nicht ist, hat immer auch mit gesellschaftlichem Druck zu tun. Doch dass Gleichberechtigung hinsichtlich geteilter Macht nach wie vor ein Thema für die Frauenbewegung ist, hat sehr treffend Petra Steinberg kürzlich in der SZ geschrieben:

Warum wollt ihr die Macht überhaupt, fragen manche Männer. Und was wollt ihr mit ihr? Sie ist nichts, die Macht, sie macht höchstens krank, dick und Magengeschwüre. Das mag sein. Aber man muss sie erst einmal ausprobieren können, um sich denn vielleicht gegen sie zu entscheiden.

Dagegen entscheiden kann auch bedeuten, etwas Neues zu finden. Dass Begriffe wie Karriere oder Macht mit neuen Inhalten befüllt werden, fern von 60-Stunden-Woche oder Machtmissbrauch – etwas, dass das Leben von Frauen und Männern verbessern könnte.  Auch Ina Praetorius weiß darum und schließt deshalb mit dem hoffnungsvollen Gedanken eines gleichberechtigten Denkens:

… viele Männer haben sich durch die Politik des weiblichen Separatismus daran gewöhnt, dass unser Wissen sie nichts angeht, glauben vielleicht sogar, Frauen wollten nur zu Frauen sprechen und daher seien ihre Aussagen nicht wichtig fürs Ganze. Doch diese Männer hätten trotzdem die vielen Bücher lesen können, die aus den Räumen des Frauenwissens kamen. Warum haben sie es kaum getan? Weil sie von den Attacken der revoltierenden Frauen thematisiert sind? … Eins aber ist sicher: Es gibt auch Männer, die feministische Bücher lesen… Mit ihnen ist zu rechnen, wenn wir uns aufmachen in eine Zukunft, die, weit über Gleichberechtigung hinaus, wohnlich sein wird. Für alle.

Ina Praetorius Buch ist eine mögliche Antwort auf die Frage “Wo sind wir gerade in der Frauenbewegung”, sie ruft Errungenschaften ebenso wie noch zu Erringendes in Erinnerung. Und vergisst dabei nicht den gesunden Menschenverstand.

Ina Praetorius, “Weit über Gleichberechtigung hinaus … Das Wissen der Frauenbewegung fruchtbar machen”. Christel Göttert Verlag, 2009. 80 Seiten, broschiert. 5 EUR.


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Sex, Politik, schlechte Raps und eine persönliche Anmerkung

26. September 2009 von Meredith
Dieser Text ist Teil 13 von 244 der Serie Kurz notiert

Die Woche geht zu Ende und der Wahlkampf endlich auch. Ein paar Themen haben wir nicht angesprochen, manche nur verkürzt.

Es ist schon interessant: Die Tatsache, dass die beiden wichtigsten Kandidaten für das Amt des Bundeskanzlers eine Frau und ein Mann sind, spielt in den offiziellen Medien dieses Jahr null Rolle. Das ist eigentlich schon fast erstaunlich, wenn man bedenkt, wie vor vier Jahren noch mit Merkel umgegangen wurde. Wenn man mal von der ungünstigen Frau Lengsfeld absieht, hat diese Tatsache auch im Wahlkampf der Parteien keine Rolle gespielt, dafür gab es dann Dienstwagenaffären und Banker-Geburtstage.Trotzdem ist Sexismus etwas, das genau so wenig aus dem Feld der Politik verschwunden ist, wie aus jedem anderen Feld, was man in einer Wahlplakategalerie auf Spiegel Online gut nachvollziehen kann. Und wir müssen uns ja nur an die Plakate der Grünen von Kaarst erinnern, die mit einer Kampagne, die es schaffte, zugleich sexistisch und rassistisch zu sein, immerhin den Ort Kaarst in der Landkarte des kollektiven Bewusstseins markierten.

Aber auch in diesem Wahlkampf scheint es, als wäre trotz allem die geschlechtliche Dichotomie der Kanzlerkandidaten eine unwiderstehliche Steilvorlage für jede und jeden, der seinen sexistischen Denkstrukturen mal ein bisschen laufen lassen will. Das war vor allem in humoristisch gemeinten Beiträgen der Internetgemeinschaft zu sehen, die von den Parteien mal mehr, mal weniger goutiert wurden.

Vor ein paar Tagen habe ich ein Video gepostet, das vergangene Woche von einer oder einem Unbekannten auf youtube gestellt wurde und bei vielen Mitgliedern der SPD ziemlich gut ankam. Es ist eine Art Rapvideo, das sich explizit gegen die Union richtet und vor frauenfeindlichen Formulierungen nur so strotzt:

Weil einige Hinweise kamen, dass ich aus lauter Kurzschlusswut ungerechtfertigterweise die SPD für den Inhalt des Videos verantwortlich und also meinen Recherchepflichten nicht nachgekommen war, fiel die Entscheidung, den Beitrag wieder offline zu nehmen. Für alle, die gerne darüber diskutieren möchten, ist es jetzt wieder hier.

Persönlich habe ich mich nicht so sehr über das Video an sich geärgert, hallo, ich mag Atzenrap manchmal sogar gern. Was mir in dieser Sache miese Laune macht, ist, dass das Lied offenbar bei vielen SPDlern so gut ankam, weil ich die erste Strophe selbst für einen Stimmungsmacher unangemessen agressiv und misogyn finde. ich finde, dass dies einer Partei, die sich laut Programm für die Gleichberechtigung aller Menschen einsetzt, weder geschmacklich, noch intellektuell oder politisch besonders gut steht. Andere haben dazu andere Meinungen.

Das “Steini Girl” wiederum hat nichts gegen so genannte Titten einzuwenden, wie man in diesem Video eindrucksvoll beobachten kann.

Wieder ist nicht klar, ob das ironisch gemeint ist oder wirklich zur Unterstützung Steinmeiers dienen soll. Was nicht gerade für Qualität spricht, auch und gerade wenn man bedenkt, dass das Filmchen von einer “professionellen Produktionsfirma” gemacht wurde. Alles in allem ist es eine billige und mit Abstand nicht so charmante Kopie des “Obama-Girls”, welches im letzten Jahr bekannt wurde. In einem Interview, das die Bild Zeitung mit der jungen Dame geführt hat, zeigt sich dann auch, wie differenziert ihre Geschlechterkonzeption ist: Angela Merkel ist ihr zum Beispiel “einfach zu männlich.” Ahhh.

So, und jetzt Schluss mit Politik, am Wochenende haben wir ja noch etwas anderes zu tun, als Wählen. Manche Menschen gehen z.B. auch saufen und haben dann Geschlechtsverkehr. Sex unter Alkoholeinfluss kann unbestritten extra-super sein. Trotzdem ist es sehr traurig und verstörend, dass laut einer Umfrage 6 Prozent aller Britinnen noch NIE nüchtern Sex hatten. Gründe: Wenn sie nichts getrunken haben, mögen sie ihren Körper nicht und trauen sich auch gar nicht, auf Männer zuzugehen. Das ist jetzt in Anbetracht der britischen Alkoholkultur nicht total überraschend, aber wenn man sich überlegt, welche schlimmen Folgen besoffener Sex eben auch haben kann, für Gesundheit und Geist, und wie übel es ist, wenn man aus lauter Alko-Lust mit einer unpassenden oder sogar falschen Person aufwacht, dann kann man davon ausgehen, dass hier sehr, sehr viele Frauen eine durchweg negative Sexualerfahrung machen. Wie hier ein nationales Alkoholproblem mit einer verkorksten Selbstwahrnehmung zusammen kommen, ist erschreckend.

Sexualität und ein gutes Körpergefühl ist für Frauen in vielen afrikanischen Regionen, dort wo sie als kleine Mädchen Zwangsbeschneidungen erleiden,  gar keine Wahl. Der Hessische Rundfunk hat letzte Woche eine sehr gute und informative Sondersendung zum Thema Genitalbeschneidung bei Frauen gemacht. Anlass ist ein bisschen die neue Verfilmung der Biografie von Waris Dirie, die zwar ziemlich schlecht besprochen wurde, aber zumindest das Thema offenbar wieder mehr in die Öffentlichkeit bringt.



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Gut gebloggt, Löwinnen und Löwen!

26. September 2009 von Barbara
Dieser Text ist Teil 19 von 254 der Serie Die Blogschau

In der Woche vor dem Wahlsonntag wird besonders und hauptsächlich und viel über die Piratenpartei gebloggt. Dazu hatten wir ja auch schon berichtet, inkl. einiger interessanten Diskussionen könnt ihr hier dazu weiterlesen. Auch i heart digital life hat darüber gebloggt, alle Fragen rund um die Piratenpartei noch mal zusammengestellt.

“Indirekt hatten Sie zu Millionen Menschen Sexualkontakt” – darüber hat die diestandard.at geschrieben, die Diskussion haben wir auch weiter verfolgt.

Dass es gar nicht so schön ist, dass Suchmaschinen ihren Blog auch mit Porno und Sex und so verknüpfen, darüber hat die stadtpiratin nachgedacht.

Dass Frauen nicht die besseren Kapitalistinnen sein müssen, das behandelt ein Text auf dem Väterblog. Zitiert wird ein Interview aus dem Standard mit der Sozialogin Christa Wichterich. Die Gretchen-Frage “Wäre der Crash auch gekommen, wenn die Lehman-Brothers Sisters gewesen wären?” ist dabei zentral.

Dass das nicht stimmen muss -  “Barcamps: Nichts für Frauen und Geisteswissenschaftler? – beschreibt Nina Theofel bei beziehungsweise. Sie war auf einem Barcamp – und meint, wer twittert, kann auch auf einer solchen Veranstaltung gut bestehen. Denn: “Auf einem Barcamp geht es darum, in einer offenen Umgebung voneinander zu lernen.”

Für eine bessere Vernetzung der (weiblichen) Websphäre listen wir jede Woche auf, was unsere deutschspachigen Kolleginnen und Kollegen über die Woche so melden und tun. Wenn du selbst ein Blog zu Gender- und Feminismusthemen hast, sag unter mannschaftspost(at)web.de Bescheid.


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Smash §218 // Gegen christlichen Fundamentalismus

25. September 2009 von Magda

Unterstützt von der Partei Die Linke und etlichen Organisationen und Aktionsbündnissen – u.a. das Antisexismusbündnis Berlin oder dem LaD.I.Y.fest Berlin – findet morgen, am 26. September 2009, um 12.30 Uhr auf dem Platz vor dem Roten Rathaus (Berlin, Neptunbrunnen) mit “1000 Kreuze in die Spree” eine Gegendemonstration  zu “1000 Kreuze für das Leben” statt. “1000 Kreuze für das Leben” ist eine christlich fundamentalistische ProLife Gruppierung, die mit weißen Kreuzen in verschiedenen Städten wie Berlin oder München demonstrieren, um an die Abgetriebenen zu gedenken. Wenn man sich ein wenig auf ihrer Homepage umsieht, erkennt man schnell, warum die Aufregung um Abtreibung so hoch ist. Da heißt es beispielsweise:

Die Geburtenrate in Deutschland lag 2002 bei 1,39. Damit sind wir von 190 Nationen weltweit an 181. Stelle!

Ein Volk benötigt eine Rate von 2,2 zur Selbsterhaltung. Europa ist mit einer Rate von 1,5 (2001) der einzige “sterbende” Kontinent.

Aha. Es geht also um “Selbsterhaltung” des deutschen Volkes. Christlicher Fundamentalismus gemixt mit einer Prise deutschen Nationalstolz – auf jeden Fall ein triftiger Grund zum Demonstrieren!


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