In Frankreich gibt es Überlegungen, verpflichtenden Vaterschaftsurlaub einzuführen. Ich hatte ja bereits den Kündigungschutz für werdende Väter gefordert, um Elternzeit für Väter zu vereinfachen. So weit zu gehen, verpflichtenden Vaterschaftsurlaub zu fordern, habe ich mich bisher nicht getraut. Ich hörte schon diese Stimmen, die die freiheitlich demokratische Grundordnung gefährdet sehen – durch solch einen staatlichen Zwang zur care-Arbeit. Aber Frauen werden auch gezwungen, wenn sie ein Kind zur Welt bringen, 18 Wochen lang ihrer Erwerbsarbeit nicht nachzugehen. Dies wird, zu Recht, als Errungenschaft einer fortschrittlichen Gesellschaft angesehen. Warum gönnen wir den Vätern denn nicht auch eine solche Auszeit, in der sie intensiv ihren Nachwuchs kennenlernen können?
Hinzu kommt, dass solch ein verpflichtender Vaterschaftsurlaub wahrscheinlich auch ein Umdenken in den Köpfen der ChefInnen bewirken könnte. Folgende, tatsächlich erlebte Geschichte wäre dann hoffentlich anders gelaufen.
Eine Frau mahnte monatelang an, dass einE NachfolgerIn für einen Experten in ihrer Abteilung gefunden werden müsse, da dieser bald in Ruhestand ging. Sie liess keine Gelegenheit aus, sich selbst als Nachfolgerin ins Spiel zu bringen, da sie immer gerne auf diesem Gebiet arbeiten wollte. Eines Tages erklärte ihr der Chef, dass ein Kollege den Experten ersetzen werde. Obwohl er fachlich weniger kompetent war als sie. Die Begründung: dem Kollegen unterstelle man, dass er längere Zeit auf dieser Stelle bleiben werde. Die Frau legte die Begründung so aus, dass von ihr erwartet würde, dass sie aus karrierestrategischen Gründen mittelfristig innerhalb des Unternehmens den Job wechseln würde. Job Rotation alle 3-5 Jahre ist nicht unüblich, wenn man auf der Karriereleiter nach oben will. Ich glaube jedoch, dass damit gerechnet wurde, dass sie in den nächsten 1-5 Jahren schwanger wird und es dann nicht absehbar ist, wann sie wieder in den Job zurück kehrt. Tatsächlich wurde der frisch beförderte Kollege bald darauf Vater.
Sich eher für einen werdenden Vater als eine karriereorientierte Frau zu entscheiden, zeigt, wie unterschiedlich nach wie vor Frauen und Männer im fortpflanzungsfähigen Alter bewertet werden. Wäre aufgrund von verpflichtendem Vaterschaftsurlaub klar gewesen, dass der Mann in einem halben Jahr für einige Monate ausfallen wird, wären die Chancen der Frau auf den Job deutlich fairer gewesen.
So zeigt sich auf frappierende Weise, wie wenig subtil und dennoch vollkommen im Einklang mit Antidiskriminierungsrichtlinien Frauen weiterhin im Berufsleben diskriminiert werden. Niemand hat der Frau offen unterstellt, dass sie mittelfristig für den Job aufgrund von Mutterschaft nicht zur Verfügung steht. Nein, diese Vermutung verpackt man bequem in die Tatsache, dass es noch sowas wie Job Rotation gibt.

Schreibe einen Kommentar
Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.