Es ist noch nicht ganz zwei Wochen her, als Spiegel Online in einer Bilderstrecke zum Finale der Fußballeuropameisterschaft der Männer die Existenz der Töchter der spanischen Nationalspieler glattweg ignorierte (wir berichteten). Über @yeskatiedear wurden wir vor ein paar Tagen auf ein Titelbild der britischen Zeitung The Mail on Sunday aufmerksam und die Strategien männlicher Geschichtsschreibung erreichten hier vorläufig einen neuen Höhepunkt. Es geht mal wieder um ein Sportereignis, diesmal das Finale des Herreneinzels von Wimbledon, in dem der Brite Andy Murray auf den Schweizer Roger Federer traf.
The Mail on Sunday titelte folgendes:

(wörtlich) auf deutsch:
Wir beten alle für dich, Andy!
Wimbledon, Centre Court, 14 Uhr … und eine Rekordzahl von Fernsehzuschauern wird den Atem anhalten, wenn Murray versucht, der erste britische Gewinner seit 76 Jahren zu werden.
Was oder besser wen The Mail on Sunday hier gekonnt ignoriert ist die britische Wimbledonsiegerin Virgina Wade, die 1977 das Turnier gegen die Niederländerin Betty Stöve gewann.
@yeaskatiedear kommentierte diese Titelseite mit den Worten:
NO Mail on Sunday, Murray will NOT be the first British winner in 76 years. Virginia Wade exists. WOMEN EXIST
zu deutsch:
NEIN, Mail on Sunday, Murray wird NICHT der erste britische Gewinner seit 76 Jahren sein. Vigina Wade existiert. FRAUEN EXISTIEREN.
Ja. Frauen* existieren. Auch im (Profi-)sport. Get over it!
Darüber hinaus ist dieser Titel übrigens ein wunderbares Beispiel für zwei Dinge: Selbst die vermeindlich so genderneutrale englische Sprache ist genau das eben nicht. Und: Entgegen der Aussagen der Menschen, die sich durch weibliche Formen, Binnen-Is oder gar Unterstriche in ihrem Lesefluss gestört fühlen, sollte sich keine Frau* der Welt darauf verlassen, dass sie bei der männlichen Form schon mitgemeint sein wird.
Gewonnen hat am Ende übrigens Roger Federer.

Schreibe einen Kommentar
Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.