John Stuart Mill wurde am 20. Mai 1806 in London geboren und verstarb am 8. Mai 1873 in Avignon. Mill war ein englischer Philosoph und Ökonom und gilt als einer der einflussreichsten liberalen Denker_innen des 19. Jahrhunderts.

Mills Kindheit war von der Strenge seines Vaters James Mill bestimmt, welcher ihn in Griechisch, Latein, Algebra, Philosophie, Geschichte und Wirtschaft ausbildete. Beeinflusst durch den englischen Juristen und Philosophen Jeremy Bentham lehrte James Mill seinem hochbegabten Sohn den Gedanken des Utilitarismus („Handle so, dass das größtmögliche Maß an Glück entsteht“). Mit seinem Modell des maximalen Nutzens, welches einen starken Fokus auf individuelle Freiheit setzte, rechtfertigte John Stuart Mill in seinem 1861 geschriebenen Essay The Subjection of Women* die Forderung nach der Gleichstellung der Frau in der Gesellschaft. Sein Werk gilt als eines der ersten systematischen Analysen zur Situation der Frauen** im 19. Jahrhundert.
In The Subjection of Women diskutiert Mill die möglichen Ursachen der Ungleichstellung von Mann und Frau, wie sich dieses Ungleichgewicht in Kultur, Politik und in der Gesetzgebung manifestierte und welche Chancen für die Gesellschaft dadurch verloren gehen. Seiner Analyse nach hindere die geschlechtsspezifische Sozialisation Frauen daran, ihr persönliches Potential – und für Mill noch zentraler: auch das der Gesellschaft – auszuschöpfen.
Nach Mill seien Mädchen einer Erziehung ausgesetzt, welche Unterwürfigkeit und Unselbstständigkeit fördere und ihnen keine Möglichkeiten ließe, eigene Interessen und Stärken weiter zu entwickeln, während Jungs darauf trainiert werden, sich überlegen und zu Großem fähig zu fühlen. Mill verdeutlicht, dass es kaum möglich sei, herauszufinden, ob es natürliche Differenzen zwischen den Geschlechtern gibt, denn geschlechterspezifische Sozialisation würde eine exakte Analyse von vornherein verfälschen. So warnt Mill vor Determinismus: Selbst wenn Frauen und Männer von Natur aus unterschiedlich wären, gäbe es immer Frauen, die für ein politisches Amt in Frage kämen, genauso wie es Männer gäbe, die den Ansprüchen in der Politik oder der Aufgabe des Familienoberhaupts nicht gewachsen seien. Im Sinne des gesellschaftlichen Fortschritts sollten Talente demnach geschlechtsunabhängig gefördert werden.
Eine wichtige Rolle in seinem privaten sowie philosophischen Werdegang spielte seine Frau Harriet Taylor, die er 1851 nach 19jähriger (vermutlich) platonischer Liebe heiratete und mit der er eine enge intellektuelle Beziehung führte. Wieviel Einfluss Harriet Taylor auf Mills Werke hatte, ist jedoch unklar. Sicher scheint, dass zumindest die theoretische Entwicklung einiger von Mills Ideen in Zusammenarbeit entstanden sind. Trotz der eigenen Hochzeit stand Mill der Ehe kritisch gegenüber und verglich diese mit der Institution der Sklaverei, da die gesetzlichen Gegebenheiten einer Ehe einer Sklavin/Master-Beziehung gleichen würde.
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* Die deutsche Fassung des Buches findet ihr hier: „Die Hörigkeit der Frau„.
** Mills Analyse und das darin formulierte Plädoyer für die „Frauenbefreiung“ bezieht sich für jene Zeit nicht unüblich auf weiße Mittel- bzw. Oberschichtfrauen, deren Leben durch ihre Abwesenheit vom Arbeitsmarkt und bedingt durch ihre privilegierte ökonomische Stellung einem so genannten goldenen Käfig glich. Frauen aus der Arbeiter_innenklasse und/oder Nachkommen von (ehemaligen) Sklav_innen und deren spezifischen Erfahrungen in der Arbeitswelt sind in Mills Analyse abwesend.
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