Wenn wir von einem „Schönheitsideal“ reden, sprechen wir häufig über Jugend, makellose Haut und vor allen Dingen Gewicht – im günstigsten Falle nicht zu viel davon – aber natürlich auch nicht zu wenig: Die Grenzen von „schön schlank“ und „viel zu dünn“ sind da schwammig und man fragt sich, ob eine Frau diesem Ideal überhaupt je gerecht werden kann (geschweige denn möchte), ohne Gefahr zu laufen, gleich wieder negativ aufzufallen (dazu passt diese Meldung über Paris Hilton und Lindsay Lohan, die immer dünner werden). Aber ein Schönheitsideal muss schwer zu erreichen sein, sonst hielte es Frauen (und immer mehr auch Männer) nicht kontinuierlich beschäftigt – sei es, darauf hinzuarbeiten, sich darüber zu ärgern oder es ganz und gar abzulehnen.
Dass so ein Ideal nicht nur etwas mit einer bestimmten Körperform zu tun hat, sondern auch mit einer weißen Hautfarbe, wurde besonders in letzter Zeit in US-amerikanischen Blogs kritisch diskutiert. Im Laufe des letzten Jahres häuften sich Berichte über das weißer Airbrushen von öffentlichen Personen wie Beyoncé Knowles, Sängerin, oder Freida Pinto, Schauspielerin, bekannt aus „Slumdog Millionaire“ (vgl. racewire.com), was vermuten lässt, dass Schönheit nicht nur mit dem Entfernen von Hautunreinheiten oder dem Glätten von Gesichtsfältchen zu tun hat, welche regelmäßig mit diversen Fotoprogrammen wegretuschiert werden, sondern auch mit Weißsein: Auf den Laufstegen sieht man häufig nur weiße Frauen – gute 95% (vgl. jezebel.com). In Zeitschriften und Magazinen sieht es nicht anders aus.
So mag die aktuelle Debatte über den Einsatz von bestimmten Tennisspielerinnen auf „Wimbledons geheiligten Centre Court“ nicht überraschen: Spielen durften dort vor allem Frauen, die dem gängigen Schönheitsideal entsprechen – und auch weiß sind. Sportliche Leistungen stehen weniger im Vordergrund; so hatten die Fünfte auf der Rangliste Svetlana Kuznetsova und die Zweitplatzierte Serena Williams noch nicht die Ehre, dort zu spielen. Ein Sprecher des All England Club, Johnny Perkins, gab in der Daily Mail auch freimütig zu: „Good looks are a factor. It’s not a coincidence that those [on Centre Court] are attractive.“
Der Sexismus ist vielen offensichtlich: Frauen, die einem bestimmten Schönheitsideal entsprechen, werden anderen – sportlich auch erfolgreicheren – Frauen bevorzugt. Die rassistische Dimension, zeigt sich etwas versteckter, aber wird bei genauerem Hinsehen auch deutlich: Die Top 10 der schönsten Tennisspielerinnen der 2009er Australian Open sind alle schmal, hochgewachsen, überwiegend blond und weiß.
Ein Schönheitsideal, welches nicht nur u.a. eine schlanke Gestalt und Jugend beinhaltet, sondern auch das Weißsein in den Mittelpunkt stellt, offenbart nicht nur dessen eklatanten Sexismus und Jugendwahn, sondern auch rassistische Dimensionen, welche insbesondere Women of Color gesellschaftlich äußerst ungünstig situiert. Sie werden nicht nur häufig medial marginalisiert, sondern können einem Schönheitsideal, welches weiße Hautfarbe als eines seiner Grundpfeiler versteht, gar nicht gerecht werden – es sei denn, man bearbeitet ihre Gesichter mit Photoshop so lange, dass sie (fast) der weißen Norm entsprechen.

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