Aus Norwegen gibt es „Gleichberechtigungs-Neuigkeiten“. Ab 2015 soll der einjährige Militärdienst nicht ausschließlich für Männer sondern für alle gelten. Die Armee an sich soll aber nicht vergrößert werden.
Eingesetzt für diese Änderung hatte sich vor allem eine junge Politikerin, Ingrid Marie Isachsen Sylte, der Sozialistischen Jugend. Sie hatte im März auf dem Parteitag ihrer Partei einen Antrag eingebracht. Diese war dem Vorschlag gefolgt und bald schlossen sich fast alle anderen Parteien der Idee an. Bei der Abstimmung im Parlament in der letzten Woche gab es dann auch nur fünf Gegenstimmen. Einzig die Christdemokraten waren nicht von der „geschlechterneutralen Wehrpflicht“ überzeugt.
Und das ist jetzt toll? Das ist jetzt ein großer Schritt für mehr Gleichberechtigung? Ein „historischer Tag“, wie es Verteidigungsministerin Anne-Grete Stroen-Erichsen verkündete?
Ich finde es geradezu schwer verständlich wie sich aus einer linken (feministischen?) Position heraus voller Begeisterung auf ein solches Projekt gestürzt werden kann. Das Militär ist ein Teil von Kriegsmaschinerie, ein Ort von Gewalt und verbunden mit militanten Männlichkeitsbildern. Doch diese Punkte werden nicht an sich hinterfragt, sondern einfach ein kleiner „Gleichberechtigungs“-Stempel drauf geknallt. Genauso „fair“ wie eine Wehrpflicht, die alle einschließt, wäre ja auch die Möglichkeit gar keine Wehrpflicht – oder sogar gar kein Militär – zu haben.
Frauen in der norwegischen Armee gibt es auch schon länger. Seit 1976 können sie einen freiwilligen Militärdienst leisten. Zur Zeit stellen sie neun Prozent des Militärs. Das Ziel von 15 Prozent Frauenanteil wurde damit aber nicht erreicht. Dazu kommt, dass derzeitig etwa 20 Prozent aller Soldatinnen ihren Dienst abbrechen und dies damit begründen, dass sie gemobbt oder sexuell belästigt wurden. Es scheint also offensichtlich Probleme in den bisher immer noch männlich dominierten Strukturen zu geben. Sollten nicht erst einmal diese angegangen werden bevor man Frauen – zumal unter dem Deckmantel der „Gleichberechtigung“ – derartige Arbeitsbedingungen zumutet?
Ob sich der Anteil der Soldatinnen überhaupt mit dem neuen Gesetz verändert ist jedoch auch fraglich. Schon jetzt wird nur ein Bruchteil des jeweiligen Jahrgangs eingezogen: Ausschlaggebend dafür ist auch die Motivation der Gemusterten. Der großer Umbruch scheint wohl so oder so mehr Symbolpolitik zu sein.

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