Manche Männer kann man einfach nicht ernst nehmen. Den Papst zum Beispiel. Bevor er vergangene Woche zu seiner Afrika-Reise aufbrach, erklärte Vatikanchef Benedikt, Kondome verschlimmerten das AIDS-Problem. Auf dem schwarzen Kontinent angekommen, spricht er sich gegen Abtreibung aus – auch bei akuter Gefahr für die werdende Mutter. Naja, vielleicht sei dem heiligen Vater da eine Bemerkung falsch in den Mund gelegt worden, mutmaßt Johannes B. Kerner in seiner Talkshow. Und wenn schon, die Meinung der katholischen Kirche zu Verhütung, Geburtenregelung und Abtreibung hat sich in den vergangenen Jahrzehnten nicht eine Rosenkranzperle weit fortbewegt.

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de
Ich weiß nicht, wie oft ich mich in den vergangenen Jahren über die Position der katholischen Kirche gegenüber Frauen, Safer Sex, Empfängnisverhütung und Abtreibung aufgeregt habe… und ich finde, es lohnt sich auch nicht mehr. Vegangene Woche bin ich aus dem Verein namens Kirche ausgetreten, eine vor allem von Wut und Entrüstung geprägte Entscheidung.
Weil ich aber finde, dass diese Wut in etwas Positives umgewandelt werden sollte und auch den ewig gestrigen Äußerungen des Papstes und ähnlicher Kirchenvertreter mit Aktivismus statt mit Kopfschütteln begegnet werden sollte, hier mal einige Moralapostel, die auch anders können:
Zum Beispiel die Theologin Uta Ranke-Heinemann, die sich schon 1987 mit der Kirche überwarf, als sie der Jungfräulichkeit Marias genauer aufs Laken gucken wollte. Fazit: Entzug der Lehrerlaubnis. Seitdem meldet sich die 81-Jährige immer wieder streitbar zu Wort, schimpft den Papst einen Verbrecher und klagt seine rückwärtsgewandte Sexualmoral als verantwortlich für Krankheit und Tod zahlloser Menschen an.
Gemäßigter, aber nicht weniger entschieden tritt der Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke auf. In der Zeit spricht sich der Katholik für den Gebrauch von Kondomen zum Schutz gegen AIDS aus:
„Kein Tabu beim Thema Kondom, aber auch keine Mythen und Verharmlosungen, als sei damit die Welt in Ordnung“, sagte Jaschke. „Kondome können schützen, aber oft lehnen Männer sie ab.“ Deshalb bräuchten Frauen Hilfe, zum Beispiel durch eigne Kondome für Frauen.
Zwar widerspricht der Bischof dem Vorwurf, die Kirche versuche die Menschen einzuschüchtern, aber endlich mal jemand aus den katholischen Reihen, der nicht das folgsame Lamm gibt.
Eine Aktion ohne große Worte leistet sich die spanische Regierung. Spanien, sonst erzkonservativ und katholisch bis aufs Stierblut, schickt eine Million Kondome nach Afrika, ließ das Gesundheitsministerium verlautbaren.
Nicht zu vergessen sind die zahlreichen Hilfsorganisationen wie die Deutsche Aidshilfe, Unicef oder unaids.org, die lautstark gegen die Papstäußerungen protestierten. Schließlich macht so ein Satz deren intensive Arbeit dort zunichte, wo Menschen sich, statt auf praktische Aufklärung, auf den vermeintlichen Trost ihrer Kirche verlassen.
Wer sich jetzt mal wieder fragt, was das hier mit wilden Mädchen zu tun hat, der denkt bitte daran, dass sich vor allem Frauen schnell mit HIV infizieren können und dass es oft besonders an uns liegt, Kondome zu nutzen. Denn wer kennt sie nicht die Situation, in der der One-Night-Stand darauf drängt, aufs Kondom zu verzichten, weil es viel geiler sei, er ohne besser könne, mehr spüre und sie sich mal nicht so anstellen soll. Da muss Frau sich durchsetzen und auf das mit bestehen, sonst bleiben die Hosen eben oben. Denn im Ernst, wer will es schon mit dem Papst und der katholischen Kirche halten und auf deren Empfehlung, Enthaltsamkeit genannt, setzen? Eben!

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