Was Mädchen und Jungs wirklich wollen

von Susanne

Wow, man weiß bei Sexismus manchmal echt nicht, ob man lachen oder heulen soll. Das hier zum Beispiel, auf das uns unsere Leserin Miriam aufmerksam machte, ist einfach nur bescheuert:

Das sind also zwei sich ergänzende „Chemie“-Baukästen für Mädchen und Jungs, und zwar ganz ordentlich – wie es sich gehört – auf die Bedürfnisse des jeweiligen Geschlechts abgestimmt.

Den Jungs wird versprochen, etwas für ihren Grips zu tun und Wissenschaft wird ihnen schmackhaft gemacht in ansprechender, jugendgerechter Sprache, nämlich als „totally funky science“:

Mädchen dagegen will man lieber von so anstrengenden Sachen wie Wissenschaft verschonen und will ihnen auch nicht androhen, ihr Gehirn benutzen zu müssen. Nein, die Girls können „entspannen und mit verschiedenen Düften experimentieren“:

Puh. Und wer jetzt sagt, das sei halt Amerika, dem empfehle ich wärmstens die Spielzeugabteilung des ortsansässigen Kaufhauses.

(Dank an Miriam für den Link.)




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Eintrag geschrieben: Donnerstag, 16. Oktober 2008 um 11:29 Uhr unter Zeitgeschehen. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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5 Kommentare

  1. hn sagt:

    also vor allem bei dem „4boys“ produkt kann ich nicht erkennen, dass es „speziell für jungs“ wäre… was sollte mädchen davon abhalten „totally funky science“ zu betrieben?
    naja und ein kasten zur seifenherstellung etc mit ner badewanne voll schaum zu illustrieren liegt auch nahe, also ich seh das problem nicht wirklich… ich nehme mal an, dass sich in beiden kästen zutaten und anleitungen finden werden, inklusive kindgerechter erklärungen…

  2. Susanne sagt:

    @ hn: Hm, nun schreibt aber Elle Ph.D. recht deutlich, dass es sich bei der ausgestellten Ware um ein „Science Set Girls“ und „Science Set Boys“ gehandelt habe. Klar können und sollen die tauschen, aber so wie es angepriesen wird, ist es einfach nur bescheuert.

  3. Miriam sagt:

    hn, einen ähnlichen Kommentar kann man bei Elle Ph.D. auch lesen, und ich finde, Frau Doktor hat da etwas sehr sinnvolles drauf geantwortet:
    – Wenn das „funky science kit“ für beide Geschlechter gedacht ist, warum brauchen Mädchen dann nochmal extra eins?
    – Die Kästen waren so aufgebaut, dass es auf der einen Seite die „Funky science kits“ gab und auf der anderen Seite die „Totally glamorous spa kits“, was sie als sehr absichtlich empfunden hat. Und ich muss gestehen, dass ich das ähnlich sehe. Wenne s 5 verschiedene Baukästen gewesen wäre, gut, dann hätte man deinen Einwand gelten lassen können, aber wenn es 2 verschiedene Kästen sind und die dann auch noch so präsentiert werden „auf der einen Seite – auf der anderen Seite“, da wird die Intention schon klar, oder?
    – Die Farbgebung ist ja nun auch eindeutig, pastel für Mädchen, dunklere Farben für Jungs
    – Der Kopf auf dem Funky science kit ist ein Jungenkopf

  4. Ich sehe die Sache gleichzeitig noch von einer anderen Seite: viele, aber nicht alle Mädchen fragen nach den praktischen Wirkungen und Konsequenzen von Dingen, zum Beispiel Chemiebaukästen. Und sie achten auf ihren Körper. Viele, aber nicht alle Jungen neigen zu der Beschäftigung mit abstrakten Vorgängen, deren praktische Konsequenz nicht im Fokus ist. Und achten wenig auf ihren Körper. Beide sollten darauf endlich nicht mehr festgenagelt und in eine bestimmte Richtung gedrängt werden. Aber es ist auch nicht gut, die Neigung vieler Mädchen abzuwerten als belanglos und nur der „hohe Geist“ der Jungen – also männliche Kultur – zählt.

  5. hn sagt:

    @Miriam: ok, wenn es wirklich nur 2 kästen gibt hast du natürlich Recht, ich dachte, das wäre vergleichbar mit den 375 Kosmos-Experimentierkästen (die es ja auch von „Kristallzucht mit Halsketten-Kreationszubehör“ bis „Profi-Elektronik“ gibt).
    Aber dass der Jungs-Kasten dunkler wäre würde ich nicht meinen: da ist auch ein Regenbogen drauf, Lila Baum-dings, Gelber Hintergrund, — dunkel ist was anderes… Das Kind auf dem Kasten hat auch nur ne Kurzhaarfrisur, muss nicht unbedingt ein Bub sein (und eine sinnvolle Begründung hätte ich auch noch; Mädchen die zu diesem Experimentierkasten greifen haben mit einiger Wahrscheinlichkeit keine langen Haare, versengen zu leicht beim forschen. Während andererseits mit 5mm-Schnitt Haarpflegeprodukte nicht wirklich attraktiv sind [gut, aber das Mädchen in der Badewanne ist schon stark an Mrs. Flintstone angelehnt, da gibts kein drumrum]).

    Und noch eins hinterher: „totally soothing but REAL chemistry“ steht drauf, um die forschungseifrigen Mädchen auch mal in die Dusche zu bekommen: „hier, mix dir deine Seife, aber dann auch mal waschen ja, nach dem Buttersäureexperiment letzte Woche…“ :D