Alle die hofften, der Quotenmann meldet sich nicht mehr zu Wort, muss ich leider enttäuschen! Ich habe über Weihnachten und Neujahr nur Urlaub gemacht und bin nun in alter Frische wieder zurück. Dieses Mal mit einem Thema, das schon ein alter Hut ist, aber ich hab mich noch nicht darüber ausgelassen – darum müsst ihr da nun durch.
Es geht um „Fickgeschichten“ – Sex nur des Sexes wegen, mit keinerlei Bedeutung und einem einzigen Ziel: einen Orgasmus zu haben. Genau darüber hatte ich vor kurzem ein Gespräch: alles für mich aufgeklärte Jungs und ein Mädchen. Natürlich haben die Jungs erst mal geprahlt, wie viele sie schon hatten, wie toll das ist und überhaupt, was für Hengste sie wären. Als dann die Dame in der Runde auch ihre sehr liberale Meinung dazu mitteilte und die meisten der Buben „übertrumpfte“, schwenkte die Stimmung schnell von „cool“ zu irgendwas zwischen „Neid“ und „wie kann die nur“.

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de
Ich fand es toll. Ja – ich liebe Frauen, die ein ausschweifendes Sexleben haben. Und ich liebe sie noch viel mehr, wenn sie dazu stehen. Ich will hier nicht falsch verstanden werden, ich liebe auch Frauen, die wenig Sex haben, das soll schon jede für sich selbst bestimmen. Und „lieben“ meine ich hier nur im platonischen Sinne. Aber ich finde es einfach toll, wenn es Frauen gibt, die sich eben nicht vorschreiben lassen, dass sie vernünftiger und zurückhaltender sein müssen als Typen – warum auch? Wer Sex haben will, soll ihn haben und sich nicht dafür schämen müssen.
Aber leider ist es noch lange nicht so weit. Über Freundinnen von mir, mit häufig wechselnden SexpartnerInnen, wird weit häufiger gelästert als über Freunde mit ähnlichem Verhalten. Natürlich, über die Männer wird auch getratscht, aber meist in einem ganz anderen Ton. Warum ist das immer noch so? Fühlen sich die Männer in ihrer Ehre verletzt, wenn sie eben nur zum Sex herhalten durften? Sind sie dann vielleicht nicht mehr diejenigen, die aufreißen, sondern vielleicht sogar aufgerissen werden?
Ich muss ehrlich sagen, ich verstehe es bis heute nicht. Männer, die gerne einfach nur Sex mit Frauen haben möchten, sollten sich doch freuen, wenn es auch gleichgesinnte Frauen gibt. Das macht doch alles einfacher. Kommt mir nun bitte nicht und behauptet, ich schreibe dies nur, um mehr Sex zu haben – ich lebe seit längerem in einer festen Beziehung. Aber es ärgert mich jedes Mal wieder, wenn Frauen für etwas schief angesehen und Männer dafür bewundert werden.
Natürlich ist mir klar, dass es früher noch schlimmer war, aber gut ist es heute auch noch nicht. Diskussionen über Sex sind immer noch mit vielen geschlechtlich unterschiedlichen Tabus belegt – und bei nur wenigen Themen werden so harte „Moral-Maßstäbe“ angelegt wie bei diesem. Ich fände es toll, wenn diese Hüllen fallen würden. Ich denke, dss würde jeder und jedem Einzelnen gut tun, der Sex würde besser (lockerer/einfacher) werden, da ungezwungener und keineR müsste sich dafür schämen.
Um das noch klar zu stellen: Mir geht es nicht darum, dass alle mehr Sex haben. Ich bin sogar davon überzeugt, dass ein ungezwungenerer Umgang mit dem Thema Sex auch für Leute, die dies nicht ausleben wollen, Vorteile hat. Sie würden viel weniger als „Spießer“, „Langweiler“ oder was weiß ich noch alles gelten. Wenn Sex das Image in die eine Richtung nicht zerstört, tut es dies in die andere auch nicht.
Wer Sex haben will, soll ihn haben, wer nicht, lässt es halt bleiben – und die anderen sollten endlich aufhören, dies zu beurteilen.

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