Ab und zu wach ich morgens auf und denke: Ab heute ist alles gut. Du hast bestimmt schon acht Stunden keinen sexistischen Scheiß gehört, warum sollte es in Zukunft anders sein?
Diese Überzeugung hält normalerweise nicht lange, was ich jedoch am letzten Freitag des Januars zu lesen bekam, topt meine gewohnte Desillusionierung um Längen.
Das städtische Zuschüsse für frauenspezifische Vereine gekürzt werden, bin ich ja beinahe gewohnt. Das frauenspezifische Vereine ihre Angestellten unter Marktwert bezahlen müssen und das Geld ansonsten knapp ist auch.
Das die schuldenfreie Stadt Düsseldorf den Kulturzuschuss insgesamt nicht verringert, jedoch eine Kürzung beim Verein für Frauenkommunikation „kom!ma“ um 25% vornimmt, ist schon eine besondere Härte. Das die Kürzung des Zuschuss von „kom!ma“ die einzige Kürzung im Kulturhaushalt ist, ist einfach nur noch dreist.
Aber warum sich an Interpretationen abarbeiten, wenn der Vorsitzende des Kulturausschuss Friedrich G. Conzen seinen Sexismus auch noch niederschreibt und verschickt.
Aus dem Schreiben des Vorsitzenden der CDU-Ratsfraktion Düsseldorf, Friedrich G. Conzen, zur Kürzung des Zuschuss von „kom!ma“:
„Unsere Stadt ist daher in der glücklichen und nahezu einzigartigen Lage, bei nur wenigen und vergleichsweise marginalen Kürzungen einzelner Etats die Unterstützungsleistungen insbesondere im sozialen – und aber ausdrücklich auch – im kulturellen Bereich auf gleichem Niveau wie im vergangenen Jahr halten zu können.“
Wir halten fest:
- marginal = 25%
- wenige = „kom!ma“
- Niveau = Gesamtetat des Kulturausschuss
(Wenige heißt für mich mindestens Zwei, denn eine wäre ja „eine“ – aber da haben Sie sich wohl marginal „verschätzt“, Herr Conzen.)
„Wir wollen, dass unsere Stadt ihren Handlungsspielraum unter allen Umständen bewahrt. Leider sind dafür Einschnitte erforderlich, die, wie in ihrem Fall, allen Beteiligten ein erhöhtes Maß an Kompromissbereitschaft abverlangen. (…) ich bitte Sie, (…) ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, dass sich Düsseldorf noch in einer finanziell sehr privilegierten Lage befindet, die es mit vereinten Kräften zu bewahren gilt.“
Wir halten fest:
- alle Beteiligten = Frauen
- Einschnitte = Kürzung von „kom!ma“
- Kompromiss = einseitig bestimmte Übereinkunft
- vereinte Kräfte = Frauen
- finanziell privilegierte Lage entsteht durch finanzielle Einschränkung von Frauen(vereinen)
„Zudem berücksichtigt die Kürzung ihres Budgets maßgebliche gesellschaftliche Veränderungen, die sich seit der Gründung Ihres Vereins vor fast 30 Jahren vollzogen haben. Seit April 2008 heißt zum Beispiel das Frauenbüro der Stadt inzwischen „Büro für die Gleichstellung von Frauen und Männern“.“
Das ist wirklich phänomenal: Ich muss nur etwas umbenennen und schon verändert sich die Gesellschaft! Super Frau Conzen, probieren wir das doch gleich mal aus… schon gibt’s eine Stadträtin mehr. Jetzt nur noch weitere 20 Städträte und wir brauchen keine Frauenförderung in der Düsseldorfer Politik.
Also gut: Frau Buschhüter, Frau Cardeneo, Frau Eßer, Frau Dr. Fils, Frau Friedel, Frau Gutt, Frau Hartnigk, Frau Hösler, Frau Janetzki, Frau Kirschbaum, Frau Klein, Frau Kretschmann, Frau Kurth, Frau Maaßen….
„Gender Mainstreaming steht im Mittelpunkt der Arbeit dieser Institution [des Ausschusses für die Gleichstellung von Frauen und Männern vermutlich – Anm. der Bloggerin], nicht mehr allein der Kampf für die Rechte der Frau. (…) Dabei schließen wir uns der Definition des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend an, die besagt, dass Gender Mainstreaming darauf abzielt „bei allen gesellschaftlichen Vorhaben die Lebenssituation von Frauen und Männern von vornherein und regelmäßig zu berücksichtigen, da es keine geschlechtsneutrale Wirklichkeit gibt.“ Insofern begrüßen wir auch, dass Ihre Veranstaltungen Männern und Frauen offen stehen, wobei wir dies allerdings im Zuge der Gleichstellung der Geschlechter für eine Selbstverständlichkeit halten.“
Inwiefern haben Sie denn die Lebenssituation von Frauen in der nicht geschlechtsneutralen Wirklichkeit bei der einzigen Kürzung im Kulturhaushalt bedacht, Frau Conzen?
„Ihrem Selbstverständnis als einziger Verein, der „selbstbestimmte und selbstbewusste Frauen- und Lesbenkultur“ anbietet, können wir nicht uneingeschränkt zustimmen.“
In welchen anderen Vereinen, die Zuschüsse aus dem Kulturhaushalt der Stadt Düsseldorf erhalten, bestimmen denn Frauen über das Programm, Frau Conzen? Wahlweise definieren Sie doch bitte „selbstbestimmt“!
„Wir sind überzeugt davon, dass Ihnen auch nach der Kürzung Ihres Zuschuss genügend Spielraum für die Aktivitäten Ihres Vereins verbleibt. Sie würden Sensibilität für die aktuelle wirtschaftliche Situation in Düsseldorf beweisen, wenn Sie die aktuelle städtische Unterstützung in Höhe von mehr als 40.000 € zum Anlass nehmen würden, Ihre Planung diesem neuen Rahmen anzupassen statt ein Anspruchsdenken zu pflegen, das unangemessen wirkt.“
Nach meinen Informationen beträgt der gekürzte Zuschuss ca. 53.000 €. Wie Sie davon die Geschäftsführung bezahlen wollen, ist mir schleierhaft – nein, stimmt nicht: Frauen müssen ja nicht angemessen bezahlt werden.
Räumlichkeiten werden Ihres Erachtens auch überbewertet, denn Frauen arbeiten doch schon immer (von) zuhause?
Referentinnen gibt’s auch für einen Spottpreis, schließlich sind diese ja schon froh, wenn sie überhaupt Aufträge kriegen?
Sensibilität ist Frauensache oder -pflicht?
Das Einzige was völlig unangemessen wirkt, sind Sie, Frau Conzen. Das Niveau wäre für alle Beteiligten deutlich besser, wenn Sie Ihre Fraktion marginal um ihre Person kürzen. Wobei: Nehmen Sie doch besser die gesamte CDU-Fraktion mit, denn sie schrieben „Im Namen meiner Fraktionskolleginnen und –kollegen (…)“.
Tschö, Frau Conzen.
Stephanie Mayfield
E-Mails nimmt Friedrich G. Conzen sicherlich gerne entgegen: bmfriedrichconzen@duesseldorf.de
Mehr Informationen und den vollständigen Brief gibt’s beim virtuellen feministischen Zentrum.

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