Einträge mit dem Tag ‘Schönheitsnormen’


Geschickt(er) gendern, Intersex-Aktivismus und UNICORNS IN TECH

7. April 2016 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 313 von 365 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Beiträge

Hilfe benötigt der Wagenburg Kanal e.V. (Mo K.) in Berlin. Seit zwei Jahren kämpft die Berliner Immobiliengesellschaft, eine Firma die städtisches Eigentum verwaltet und verkauft, gegen den Kanal und versucht sie zu zwingen einen Vertrag mit einer rassistischen Klausel zu unterschreiben, der es Geflüchteten, Rrom_nja und Menschen ohne gültigen Aufenthaltstitel oder Residenzpflicht untersagt sich auf dem Platz aufzuhalten. Um rechtlich dagegen vorgehen zu können, werden Spenden benötigt.

Hengameh diskutiert in der Kolumne „Habibitus“ in der taz eurozentrische Schönheitsnormen im Iran und resümiert: „Jede soll mit ihrem Körper anstellen dürfen, was immer sie will.

Ab sofort geschickt(er) gendern- mit einem Genderwörterbuch von Johanna Müller.

Das deutsche Studentenwerk startet eine Umfrage zur Situation behinderter Studierender.

Englischsprachige Beiträge

Why The Gender Leadership Gap Is So Much Worse For Women Of Color, ist Thema im Magazin Fast Company.

Wenn schlanke Menschen große Größen auf Modeseiten tragen, läuft doch gehörig was falsch. Warum nicht einfach dicke Models buchen? Eine andere kreative Antwort stellt Dances With Fat vor.

Sommerzeit, nervige Diätwerbungzeit. Keine Angst, hier gibt es Motivation für den Beach Body: „17 Pictures Of Beach Bodies That Will Get You Motivated.“

In diesem Video sprechen vier Intersex-Aktivist_innen über die anhaltende Isolierung und Pathologisierung von Intersex-Menschen.

Termine in Berlin, Kiel, Köln, Marburg und Würzburg
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Förderung für Frauenprojekte, Strafanzeige gegen LaGeSo, Ava-DuVernay-Barbie – kurz verlinkt

10. Dezember 2015 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 305 von 365 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Beiträge

Die Förderungen zahlreicher Arbeitsmarkt-, Integrations- und Frauenprojekte laufen zum 31. Dezember 2015 aus. Darunter befinden sich auch alle Berliner Frauen-Existenzgründungsprojekte. Eine Petition der Gründerinnenzentrale richtet sich an die Berliner Senatorin Kolat mit der Bitte, dass sich der Senat damit befasst. Update von der Petitionsseite: „Wir haben gerade die Nachricht aus der Senatsverwaltung erhalten, dass eine Intermislösung gefunden ist. Ab 01.01.2016 geht es weiter. Vielen Dank für die Unterstützung!“

Die Stiftung „filia“ unterstützt Projekte, die Mädchen stark machen, mit bis zu 5.000€. Der Inhalt des Projekts muss etwas damit zu tun haben, dass Mädchen und Frauen frei von Gewalt leben können und dass sie in der Gesellschaft mitentscheiden. Die Projekte werden von Mädchen und/oder Frauen für Mädchen und junge Frauen gemacht. Bis zum 1. März 2016 nimmt filias Mädchenbeirat Anträge mit Ideen und Plänen für Projekte an.

„Du wünschst dir manchmal eine Superheldin? Eine, die Gewalt gegen Frauen verhindert? Du bist die Superheldin!“ Der Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe (BFF) stellt seine Arbeit vor.

Die re:publica veröffentlicht wieder ein Call for Papers. Das diesjährige Motto ist TEN, da 2016 das 10. Jubiläum der re:publica gefeiert wird.

Mehr als vierzig Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte haben am Montag bei der Berliner Staatsanwaltschaft eine Strafanzeige wegen Körperverletzung und Nötigung im Amt gegen Mario Czaja, Senator für Gesundheit und Soziales des Landes Berlin, und Franz Allert, Präsident des Landesamtes für Gesundheit und Soziales des Landes Berlin (LAGeSo) sowie weitere Verantwortliche eingereicht.

„Mit ihrer Erklärung versucht Frau Zschäpe sich aus der Verantwortung zu ziehen. Dieser Aussage glaube ich kein Wort. Meine von vornherein geringen Hoffnungen, dass mit dieser Erklärung endlich die genauen Umstände des Mordes an meinem Vater aufgeklärt werden, sind enttäuscht.“ – so die Nebenklägerin Gamze Kubasik über die medial groß angekündigte Aussage Beate Zschäpes im NSU-Prozess.

Englischsprachige Beiträge

Der Dozent Steve Locke berichtet von seiner jüngsten Erfahrung mit polizeilichem racial profiling in den USA: „I fit the description…“

Hoffenlich gibt es noch irgendwo eine heimliches Zusatzlager, denn die Ava DuVernay-Barbie, deren Erlös politischen Projekten zugute kommt, war am Montag innerhalb von Minuten ausverkauft…

[Inhaltshinweis: Rape Culture] „If Daniel Holtzclaw’s Victims Were White, Everyone Would Know His Name“: Bei The Root kommentiert Kirsten West Savali die Misogynoir, die das Gerichtsverfahren gegen Daniel Holtzclaw umgibt.

Termine in Berlin, Halle, Linz, Wien

Am 10.12. in Halle/Saale, 19:00 im Audimax: Was hat Präimplantationsdiagnostik mit Eugenik zu tun? Wie kam es in Deutschland zur Legalisierung dieses Diagnoseverfahrens? Und was sagt uns das alles über den aktuellen Stand der feministischen Kämpfe um reproduktive Rechte? Zu diesen und weiteren Fragen spricht die Politikwissenschaftlerin Dr. Susanne Schultz.

Am 12.12. und 13.12. in Berlin, Werkstatt der Kulturen: Dekolonisiert euch! Workshops und Performances zur Selbstreflexion und für kreatives Empowerment.

Am 16.12.in Berlin, Migrationsrat Berlin-Brandenburg, Oranienstr. 34: LGBT*I*Q Perspectives in Self-organised Resistance of Refugees in Berlin and Germany

Am 19. Januar in Linz, AK OÖ, 20.00 Uhr: Uraufführung des Stücks „Geheimsache Rosa Luxemburg.“ Die Wien-Premiere findet am 17. Februar im Theater Akzent statt. In der Bar&CO des Theaters Drachengasse ist das Stück von 29. Februar bis 5. März als Spielserie zu sehen.


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Veganismus – Instrument zur Körpernormierung?

6. März 2015 von Gastautor_in
Dieser Text ist Teil 35 von 44 der Serie (Mein) Fett ist politisch

Lisa, 1987 in Mainz geboren und in einem kleinen Ort in der Nähe aufgewachsen. Wurde streng konservativ erzogen, was mich kritisch gemacht und enorm geprägt hat. Nun sitze ich in Berlin an meiner Masterarbeit zum Thema Veganismus und Geschlecht, weshalb ich mich sehr intensiv mit Geschlechterverhältnissen, Körper und Ernährung befasse und mir die hegemoniale Stellung der Uni dabei umso bewusster wird.

„Ich probiere jetzt mal vegan!“, verkündet mir kürzlich eine Freundin. Ich bin verwirrt. Seit zwei Jahren lebe ich vegan und habe bislang zwar Anerkennung für meine ‚Disziplin‘ erhalten, dennoch wurden meine Tierrechtsbegründungen stets von ihr belächelt und mit lapidarem „Ja… du hast ja Recht, aber…“ oder „man kann’s auch übertreiben“ abgetan. Und jetzt, von 0 auf 100? Woher kommt der plötzliche Sinneswandel? Die prompte Erklärung folgt zugleich: „Damit kann man gut abnehmen“. Ich schlucke,…ach…, so ist das jetzt also.

Vom Antispeziezismus zur Diätformel?

Vegan sein wird gesellschaftsfähig. Überall wird darüber berichtet, geschrieben und kommentiert. Der Blick in die Auslage vieler Buchläden zeigt die explosionsartige Vermehrung von Literatur, Kochbüchern und Diätbibeln, auf denen in großen Lettern „VEGAN“ stehen. Bei Titeln wie „Vegan,Schlank&Fit“ oder „Vegan for fit“ wird schnell deutlich, es geht nicht mehr um den ursprünglichen Veganismus. Nicht um eine, aus Antispeziesismus entstandene und zur Auflehnung gegen herrschende (sexistische) Gewalt- und Machtstrukturen ausgelebte Protestform. Nein, nicht dieser Veganismus. Der neue Veganismus bekommt ein maßgeschneidertes Kleid, ein Korsett, welches durch aktuelle Gesundheits- und Schönheitsvorstellungen gerechtfertigt und durch marktwirtschaftlich geleitete Interessen schön eng geschnürt und angefeuert werden kann. Konzerne wittern ein Millionengeschäft im veganen Lebenswandel, der so schön praktisch alle aktuellen Werte in Bezug auf Körper und Gesundheit in sich zu vereinen scheint. Allein 2014 stiegen die Umsätze bei Sojaprodukten und weiteren veganen Lebensmittel um durchschnittlich 25% im Vergleich zum Vorjahr.

Lebt alle vegan?

Bis vor kurzem war ich noch der Meinung, scheißegal aus welchem Grund. Lebt alle vegan! Denn dem geretteten Tier oder der Umwelt ist es egal aus welchem Grund es passiert. Mittlerweile bin ich genervt, höllisch genervt!: Die Tatsache, dass vegan sein – zumindest wenn man die Auslagen in jeder zweiten Buchhandlung glaubt – eine Figur-Wunderformel zu sein scheint. Das Ganze „Ach ist ja voll gesund! Da wird man schlank!“ stinkt zum Himmel. So erkennt mensch auch beim näheren Hinschauen, dass es bei den zig neuen Büchern, die sich um die ‚ach so gesunde‘ vegane Ernährung drehen gar nicht um Tierschutz oder einen emanzipatorischen Akt geht. Wenn es gut läuft, befindet sich vielleicht ein kleiner Satz à la „Nebenbei die Tierwelt retten“ irgendwo am hintersten Zipfel des Gesamtwerkes, den sowieso kein Mensch mehr lesen wird. Das ursprüngliche Ziel einer veganen Lebensweise, nämlich der Achtsamkeit vor jeglichen Lebewesen, ohne Unterdrückung und Diskriminierung aufgrund der Zugehörigkeit zu einer Spezies sowie durch sie einen Gegenpol zur konventionellen marktwirtschaftlichen Lebensmittelindustrie zu schaffen, gehen in dieser Illusion von der veganen Superkraft völlig verloren. Den Tieren hilft das zwar immer noch, aber die weiteren Konsequenzen sind ziemlich beschissen.

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Fat Girl Casualness

10. Dezember 2014 von Gastautor_in
Dieser Text ist Teil 32 von 44 der Serie (Mein) Fett ist politisch

Katrin bloggt bei Reizende Rundungen über Plus Size Fashion, Fat Acceptance und alltäglichen Flitterkram, und twittert auch unter @fresheima. Mit ihrer freundlichen Genehmigung dürfen wir ihren Blogpost hier zweit-veröffentlichen.

Die Abbildung zeigt einen Ausschnitt aus einer Fotografie eines auf der Seite liegenden Körpers. das Bild ist von vorn aufgenommen. Die abgebildete Person ist offenbar bekleidet mit einem Slip und einem Sweatshirt.

(c) Katrin Lange

Wer kennt nicht diese hübschen Tumblr-Bildchen von dünnen, meist weißen Mädchen, mit wilden Haaren, als wären sie grade aus dem Bett gekommen. Kein Make-Up und schlodderige Kuschelpullis. Sie sind süß und zart und wunderschön, sie sind „effortless“ und natürlich, sie sitzen mit Tea und Buch den ganzen Tag im Bett oder haben eine Katze aus dem Schoß. Draußen regnet es uns alles ist irgendwie ein kleines bisschen mystisch.

Irgendwann letzte Jahr habe ich mal ein Foto bei tumblr gepostet (das da oben), dazu schrieb ich, dass ich grade im Bett liege und den ganzen Tag nur Supernatural gucke. Darauf hin erreichten mich 3 anonyme Tumblr Nachrichten darüber, dass ich meine Zeit lieber im Fitness Studio verbringen sollte, und es nicht verdient hätte nichts zu tun, so wie ich aussehen würde.

Worauf ich damit hinaus will ist, dass ich als fette Frau das Gefühl habe, dass ich immer so aussehen muss, als hätte ich jede Menge Zeit und Muße für mein Aussehen aufgewendet. Dieser Gedanke kommt nicht weniger von Außen als auch von einer selbst. Schon bevor ich einen Blog führte oder mich wirklich für Mode interessierte ging ich fast niemals ungeschminkt aus dem Haus. Das hat natürlich zum einen was damit zu tun, dass ich meine eigene Unsicherheit verdecken wollte, zum anderen war es für mich ein Muss, weil ich so zeigen konnte, dass, obwohl ich fett bin, ich mich nicht hängen gelassen habe. Ich habe schon oft darüber geschrieben, dass Mode für mich der erste Schritt zu einem befreiterem Leben war, der erste Berührungspunkt mit Fat Acceptance und mit einem besseren Selbstwertgefühl. Trotzdem kann ich nicht verleugnen, dass lange Zeit der Gedanke bestimmend war, dass ich, wenn ich hübsch angezogen und nett geschminkt bin, doch jetzt bestimmt besser behandelt werden müsste, anders wahrgenommen werden sollte, weil ich nach außen zeige, dass ich mir Mühe gebe. (mehr …)


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Fette Doppelmoral

16. Oktober 2014 von Magda
Dieser Text ist Teil 30 von 44 der Serie (Mein) Fett ist politisch

Diäten so richtig scheiße finden und zu betonen, dass mensch ja soooo viel esse – ein bisschen gehört das zu einer coolen Feministin™ heute dazu. Ein fettes veganes Buffett und die obligatorischen (Vulva-)Cupcakes – eröffnet mit dem Spruch „Riot, not Diet!“ – finden sich auf vielen queer-feministischen Partys. Viele kritisieren mit erhobener Faust Schönheitsnormen und beißen mit Genuss in den zweiten Double Chocolate Muffin.

Seit nun auch in hiesigen queer-feministischen Kontexten verstärkt über Themen wie der Diskriminierung von dicken_fetten Menschen gesprochen wird, generiert fat shaming – also das Abwerten und Beschämen von dicken_fetten Menschen und ihren Körpern – immer öfter öffentlich Kritik (aktuelles Beispiel: SPIEGEL ONLINE). So befassen sich mehr und mehr Menschen selbst_kritisch mit eigenen Vorstellungen eines – Achtung, Achtung: es folgen große, gesellschaftlich aufgeladene Wörter! – gesunden, fitten und schönen Körpers (argh, wie die Finger beim Tippen schmerzen!).

In meinem Comic „Fat Double Standards“ thematisiere ich etwas, was für viele Menschen schwieriger zu erkennen ist, nämlich wie unterschiedlich die Kritik an Schönheitsnormen gehört wird, je nachdem, wer welche Kritiken formuliert. Kurz beschrieben hatte ich das schon einmal in meinem Text „Fett am Strand. Ist das nicht voll ungesund?„:

Eine dünne Frau isst eine Pizza und findet Diäten “voll blöd”? Voll feministisch! Eine dicke Frau schleckt ein Eis und trägt einen hotten Bikini? Ab zur Ärztin, ist ja voll ungesund!!!

Irgendwann in den letzten Jahren ist es mir aufgefallen: Berühmte Schau­spielerinnen oder Künstlerinnen wie z.B. Lady Gaga, Lena Dunham oder Jennifer Lawrence werden medial und auch von feministischen Aktivist_innen kräftig abgefeiert, wenn sie öffentlich darüber sprechen, dass sie gerne Pizza essen oder Schönheitsideale auch nicht so knorke finden. Schwupps landen sie in viel rezipierten Listen, wie z.B. „Zehn Berühmtheiten, die großartige Ansichten zu Körperbildern vertreten“ (in denen, hüstel, fast nur weiße, schlanke und normschöne Frauen vorgestellt werden, quelle ironie!).

Hier wird Körpervielfalt gefeiert, ohne die Leute in den Mittelpunkt zu stellen, die auf Grund von Fettenfeindlichkeit und anderen Diskriminierungen ausgelacht, belästigt, pathologisiert und ausgegrenzt werden. Und ja, es ist toll, wenn Prominente aller Konfektionsgrößen sich feministisch äußern. Und trotzdem wünsche ich mir mehr fette Vorbilder, weil dann andere Lebensrealitäten und Perspektiven sichtbar werden.

queer fat double standards - september 2014

„Fat Double Standards“ von Magda Albrecht (zur Großansicht: Klick!)

Übersetzung des Comics: Links: Schlanke_r Queer-Feminist_in mit T-Shirt, wo draufsteht: „Große_r Esser_in“, umgeben von Zuschreibungen wie „Krawall, keine Diäten – so subversiv – Normen bekämpfen – isst zwei (!!!) Cupcakes – wirklich coole_r Feminist_in – so heiß, so radikal!“ Rechts: Dicke_r Queer-Feminist_in; umgeben von Zuschreibungen wie: „Faul – beste_r Freund_in (aber nicht Liebhaber_in) – nicht sexy genug für queere Sex Party – inaktiv – aufdringlich – ungesund – gierig – undiszipliniert – zu gewagt“

Das Comic ist im zweiten Teil von „Straying from the Big Q“ erschienen, ein Comic zu queeren Normen (in der Berliner queer-feministischen Szene), welches von der Comic-Künstlerin Henna Räsänen ins Leben gerufen wurde.


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Enthüllt!

24. Januar 2014 von Charlott
Dieser Text ist Teil 57 von 59 der Serie Meine Meinung

Bilder in Magazinen sind bearbeitet. Das ist kein Geheimnis. Ebenso neu ist die Erkenntnis, dass insbesondere Fotografien, auf denen Frauen dargestellt werden, durch Programme wie Photoshop einem dominanten Schönheitsideal angepasst werden. Da wird die Haut Schwarzer Frauen aufgehellt, Oberschenkel verkleinert und Taillen modelliert, die eigentlich nur mit Korsett möglich sind. All das wird zu Recht kritisiert, meistens mit einem Fokus auf die konkreten Fotostrecken und Zeitschriften, leider zu selten im Gesamtkontext aus Kapitalismus, Sexismus, Rassismus und Ableismus, der diese „Schönheitsideale“ und deren Vermarktung mitformt.

Um das Argument zu stärken werden Vorher-Nachher-Bilder gezeigt, die deutlich machen, wie (vor allem) mit Photoshop Fotos manipuliert werden. Die ersten dieser „Beweise“ fand ich noch sehr hilfreich, haben sie doch verdeutlich, was überhaupt möglich ist, einiges was die naive Vorstellungskraft sprengte. Sie ermöglichten das kritische Lesen von (Mode-/Star-)Fotografien und das Einordnen. Doch muss es immer mehr dieser Beispiele geben? Wem nützen sie dann noch? Ist die Aussage nicht irgendwann hinlänglich illustriert und die Kritik könnte sich breiter und tiefer aufstellen? Immer wieder stellt sich mir die Frage, wer denn nun eigentlich noch „enthüllt“ werden soll. Die Medien™ ? Oder nicht doch viel mehr die Frauen, die abgebildet und retouchiert sind?

Ein Beispiel, was perfekt mein über die Jahre gewachsenes Unwohlsein zusammenfasst: In der letzten Woche schrieb das sich selbst als feministisch positionierende Blog Jezebel ein „Kopfgeld“ von 10.000 Dollar aus auf die unretouchierten Vogue-Fotos von Lena Dunham. Die Begründung lautete: „Her body is real. She is real. And for as lovely as the Vogue pictures are, they’re probably not terribly real.“ (Ihr Körper ist echt. Sie ist echt. Und egal wie hübsch die Vogue-Bilder aus sind, sie sind wahrscheinlich nicht sehr echt.)

Doch auch wenn Jezebel versucht deutlich zu machen, dass es ja nicht um Dunham ginge, sondern eben um Vogue, wird dieses Argument nicht einleuchtender nur dadurch, dass es ausgeschrieben wird. Beim Bitch Magazine analysiert Kelsey Wallace sehr passend:

If this were really about Vogue, wouldn’t the offer extend to unretouched photos of any celebrity and not just Dunham? The last and only other time Jezebel offered cash for unaltered pics was in 2007, and that time it was for any magazine with any celebrity on its cover—because that time it really was about calling the fashion industry out for retouching women, not calling out the women themselves for being retouched.

(Übersetzung: Ginge es wirklich um Vogue, wäre dann das Angebot nicht ausgeweitet auf unretouchierte Fotos von irgendeiner Berühmtheit und nicht nur Dunham? Das letzte und einzige Mal, dass Jezebel Geld für unberarbeitet Fotos angeboten hat, war 2007, und zu dieser Zeit ging es um alle Magazine und alle Celebreties auf den Covern – Denn damals ging es wirklich darum die Fashion-Industrie dafür anzuprangern, dass sie Frauen retouchieren, und nicht die Frauen selbst dafür, dass sie retouchiert werden.

Die große „Enthüllung“ durch Jezebel – es dauerte nur zwei Stunden bis sie Bilder vorliegen hatten – zeigte dann, dass die Fotos gar nicht so sehr bearbeitet worden waren. Nach Wallace enthüllt die Geschichte vor allem, dass „Jezebel Dunham ausgewählt hat aus dem gleich Grund wie ihre anderen Gegner_innen: Weil sie nicht glauben, dass sie in ein Modemagazin gehört.“ Und noch mehr: Dadurch das Dunham sich immer wieder körperpositiv äußert, wurde ihr durch Jezebel sämtliche Autonomie abgesprochen, stattdessen schien es ein Recht auf die „ungeschönte Wahrheit“ zu geben. Eine „Wahrheit“/ „Echtheit“, die an keiner Stelle hinterfragt wird und somit implizit ebenfalls alle normativen Vorstellungen von „Schönheit“ mitträgt.

In den meisten Fällen handelt es sich zu dem bei den abgebildeten Frauen um Personen, die auch unretouchiert sehr nah am Schönheitsideal sind oder es gar nahezu perfekt repräsentieren. Ein Fokus auf die Vorher-Nachher-Bilder hinterfragt selten, wer_welche überhaupt dargestellt wird. Also eben jene Punkte, die eine tiefergehende Analyse, wie oben angerissen, leisten sollte. Die Aussage bleibt dann unklar. Schöne ™ Frauen werden noch schöner ™ gemacht? Die unveränderte Schönheit aber ist erreichbar und erstrebenswert? Guck mal, selbst diese Frau, die für andere Schönheitsvorstellungen eintreten möchte, lässt sich ja retouchieren!? In jedem Fall bleibt der Fokus bei den involvierten Frauen, nicht auf dem System.

(Und dann denken wir alle noch einmal darüber nach, was für wundervoller, wichtiger feministischer Aktivismus mit 10.000 Dollar hätte finanziert werden können.)


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Schönheitsnormen, klassistische Vorurteile und Asylpolitik, die tötet – kurz notiert

8. Oktober 2013 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 214 von 365 der Serie Kurz notiert

In den vergangenen Tagen haben sich allerhand spannende Linktipps angesammelt – daher gibt es diese Woche “Kurz notiert” gleich zweimal. Hier Teil 1.

Beiträge auf Deutsch

Am 3. Oktober feierten die Deutschen sich selbst, redeten von fallenden Mauern und offenen Grenzen. Am selben Tag starben hunderte Geflüchtete an einer anderen, nach wie vor tödlichen Grenze; der Küste von Lampedusa. Das Ganze war jedoch kein Unglück, sondern die Folge europäischer Asylpolitik, die maßgeblich von Deutschland vorangetrieben wird. „Für die meisten bedeutet die Freude über den Fall der deutschen Mauer eben nicht eine wirkliche Kritik an Grenzen, die Menschen an ihrer Bewegungsfreiheit verhindern. Es geht ihnen nur um deutsche Bewegungsfreiheit „, schreibt derFreitag.

Einen Tag später hat die taz den Geflüchteten Emad Hassan, der seit dem Lybienkrieg in Tunesien festsitzt, interviewt. Im Mittelpunkt des Interviews standen die Risiken der Flucht. Emad Hassan gab, auf den Tod der Geflüchteten vor Lampedusa angesprochen, eine ernüchterte Antwort: „Man kommt an einen Punkt, an dem man sich blockiert fühlt, es gibt keine Zukunft, nichts, was man ein Leben nennen könnte, kein Vorwärts, kein Zurück. […] Man weiß, dass man ein 80-zu-20-Risiko hat zu sterben. Das ist fast wie Selbstmord, ja, das ist dann auch klar, aber wenn man nichts mehr zu verlieren hat, ist es egal. […] Entweder geht es weiter, oder man stirbt eben“.

Die Pussy Riot-Aktivistin Nadeschda Tolokonnikowa ist eine Woche nach Beginn ihres Hungerstreiks aufgrund der miserablen Haftbedingungen in ein Krankenhaus verlegt worden. Kontakt zu Außenwelt wird ihr dort bisher verwehrt.

Obwohl Migration im Grunde genommen ein historischer Normalzustand ist, ist sie immer wieder hart umkämpft. Warum das so ist, wie Kämpfe um Migration derzeit gestaltet sind und welchen Einfluss die Kämpfe von Migrant*innen auf Kapitalismus, Rassismus und Migrationspolitiken haben, analysiert die aktuelle Ausgabe von kritisch lesen.

Kinder von Nichtakademiker*innen studieren viel seltener als Kinder von Akademiker*innen, selbst dann, wenn sie eine Hochschulzugangsberechtigung (zB das Abitur) erworben haben. Und nicht nur hier zeigen sich Unterschiede: Akademikerkinder wählen Prestigefächer wie Medizin und Jura, auch Psychologie, so die Sozialerhebung. Aufsteiger wählen eher Soziale Arbeit oder ein Lehramtsstudium. Nach dem Bachelor verzichten Nichtakademikerkinder wesentlich häufiger auf den Master. Nach dem Master verzichten Nichtakademikerkinder wesentlich häufiger auf eine Promotion“. Woran das liegen könnte und was es für Ansätze gibt, das zu verändern, überlegt die taz.

Beiträge auf Englisch 

Menschen, die andere auf ihre schlechte Grammatik hinweisen, betreiben damit vorallem eines: klassistisches Silencing. Besser ist: kritisieren was Leute sagen, aber nicht wie sie es sagen.

Kennt ihr diese Fotos und Memes, die irgendwo im Internet kursieren und oftmals viele Likes und Lacher bekommen, weil darauf eine Person abgebildet ist, die nicht den gängigen Schönheitsnormen entspricht? Caitlin Saida hat erlebt, wie es sich anfühlt, genau diese Person zu sein. Und wie sehr es hilft, wenn Leute sich solidarisch zeigen. Seitdem weigert sie sich nicht nur, über derartige Bilder zu lachen, sondern weist auch Freund*innen immer wieder darauf hin: wieso findest du das lustig?

Polayamorie und alles ist gut? Leider nicht, schreibt BLACK GIRL DANGEROUS, denn auch polyamoröse Beziehungen sind nicht zwangsläufig frei von Hierarchien und Gewalt. Deshalb zählt sie neun Dinge auf, die häufig schief laufen.

For Harriet hat eine Liste mit 25 englischsprachigen Büchern zusammengestellt, die für Schwarze Mädchen empowernd sein können.

Der Zugang zu gesunder Ernährung ist keine Frage der Privilegien, sondern eine der Cleverness, lautet ein weit verbreitetes klassistisches Vorurteil. Was an dieser Annahme alles grundlegend falsch ist und warum sie in der Regel von Leuten hervorgebracht wird, die in jeglicher Hinsicht klassistisch privilegiert sind, erklärt poor as folk.

Migration und Flucht sei kein feministisches Thema, bekommt Red Lights Politics immer wieder zu hören. Warum das nicht stimmt und in welcher Weise sich das auch am Beispiel der Geflüchteten zeigt, die vor der Küste Lampedusas ums Leben gekommen sind, erklärt sie auf ihrem Blog.

Termine

The Ruthless Woods sind auf Tour! Die Daten findet ihr hier.

Am 11. Oktober treffen sich ARGE Dicke Weiber in Wien.

Trans*Schwimmen in Berlin: Der Sonntags-Club e.V in Kooperation mit Seitenwechsel e.V. und der Unterstützung von Lambda-BB e.V. können erstmal für 3x Trans*schwimmen in Berlin anbieten. Der erste Termin war schon, die nächsten beiden sind am 26. Oktober und 30. November jeweils 14-16 Uhr im Bearwaldbad, Baerwaldstraße 64-67, 10961 Berlin. Der Eintritt kostet 4,50€ für die 2 Stunden, ein ehrenamtliche_r Ansprechpartner_in ist zugegen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Um diese Angebot in Zukunft aufrecht erhalten zu können, benötigen die Organisator_innen eine konstante Nutzung der Schwimmhalle mit mindestens 40 Nutzer_innen pro Schwimmen, um mit den Eintrittsgelder die nächsten Hallenzeiten zu buchen.


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