Einträge mit dem Tag ‘Charlotte Roche’


An Charlotte Roche. Und gegen den Unwillen zum Wissen!

19. August 2011 von Nadia
Dieser Text ist Teil 38 von 59 der Serie Meine Meinung
© Flickr Nenyaki „Schoßgebete“. Tausendfach im Feuilleton durchgenudelt, alles gehört und gesehen. Inklusive Alice-Schwarzer-Gezeter und Kuscheltalk bei Markus Lanz, Lobeshymnen und Tiraden. Und nun die Zeit, auch einfach mal das Wort mal direkt an die Schreiberin zu richten. Also: Liebe Charlotte!

Ich finde Dich ja eigentlich ganz süß und knuffig. Also, früher zumindest. Und irgendwie sind davon halt auch noch Restbestände vorhanden. Trotz Geschwafel über Sex in Yoga-Hosen (gähn…), Wirsing (schnarch…) und „Wie kann ich dafür sorgen dass mein Typ mich immer toll findet und wir für immer zusammen bleiben werden?“ (Ach, ach… Egal… Egal…). Deswegen will ich Dir heute mal einen schwesterlichen Rat geben: Wenn Du das nächste Mal ein Buch schreibst – und wir alle ahnen ja schon, Du wirst es irgendwann wieder tun – dann lies doch vorher mal eins! Also, ein richtig gutes! Oder, sogar mehrere!

Weil, irgendwie soll es ja bei Dir ums deutsche Durchschnittsleben gehen – Mittelmaß und so, Linse knallhart draufgehalten, trotz dramatischer Vorkommnisse im Leben, trotz moderner Industriegesellschaft und Wandel von Familien- und Genderstrukturen und Individualisierung und so weiter und so weiter. Das finde ich insgesamt ein hehres Ziel, aber da muss man halt bei den Besten in die Lehre gehen. Richard Fords „Sportreporter“-Trilogie kann ich Dir da wärmstens empfehlen. Ford ist seinem Held Frank Bascombe ja zum Teil bis auf die Toilette gefolgt (Ja, ja! Und das vor Deinen „Polöchern“! Schau an, schau an! Voll innovativ, oder?), und das schon vor vielen vielen Jahren. Und um Prostata-Krebs ging es dann auch im letzten Teil: Du siehst also, der gute alte Richard griff auch irgendwie Pipikacke-Themen – ganz zu schweigen von fragilen Beziehungen, Patchworkfamilien und der Angst vor Einsamkeit – auf. Aber: Eben auf hohem literarischem Niveau! Und genau deswegen liest man seine Bücher auch ganz gerne! Weil da zwar irgendwie auch nicht wirklich viel passiert, aber sprachlich doch immerhin allerhand!

Und weil der Ford aber auch einigermaßen unverdeckt reaktionär ist – in Interviews redet er ja zum Beispiel immer total gerne über seine Ehe und dass ohne reproduktive Zweierbeziehungen ja quasi alles geradewegs auf dem Weg der Verdammnis oder zumindest der Unproduktivität landen muss – habe ich noch einen zweiten heißen Tip, und zwar ebenfalls eine Trilogie: Michel Foucaults „Sexualität und Wahrheit“. Da empfehle ich Dir insbesondere Band II und III, nämlich „Der Gebrauch der Lüste“ (Original: L’usage des plaisirs) und „Die Sorge um sich“ (Original: Le souci de soi). (Es gibt noch einen vierten Band, aber das ist eine Geschichte die mit „fragmentarisch“ und „posthum“ zu tun hat, aber das juckt uns jetzt nicht groß. Nur der Vollständigkeit halber.)

Auf jeden Fall untersucht unser Kumpel Michel nämlich unter anderem, wie das Sexualverhalten vom klassischen griechischen Denken als Bereich moralischen Ermessens und moralischer Wahl geprägt worden ist.  Und er stellt die These auf, dass Sexualität den Zugang zum Individuum erlaubt und die Bevölkerung kontrolliert. Und dass sie sowas wie eine Angelegenheit des Staates ist, unter anderem dem Gesundheitswesen und den Regeln einer Normalität untergeordnet.  Und es geht auch um Zwangsheterosexualität und Reproduktivitätsideologie und so. Abgefahren, oder? Ist das nicht der Knaller?! Und ich kann Dir sagen, hach, was sage ich, ich kann Dir versprechen, wer Dein Buch „krass“ findet, ha, also der wird sich bei der Foucault-Lektüre wundern, wie ihm wieder die Füße aufwachen, die ihm vorher vor lauter Wirsing, Würmern, Popo-Kratzen und Heizdecken eingeschlafen sind! Achterbahn der Crazyness sage ich nur! Word!

Du wirst sehen, Deine Geschichte wird dadurch keine bessere (und darum geht es ja auch nicht, Deine Geschichte ist Deine Geschichte, und deswegen belassen wir es dabei. Und niemals – so sagt es zumindest der gute alte Onkel Stephen King in „Das Leben und das Schreiben“ – ist die Geschichte an sich wirklich schlecht, sondern nur die Umsetzung! Und das glaube ich gern, denken wir nur an den Story-Output von „Langoliers“ – aber, ach, das ist ja auch wieder eine andere Geschichte! Was soll`s!). Wie auch immer: Du wirst sie beim nächsten Mal besser aufschreiben können. Bestimmt. Zumindest ein bisschen.

Deswegen, ich hoffe sehr dass Du Dir meine Tips vielleicht zu Herzen nimmst – ich auf jeden Fall würde mich sehr darüber freuen, weil, auch ich finde es immer ganz toll wenn die Leute mit Sachen konfrontiert werden, die ganz krass neu für sie sind und sie mal richtig vom Hocker reißen! Also, „schocken“ wie Du vielleicht sagen würdest, und die auch so ein bisschen an den eigenen alten Denkmustern rütteln! Und: Die einen vor allem ein bisschen von der Pubertätsidee „Ich-kenne-mich-und-deswegen-kenne-ich-Euch-alle-und-ich-sage-Euch-jetzt-mal-wie-…“-Attitüde wegholen. Schöner ist ja immer irgendwie: Jetzt habe ich ordentlich geplappert, beim nächsten Mal habe ich aber mal wieder was dazu gelernt! Und zwar was Richtiges! Du wirst sehen!

Ich bin also schon mächtig gespannt auf Deine nächsten Papier-Geschosse, gucke mir bis dahin nochmal Dein Promo-Video zum neuen Besteller an (Glückwunsch übrigens!), warte auf die Zukunft und sage: In diesem Sinne, sincerely yours! Nadia.

Und P.S.: Alice, falls ich Dich auch erwische – für Dich gilt in weiten Teilen natürlich dasselbe. Und beim nächsten offenen Brief bitte nicht so rumschnauzen. Das war ja zum Ohrenkrebs kriegen, Dein Rumgemecker. Also. Weißte Bescheid!


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I ♥ Charlotte Roche

15. November 2010 von Verena

Sex sells, dass weiß auch Charlotte Roche und bietet Bundespräsident Christian Wulff ihren Körper für den guten Zweck an. Im Spiegel verlangt sie als Gegenleistung, die staatsoberhauptliche Verweigerung des Atomvertrags. Setzt Wulff nämlich nicht seine Unterschrift unter den Gesetzesentwurf zur Verlängerung der AKW-Laufzeit, ist erst mal Schicht im Atomschacht.

Roche ist Attac-Mitglied und inzwischen auch in der Anti-Atom-Bewegung aktiv. Von den Globalisierungsgegnern war sie zu den Castor-Demonstrationen ins Wendland eingeladen worden und hatte dort an einer Kundgebung teilgenommen. ‚Es reicht nicht, einfach nur dagegen zu sein‘, sagte Roche. ‚Man muss das auch öffentlich zeigen – und die Leute im Wendland sehen, die betroffen sind.‘

Eine schöne Idee, zumal die Roche mit ähnlichen körperlichen Attributen punkten will wie Wulffs Ehefrau Bettina: „Ich habe auch Tattoos“. Roches ironische Charme-Offensive dürfte aber wahrscheinlich nicht jede_r toll finden. Zum Beispiel die Welt, wo es heißt:

Charlotte Roche, die sich wegen ihres Machwerks „Feuchtgebiete“ für eine wichtige Person der Zeitgeschichte hält. Neben dem Sex hat sie die Atomenergie entdeckt und in Gorleben dagegen protestiert. Nun will sie gar dem armen Bundespräsidenten Wulff eine Nacht mit ihr schenken – wenn er den Atomvertrag nicht unterzeichnet. Merke: Die Zeiten, in denen Bildung und Klugheit die Erfolgreichen auszeichneten, sind vorbei. Wulff sollte aus putativer Notwehr schnellstens unterschreiben.


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Roche on TV

19. Juni 2009 von Verena

Da lohnt sich Fernsehen doch beinahe wieder: Charlotte Roche wird ab September Ko-Moderatorin bei der NDR Talkshow „3 nach 9“. Gemeinsam mit Giovanni di Lorenzo flimmert die 31-Jährige dann monatlich über den Bildschirm. Roche ersetzt Amelie Fried, die „3 nach 9“ seit 1998 moderiert hatte.

Im Interview mit dem Tagesspiegel erklärt Roche, warum sie sich für so ein traditionelles Talkformat entschieden hat:

Mir wurden immer wieder junge, flippige Sendungen angeboten, aber dazu hatte ich einfach keine Lust. Von vornherein auf das Verrückte festgelegt zu sein, ist langweilig. Ich funktioniere viel besser in einem engen Korsett, beispielsweise bei der Moderation der Berlinale-Show, da blühe ich total auf, weil ich da überhaupt erst etwas sprengen kann. […] Womöglich schockiere ich aber schon, bevor ich überhaupt den Mund aufmache. Alleine, weil ich da sitze oder durch mein Alter. Aber wenn ich das Gefühl habe, ein Gespräch wird zu langweilig, dann kommen solche Dinge wie bei Robbie Williams raus. Ich will das nicht kontrollieren, auch nicht bei „3 nach 9“.

Radio-Bremen-Programmdirektor Dirk Hansen lobt Roche als vorzügliche Moderatorin:

Charlotte Roche kann sehr gut zuhören, ist eine charmante Gastgeberin und sie verfügt über einen speziellen Humor, der wunderbar zu „3 nach 9“ passt.


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Jetzt isses raus!

21. Juli 2008 von Anna

Ich muss euch etwas sagen. Etwas, das sich für eine Feministin, vor allem eine junge Feministin in Deutschland irgendwie nicht gehört:

Ich halte den Roman „Feuchtgebiete“ für so ziemlich das schlechteste, was ich in den letzten Jahren gelesen habe. Nicht wegen des ganzen Ekel-Kram, dazu gleich mehr. Sondern wegen des „Plot“, wenn man das, was da passiert, überhaupt so nennen darf. Mir ist keine Rezension bekannt, in der das mal wirklich angesprochen wird. Alle sind mit Tampons, Kotze, Hämorrhoiden, Kackeschwitze und all dem anderen Kram dermaßen beschäftigt, dass die stilistischen Schwächen nicht auffallen.

Die Hauptfigur ist einfach gezeichnet und bedient alle billigen Klischees des Scheidungskindes. Leider ist sie dafür schon zu alt. Einer 10-jährigen Protagonistin würde ich diese Gedanken abnehmen. Aber nicht einer 18-jährigen. Die eigentliche Handlung ist platt, belanglos und dabei leider nicht mal wirklich gut geschrieben. Nicht zu vergessen natürlich der Schluss, der wirklich an den, pardon, Schamhaaren herbeigezogen wirkt.

Besonders werfe ich der von mir sonst verehrten Charlotte Roche vor, dass sie als erklärte Feministin sich tatsächlich in jeglicher Hinsicht in ein „Die Mutter ist an allem schuld“ flüchtet: Helene ist total gestört: Die Mutter ist schuld! Helene hat ein verqueres Verhältnis zu ihrem Körper: Die Mutter ist schuld! Und klar, Mama hat Papa weggetrieben. Papa hingegen ist der Gute, egal was er macht. Geht es noch simpler? Roche geht in Interviews sogar so weit, jeder Frau, die nicht mit gebrauchten Tampons um sich wirft, eine gestörte Mutter mit Hygienezwang zu unterstellen. Noch mal langsam, dieser Punkt ist wichtig: Eine überzeugte Feministin fährt die „Die Mutter ist an allem schuld und zwar nur sie ganz allein“-Schiene. Stößt das denn niemandem auf? Vor allem ärgert mich die Tatsache, dass ich von Charlotte Roche stilistisch wie inhaltlich mehr erwartet habe. Viel mehr. Ich bin fast schon persönlich beleidigt, dass sie so ein Buch geschrieben hat!

Den Ekelkram hingegen finde ich eher langweilig. Ich musste an zwei Stellen schlucken, einmal, als Helene und ihre Freundin ihre eigene Kotze essen und einmal, als sie sich selber extrem hart verletzt. Alles andere rief nicht viel mehr als ein müdes Schulterzucken hervor.

Was mich zu meinem zweiten Problem führt: Ja, der Roman hat bestimmt bei einigen Freundinnen oder Beziehungen dazu geführt, dass man mal wieder über intime Dinge geredet hat, Dinge, die vielleicht sonst nicht thematisiert worden wären. Dennoch bin ich insgesamt in einem Konflikt. Ich bin Feministin. Und trotzdem menstruiere ich am liebsten ganz privat. Ich sehe auch nicht so ganz ein, warum es die Frauenbewegung voranbringt, wenn ich mit meinem Unisitznachbarn über meine Pilzinfektion plaudere. Und bin ich erst dann eine richtige Feministin, wenn ich nicht mehr täglich die Unterwäsche wechsle?

Es ist ein schmaler Grad zwischen normaler Intimität und übertriebener Scham, Geheimnistuerei oder Hygienezwängen. Ich wohnte einmal mit einer Frau zusammen, die es immer „total eklig“ fand, wenn sie ihre Tage hatte (für die wäre vielleicht das Tampon-Abo – bitte googlen – etwas gewesen). Sowas ist natürlich auch nicht gesund.

Aber so bin ich nicht und außer dieser Frau kenne ich persönlich auch keine andere, die so ist. Ich finde mich nicht eklig und wenn es Probleme gibt oder mir etwas weh tut, dann kann ich das sehr genau benennen, ohne dabei Vokabeln wie „mein Schmuckkästchen“ zu bemühen. Aber ich möchte mich bitte auch als Feministin nicht alles jedem erzählen müssen. Und ich will mich, bitte, auch als Feministin regelmäßig waschen dürfen!

Ob Charlotte das wieder gut machen kann?


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Wetlands

3. Juli 2008 von Susanne

Unsere Leserin Sarah hat uns eine Presseschau (PDF-Download, 320 KB) zusammengestellt, und zwar wie Charlotte Roches Roman „Feuchtgebiete“ in den USA besprochen und eingeordnet wird. Es ist nicht nur beeindruckend, wie heftig die US-amerikanischen Medien auf das Thema anspringen, sondern auch spannend zu lesen, wie die aufgeregte deutsche Debatte mit ein paar Kilometern Abstand wirkt und welche Gedanken sich die Autorinnen und Autoren auf der anderen Seite des Ozeans über den erstaunlichen Erfolg des Buches machen.

Vielen Dank an Sarah für die Mühe!


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„Die Leute denken, sie wüssten alles über mich. Dabei wissen sie gar nichts“

21. Mai 2008 von Susanne

Braucht die Welt wirklich noch eine Geschichte über Charlotte Roche? Ja – wenn sie so gut ist wie die im heute erschienenen Zeit Leben. Denn die Autorin Annabel Wahba macht sich im Gegensatz zu vielen ihrer Kolleginnen und Kollegen mal die Mühe, Charlotte Roche auch zu begleiten, ihr zuzuhören, ihr nicht mit einer vorgefestigten Meinung entgegenzutreten und überhaupt mal den ganzen Interpretationsquatsch wegzulassen – der den meisten Feuilletonisten ja doch nur dazu dient, sich selbst darzustellen. Und so gerät diese Geschichte zum Portrait einer ganz wunderbaren, durchgeknallten jungen Frau.

Die etwas zu sagen hat. Diesmal hält sich die Verfasserin des Artikels auch angenehm zurück mit einem Urteil, ob Charlotte Roche denn nun Feministin sei oder nicht. Stattdessen darf diese mal selbst ein paar Gedanken mehr zum Feminismus verlieren:

Charlotte Roche erzählt von den Selbsterfahrungskursen der siebziger Jahre, in denen Frauen gemeinsam ihre Körper erkundeten. Heute herrsche unter Frauen Sprachlosigkeit, was Sexualität anbelange. Charlotte Roche will mit ihrem Buch unterhalten, aber vor allem junge Leserinnen scheinen darin etwas Befreiendes zu finden, und sei es nur das Lachen darüber. Ihnen gefällt, dass da jemand ein übertriebenes und dadurch komisches Gegenbild zu den Frauen in der Werbung und im Fernsehen entwirft.

Einen Gedanken zum Thema Feminismus stellt die Zeit-Autorin dann doch noch in den Raum und zeigt, wie wichtig die Feministin Roche für die deutsche Frauenbewegung sein kann:

Dass viele in Charlotte Roche dennoch die Vorkämpferin eines neuen Feminismus sehen, liegt auch daran, dass es in Deutschland nur eine Ikone der Frauenbewegung gibt, Alice Schwarzer. Die hat ihre eigene Sexualität zur Privatsache erklärt. Und deshalb freuen sich jetzt so viele Frauen, dass es eine Charlotte Roche gibt, die sich als Feministin bezeichnet und trotzdem Spaß am Sex mit Männern propagiert.

P.S.: Ich habe mich jetzt übrigens auch endlich getraut und angefangen, „Feuchtgebiete“ zu lesen. Was für ein Spaß! Nach dieser riesigen Aufregung ist das Buch gleich doppelt so lustig. Ich muss mich die ganze Zeit kaputt lachen. Über die Spießer da draußen.


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Auweia! „Entweihung des weiblichen Körpers“!

2. Mai 2008 von Susanne

Die Redaktion des Sterns hat sich dafür entschieden, mit seiner aktuellen Ausgabe ein bisschen was von Charlotte Roches Erfolg für sich abzuzwacken, indem sie den Roman auf den Titel(!) nimmt. Klar, ist ja auch eine gute Gelegenheit, einen nur dürftig bekleideten Frauenkörper A4-groß abzudrucken. Auf stern.de darf dann die Autorin Alexa Hennig von Lange schreiben, wie sie selbst das Buch findet, was dazu führt, dass sie sich selbst, nun ja, vor allem als faul, outet:

Was den Roman „Feuchtgebiete“ von Charlotte Roche anbelangt, mag der Tumult weniger von den Schilderungen sexueller Handlungen ausgelöst worden sein, sondern durch die Entweihung des weiblichen Körpers. Wie das Modell Gisele Bündchen kürzlich erklärte: „My body is my temple.“ Doch Charlotte Roche scheint den weiblichen Körper eher als eine Art nässenden, gärenden Komposthaufen zu verstehen. Ich kann dies allerdings nur vermuten, ich selbst habe das Buch nur in Auszügen gelesen.

Interessanterweise sind die Kommentare unter dem Text sehr amüsant und überraschend progressiv – tummeln sich doch normalerweise Konservative auf Deutschlands Presse-Webseiten, um per Kommentar ihre Weltsicht kundzutun.


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About „Feuchtgebiete“

30. April 2008 von Katrin

Endlich hat es mal jemand geschafft, einen Artikel über Charlotte Roches „Feuchtgebiete“ zu schreiben, der einem nicht total die Lust auf das Lesen dieses Romans verdirbt. Die Neon-Userin Seiltaenzerin76 (deren Artikel „Women – be wild!“ übrigens auch sehr charmant ist), schafft eine Atmosphäre rund um Buch und Autorin, die schmunzeln macht, wieder mögen lässt und die Garstigkeit und Aufgeregtheit so manch anderer Rezensionen in Frage stellt.

„“Feuchtgebiete“ ist somit auch ein geschickter Schachzug in der gegenwärtigen Feminismus-Debatte, die den Ernst viel zu selten mit fröhlichem Überschwang paart. Wo sonst schnell Trotz, Widerstand und offenes Aggressionspotential hochkochen, hüpft Frau Roche feucht fröhlich durch Tabuzonen. Für „Feuchtgebiete“ hat sie der Muschiflora ein Lächeln auf die Lippen geschrieben, das sagt: Mädels, macht euch locker!“

Merci.


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Charlotte Roche und der Feminismus

26. Februar 2008 von Meredith
Dieser Text ist Teil 2 von 131 der Serie Die Feministische Bibliothek

Jetzt aber zackzack, noch ein Hinweis: Auf der jetzt.de-Seite in der Süddeutschen Zeitung ist gestern ein Interview mit Charlotte Roche erschienen. Ich bin ein bisschen stolz darauf, dass dieses Gespräch das wohl einzige ist, in dem Hämorrhoiden kein Mal vorkommen. Dafür haben wir uns lang und ausführlich über Feminismus unterhalten.

Feuchtgebiete“ ist ein kurzweiliger Roman. Es geht darin um die 18-jährige Helen, die sich bei einer Intimrasur, äh, anal verletzt hat und deswegen operiert werden muss. Sie liegt danach ein paar Tage auf der Station und wartet auf den Besuch ihrer geschiedenen Eltern und dass ihr Stuhlgang wieder funktioniert. Nebenbei verliebt sie sich in ihren Pfleger Robbie und lässt selbstgebastelte Tampons im Aufzug liegen. Weil sie sonst nichts zu tun hat, beschäftigt sie sich eigentlich ununterbrochen mit sich selbst, ihrem Unterleib und ihren diversen Sekreten und Haaren. Sie denkt über Schönheitszwang, Hygieneregeln, weibliche Prüderie und das Dilemma, dass Frauen keine offene Sprache für ihre Sexualität haben, nach. Das ist manchmal ein bisschen anstrengend, aber oft auch sehr unterhaltsam und anregend.

Mein einziger wirklicher Kritikpukt – abgesehen davon, dass ich Hygienezwänge für eines der geringeren Probleme der Weltbevölkerung halte – ist, dass ich einer 18-jährigen Protagonistin eine dermaßen reflektierte und ausgereifte Sexualität nicht zutraue. Aber ich gestehe Charlotte zu, dass sie mit dem Buch möglicherweise eine personale Utopie entwerfen wollte beziehungsweise eigentlich der (jungen) Leserin Perspektiven aufzeigen wollte. Dass man eben durchaus laut und locker mit sich selbst und seinem Sex umgehen kann. Mit einer Mitt- oder Endzwanzigerin als Protagonistin würde das für jüngere Leserinnen mangels Identifikation nicht funktionieren.

Außerdem: It’s natürlich Fiction, Baby. Ich freue mich jedenfalls auf die Lesung heute Abend im Lustspielhaus.

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Igittigitt oder super Anschauungsunterricht?

19. Februar 2008 von Susanne

Auf Neon.de wird über Pornografie diskutiert – bist du „PorNo“ wie Alice Schwarzers Kampagne oder „PornYes“ wie Charlotte Roche im Neon-Interview?


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