
Dieser Text erschien gestern bei fuckermothers.
Die Stilldebatten sind über den Jahreswechsel in eine neue Runde gegangen. Zum einen gab es Ende 2012 einen tollen Text von talentfreischön mit dem Titel ‘Wie, Du stillst nicht?‘. Darin schreibt sie:
“Ich bin Stillverweigerin. Oha. Etwas schlimmeres kann man seinem Kind kaum antun, wenn man die veröffentlichte Meinung und die gängigen Mütterdiskurse als Maßstab nimmt. (…) Die Mutterrolle wird biologisiert und naturalisiert – und damit die faktische Wahlfreiheit “Brust oder Flasche – oder irgendwas dazwischen?” unterminiert. Aber was heißt schon Wahlfreiheit? Wer die einfordert ereilt den Ruch des Egoismus – seit je her das schlimmste Stigma, das einem als Mutter in Deutschland aufgezwängt werden kann. ‘Du willst nicht das Beste für Dein Kind – und ich definiere was das Beste ist! -? Du RABENMUTTER!’”
Zudem kritisiert sie einen Ratgeber für nicht-stillende Mütter, der stattdessen den grauenhaft anmutenden Begriff des ‘Mutterleibservice’ einführt. Sie erklärt: “Mir geht es – nur für den Fall, dass ich in den Verdacht gerate – nicht darum, pauschal das Stillen zu verurteilen oder ein Loblied auf die Flasche zu singen. Mich interessiert die öffentliche Diskussion und was sie mit Frauen und Paaren macht. Ich finde, erwachsene Frauen sollten sich selbstbewusst und eigenverantwortlich um ihr Kind kümmern – und die betroffenen Väter ebenso.”
Dagegen beschäftigt sich ein Artikel auf Offbeat Families nicht mit einer freiwilligen Weigerung, sondern damit, dass manche Frauen schlicht nicht stillen können. Viele von ihnen leiden unter gesellschaftlichem Druck und strikten medizinischen Vorgaben. In dem Text beschreibt Andrea Karim ihre eigene Geschichte, da sie ihre Tochter auf Grund von Schilddrüsenproblemen und großen Brustwarzen nicht stillen konnte. Nach frustrierenden und oft schmerzhaften Versuchen erkennt sie schließlich: ”being a good mother has nothing to do with breastfeeding (…) for the most part, my child is fed, and yes nourished, by formula. Like millions of other kids, who all grew up just fine.”
So wichtig es ist, für die Rechte für Frauen einzutreten, die nicht stillen wollen oder können – so wichtig ist es, auch für die Rechte Frauen zu kämpfen, die stillen wollen. Denn trotz des breiten Still-Imperativs soll es meist weiterhin fernab der Öffentlichkeit erfolgen. Frauen werden so von vielen Lebensbereichen und Aktivitäten ausgeschlossen. In den USA wurde eine Mutter aus einem Geschäft der Kette Hollister verwiesen, weil sie dort ihr Kind stillte. Anschliessend kam es zu Protesten und Still-Ins in verschiedenen Hollister-Filialen – Fotos der Aktion können hier angesehen werden. Keinerlei Lorbeeren hat sich auch 2012 wieder Facebook verdient. Besonders in englischsprachigen Ländern werden immer wieder Fotos von stillenden Frauen gelöscht und teilweise deren Accounts gesperrt. Vor allem The Feminist Breeder lieferte sich einen erbitterten Kampf mit Facebook um einige Fotos, phd in parenting fasst die Auseinandersetzung in einem (in diesem Land leider nicht einfach verfügbaren) Video zusammen. Trista Hendren fragt deswegen: “Does Facebook Hate All Women—or just Feminists?“

Schreibe einen Kommentar
Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.