Mehr Bühnen, mehr Leute, mehr alles – so lässt sich die re:publica 2012 zusammenfassen. Außer der Mädchenmannschaft, von uns waren weniger da, deswegen gleich schon einmal der Verweis auf die Berichte von Girls Can Blog, Behindertenparkplatz, i heart digital life, Journelle, Ninia LaGrande, Afrika Wissen Schaft, Anke Gröner, Milenskaya, Kommander Kaufmann, der Sammelmappe und dem Kotzenden Einhorn. Weitere Links gerne in die Kommentare!

Mehr bezog sich dieses Jahr auch auf die Sponsoren, die damit auch ein Mehr an Sexismus mitbrachten. Sowohl iStockphoto, wie auch Sierra Tequila hatten nur sexualisierte Frauenkörper anzubieten. Allerdings nicht ohne Protest auf den Plan zu rufen. Trotz „Frauenquote“ bei Podiumsdiskussionen lag auch der Frauenanteil mit 30 Prozent nur etwas über dem des letzten Jahres. Und auch die Vorgabe, bei 5 Diskutant_innen auf einem Podium mind. 2 Frauen dabei zu haben, wurde des öfteren nicht eingehalten, wie das nuf dokumentiert hat. Da mit 30 Prozent die „magische Zahl“ erreicht ist, dürfte es sich auf diesem Level dann einpendeln. Leider total an den meisten Besucherinnen vorbeigangen und außerhalb des Programms versteckt wurde das Speednetworking für Bloggerinnen.
Geschafft habe ich es zunächst zu Frauen in die Wikipedia. Es zeigte sich, dass das Sexismus-Problem leider wohl viel tiefer liegender ist, als ich das bisher mitbekommen hatte. So galt eine ganze Weile der Spruch „Wikipedia ist kein Mädchenpensionat“. Dazu passend hatte eine Frau massive Probleme, weil sie nicht ständig als Mann angesprochen werden wollte. Statt dies zu respektieren, wurde sie weiter Anfeindungen ausgesetzt und anti-sexistische Kommentator_innen gesperrt. Die Beschimpfung eines Mannes als Mädchen führte dagegen gleich zur Sperrung des Pöblers. Als Mann bezeichnet zu werden ist also weiter eine Aufwertung, als Mädchen bezeichnet zu werden dagegen eine Abwertung. Während das Bewußtsein für diese Probleme zu wachsen scheint, bleibt es weiter bei der Einstellung, dass Sexismus und Gender Gap „nicht von oben gelöst“ werden könnten. Wie die Lösung von unten aussehen könnte, weiß aber auch noch niemand so genau.
Der erste Höhepunkt war dann der Vortrag von Cindy Gallop, der Initiatorin von Make Love Not Porn (Aufzeichnung bei Spiegel Online). Nach ihren persönlichen Erfahrungen, dass Pornos immer stärker das Bild von Sexualität prägen, startete sie zunächst eine Webseite. Dort vermittelt sie, dass es zwar völlig in Ordnung ist, als Frau beim Sex z.B. beschimpft zu werden – aber dass nicht jede Frau darauf steht und nicht jeder Mann seine Partnerin beschimpfen will und es am Ende wichtig ist, herauszufinden, was mensch will. Inzwischen sei das Alter, in dem Kinder das erste Mal Hardcore-Pornos sehen, schon auf 8 Jahre gesunken. Anders als bei Actionfilmen trauten sich Eltern aber nicht, mit ihren Kindern darüber zu sprechen und zu vermitteln, wie die „Wirklichkeit“ aussähe. Anschließend berichtete sie von den Schwierigkeiten, das Projekt makelovenotporn.tv (Pro-sex. Pro-porn. Pro-knowing the difference) zu starten. Was genau hier passieren soll, verriet sie nicht. Allerdings mache bereits der Name es schwer, Kredite zu bekommen, ein dauerhaftes Bezahlsystem einzurichten oder überhaupt Partner_innen zur Programmierung zu gewinnen. Ob es klappt, sei dann ab dem Sommer zu besichtigen.
Mehr zum Workshop „How to make your activist space a safe space“ gibt es dann morgen.


Schreibe einen Kommentar
Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.