Nur kurz: Auf jezebel gibt es eine punktgenaue Suada von Anna North zum Thema vaginale Infektionen und deren überflüssige Problematisierung. Zwar geht es natürlich um das US-amerikanische Gesundheitssystem, doch die Sachlage ist in Deutschland nicht so viel anders.
Von der Heimsuchung des Hefepilzes (darf ich vorstellen, Candida Albicans) und der Belastung der Blasenentzündung bleiben nur wenige Frauen völlig verschont. Selig sind die mit den robusten Unterleibern, denn sie kennen nicht die Panik, den Schmerz und das Unwohlsein, die von einer Dauntenentzündung ausgehen. Sie kennen auch nicht die peinliche Prozedur, die zu durchlaufen ist, wenn man ein verschreibungspflichtiges Medikament dafür braucht, wie bei einer schweren Blasenentzündung ein Antibiotikum. Man bitte verzweifelt darum, in die Sprechstunde kommen zu können. Dann hockt man stundenlang und angespannt in Gynäkologenwartezimmern, blättert lasch in uralten Gala-Ausgaben und am Ende bekommt man einfach nur die Bestätigung von dem, was man eh schon wusste, weil es einen ja aus der Körpermitte seit Stunden schon anschreit: „Ja, da haben Sie sich eine ordentliche Entzündung eingefangen.“
Mit ein bisschen Erfahrung lassen sich die Arztbesuche zwar vermindern, in Deutschland sind einige Präparate auch rezeptfrei zu haben. Allerdings nicht die richtig effektiven oralen Medikamente, und Antiseptika oder Antibiotika bekommt man auch nicht, wenn man mit einer brennenden Blase zur Apotheke geht.
Trotzdem ist es richtig, was Anna North schreibt: Obwohl Hefepilze und Blasenentzündungen im Prinzip nichts anderes nicht so viel anders als Erkältungen sind, nicht dramatischer und in etwa genauso nervig, ist der diskursive Aufwand nicht vergleichbar. Dabei ist es so: Die Infekte kommen dann, wenn das Immunsystem geschwächt ist, die Füße frieren oder der Partner Bakterien überträgt. Klingt wie Schnupfen. Sie können chronisch werden – aber das können Nebenhöhlenentzündungen auch. Trotzdem empfinden wir sie als schlimmer: Sie belasten stärker, weil das, was im Genitalbereich gesundheitlich stattfindet immer direkt in die Psyche schlägt. Und wir können nicht darüber reden – während eine Erkältung, ein grippaler Infekt, ja sogar Herpes (und das ist nervig genug) als Small-Talk-Themen anerkannt sind, haftet Candida und the Gang etwas Unangenehmes, Unreines an. Wenn sie vorbei kommen, fühlt es sich ungleich dramatischer an – unter anderem weil so oft ein Arztbesuch nötig ist.
Männer sind oft genug Überträger der betreffenden Bakterien und Sporen – haben aber das Glück, dass sie rein anatomisch besser dagegen gerüstet sind. Die Natur ist unfair: Frauen müssen mehr Sorge, mehr Geld und mehr Zeit für die Gesundheit ihrer Genitalien aufwenden. Die Gesellschaft verstärkt das Problem, weil sie Frauenkörpern und ihren Frauenkrankheiten in eine besondere pathologische Ecke stellt. Einfach nur weil wir Frauen sind, rennen wir mindestens zwei mal im Jahr zum Arzt.
Ich möchte eigentlich in einer Welt leben, in der Menschen wo wenig wie möglich über Zipperlein, Arztbesuche und körperliche Beschwerden sprechen. Das tut aber keine_r von uns. Und gesundheitlich gesehen ist es schon so, wie Anna North schreibt: Gleichberechtigung wäre, wenn Frauen ihre Frauenerkältungen als solche behandeln könnten – schnell, günstig und ohne den Problematisierungsreflex. Helfen würde schonmal, wenn selbstverständlicher darüber geredet werden könnte – unter Frauen und Männern.

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