Die Biologin und Nobelpreis-Trägerin Christiane Nüsslein-Volhard hat 2008 die Mercator-Professur der Universität Duisburg-Essen bekommen. Diese wird an Personen vergeben, die sich „mit Weltoffenheit und Weitblick für Fragen dieser Zeit einsetzen“. Im Interview mit der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung sagte Nüsslein-Volhard über Mädchen/Frauen und Naturwissenschaften:
Was können Lehrer und Eltern tun, um bei Mädchen Interesse zu wecken?
Nüsslein-Volhard: Den Mädchen nicht das Gefühl geben, dass Wissenschaft und Technik nur etwas für Jungs sind. Wenn Mädchen eine Begabung oder Interesse für Naturwissenschaften zeigen, sollte man dieses mit Projektarbeiten fördern.Ist es hilfreich, wenn Jungen und Mädchen in Naturwissenschaften getrennt unterrichtet werden?
Das mag durchaus sein, Mädchen können sich dann leichter profilieren, ohne befürchten zu müssen, bei den Jungen an Punkten zu verlieren.Mit Ihrer Stiftung setzen Sie sich für Wissenschaftlerinnen mit Kindern ein. Auf welche Probleme stoßen Frauen in der Wissenschaft?
Frauen sehen sich immer noch gezwungen, sich entweder für Nachwuchs oder für die Karriere zu entscheiden. Es gibt zwar ca. 50 Prozent studierende Frauen, aber je weiter die wissenschaftliche Karriere fortschreitet, desto weniger Frauen werden es. Wir haben immer noch nur zehn Prozent Professorinnen in den Naturwissenschaften. Diejenigen, die auf diesen Posten sitzen, haben das meist nur unter großen persönlichen Opfern erreicht. Die Stiftung wurde gegründet, um jungen, exzellenten Frauen in den Naturwissenschaften zu helfen, Kinder und Karriere zu vereinbaren, indem sie den Frauen Haushaltshilfen und zusätzliche Kinderbetreuung bezahlt. Wir möchten, dass sich Frauen um ihren Beruf kümmern können, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben.

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