Katrin hat ja vor ein paar Wochen schon auf die Ausstellung „Ohne Glanz und Glamour – Prostitution und Frauenhandel im Zeitalter der Globalisierung” hingewiesen, die ich mir letzte Woche dann auch angesehen habe:
Die Ausstellung findet im „Ökumenischen Frauenzentrum Evas Arche“ in Berlin statt. Das Frauenzentrum ist sehr interessant, es ist in einer normalen Altbauwohnung untergebracht, man hat mehr das Gefühl, jemanden zu besuchen, denn zu einer öffentlichen Ausstellung zu gehen. Es gibt eine Küche, zwei Büros, einen Meditationsraum und zwei große Konferenzzimmer, in denen die Ausstellung stattfindet. Hier hängen rundum verschiedene Informationstafeln mit sehr eindrücklichen Texten und Bildern. Es beginnt mit einer allgemeinen Darstellung von Prostitution, geht weiter über Menschenhändler, Schleuser und Zwangsprostitution bis zur Beantwortung der Frage „Was tun?“. Besonders gefallen hat mir die Tatsache, dass explizit die Freier angesprochen wurden. Und zwar nicht mit Schuldzuweisungen, sondern mit einem Appell an ihre Verantwortung. Freier tragen Verantwortung und sie werden ermutigt, der Polizei einen (anonymen) Hinweis zu geben, wenn sie Zwangsprostitution vermuten. Durch den Mut einiger Freier konnten so in der Vergangenheit schon zahlreiche Frauen befreit werden.
Während ich so lese, kommen mir die Gedanken, die ich früher oder später immer habe, wenn ich mit dem Thema Prostitution konfrontiert bin. Ich hatte sie an der Reeperbahn, ich habe sie, wenn ich in Berlin durch die Oranienburger Straße laufe, ich habe sie, wenn ich Dokumentationen über Bordelle sehe und ich habe sie in dieser Ausstellung. Ich denke darüber nach, wie mächtig Sex ist. Und ich frage mich, wie Sex so wichtig sein kann, welches Gewaltpotential er in sich trägt und wie er Menschen dazu verleitet, anderen gar Unmenschliches anzutun.
Ich würde gerne wissen, warum der Sex dieses Potential fast nur bei Männern entfaltet. Warum fast nur Männer vergewaltigen. Liegt es an der körperlichen Überlegenheit? Würden Frauen auch vergewaltigen, wenn sie könnten? Würden Frauen zu männlichen Huren gehen? Würde der Sex im Leben von Frauen den gleichen Stellenwert einnehmen, wie er ihn im Leben mancher Männer hat, wenn wir ihn leichter bekommen könnten?
Ich habe gern Sex, er macht Spaß und ist definitiv ein guter Zeitvertreib, vielleicht der beste. Aber der Gedanke, dass ich ein Anrecht darauf haben sollte, dass ich, wenn ich keinen bekomme, Geld dafür bezahlen würde, ihn zu kriegen, ihn mir vielleicht auch mit Gewalt nehmen würde, der ist mir absolut fremd. Ich weiß, dass das auch vielen, vielleicht den meisten Männern so geht, aber es scheint trotzdem so zu sein, dass Sex, das Anrecht auf Sex, für Männer meist eine größere Rolle spielt als für Frauen.
Ist das nur die Sozialisation? Oder einfach die Tatsache, dass sie es eben können? Oder beides?
Gibt es darauf überhaupt eine Antwort?

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