Heute antwortet Alice Schwarzer im Zeit Magazin auf die Geschichte vor vier Wochen, „Wir haben abgetrieben“, die auch hier bei uns angeregt diskutiert wurde. Unter der Überschrift „Niemals Zwang“ schreibt Schwarzer unter anderem:
Zwei von drei Frauen, die in Deutschland abtreiben, sind in Lindas Lage. Sie haben bereits ein Kind oder mehrere Kinder. Wer sollte das Recht haben, diesen Frauen das Austragen einer weiteren, ungewollten Schwangerschaft vorzuschreiben?! Und was wäre das für eine Beziehung, in der ein Mann eine Frau zum Austragen zwingt?!
Man muss gar nicht so weit gehen, daran zu erinnern, dass heute jeder zweite getrennt lebende Vater – rund 500.000! – den Unterhalt für das Kind gar nicht oder nur teilweise zahlt. Nein, der Zwang zur Mutterschaft ist unvereinbar mit der Menschenwürde und Selbstbestimmung der Frauen – und wäre eine unzumutbare Hypothek für das nicht gewollte Kind.
(…)
Die aktuelle Debatte um die sogenannten Spätabtreibungen ist in Wahrheit ein Angriff auf die schon jetzt so halbherzige §218-Reform; betrieben von Leuten, die ihren persönlichen Glauben zum Gesetz machen wollen. Sie sind wieder in der Offensive und haben längst neue Bündnisse geknüpft: statt wie einst schwarz-schwarz jetzt gerne schwarz-grün-rot. Doch noch ist Deutschland kein Gottesstaat, sondern ein Rechtsstaat. Und noch ist die Entscheidung von Frauen und Männern für oder gegen eine Elternschaft Privatsache und kein Fall für das Strafrecht. Und so sollte es auch bleiben.

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