Im April fand zum 12. Mal das Internationale Forum von AWID (Association for Women’s Rights in Development) statt. Auf dem Programm stand dabei auch der Umgang mit Sexarbeiter_innen durch die Frauenbewegung. So forderte die burmesische Aktivistin Kthi Win die Anerkennung von Sexarbeit als Arbeit und ein Ende der Opferrolle. Wie wichtig eine differenzierte Betrachtung von Sexarbeit ist, macht die Professorin Chi Mgbako in einem Beitrag deutlich, der nun bei menschenhandel heute erschienen ist. Sie listet eine Reihe an Organisationen auf, in denen Sexarbeiter_innen sich für ihre Rechte einsetzen.
Frauenrechtler_innen, die alle Menschen in der Prostitution als „Sklaven“ sehen und die keinen Unterschied machen, zwischen jenen, die in die Prostitution gezwungen wurden und jenen erwachsenen Sexarbeiter_innen, die diese Tätigkeit freiwillig und aufgrund eigener Entscheidung oder von Umständen ausüben, fordern meistens Anti-Menschenhandelspolitiken, die erwachsenen Sexarbeiter_innen schaden. Kthi hat persönlich die Folgen von Strategien, wie Bordell-Razzien, erlebt. Diese führen meistens zu wahllosen und willkürlichen Massenverhaftungen von Sexarbeiter_innen führen, in der Hoffnung darunter auch Opfer von Menschenhandel zu finden.
Statt Menschen zu helfen, kommt es so im schlimmsten Fall zu Gewalt, inklusive Vergewaltigungen, gegenüber Sexarbeiter_innen und ihren Familien. So hat Malaysia auf Druck der US-Regierung Sexarbeit weitestgehend unterbunden und die verbliebenen Sexarbeiter_innen arbeiten unter prekären und gefährlichen Bedingungen. Ausbeutung und Menschenhandel wurden dagegen nicht angegangen, der Schutz und die Betreuung von Menschenhandelsopfern nur minimal verbessert. Gerade Feminist_innen seien nun gefragt, so Mgbako:
Wir müssen Sexarbeiter_innen zuhören. Wenn die Frauenbewegung insistiert, weiterhin Menschenhandel mit Prostitution zu vermischen und zu verwechseln und alle Menschen in der Prostitution als Sklaven zu beschreiben, die nicht in der Lage sind in ihrem Namen zu sprechen, werden wir uns vor wichtigen Kritiken abschotten.

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