Im Zweifel gegen den Mann
Neulich noch die Schlagzeile des Focus – jetzt schon Thema der Koalitionsgespräche von Union und FDP. Dass auch für Jungen und Männer nicht überall Friede, Freude, Eierkuchen herrscht, ist also auch in der Politik angekommen. Daher soll es jetzt eine „eigenständige Jungen- und Männerpolitik“ geben. Die immer noch im Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend angesiedelt ist. Haben die Initiativen für Familien (stehen immerhin an erster Stelle) und die Jugend bisher nur die Bedürfnisse von Frauen und Mädchen beachtet?
Anscheinend:
So widmet sich die Bundespolitik auch fast ausschließlich den Frauen: Frauen im Aufsichtsrat, Abschaffung des Ehegattensplittings, Elterngeld, Kitaplätze – all das soll die Arbeits- und Familienwelt fairer machen. Die Benachteiligung von Männern spielte bislang dagegen kaum eine Rolle.
Fragen über Fragen tun sich auf. Das Ehegattensplitting wurde abgeschafft und eine Geschlechterquote für Aufsichtsräte wie in Norwegen eingeführt? Habe ich was verpasst? Und seit wann hilft eine faire Arbeits- und Familienwelt nur Frauen? Dürfen alleinerziehende Väter ihre Kinder nicht in Kitas geben? Dass das Ehegattensplitting überwiegend Männer in die Rolle des Versorgers zwängt, habe ich mir wohl auch nur eingebildet.
Das Elterngeld war immerhin ein Anfang, aber viele Väter trauen sich immer noch nicht, die Elternzeit in Anspruch zu nehmen. Schief angesehen zu werden ist vielfach das kleinste Problem, das Abrutschen auf der Karriereleiter ein größeres. Eltern, denen ein Jahr mit dem Kind nicht reicht, empfahl die Familienministerin dieses Jahr, einfach Schulden zu machen.
Was also wird nun kommen? Zeit wäre es für eine Reform des Schulsystems, damit nicht immer mehr Jungen die Schule ohne Abschluss verlassen. Ein weiterer Vorschlag ist die Höherbewertung und bessere Bezahlung typischer Frauenberufe wie Kindergärtnerin oder Altenpflegerin, um diese Berufe auch für Männer attraktiv zu machen.
Konkrete Maßnahmen für die kommende Legislaturperiode seien noch nicht diskutiert worden. Ihrer Meinung nach ist es Aufgabe der Politik, „junge Männer verstärkt für soziale Berufe zu begeistern“. Eines sei aber klar: „Ein Boys Day allein genügt nicht – aber eine Quote für Kindergärtner wird es sicher auch nicht geben.“
Die neue Männerpolitik wird also aussehen wie die alte Familienpolitik: ein bißchen Substanz und viel heiße Luft.

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