Heute habe ich mich wieder sehr aufgeregt. Ein Kommentator bei Spiegel Online, namentlich Claus Christian Malzahn, musste zum Xten Mal zu Andrea Ypsilantis „Wahlkampflüge“ schreiben – wie kreativ…! Doch nicht nur, dass das Thema mittlerweile total zum Gähnen ist, nein, er schreibt einfach Mist:
Es ist im Rückblick geradezu gespenstisch, wie es einer Person gelingen kann, fast im Alleingang das kostbarste Gut ihrer Partei zu verspielen: Vertrauen.
Ich habe schon einmal einen ausführlichen Artikel zum Thema Politik, Macht, Wahlversprechen etc. geschrieben und belasse es deswegen bei folgender knappen, aber eigentlich ganz einfachen Feststellung: Andrea Ypsilanti hat in der Hessenwahl vor einem Jahr zwei Wahlversprechen gegeben: 1. Ich werde Koch ablösen. 2. Nicht mit der Linkspartei. Das Ergebnis war hinterher derart, dass man sich für eines von beiden – und damit gegen das andere – entscheiden MUSSTE. Was war Andrea Ypsilanti dabei wichtiger? Ist diese Prioritätensetzung etwa falsch? Dass die Entscheidung gegen Koch als Lüge, als Bruch eines Versprechens und als Vertrauensbruch hochstilisiert wurde ist doch nicht Andrea Ypsilantis Verdienst, sondern in erster Linie das ihrer GegnerInnen – zu denen offensichtlich auch die Mehrheit der deutschen Medien zählte. Niemand stellte fest, dass Ypsilanti sich nicht nur FÜR eine Duldung durch die Linke sondern auch FÜR das Ablösen Roland Kochs entschieden hatte und damit ihr vielleicht wichtigstes Wahlversprechen hielt.
Genug zu diesem Thema. Ich wollte eigentlich etwas anderes herausstellen, nämlich, dass es eine Sache gibt, die mich wirklich tierisch nervt:
Die männliche Vormachtstellung in der politischen Berichterstattung und Meinungsmache der deutschen Medien.
Ich habe jetzt wirklich fünf Minuten lang gesucht, aber bei Spiegel Online finde ich keinen einzigen Artikel zum Thema Politik von einer Frau. Eine grobe Schätzung des Frauenanteils der Artikel auf sueddeutsche.de im Politikteil: vielleicht ein Fünftel (wenn’s hochkommt). FAZ.net: Null. Ich könnte so weitermachen. Selbst bei der Taz dominieren im Politik-Teil die Männer.
Die alte Frage: Gibt es sie nicht, die Frauen, die etwas Schlaues zur Politik zu sagen haben? Oder traut man es ihnen nicht zu? Haben sie einfach keine Lust und ziehen sich lieber in „weichere“ Themen zurück? Sind sie zu defensiv erzogen und überlassen dieses Feld lieber den Männern? Sind sie einfach gerade in Baby-Pause?
Im Grunde ist es mir recht wurscht, was die Gründe für diesen absolut nervigen Zustand sind. Im Sinne einer ausgewogenen Berichterstattung, im Sinne einer geschlechterdemokratischen Gesellschaft ist dieser unhaltbar! Und ich behaupte, dass die Mainstream-Meinung in Bezug auf Andrea Ypsilanti in den deutschen Medien war/ist, wie sie war/ist, hängt auch damit zusammen. Und das nervt mich tierisch!
Die Chefs der Zeitungen sollten sich was schämen! Wenn die Politik-Frauen nicht in Scharen daher gerannt kommen und um eine Anstellung bitten, dann ist es doch – sollte man meinen – nur ein kleiner Schritt zu erkennen, dass dies mit der immer noch zweigeteilten Gesellschaft durch die traditionellen Geschlechterrollen zusammenhängen muss. Frauenförderung beginnt nicht von alleine. Doch anscheinend gibt es diesbezüglich nicht einmal in Ansätzen ein Problembewusstsein. Und das ist das eigentlich schlimme daran. Denn während vordergründig die Themen „Feminismus“, „Geschlechterrollen“, „Geschlechtergerechtigkeit“ in den Medien an Präsenz gewinnen und viele der oben Genannten sich mit ihren Inhalten als wahnsinnig progressiv in diesen Fragen generieren – ein Blick in den Politik-Bereich zeigt schnell: Es ist nur hohles Gelaber.

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