Wer schon mal auf einer Lesbenparty war, weiß: Rein kommt nicht jede_r. Auf den Flyern oder den Hinweisen auf entsprechenden Websites steht meistens dazu, für wen diese Partys gedacht sind: Frauen, Lesben, Queer. Ab und zu noch ein weitere Anmerkung: Männer in weiblicher Begleitung erwünscht (Ob Männer nicht auch Queer sein können, sei mal dahingestellt).
Beim Besuch dieser Partys habe ich des öfteren erlebt, dass kleine Gruppen von Männern beim Vorbeigehen am Club stehen blieben und sich wunderten, woher denn die vielen Frauen kämen und was das wohl für eine Party sei, bei der sich überproportional viele Frauen vor den Türen versammeln. Nachdem man sie am Einlass auf die Veranstaltung hinwies, gingen die meisten wieder. Ein paar ließen es sich jedoch nicht nehmen und wollten unbedingt in den Club. Dieselbe Situation ereignete sich vergangene Woche, als ich gerade mit Freundinnen die Party verließ. Zwei offensichtlich stark angetrunkene junge Männer wurden abgewiesen mit dem Argument, diese Party sei ausschließlich für diese und jene Gruppe und heterosexuelle Männer seien unerwünscht. Während der eine seinen Unmut darüber mit „Ich fühle mich diskriminiert“ zum Ausdruck brachte, wurde der andere deutlich: „Scheiß Lesben“. Es dauerte keine fünf Sekunden und die Frau, die u.a. für den Einlass zuständig war, packte ihn an der Gurgel. Sogleich gesellten sich andere Verantwortliche dazu und es kam zu Tumulten. Zwei Männer, die offenbar zu den Veranstalter_innen gehörten, gingen auf die beiden Abgewiesenen los und beschimpften sie. Die Situation löste sich zum Glück relativ glimpflich auf und die beiden Betrunkenen zogen überrumpelt und fassungslos weiter.
Auf dem Weg nach Hause ließ ich noch einmal Revue passieren, was gerade vor sich gegangen war und kam zu dem Entschluss, dass ich das Verhalten der Veranstalter_innen absolut unangemessen und unprofessionell fand. Selbstredend, dass es den beiden offenbar nicht darum ging, auf diese Party zu kommen, sondern um zu provozieren. Selbstredend, dass niemand eine Lesbenparty besuchen wird, der/die am Eingang schon mit diskriminierenden Sprüchen um sich wirft. Sich allerdings provozieren zu lassen und eine Schlägerei anzufangen, wird der ganzen Sache noch weniger gerecht.
Die wesentlich spannendere Frage für mich ist allerdings: Ist die berechtigte Angst vor (Hetero)Sexismus und Homophobie ein Argument, männlichen Heterosexuellen den Zutritt zu verwehren? Wie werden männliche Heterosexuelle überhaupt als solche erkannt?
Rechtlich gesehen, bietet das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz keine eindeutige Antwort auf diese Fragen. Zwar darf niemand u.a. aufgrund seines Geschlechts und/oder seiner sexuellen Identität der Tür verwiesen werden, allerdings sind Veranstaltungen, die marginalisierten Gruppen geschützte Räume bieten von dieser Regelung zum Teil ausgeschlossen. Grundlage hierfür sind sogenannte „Positive Maßnahmen“ oder „Affirmative Action„. Diese sollen in der Vergangenheit stattgefundene (und noch immer stattfindende) Ausschlüsse und Diskriminierung gegen beispielsweise Homosexuelle ausgleichen. Affirmative Action dient damit auch dem Empowerment von diskriminierten Gruppen.
So sehr ich Affirmative Action unterstützenswert finde, nicht immer werden diese Maßnahmen der individuell erlebten Realität gerecht. Oft musste ich eine Party wieder verlassen, weil unsere heterosexuellen männlichen Freunde nicht erwünscht waren. Doch viel bemerkenswerter als rechtliche und rechtsethische Argumente für und wider die Vereinbarkeit von Freiheit und Gleichheit, ist die Diskussion darüber, was eigentlich männlich und heterosexuell sein soll und warum gerade diese konstruierte Gruppe allein verantwortlich zeichnen soll für (Hetero)sexismus und Homophobie.
Vor ein paar Jahren besuchte ich Lesbenpartys noch genau aus diesem Grund: Keine Heteromänner, die dich angaffen, anzügliche Bemerkungen machen, ungefragt anfassen oder fragen, ob ich bereit wäre für ein Schäferstündchen mit ihm/ihnen und meiner weiblichen Begleitung, keine homophoben Beleidigungen. Später stellte ich fest, dass diese Freiheit auch Schattenseiten hat. Der schwul-lesbischen Community sind Dominanz und Ausschluss nämlich auch nicht fremd, was sich in der Diskriminierung von Bisexuellen, Trans* und Queer oder sogar Lesben selbst offenbart (von Rassismus einmal abgesehen). Noch mehr bin ich als lesbische Frau auf einer solchen Party auch nicht vor sexualisierten Übergriffen und (Hetero)Sexismen geschützt, die der Gästemix aus Lesben, Hetero-Frauen und schwulen Männern meint, ungeniert ausleben zu können.
Eindeutigkeiten und einseitige Täterzuweisungen greifen also nicht, um ein Umfeld zu schaffen, in dem sich jede_r Besucher_in wohlfühlt. Mittlerweile ziehe ich queere Umfelder solchen Partys vor, gehe lieber auf „gender-mixed“ Veranstaltungen oder bin gern Teil eines Publikums, welches die Vielfalt von und innerhalb eines Menschen abbildet.
Was sind eure Erfahrungen mit geschützten/offenen Räumen? Welche Strategien bevorzugt ihr, um euch vor Diskriminierung zu schützen? Sollte Türpolitik in geschützten Sphären weiterhin restriktiv sein oder ist eine Öffnung wünschenswert?

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