Ist ein Mann wie Mr. Bean sexy? Oder Jack Black mit seinen hinter Bart und Wampe versteckten Knopfäuglein? Aber klar, diese Männer sind sexy, weil sie Komiker sind! Nach einer kürzlich veröffentlichten Studie nämlich wirken Männer mit humorvoller Selbstironie ganz unwiderstehlich auf Frauen.
Umgekehrt können wir Frauen unseren Bierbauch und fettige Haarsträhnen aber selten durch ein paar Scherze ausgleichen. Denn Witz macht wohl nicht jeden sexy. Oder wie die Humorforscherin Helga Kotthoff erklärt: „Die Geschlechter verlegen sich auf den Humor, mit dem sie sozial erfolgreich sind.“ Bei Männern sei das der Angriffshumor, also Scherze auf Kosten anderer sowie das Kontern darauf, bei Frauen dagegen liege die humorvolle Stärke eher im Parodiebereich.

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de
Dabei geht es gar nicht um die Frage, ob wir Frauen Humor haben, sondern darum, dass unser Witz frei von Angriffslust sei. Oder wie Reinhard Mohr polemisiert: „Witz braucht Tempo, Kälte und jene gnadenlose Schärfe, an der sich die Scharfmacher zuweilen selbst schneiden können. All das fehlt den Frauen.“
Und noch etwas fehle den Frauen: Mut zur Hässlichkeit. Denn laut Mohr schadet Schönheit der Lachkultur. Ja, macht Lachen denn hässlich? Ich dachte, es macht gesund. Auch Kotthoff meint, dass Frauen entweder lesbisch oder sehr selbstbewusst sein müssten, um witzig zu sein, denn sie brächen mit Weiblichkeitsklischees. Stubenreine Komik zur Wahrung weiblicher Attraktivität? Natürlich nicht, denn warum bitte sollte der Herrenwitz von der Gleichberechtigung verschont werden? Wenn brave Mädchen parodieren, dürfen wilde Mädchen ironisieren und mit ihren Zoten der Pointe das sonst den Männern vorbehaltene Sahnehäubchen aufsetzen.
Zum Beispiel schlenderte ich im Sommer mit meiner Freundin, eine Falafel in Hand und Mund, durch die Hamburger Schanze. Als uns ein Grüppchen halbwüchsiger Jungs entgegenkam, rief mir einer von ihnen, nicht älter als zwölf und größer als 1,50, zu: „Hey, willste mir einen blasen?“. Nee, wollte ich nicht und argumentierte: „Sorry, ich hab schon was im Mund.“ Und vom Geistesblitz erfasst, fügte ich hinzu „Aber dein kleiner Schwanz passt da sicher noch mit rein“.
Ja Herr Mohr, dass auch mal Blut fließen kann, wenn Frauen ihrem Witz schneidende Schärfe verleihen und dass das nicht immer schön aussieht, dem stimme ich zu. Aber ich halte es für ein wirksames Mittel. Auch Kotthoff weiß: „Wer gut kontern kann, der wird anerkannt.“ Denn Schlagfertigkeit ist wie ein fester Händedruck: Ein Zeichen von Selbstbewusstsein.
Und dann gibt uns die Humorforscherin noch etwas Beruhigendes mit auf den Weg, wenn sie sagt, der Angriffshumor sei bloß eine Frage des Trainings im Alltag. Na dann mal los: Treffen sich zwei männliche Gehirnzellen. Sagt die einer zur anderen. Was machst du denn hier oben – die anderen sind doch alle unten.

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