In Bremen sind 6 junge Männer freigesprochen wurden, nachdem sie eine 17-Jährige brutal vergewaltigt hatten. Der Grund: Das Opfer war aufgrund der Schwere der Taten nicht vernehmungsfähig und konnte so nicht im Einzelnen erötern, wer was getan hatte. Und es geht noch schlimmer (Triggerwarnung!), so die taz.
„Vergewaltigung“ dürfe man nicht nennen, was da passiert sei, sagte Verteidiger Eberhard Schulz. „Es gibt auch junge Frauen, die sind sexhungrig“, pflichtete sein Anwaltskollege Matthias Koch bei. […]
Die 17-Jährige habe Abtreibungen hinter sich und Erlebnisse mit sexueller Gewalt, so Richter Keller. Wenn sie jetzt traumatisiert sei, liege das vielleicht nicht nur an jener Nacht zum 1. Juli 2007. Die junge Frau habe offenbar Probleme, sich deutlich abzugrenzen.
Die Aussagen der Anwälte sind schon widerwärtig genug, die des Richters und der Verlauf des taz-Artikels hinterlassen allerdings auch einen faden Beigeschmack. Was Abtreibungen mit einer Massenvergewaltigung zu tun haben, erschließt sich nicht. Soll es vielleicht ein Hinweis darauf sein, dass die Frau bereits Sex hatte und damit auch mit weiterem Sex rechnen musste? Und warum erfahren die Leser_innen, sie habe Probleme, sich abzugrenzen – das rechtfertigt doch in keiner Weise Grenzüberschreitungen. Oder dass sie nicht direkt zur Polizei ging, sondern zunächst alles verdrängte? Schließlich heißt es im Artikel auch, sie habe sich nicht gewehrt, sondern alles hingenommen.
Aus diesen Hinweisen heraus wird ein Bild geschaffen, nach dem es sich hier eben nicht um ein Opfer handelt, dass alles richtig gemacht hat. Das sich massiv gewehrt hat, gleich zur Polizei ging und ansonsten keinerlei sexuelle Erfahrungen hatte. Dabei ist schon lange klar, dass es kein richtiges Verhalten gibt, das jede_r anders reagiert und es manchmal Jahre dauern kann, bis ein Opfer sich selbst eingesteht, welches Unrecht geschehen ist. Denn oft genug ist der Gang zur Polizei, das Erläutern des Tatherganges, das Eingestehen der eigenen Hilflosigkeit, der Verletzungen etwas so furchtbares, dass es einfach an die Seite geschoben wird, um den Rest der eigenen Würde zu behalten.
Trotz allem wurde anscheinend im Gericht, wie auch im Artikel noch einmal ganz genau das Leben des Opfers auseinandergenommen, seine bisherige Lebensgeschichte seziert, über Motive spekuliert. Als ob das in irgendeiner Weise das Unrecht beinflusst hätte. Kein Wort zu den Hintergründen der Täter und ihrer Motivation tatsächlich Unrecht zu begehen. Kein Wort, wie es von ihrer Seite aus zur Tat kam. Wie lange noch, bis es uns endlich egal ist, wie „vergewaltigbar“ ein Mensch ist und wir stattdessen bei denen anfangen, die eine Vergewaltigung verhindern könnten – denen die sie begehen.

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