Neulich – ist schon ein bisschen her – machte uns Leserin Judith netterweise auf einen Post von Financial Times-Redakteur Adam Stein aufmerksam, der mich gleichzeitig grinsen und grübeln machte:
Male chauvinists have breathed a sigh of relief after a structural survey of the glass ceiling in leading British boardrooms revealed that it was still in good condition in spite of recent worries about localised cracking.
Anxieties about the physical state of the ceiling had been aroused by anecdotal evidence that more women had been appointed to prominent directorships.
However, an annual structural survey undertaken by the Cranfield School of Management showed that women still held only 12 per cent of board seats at FTSE 100 companies and that the glass ceiling would continue to hold back women from obtaining equal representation for another four decades or so if the recent pace of deterioration didn’t change.
One male director said it was a relief that the glass ceiling was in no danger of imminent collapse.
“Business loves certainty and it is great news that corporate Britain might not be forced into fully engaging with vital issues such as equal pay and macho HR practices until the middle of this century, when the effects of global warming will probably give us plenty of new excuses to avoid taking action.”
Die Gleichberechtigung stagniert also auch in Großbritannien. Manchmal möchte man sich wirklich ein Loch graben und aufhören darüber nachzudenken, wie oft man eigentlich Meldungen wie diese zu lesen bekommt.
Deswegen habe ich mich gefreut, dass Stein die Nachricht mit einer deftigen Portion Sarkasmus serviert – alles andere, Empörung oder Resignation – bringen ja auch nichts. Und wenn schon verzweifeln, warum dann nicht dabei Spaß haben? Besonders gut fand ich es, dass hier ein Mann klar und deutlich anerkennt, dass es eben doch auch an Männern liegt und Männern zugute kommt, dass Frauen einfach nicht voran kommen. (Disclaimer: ich habe hier bewusst die Artikel vor Männer weggelassen – es ist also für alle klar erkennbar, dass ich nicht die Männlichkeit an und für sich meine, ja? Danke.) Und anstatt einmal wieder einen perplexen Soziologen oder eine verbitterte Managerin zu zitieren, statt mit Zahlen zu hantieren oder die Beteuerung zu reproduzieren, dass ja kein Mensch WILL, dass Frauen benachteiligt werden – haut Stein einfach mal ein bisschen auf die Kacke.
Dann kam mir aber ein anderer Gedanke. Denn irgendwie trieft das Textlein so vor Absurdität, dass er genau so als Vergackeierung feministischer Wut auf die genannten Male Chauvinists verstanden werden kann. Und weil der Autor ein Mann ist, macht er sich doppelt unangreifbar, auf eine Weise, die für eine Frau, insbesondere eine Feministin, praktisch nicht zu leisten ist. Denn er kommt sowohl als ernsthafter Befürworter der Gleichberechtigung (scheint er, wenn man sich andere Posts ansieht, auch tatsächlich zu sein) rüber. Er kann sich als Mann leichter über Chauvinisten aufregen, ohne (von ihnen) dafür eins auf den Deckel zu bekommen – weil er ja über sein eigenes Geschlecht schreibt und das auch ganz klar humorvoll. Und er kann zur Not immer den Ironie-Joker ziehen, s. o.
Als Frau ist dieses Trippel-As deshalb kaum zu kriegen, weil man sich über die Benachteiligung des eigenen Geschlechts schlecht mokieren kann, ohne zynisch zu werden und sich dabei nebenher selbst in die Eierstöcke zu boxen – oder sich dessen zumindest verdächtig zu machen. Fast noch unmöglicher ist es aber, sich als Frau über ernsthaft Chauvinisten lustig zu machen, ohne dafür virtuell bzw. verbal mit Pudding oder ekligerem beworfen zu werfen. Und zwar von allen möglichen Seiten.
Andererseits ist das vielleicht eine Aufgabe, der sich Frauen langsam mal stellen sollten und auch könnten: mehr Sarkasmus wagen. In den USA z.B. sind Comedians wie Sarah Silverman und Margaret Cho ziemlich fleissig dabei, sich über Sexismus und Frauen gleichzeitig lustig zu machen und sie bekommen das auch gut hin. Und das ist erfreulich, denn Humor ist ja letztlich eine der effektivsten Waffen, auch im Kampf um Rechte.

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