Ein Beitrag zur Debatte über ein Verbot der Burka in Europa von unserer Leserin Jeezal*.

Als Afghanin, die die weibliche Unterdrückung, ein Mix aus chauvinistisch geprägtem Kultur-Traditions-Religions-Mix, seit ihrer Geburt kennt, reagiere ich auf Kopftuch und Burka relativ heftig. Rein emotional, nicht aus Vernunftgründen. Zu oft habe ich fadenscheinige Gründe von Männern aus dem orientalisch-islamischen Raum zum Thema Frauenunterdrückung in ihren mannigfaltigen Formen anhören müssen – grinsend und sich Ihres Machismus‘ sehr bewusst sowie der Ungerechtigkeit dahinter.
Ich habe einige Zeit lang in Afghanistan gearbeitet, wo viele selbst noch in Kabul Burka trugen und natürlich fragte ich neugierig, denn ich hatte nicht mal Lust, ein Kopftuch zu tragen. Ich habe stets 2 Antworten gehört: Entweder „meine Familie will es so“ oder „ich fühle mich sicherer in der Burka“. Sicher vor Blicken und Beleidigungen von Männern. Ich selber habe häufig ein Kopftuch auf dem Kopf gehabt um nicht von den Männern auf der Straße für eine „Hure“ gehalten zu werden und um nicht ständig irgendwelchen Obszönitäten ausgeliefert zu sein. Denn das sind die beiden Frauenbilder, die die meisten moslemischen/ orientalischen Männer kennen: Entweder Du folgst den strengen Regeln, bleibst zuhause, bist brav, nicht zu fordernd, redest nicht zu viel und lässt Dich brav verheiraten oder Du bist ein Mädchen von der Straße (das heißt Du verlässt das Haus, selbst wenn es nicht dringend notwendig ist) und schon bist Du eine Frau 2.Klasse – denn wer weiß, was Du da draußen machst.
Hingegen nutzen die Männer (Jungs), die sämtliche Freiheiten haben, diese auch in vollen Zügen aus. Für sie gilt nur ein islamisches Gesetz: kein Schweinefleisch. Alles andere der westlichen Kultur ist erlaubt!
Ich kenne aus persönlichen Kontakten keine Burkaträgerinnen in Europa, nur Kopftuchträgerinnen, die mir gesagt haben, sie tragen ihr Kopftuch aus tiefer religiöser Überzeugung. Das ist ein Argument, welches für mich schwer verdaulich ist, dennoch kann ich es und vor allem will und muss ich es tolerieren. Aber, was könnte wohl der Grund dafür sein, dass jemand freiwillig in Europa eine Burka trägt? Es gibt keinen Grund dafür: Es ist weder religiös vorgeschrieben, noch ist man irgendeiner Gefahr ausgesetzt, wenn man keine Burka trägt. Ich kann mir nur einen Grund vorstellen: Zwang von der Familie.
Ich habe einmal eine Burka für ein paar Minuten getragen und tatsächlich konnte ich mich kaum fortbewegen, da mein Gesichtsfeld enorm eingeschränkt war – ganz abgesehen von dem Gefühl in einem Käfig zu sein und mich absichtlich weitaus hilfloser gemacht zu haben. Ich finde, dass der Vergleich mit genitaler Verstümmelung überhaupt nicht hinkt. Es ist nur ein anderes Gesicht des gleichen Prinzips. Und warum tun Frauen es sich gegenseitig an? Mütter und Schwestern Ihren Töchtern? Das habe ich schon viele Afghaninnen gefragt. Insbesondere, wenn es um Zwangsverheiratung geht. Antworten: Tradition, Gewohnheit, was man mir angetan hat, tue ich nun auch anderen an.
Die Männer antworten meistens ähnlich, aber hinzukommt der wunderbare, abstrakte Ehrbegriff. Aber der Hauptgrund ist meines Erachtens fehlende, mangelnde Bildung bis meistens Analphabetismus. Ich denke, dass wir in Europa mittelalterliches Gedankengut und Handelsweisen nur bedingt tolerieren müssen, sollten. Egal wie oft uns vielleicht Analphabeten, egal aus welchem Land und welcher Religion erzählen wollen, dass die Erde eine Scheibe ist, sollten wir nicht aus übetriebener Toleranz zustimmen. Sondern aufklären. All das Gute, das in Europa erreicht worden ist sollten wir weitergeben an die Menschen, die in Europa leben (damit meine ich nicht, in irgendein afghanisches Dorf gehen und denen was von Aufklärung erzählen).
Meiner Meinung nach sollte man Frauenunterdrückung in Europa nicht erlauben – das wäre übertriebene „Toleranz“. Ich denke, damit macht man sich eher schuldig nichts getan zu haben im Angesicht von evidenter Unterdrückung und ihren Folgen. Ich sehe das Verbot der Burka eher als Schutzmaßnahme an. Und diese Frauen benötigen Schutz, denn sie selber werden nicht auf die Idee kommen für Ihre Rechte einzustehen – aus vielerlei Gründen.
(Dieser Kommentar erschien ursprünglich als Beitrag zur Diskussion „Burka weg oder Geld weg“)
*der Name wurde von uns geändert

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