Mit Kommissionen ist das ja so eine Sache: Es gibt viele, sie schreiben viele Berichte. Die werden dann mehr oder weniger in der Presse besprochen und anschließend schnell vergessen. Weil die Empfehlungen zu teuer sind. Weil der Politikbetrieb lieber weiter an ältere Berichte glauben mag. Oder. Oder. Oder.
Nun hat aber die von der Robert-Bosch-Stiftung einberufene Expertenkommission „Familie und demographischer Wandel“ gleich einen ganzen Katalog von Forderungen vorgelegt, was sich in der deutschen Familienpolitik ändern sollte – weg vom Mama-Papa-Kind-Hund-Modell, hin zu Solidaritätsgemeinschaften, die auch staatlich unterstützt werden. Momentan wird ausschließlich die Ehe explizit als Familienform durch Steuererleichterungen gefördert. Dass soll sich ändern, sind sich die Experten einig, deshalb:
- muss das unmittelbare Umfeld gestärkt werden;
- sollte sich Familienpolitik zuallererst auf der kommunalen Ebene entfalten;
- muss das zivilgesellschaftliche Engagement für Familien auf proaktive staatliche Anreize treffen;
- sollten neue Lebensgemeinschaften – gerade auch unter Älteren und im Mehrgenerationenverbund – rechtlich abgesichert werden;
- sollte die Leistung für und in den kleinen Lebenskreisen durch steuerliche Erleichterung oder auch ein Grundeinkommen honoriert werden;
- sollte sich Stadtentwicklung an familienpolitischen Belangen orientieren;
- sollte der vergleichende Austausch und das Lernen von anderen gesucht und erleichtert werden.
Die Kommission, namentlich Kurt Biedenkopf, Hans Bertram und Elisabeth Niejahr, hat online nicht nur ihren Bericht veröffentlicht, sondern außerdem Gastbeiträge verschiedener Sozialwissenschaftler, die alle auf der Webseite der Robert-Bosch-Stiftung nachgelesen werden können.
Deren Überlegungen und Forderungen dürften wegweisend für unser zukünftiges Verständnis von Familie sein. Spannend bleibt nur, ob und wie schnell die Politik auf die Erkenntnisse der Wissenschaftler_innen reagiert. Bis jetzt ist – zumindest auf Regierungsebene – die Kleinfamilie ja weiterhin der allgemein anerkannte status quo, die Realität aber schon viel weiter, wie man an unzähligen privaten Initiativen sieht.
Oder? Wie lebt ihr denn so? Und wie wollt ihr später mal leben? Mit anderen Familien unter einem Dach? In einer WG? Mit euren Eltern in einem Mehrgenerationenhaus? Oder doch ganz „klassisch“, nur mit Kindern und eurem angeheirateten Menschen?

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