In dieser Kolumne möchte ich mich herzlich bei Sonja Vukovic bedanken. Sie hat mir mit ihrem Artikel auf welt.online die heutige Arbeit sehr erleichtert. Denn ihre Analyse, warum russische Frauen so erfolgreich flirten, schießt sich derart selbst ins halterlos bestrumpfte Knie, dass ich gar nicht viel hinzuzufügen bräuchte.

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de
Hier einige Kostproben ihrer Beobachtungen:
Noch bezaubernder als alle anderen sah an diesem verwunschenen Ort {Bar} eine junge Russin aus, die, ihre turmhohen High Heels fest am Boden verankert, ihre freien Schultern und ihre zierlichen, von dünnem Stoff bedeckten Hüften im Takt der sanften House-Musik hin und her wippte. Zerbrechlich, puppenhaft wirkten diese zarten Bewegungen, ihr Blick dagegen war kompromisslos. {…} Ihr besonderer Reiz, so erklären es zumindest die Männer in meinem Freundes- und Bekanntenkreis, liege vor allem darin, dass sie Weiblichkeit eben nicht als Merkmal des schwachen Geschlechts begreifen, sondern als ein lebenslanges Fest.
Hemmungslose Weiblichkeit macht das „schwache“ Geschlecht also anziehend beim „starken“ Pendant. Komisch, auch im empfinde mich als weiblich: Auch wenn ich meine Hüften meistens mit mehr Stoff bedecke, Turnschuhe hohen Hacken vorziehe und mich tanzend lieber in wilde als zarte Posen werfe, bin ich immer noch weiblich, weil eine Frau. Und als Feministin begreife ich besonders meine Weiblichkeit nicht als Zeichen von Schwäche. Zerbrechlich und Puppenhaft ist halt nicht meine Masche, außer an Tagen, an denen mir halt mal danach ist. Aber anlehnen kann ich mich auch im fleecegefütterten Daunenjäckchen.
Russische Frauen erwarten vom Mann, dass er die Rechnung im Restaurant bezahlt. Sie lassen sich die Türe aufhalten, den Mantel anziehen und bereiten im Gegenzug für diese Aufmerksamkeiten in einer möglichen späteren Ehe mit Stolz ihrem Gatten das Essen zu. Dieses Miteinander nach alter Manier hat nichts mit Unterwürfigkeit zu tun.
Nein, Unterwürfigkeit fängt erst da an, wo man sich dieser Rolle aus Unsicherheit oder Furcht nicht mehr zu entledigen weiß, obwohl man durchaus Bock darauf hätte, dem Mann mit dem eigenen Geld ein paar Pommes zu spendieren. Dass Optik und Auftreten besagter Russinnen vor allem dem Zweck diene, sich einen reichen Mann zu angeln, bemerkt auch die Autorin an. Und egal, ob die Damen auch in der Ehe und mit Kindern berufstätig bleiben – ihren Lebensstil hat der Mann zu finanzieren. Sogar in sogenannten Flirtschulen können sich die Frauen ausbilden lassen – in der Kunst, ein „böses Mädchen“ zu sein. Wie jetzt?! Gerade noch zerbrechlich und unterwürfig, und jetzt böse?
Ja, klar, Diven- und Zickengehabe sind genauso Teil der Inszenierung „Weiblichkeit“ wie die körperbetonte Kleidung, lange Haare und die Schmollmundschnute. Und zu welchem Zweck? Einzig, um einen Mann abzukriegen. Ergo, Frauen in Hosen und ohne Mann sind gar keine Frauen. Mensch, da muss ich doch gleich mal gucken, ob zwischen meinen Beinen noch alles weiblich ist.

Selbst die Sprinterin Caster Semenya, deren Gewinn der WM-Medaille aufgrund ihres „zweifelhaften“ Geschlechts umstritten ist, wird für das Cover einer Modezeitschrift auf weiblich getrimmt. Damit jede und jeder sehen kann, die Sportlerin muss nur ein enges Kleid tragen und die Haare ein bisschen offen tragen, nicht zu vergessen, ein Lächeln auflegen, und schon greifen sie wieder die stereotypen Gechlechtscharakteristika.

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