Mit großer Mehrheit hat das französische Parlament letzten Dienstag ein Vermummungsverbot verabschiedet, in dem die Worte Burka und Niqab zwar gar nicht vorkommen, das aber recht eindeutig auf Ganzkörperverhüllungen abzielt. Im September wird die Entscheidung mit höchster Wahrscheinlichkeit vom französischen Senat bestätigt und somit in Kraft treten (wir berichteten).
Frankreich hat die größte muslimische Bevölkerung Europas (Schätzungen zufolge fünf bis sechs Millionen), wovon ca. 2.000 Frauen die Niqab oder die Burka tragen und somit direkt von dem neuen Gesetz betroffen sind.
Bereits als in Belgien über ein ähnliches Gesetz entschieden wurde, diskutieren wir über dessen Sinn oder Unsinn. Während ein Burka-Verbot in vielen europäischen Ländern Zustimmung findet (Deutschland: 71%, Frankreich: <80%), plädieren zwei Drittel der US-Amerikaner_innen für ein Recht auf Vollverschleierung. Aus den USA kommen aber auch Stimmen, die die neuen Gesetze in Belgien und Frankreich gutheißen: Mona Eltahawy, eine ägyptisch-amerikanische Journalistin, die sich als „liberale, muslimische Feministin“ beschreibt, erklärt in einem Interview mit Broadsheet@Salon, warum sie ein Burka-Verbot befürwortet.
Auf die Frage, warum sie das Verbot unterstütze, antwortet Eltahawy, dass die Burka einer Ideologie entspringt, die Frömmigkeit mit dem Verschwinden von Frauen gleichsetzt und somit nicht nur Frauen, sondern auch ihre Rechte unsichtbar mache.
Ganzkörperverschleierte Frauen, die behaupten, dass sie die Burka freiwillig tragen, berufen sich häufig auf Erklärungen wie „Frauen seien wie eine Süßigkeit oder wie ein Edelstein, deren Wert geschützt werden müsse“. Eltahawy ist über solche Aussagen einerseits schockiert und erklärt andererseits, dass die Burka nicht zwangsläufig etwas mit dem Islam zu tun hätte, denn die Mehrheit der Musliminnen trage gar keine Burka.
Eltahawy ärgert sich dennoch darüber, dass die Burkadebatte im europäischen Kontext von xenophoben Rechtskonservativen vereinnahmt wurde. Die Diskussion um die Burka, die sich im Kern eigentlich um Frauenrechte drehen sollte, wurde so recht erfolgreich von Rechtspopulist_innen gerahmt, die die Ängste all derer ausnutzten, die anderen Kulturen und Immigrant_innen sowieso schon feindlich gegenüber standen. Eltahawy ist enttäuscht darüber, dass die Linken sich aus der Debatte rausgehalten haben.
Auf die letzte Frage, ob das Burkaverbot Frauen auch in sehr konservativen Gemeinden hilft, antwortet Eltahawy, dass sie zumindest hofft, dass zwangsverschleierte Frauen das neue Gesetz als Möglichkeit erkennen, zu einem Mann zu sagen: „Ich muss rausgehen und arbeiten und kann mein Gesicht nicht verstecken. Das Gesetz steht hinter mir.“ Doch auch Eltahawy ist eher pessimistisch: „Ich weiß nicht, ob das auch wirklich passieren wird.“

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