Die re:publica endete gestern Abend in einer – wie man es zwitschern hörte – sehr amüsanten Follower-Party. Auch wenn die Mädchenmannschaft in den Personen von Anna, Verena und Katrin nicht die ganze Zeit vor Ort war, so haben wir durch unseren Workshop und auch die Gespräche am Rande der re:publica einiges mitgenommen und vor allem viele sympathische und interessante Menschen kennen gelernt. Leider hatte ich viel zu wenig Zeit mitgebracht, als ich dann doch gerne für diese Menschen gehabt hätte – aber wozu gibt es schließlich das Web 2.0?
Unser eigener Workshop war dankenswerterweise wirklich gut besucht. Auch wenn der Raum nach einiger Zeit etwas stickig war, die Leute hatten helle Köpfe und diskutierten angeregt mit uns darüber, wie es im Web 2.0 für den Feminismus weitergehen kann. Neben einer kurzen Power-Point-Vorstellung (Download 4,2 MB) einiger exemplarischer feministischer Blogs, wollten wir wissen, warum die Geschlechterrollen aus der analogen Welt sich im Internet einfach fortsetzen: Männer bloggen über Politik und Technik – Frauen über Klamotten, Kinder und Kochen. Nicht, dass zum Beispiel Tessa, die in ihrem Blog Flannel Apparel wunderbare Texte schreibt, nicht über Mode bloggen soll – aber warum ist es nicht auch für andere Frauen genauso wie für sie, oder wie für Zeitrafferin Julia Seeliger absolut selbstverständlich, sich auch einmal politisch zu äußern? Wie dem auch sei: Nachdem wir unsere „Zukunftspläne“ vorgestellt, unseren Aufruf zur stärkeren Vernetzung unters Volk und auch ein wenig über die Probleme unserer täglichen Arbeit und derer anderer feministischer Blogs gequatscht hatten, war auf sonderbare Weise die Zeit auch plötzlich um. Vielleicht ein gutes Zeichen: Zumindest uns als Rednerinnenpult-Besetzerinnen kam das alles sehr kurzweilig vor.
Hinterher gingen die Diskussionen noch ein wenig weiter, denn zu unserem Glück wollte niemand direkt nach uns in den Raum. Nachdem wir die anstehenden Interviews gegeben hatten, zogen wir gen Friedrichshain, um uns erst einmal bei meinem „Lieblingsfeind“, dem Inder, zu stärken für das Girl Geek Dinner. Dort führten wir sehr angeregte und offene Gespräche mit der Organisatorin Nicole und möchten ihr Projekt unbedingt weiter empfehlen – denn die Girl Geek Dinners gibt es mehrmals im Jahr, vielleicht auch bei dir: Hamburg, Berlin, München, Köln und Frankfurt sind schon in der Liste.
Freitagnachmittag wollte ich mir noch die Diskussion „Wenn Frauen bloggen – warum Babykotze genauso relevant ist, wie das iPhone“ ansehen. Diese Veranstaltung war zu dem verspäteten Zeitpunkt, an dem ich dort eintraf, vor allem eine Diskussion innerhalb der Audience – sprich: Sie hatte das eigentliche Panel fast verlassen – wurde aber von dort aus moderiert und zwischendurch auch wieder kommentiert. Kurz und knapp zusammengefasst ist in diesem Workshop die schon an den beiden vorangegangen Tagen immer wieder spürbar gewesene Verständnislosigkeit über das schlechte Frauen:Männer-Verhältnis (über den Daumen gepeilt etwa 1:7) auf den Panels an die Oberfläche gekommen und wurde diskutiert, sowie nach Lösungen gesucht. Aber auf die Frage, warum denn nun Babykotze ebenso relevant sei, wie das iPhone, wurde irgendwie keine Antwort gegeben – vielleicht auch besser so. In einem kurzen Gespräch nach der Veranstaltung mit Franziska, die auch auf dem Podium saß, verabredeten wir den wahrscheinlich einzigen richtigen Schritt zur Verbesserung der Frauenquote auf solchen Konferenz-Podien: Vernetzung untereinander und gezielt die kompetenten Frauen – die es ja gibt und die genauso etwas zu sagen haben! – bekannt machen und auf die Podien platzieren. Aktiver füreinander eintreten, anstatt aneinander vorbei zu reden und zu schreiben.
Ein guter Abschluss – für mich zumindest – war das Podium „Politik im Web 2.0“, auf dem neben Markus Beckedahl und Julia Seeliger auch der Pott-Blogger Jens und Kai von Zeit Online saßen. Auch wenn es nicht SO VIEL Neues war, was dort zur Sprache und das Verhältnis von Blogs und „traditionellen Medien“ mal wieder auf den Tisch kam.
Danach ging es für mich nach Hause. Motiviert. Mit Power-Laune. Die Sonne auf dem Spielplatz noch ein bisschen genießend.
Weitere Berichte über die re:publica und unseren Workshop:
Berlin (2) – der zweite re:publica-Tag wird berichtet von Franziskript
re:publica 09: Donnerstag 2 – Feministische Netzkultur – ein Bericht über unsere Diskussion von i heart digital life
Re:publica Revisited – wie die re:publica vom Mädchenblog erlebt wurde
Blogetten, Babykotze und Maskulisten – von la lila
Re:publica Tag 2 #rp09 – von Liz’s blogging
re:publica 09 – fetzen (2) – von engl@absurdum
fiene & re:publica 09 #2 – ein kleines Filmchen von unserem Workshop von fiene
„Wir sind alle Presse“ – von fm4
eine Reihe re:publica-Artikel bei der medienlese

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