Manchmal sind Bilder einfach stärker als Worte. Während man in der Diskussion Tage, Wochen, Jahre damit verbringen kann, über die Chancengleichheit von Frauen und Männer in diesem Land zu reden, stellt nun die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung – zusammen mit dem Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung – einfach ein paar Landkarten ins Netz, unter dem Titel „Gender-Index“.
Und die haben es in sich: Auf der Karte oben ist zum Beispiel zu sehen, wie viele Kinder unter drei (oben) bzw. über drei (unten) Jahren teilweise (links) oder ganztags (rechts) betreut werden. Ein Blick und es ist klar: In Ostdeutschland werden Kinder insgesamt öfter in Kindertagesstätten betreut (grün und blau), in Westdeutschland verbringen dagegen weniger als fünf Prozent der Kinder unter drei Jahren ihren Tag nicht zuhause (hellgrün).
Diesen schnellen Überblick gibt es aber nicht nur zur Frage der Kinderbetreuung, sondern auch zum Beispiel für die Chancen von Frauen und Männern auf dem Arbeitsmarkt in den unterschiedlichen Regionen Deutschlands. Da stellt sich heraus, dass Frauen und Männer im Osten ähnliche Chancen haben – während im Westen die Chancen der Frauen geringer sind -, dass diese allerdings bei beiden Geschlechtern schlechter als im Westen sind.
Insgesamt werden 19 Indikatoren aus den Bereichen Ausbildung, Erwerbsleben und Partizipation gezeigt; der allgemeine „Genderindex“ ist der Mittelwert aus diesen Indikatoren. Für 439 Städte und Kreise ist so eine Rangliste entstanden, bei deren Lektüre ich feststellen musste, dass ich mich in Genderfragen bei jedem meiner Umzüge verschlechtert habe: Aufgewachsen in Berlin (Platz 15), studiert in Leipzig (Platz 21), bin ich mit meiner jetzigen Wahlheimat München noch mal zwei Pätze runter, also auf Platz 23, gefallen. Insgesamt schneiden aber alle drei Städte nicht schlecht ab.
Doch diese Zahlen- und Kartenspielerei soll nicht nur zur persönlichen Belustigung und dem allgemeinen Interesse dienen. Vor allem die Politik und die Unternehmen sind die Adressaten der Ergebnisse: Kreis- und Stadtverwaltungen sollen angespornt werden, konkret mehr für die Chancengleichheit von Frauen und Männern, Mädchen und Jungen zu tun. Und die Unternehmen bekommen so eine Entscheidungshilfe für ihre Standortwahl, wenn es ihnen darum geht, so unkompliziert wie möglich Fachfrauen und -männer anwerben zu können.
Und wer hat nun „gewonnen“? Die Hans-Böckler-Stiftung schreibt zwar:
Es gibt im Ranking des Gender-Index deshalb keine Sieger und Verlierer. Allen Kreisen ist gemein, dass bis zur Herstellung von Geschlechtergerechtigkeit noch Handlungsbedarf besteht. Trotzdem zeigen sich Regionen mit im Durchschnitt geringeren, mit mittleren und mit höheren Geschlechterunterschieden.
Hier trotzdem ein Blick auf die interessante Gruppe auf dem Treppchen:
1. Bitterfeld
2. Starnberg
3. Leipziger Land

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