Die Top 3 der Pepsteinerlebnisse auf der Leipziger Buchmesse

von Mrs. Pepstein

Frau in High Heels und Bluse, Minirock und Leggins, die eine Aktentasche, Pfanne und Staubwedel mit drei Armen hält, sowie ein Baby in einem kleinen Wagen hinter sich herzieht

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

TOP 1 Donnerstag

Charlotte Roche auf einem blauen Sofa im Interview mit einem Journalisten der Süddeutschen Zeitung, ich erkämpfe mir mit Kind an der Brust einen Platz in der zweiten Reihe. Das Buch von Frau Roche habe ich schon gelesen und bin begeistert über die Themenbandbreite des Buches, es geht nämlich für alle, die es noch nicht gelesen haben NICHT nur um Analsex, sondern unter anderem auch um schwierige Mutter-Tochter-Verhältnisse, Frauen, die sich selbst befriedigen und Krankenhausalltag. Leider muss/darf Frau Roche in dem Interview fast ausschließlich über Sex reden und das war dem Journalisten auch selbst peinlich, denn explizite Ausdrücke sollte doch bitte Frau Roche für ihn aussprechen. Ich bin enttäuscht, dass Frau Roche nicht über die anderen Themen des Buches reden „darf“ und ziehe mit Kind auf dem Arm von dannen. Liebe JournalistInnen, die ihr auch noch vorhabt Frau Roche zu ihrem Buch „Feuchtgebiete“ zu interviewen, fragt sie doch bitte auch mal nicht nach Analsex. Danke.

TOP 2 Freitag

Ich darf heute selbst lesen, und bin ganz aufgeregt. In dem Buch „Hot Topic“, herausgegeben von Sonja Eismann, habe ich einen Artikel über meine Radiosendung „Mrs. Pepsteins Welt“ geschrieben und darf diesen im Conne Island vorlesen. Sonja Eismann ist auch da. Mit von der Partie ist auch mein vier Monate altes Baby samt Babysitterin, da mein Freund ungünstigerweise ausgerechnet in dieser Woche auf einer anderen Messe außerhalb Leipzigs weilt. Die beiden sind im Backstageraum (ein Beweisfoto gibt es!) und an diesem Abend bin ich sehr froh über das Rauchverbot, das hier und in dem ganzen Club gilt. Unmittelbar vor dem Lesen will ich noch mal Stillen …Was macht mein Kind? Es lacht mich an, aber von trinken keine Spur … Also gehe ich relativ unsicher auf die Bühne, mit einem Ohr in Richtung Backstage. Sonja und ich werden vorgestellt, Sonja stellt selbst das Buch vor und das Gebrülle im Backstage geht los! Ich also nach hinten, Kind stillen, währenddessen liest Sonja Eismann den ersten Artikel über Indie-Mutterschaft und bin froh, dass wir im Vorfeld darüber geredet haben, wie sie sich verhält, wenn ich auf einmal weg bin. Nach dem Stillen warte ich am Bühnenrand und fange dann selbst mit dem Lesen meines Artikels an, das heißt, das will ich, aber aus der hinteren Ecke höre ich mein Kind wieder schreien. Zur Beruhigung des Publikums (und auch zu meiner eigenen) sage ich: „Es ist alles okay, ja, das ist mein Kind, das hier schreit, aber es hat keinen Hunger mehr, sondern kennt lediglich die Umgebung nicht und ist hundemüde, und da schreit es halt manchmal.“ Und dann lese ich, gelegentlich gibt es Lacher und nach ein paar Minuten hört auch das Schreien im Hintergrund auf. Nach der Lesung ist alles prima, das Baby ist eingeschlafen, und irgendwie ist/war es auf einmal die normalste Sache der Welt, das Kind dabeigehabt zu haben. Klar, würde ich das nicht jeden Abend machen, aber mein Kind hat keinen Schaden davon getragen, ich hatte Spaß und habe eine gute Sache promotet und war vielleicht auch für ein paar Menschen im Publikum ein Role Model, egal ob als Autorin, Radiomacherin oder Mutter.

TOP 3 Sonntag

Das geht jetzt schnell. Sonntags war ich mit Kindern und Freundin mit dazugehörigem Kind auf der Buchmesse zum Kinderbuchanschauen. Wir waren noch nicht lange da, da brach auf einmal der Kinderwagen (zu viele Jacken, 7 Kilo-Kind und zwei Wasserflaschen wirkten auf ein zehn Jahre altes Fahrgestell) an der Seite durch. Zunächst war ich einigermaßen derangiert: mit einem Kind auf dem Arm, dem anderen an der Hand und einem kaputten Kinderwagen in einer Messe voller Menschen! Irgendwie der Obergau, doch Hilfe kam in Form eines älteren Herrn im schicken Messeoutfit. Dieser war bereit, alles für das Wohl der Messebesucherin zu tun! Er sah sich das Problem an, handelte kurzentschlossen mit Schrauben und Werkzeug und was soll ich sagen: Der Wagen läuft wieder, und hat jetzt sogar die 1200 km- Oster-Bahnfahrt zu „Oma und Opa“ schadlos überstanden. Danke hier an dieser Stelle für soviel geballte Hilfsbereitschaft und technische Kompetenz!

* Als Pfälzer Kind trinke ich natürlich, wenn es um Alkohol geht, nur Wein … “Bier“ steht also hier nur wegen der schicken Alliteration.






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7 Kommentare

  1. ping sagt:

    Pfft, da hat sich sich Charlotte Roche ja wohl selber reinmanövriert. Kein Mitleid von dieser Tastatur aus.

  2. femi june sagt:

    Charlotte hat leider verloren, weil sie ihrer Klitoris gerne Schwanz sagen würde und deshalb ist sie die in den Arsch gebumste. Deshalb wird sie noch viel über Analsex sprechen müssen. (Nicht das es jemanden interessieren würde, aber was kann man von der „TV-2/3-Halbwissen-Generation“ schon mehr erwarten als ein Sex Talk? Von Feminismus hat die Gute la Roche leider keine Ahnung. Wirklich nicht.)

  3. Juli sagt:

    Charlotte mal beiseite, Muttiwelt mal nach vorn: Stimmt es eigentlich wirklich, dass die ersten Monaten die besten sind, weil die Babynahrungsmittelfabrik ja handlich verpackt immer dabei ist?

  4. Azundris sagt:

    «Charlotte hat leider verloren, weil sie ihrer Klitoris gerne Schwanz sagen würde und deshalb ist sie die in den Arsch gebumste.»

  5. Azundris sagt:

    Ich kann leider schon die erste Satzhälfte nicht deuten, deshalb weiß ich dann auch nicht, ob das zweite etwas gutes ist oder, weil es ja etwas für manche Frauen und manche Schwulen, niemals aber echte Männer ist, etwas Schlechtes.
    Davon ab geht mir Charlotte auch eher am A… vorbei. Was war das allein schon für eine Aussagen von wegen, wer keine Totalmasochistin ist, ist auch keine Frau?

  6. staples sagt:

    „das Kind“

  7. sam sagt:

    das kindergeschrei im hintergrund war irgendwie ganz lustig klischeehaft für einen „frauenabend“, hihi. war aber insgesamt sehr nett. leider konnte ich die absicht des herren in der ersten reihe bei der anschliessenden diskussionsrunde nicht ganz nachvollziehen… der arme.