Gestern Abend auf der Feminismus-Veranstaltung des Zündfunks sagte die Literaturwissenschaftlerin Barbara Vinken die interessanteste Sache des Abends: Frauen müssten überhaupt erst einmal andere Frauen als Autoritäten anerkennen lernen, wenn der Feminismus überhaupt etwas bringen solle.
Soll heißen:
Zu Zeiten der französischen Revolution, als die Idee einer Republik aufkam, wurde die Welt in eine männliche und eine weibliche Sphäre geteilt. Die männliche war die Welt da draußen, die mit Macht, Konkurrenz und so weiter; die weibliche war durch die häuslichen Wände beschränkt und sollte vor allem durch Liebe und Gefühl erfüllt sein. Von dieser Teilung versuchen sich Frauen schon seit ebenjenen Zeiten zu befreien, seit einigen Jahrzehnten haben sie nun auch tatsächlich schon weite Teile des öffentlichen Lebens erobert. Aber, so Barbara Vinken, dabei machen sie den entscheidenen Fehlern, dass sie davon ausgehen, dass alle Frauen gleich sind und dass sie also auch weibliche Autorität nicht anerkennen wollen. Simpelste Folge: die klassische Stutenbissigkeit. Komplexe Folge: Frauen bauen nur schwer Machtstrukturen aus; die Netzwerke, die es gibt, bleiben oft auf der gleichen Ebene.
Also:
Müssen der Feminismus und jede einzelne Feministin vor allem auch bei sich selbst anfangen und ihren Blick auf andere Frauen ändern? Müssen wir lernen, andere Frauen überhaupt als Vorbilder oder Expertinnen zu akzeptieren? Fällt euch das schwer oder seid ihr schon weiter und habt kein Problem mit weiblichen Autoritäten?
Wenn ihr Vorschläge für Grundsatzfragen habt, dann mailt sie an mannschaftspost(at)web.de.

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