Bringt das Anerkennen von Autoritäten den Feminismus voran?

von Susanne

Gestern Abend auf der Feminismus-Veranstaltung des Zündfunks sagte die Literaturwissenschaftlerin Barbara Vinken die interessanteste Sache des Abends: Frauen müssten überhaupt erst einmal andere Frauen als Autoritäten anerkennen lernen, wenn der Feminismus überhaupt etwas bringen solle.

Soll heißen:
Zu Zeiten der französischen Revolution, als die Idee einer Republik aufkam, wurde die Welt in eine männliche und eine weibliche Sphäre geteilt. Die männliche war die Welt da draußen, die mit Macht, Konkurrenz und so weiter; die weibliche war durch die häuslichen Wände beschränkt und sollte vor allem durch Liebe und Gefühl erfüllt sein. Von dieser Teilung versuchen sich Frauen schon seit ebenjenen Zeiten zu befreien, seit einigen Jahrzehnten haben sie nun auch tatsächlich schon weite Teile des öffentlichen Lebens erobert. Aber, so Barbara Vinken, dabei machen sie den entscheidenen Fehlern, dass sie davon ausgehen, dass alle Frauen gleich sind und dass sie also auch weibliche Autorität nicht anerkennen wollen. Simpelste Folge: die klassische Stutenbissigkeit. Komplexe Folge: Frauen bauen nur schwer Machtstrukturen aus; die Netzwerke, die es gibt, bleiben oft auf der gleichen Ebene.

Also:
Müssen der Feminismus und jede einzelne Feministin vor allem auch bei sich selbst anfangen und ihren Blick auf andere Frauen ändern? Müssen wir lernen, andere Frauen überhaupt als Vorbilder oder Expertinnen zu akzeptieren? Fällt euch das schwer oder seid ihr schon weiter und habt kein Problem mit weiblichen Autoritäten?

Wenn ihr Vorschläge für Grundsatzfragen habt, dann mailt sie an mannschaftspost(at)web.de.






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24 Kommentare

  1. Katrin sagt:

    Müssen der Feminismus und jede einzelne Feministin vor allem auch bei sich selbst anfangen und ihren Blick auf andere Frauen ändern?
    mein Eindruck ist: Ja, unbedingt. irgendwie läuft das noch ziemlich schwerfällig an. Ist meine Erfahrung (die sich auf den Politik-Bereich bezieht, in der Uni läuft das besser)
    Müssen wir lernen, andere Frauen überhaupt als Vorbilder oder Expertinnen zu akzeptieren?
    jein: mir persönlich fällt das nicht schwer, aber (subjektive) Beobachtungen meines (Uni-)Umfeldes sagen mir, dass männliche Dozenten schneller für kompetent eingestuft werden, als weibliche bei (subjektiv empfundener) gleicher Kompetenz! Bei Frauen legen die Frauen irgendwie höhere Messlatten an.
    Interessanter Effekt, den ich so ähnlich aus der Pisa-Studie kenne, wo Eltern aus sozial schwächeren Familien von ihren Kinder viel höhere Lesekompetenzen erwarten, damit sie aufs Gymnasium gehen, als gut situierte Eltern… da könnte es einen Zusammenhang geben.

  2. Schnatterinchen sagt:

    > Müssen der Feminismus und jede einzelne Feministin vor allem auch bei sich selbst anfangen und ihren Blick auf andere Frauen ändern?

    Meinen „Blick auf andere Frauen ändern“ trifft auf mich nicht zu, weil ich noch nie der Ansicht (die Frau Vinken komischerweise anderen Frauen unterstellt) war, dass alle Frauen gleich sind.

    > Müssen wir lernen, andere Frauen überhaupt als Vorbilder oder Expertinnen zu akzeptieren?

    Entweder akzeptiere ich eine Frau als Vorbild oder Expertin, oder ich akzeptiere sie nicht. Letzteres liegt in der Regel daran, dass ich diese Frau nicht überzeugend finde in dem, was sie sagt, denkt oder tut. Vielleicht ist es eher die Vorbild oder Expertin sein wollende Frau, die dann noch was lernen muss?

    > Fällt euch das schwer oder seid ihr schon weiter und habt kein Problem mit weiblichen Autoritäten?

    Ich habe kein Problem mit weiblicher Autorität. Also mit weiblicher Autorität, die ich als Autorität akzeptiere. Mit solcher, die sich mir als Autorität aufdrängen will, aber schon.

  3. Judith sagt:

    also ich würde von mir jetzt mal behaupten kein grundsätzliches problem mit weiblichen autoritäten zu haben. gerade im beruflichen bereich bin ich schon öfters auf ganz tolle frauen getroffen, die mir immer noch große vorbilder sind.
    das problem ist vielleicht auch, dass eben ein dominates auftreten, dass für chefpositionen notwendig ist bei frauen oft anders bewertet wird als bei männern. männlichen chefs gesteht man eine gute portion narzissmus eben eher zu. so à la menschlich ein arschloch aber fachlich brilliant.. das können/wollen frauen eher nicht bringen.

  4. Judith sagt:

    warum nennt man das von frauen gezeigte verhalten eigenltich „stutenbissigkeit“ und bei männern ist es das übliche „männliche“ konkurrenzverhalten?

    ps: was genau ist eigentlich mit „zeit der französichen republik“ gemeint? auch wenn ich mich hier jetzt als geschichte-nullcheckerin oute, aber ich dachte frankreich wär immer noch eine republik, die fünfte genaugenommen…

  5. access denied sagt:

    Vermutlich bezieht sich das auf die bürgerliche Revolution in Frankreich.

    Warum eigentlich kommt ihr nie darauf, dass die Existenz einer Autorität an sich falsch ist, anstatt nach den richtigen zu fragen. Könnt ihr nicht selber entscheiden oder traut ihr euch nicht zu, die Gesellschaft so einzurichten, dass sie vernünftig und rational ist?

  6. access denied sagt:

    P.S. das momentane Zeitalter heisst nicht umsonst Postbürgerliches

  7. Susanne sagt:

    @ Judith: Richtig, das mit der frz. Republik ist Quark. Weil ich zu schnell geschrieben habe. Richtig: Frz. Revolution und die Idee einer Republik, ich ändere das gleich.

    @ access denied: Du verwechselst Autorität mit Bevormundung. Autorität abschaffen zu wollen, ist m.E. Unsinn. Autoritäten geben dem Leben doch auch Struktur. Einfaches Beispiel: Wenn ich mich beim Diskutieren auf die Forschungsergebnisse einer Wissenschaftlerin oder eines Wissenschaftlers beziehe, dann ist die- oder derjenige für mich eine Autorität auf dem Gebiet. Wenn du das Wort nicht magst, dann ersetze es durch „Leistung anerkennen“, das meint dann ungefähr das gleiche und ergibt in der Problemstellung auch ungefähr das, was Barbara Vinken gestern meinte.

  8. rrho sagt:

    Wie’s der Zufall will, hat Ilka gerade im Genderblog ganz Ähnliches gefragt: Wo verlaufen die Grenzen zwischen Ehrung und Personenkult?

  9. SoE sagt:

    „Warum eigentlich kommt ihr nie darauf, dass die Existenz einer Autorität an sich falsch ist, anstatt nach den richtigen zu fragen.“

    Woher weißt Du eigentlich, was wir die ganze Zeit denken? Oder auch nicht?

    Im Endeffekt ist Autorität meiner Meinung nach etwas, das sich ergibt. Unterhalte ich mich mit Einstein über die Relativitätstheorie, ist er einfach eine Autorität auf dem Gebiet. Dann gibt es natürlich noch die Menschen die denken, weil sie ein Buch darüber gelesen hätten, wären sie das auch und handeln im schlimmsten Fall auch danach. Deswegen sollte man Autoritäten auch immer kritisch betrachten. Aber nur weil eine Äpfel verfault sind, höre ich ja auch nicht auf, Äpfel allgemein zu essen.

    Insgesamt denke ich, dass Frauen vor allem auf Gebieten, die traditionell Frauen vorbehalten waren, als Autoritäten anerkannt werden. Also wenn es z.B. ums Kochen und Kindererziehen ginge, aber dann auch nur solange kein Sternekoch daneben steht. Verkäuferinnen in Baumärkten können davon sicher ein Lied singen.

  10. Anna sagt:

    Ich finde die These ein wenig seltsam, dass Frauen immer nur auf gleicher Ebene kuscheln wollen quasi.
    Es gibt eine Menge Frauen, vor denen ich Respekt habe und die zur Autorität, vielleicht sogar zum role model taugen. Meine Chefin zum Beispiel ist so jemand, privat haben wir nichts mit einander zu tun, aber als Chefin ist sie absolute spitze und sollte ich mal in eine Führungsposition kommen, hoffe ich, Dinge ähnlich handhaben zu können wie sie.

    Was das netzwerken mit höhergestellten angeht:
    Das habe ich als rangniedrigere ja leider nur bedingt im Griff… Oder?

  11. access denied sagt:

    „Woher weißt Du eigentlich, was wir die ganze Zeit denken? Oder auch nicht?“ Bin ich Gedankenleser? Ich messe jeden daran, was er schreibt.

  12. Goofos sagt:

    @Judith
    „…und bei männern ist es das übliche “männliche” konkurrenzverhalten?“

    Das wird „Hahnenkämpfe“ genannt.

  13. profin sagt:

    Ja.

    Vorbilder und Führungsfrauen anerkennen.
    Andere Frauen loben, in ihren Stärken stärken, sich mit ihnen verschwören.

    to-do-Liste des aktiven Alltags-Feminismus heute:
    Fünf kompetente Frauen aufgefordert, sich auf eine bestimmte nur intern ausgeschriebene Stelle zu bewerben. Damit hinterher die Herren Auswähler nicht mehr sagen können „Es gab ja gar keine Kandidatinnen, wir nehmen den Mann“
    (*klick* interne Ausschreibungen in männerdominierten Organisationen fördern Frauen natürlich ungemein *klick, Ironie-Schalter aus*

  14. Barbara sagt:

    @ rrho … Wo verlaufen die Grenzen zwischen Ehrung und Personenkult?
    Vielen Dank für den Hinweis.
    Hier „erlaube“ ich mir hinzuweisen, dass die Gesellschaftskulturen schon immer mehr die „Berühmten“, nicht nur materiell hervorhub, egal wie diese „berühmt“ wurden. Nicht die Mitmenschen, die tagtäglich zum Wohle und auch zum Überleben einer Kultur beitragen. Hier wird die – von den Autoritäten“ (Frauen wie Männer) nicht nur materielle Ausbeutung und Unterdrückung angewandt. Meist versteckt, dass es frühzeitig gar nicht bemerkt und nichts mehr dagegen unternommen werden kann!
    Ist es also verwunderlich, wenn diese „Autoritäten“ angehimmelt werden?
    Da wir ein Volk der „Schwarzen Pädagogik“ (Alice Miller) sind, und meist selbst keine angemessene Achtung als Kleinkinder/Kinder ausreichend erhielten, müssen die meisten Mitmenschen nach außen agieren! Auch heute noch sind die Augen der Mütter, die einen Sohn im Kinderwagen liegen haben, strahlender, bei meiner Frage nach dem Geschlecht! (Gehobener Mittelstand).
    Also Frauen, vor „der Türe kehren“, das heißt: Bei dem eigenen System (Familie) anfangen. Hier ist bei uns ALLEN enorm viel zu kehren. Wir hören dann auch auf in das „Schlafzimmer“ der Freundin/Nachbarin, etc. zu „schauen“, um das „Gesehene“ weiter zu tratschen, sondern wir lernen Anteil an der Geschlechtsgenossin zu nehmen. Hier beginnt die Veränderung.

  15. Ich passe vom Alter her zwar nicht ganz hier rein (55), kann aber ein bißchen was zum Thema „Autorität“ sagen. Der Gedanke, anderen Frauen Autorität zuzusprechen, wurde ganz ausdrücklich vor Jahren von einer Diskussionsgruppe italienischer Frauen namens DIOTIMA entwickelt. Dabei geht es nicht nur darum, das Können anderer Frauen anzuerkennen. Es geht auch darum, Rat bei Frauen zu suchen, die mir offensichtlich was voraushaben, an deren Rat ich mich aber vielleicht sehr reibe und wo ich gerade dadurch einen Maßstab für mich finden kann. Und wenn das viele Frauen machen, entsteht so etwas wie eine Kultur weiblicher Bezüge und Maßstäbe, ohne daß welche festgelegt werden müssen. Ich habe damit gute Erfahrungen gemacht. Sowohl bei meiner Mutter, die bei der Frage um einen Rat oft das Gegenteil von dem riet, wozu ich neigte. Und obendrein dann noch häufig ihre Meinung zu einem Thema änderte. Es hat mich dazu gebracht, Dinge zu hinterfragen. Mal hab ich ihren Rat befolgt, mal nicht. Es hat mir bei Freundinnen was gebracht, wenn sie mir spontan Rat geben, mich nicht klein zu fühlen, sondern es mir anzuhören (übrigens auch bei meinem Mann). Und es hat in politischen Freundschaften (ich bin beim Verein „Frauenstudien“ dabei) dazu geführt, daß man als einzelne Frau sich nicht wegducken muß, wenn man was zu sagen hat, damit man ja nicht herausragt und sich die anderen dadurch benachteiligt fühlen – eine ganz blöde Angewohnheit in Frauenkreisen. Ich finde es sehr schön, daß Barbara Vinken das Thema aufgefgriffen hat. Die Journalistin Antje Schrupp hat zu dem Autoritätsthema Vorträge geschrieben, dazu habe ich zwei Links:
    http://www.antjeschrupp.de/affidamento.htm und
    http://www.antjeschrupp.de/autoritaet_und_macht.htm
    Außerdem gibt es ein Buch von Dorothee Markert: „Wachsen am Mehr anderer Frauen“.

  16. Susanne sagt:

    @ Cornelia: Danke für deinen interessanten Beitrag und die Links. Und nur keine Scheu vor Kommentaren, das Alter der Diskutierenden ist uns egal, wer was zu sagen hat, solls sagen. Also bis bald!

  17. Mikko sagt:

    Ich habe die Diskussion zwar nicht verfolgt, will aber auch meinen Meinung zu dem Artikel kundtun.
    Ich denke, dass Susanne eine wirklich berechtigte Frage aufgeworfen hat. Ich kann jetzt zwar nur von mir selbst und den Erfahrungen, die ich in meinem Umfeld gemacht habe, sprechen, aber ich habe mich tatsächlich ertappt gefühlt.
    Ich habe viele Wünsche für die Zukunft, insbesondere hoffe ich auf einen allmählichen Wandel des gesellschaftlichen Menschenbildes. Dennoch habe ich den Eindruck, dass ich Frauen strenger bewerte als Männer. Es mag daran liegen, dass ich an der Uni nicht viel mit Professorinnen in Kontakt kommen bzw die Proffesoren überwiegen, aber all die Lehrbeauftragten, zu denen ich aufschaue und an denen ich mich hoffentlich irgendwann messen kann, sind Männer. Auch in der Geschichte oder Politik fallen mir im Moment nur Männer als Personen deren Wirken ich als herausragend anerkenne, ein. Genau so ergeht es mir zB auch bei Schriftstellern.

  18. Lini sagt:

    @Mikko: Sophie Scholl? Virginia Woolf? Erika Mann? Florence Nightingale? Astrid Lindgren? Selma Lagerlöf? Georg Sand? Charlotte, Emily und Anne Brontë? Jane Austen? Marie von Ebner-Eschenbach? Marie Curie? Rosa Luxemburg? Mutter Theresa? Indira Gandhi? Simone de Beauvoir? Valentina Vladimirovna Tereškova? Jacqueline Douet? Betty Friedan?

  19. Lini sagt:

    P.S. wenn du dich fragst, warum einem trotzdem für jede bewundernswerte oder begabte Frau 10 bewundernswerte oder begabte Männer einfallen, empfehle ich dir von Virginia Woolf die Erzählung „A Room of One’s Own“. Nicht nur bissig, sondern auch wundervoll ironisch, witzig, intelligent.

  20. Mikko sagt:

    Liebe Lini, du scheinst meine Aussage wohl falsch verstanden zu haben

  21. Lini sagt:

    @Mikko: was wolltest du also sagen?
    „Auch in der Geschichte oder Politik fallen mir im Moment nur Männer als Personen deren Wirken ich als herausragend anerkenne, ein. Genau so ergeht es mir zB auch bei Schriftstellern.“
    Ich verstehe schon, dass es dir um Personen ging, deren Wirken du PERSÖNLICH als herausragend anerkennen kannst. Es waren nur Vorschläge aus meiner eigenen Idoleliste… Oder wolltest du sagen, dass du zwar tolle Frauen in der Geschichte und gute Schriftstellerinnen kennst, sie aber in deinem Bewusstsein nicht präsent sind? Und hilft dagegen nicht am besten, sich diese Menschen bewusst zu machen?
    Ich wollte keinesfalls implizieren, dass du dich irgendwie nicht auskennst oder so, sorry, falls du es so verstanden hast. Ich kenne das Problem aus meinem persönlichen Umkreis, es ist wirklich etwas spezifisch „Weibliches“, sich selbst, und damit Personen des eigenen Geschlechts, nicht als herausragend anerkennen zu wollen. Man identifiziert sich als Frau, glaube ich, auf einer bestimmten Ebene unbewusst mit anderen Frauen. Und da frau nicht glauben kann, etwas ganz Besonderes und zu Höchstleistungen imstande zu sein (Erziehung zur Bescheidenheit, fehlende Gegenbeispiele in Geschichtsbüchern und Literatur), hält sie es auch von anderen Frauen nicht ohne weiteres für möglich. Da bist nicht du schuld dran, ich wollte dir keinen Vorwurf machen. Aber da es diese Beispiele von herausragenden Frauen gibt, sollte frau versuchen, sie kennenzulernen – schon, um sich selbst Mut machen zu lassen.

  22. sven sagt:

    feminismus ist für mich eine suche nach einer suche nach einer wirklichen autorität,
    dadurch definiert das eine gruppe über die gesamtheit spricht,
    mit einer zieldefinition dass am ende begriffen wird,
    dass das funktioniert.

  23. Mel sagt:

    Hi!
    Zum Thema Netzwerken:
    Meiner Meinung nach fällt es Frauen vorallem in der Berufswelt schwer, zu netzwerken, weil sie in der immernoch männerdominierten Arbeitswelt versucht sind, um die Gunst der Männer zu buhlen (ob es jetzt das Gieren nach männlicher Aufmerksamkeit, das unbewusst permanent vorhandene Frauen/Männerstereotyp[=Männer haben Macht, Frauen sind sozial im Ggs. zu karrieristisch] oder einfach die Einsicht, dass Männer größeren Einfluss auf den eigenen Arbeitsplatz haben). Weibliche Chefs werden (im Vergleich zu männlichen) in ihrer Autorität nicht akzeptiert, weil sie eine direktere Konkurrenz darstellen (der „Was-hat-sie-was-ich-nicht-hab?“-Effekt).

    Was ich beschämend aus meiner persönlichen Erfahrung berichten muss:
    Als primär männliche Kollegen die weibliche Vorgesetzte feindselig beschrieben haben, weil diese zu „dominant“ sei, habe ich anfangs eine negative Grundeinstellung ihr gegenüber gehegt, bis ich festgestellt hab, dass das, was an ihr kritisiert wurde, eigentlich typische Eigenschaften einer Führungskraft sind und sogar von männlichen Führungskräften erwartet werden (wenn sie fehlen, gibt Autoritätsverlust). Seitdem gibt’s genau diesen Kommentar von mir, wenn ich auf die „unerträgliche Art“ dieser Vorgesetzten angesprochen werde und ich stelle voller Stolz fest, wie sich Fragezeichen im Gesicht meines Gegenübers breitmachen und ein vielsagendes Schweigen folgt.