Be pragmatisch, be a Platzhirschkuh

von Meredith

Auf Spiegel Online gibt es ein interessantes Interview mit der Unternehmerin, Trainerin und Autorin Marion Knaths. Sie hat letztes Jahr das Buch „Spiele mit der Macht“ veröffentlicht. Darin schreibt sie darüber, wie Frauen sich die Techniken und Strategien der Männer im Wirtschaftsbetrieb aneigenen können, um sich durchzusetzen.

Das Interview ist auch deshalb so interessant, weil Knaths zwar einerseits darauf besteht, dass Frauen und Männer komplett unterschiedlich kommunizieren – aber andererseits das nicht auf einen biologischen Grund zurückführt. Ihre These ist, dass Frauen das berühmte Platzgehirsche in Unternehmen einfach nicht durchschauen, weil es ein spezifsch männliches Ding ist. Deshalb halten sie sich da lieber raus und beschäftigen sich mit Inhalten – und verpassen so die Möglichkeit, sich selbst durchzusetzen.

Außerdem sagt Knaths, dass Frauen in Führungspositionen dazu neigen, sich selbst zurück zu nehmen, um Reibungen oder Konflikte zu vermeiden. Das ist ihrer Meinung nach eines der größten Hindernisse, die sich Frauen auf ihren Karrierewegen sozusagen selbst bauen:

SPIEGEL ONLINE: Wie demonstriert die männliche Eins ihren Status?
Knaths:
Achten Sie mal auf die Körpersprache: Wer sitzt bei der Konferenz am breitesten im Sessel? Wer entert den Raum mit dem meisten Schwung, wer grüßt am lautesten, setzt sich am geräuschvollsten, redet am längsten? Richtig! Die Eins. Führungsfrauen dagegen müssen oft üben, sich den entsprechenden Raum zu nehmen – zum Beispiel, indem sie sich Redezeit genehmigen und ihre Arme dabei souverän über die Sessellehne breiten, statt die Hände brav im Schoß zu falten. Aber Frauen dürfen es mit der Fläzerei auch nicht übertreiben. Was bei Männern negativ wirkt – auch Brüllen oder zotige Sprüche – sollten sie auf keinen Fall imitieren, sonst kippt das Ganze in Richtung Mannweib. Wie es richtig geht, können Sie sehr schön bei Anne Will beobachten: Unten die Beine telegen gefaltet – oben breites Kreuz. Schließlich darf sie sich von den Alphatieren dieser Republik nicht verfrühstücken lassen.

Gleichzeitig bleibt Knaths aber dankenswerter Weise nicht bei der Aussage stehen, Frauen sollten sich halt „mehr wie Männer“ benehmen, dann werde schon alles gut. In dem Interview finden sich zwar auch ein paar klassische Frauenkarrierelahmaussagen, wie z.B. Männer wollen viel Geld verdienen – Frauen geht es um die Inhalte – doch alles in allem scheint Knaths Anliegen zu sein, erstmal die Strukturen von innen zu bearbeiten, um sie dann auch zu verändern. Ob das der richtige Ansatz ist, darüber lässt sich ja vortrefflich streiten.




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Eintrag geschrieben: Freitag, 26. September 2008 um 16:30 Uhr unter Ökonomie. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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11 Kommentare

  1. Nils sagt:

    Ob die Unternehmenskultur, die Frau Knahts da skizziert die Norm ist? Möglich – Solche Lackaffen habe ich duraus schon erlebt. Das ist genau mein Bild von ungeeigneten Führungskräften.

    Vielleicht sind ihre Tips für jemand, der in so einem Alphatierchenzirkus mitspielen möchte tatsächlich hilfreich – Ob nun m oder w.

    Dann aber bitte bedenken: Auch männliche Lackaffen sind sehr unbeliebt.

    Wenn sich eine solche Unternehmenskultur etabliert hat, dann glaube ich kaum daß sie sich durch einen höheren Frauenanteil ändert.

  2. Nils sagt:

    Soeben gefunden: Die „hierarchiebefreite, extrem sachorientierte Kommunikation der Frau“ ist offenbar mal wieder ein Mythos:

    Results showed that women were less hierarchically organized than men only at the very beginning of the interaction. With time, men decreased and women first increased and then decreased in hierarchical organization. Rank orders in all-male as well as all-female groups were unstable across time.

    (Quelle)

    Bei den Kerlen wirds halt schneller und offener klargemacht ;)

  3. Nils sagt:

    Ach, apropos: Wers totaal egalitär und partizipativ – Weiblich mag: War da nicht die große Zeitschrift von Frauen für Frauen, die eine neue Chefredakteurin sucht?

  4. alice_versteherin sagt:

    Alice Schwarzer ist, glaube, ich das puristischste Beispiel von ‚ich bin die eins‘ und alle mal herhören. Und von einer fortgesetzten Suche nach der Chefredakteurin hat man seit dem Skandal nichts mehr gehört. Die angeblich partizipative Struktur und das Blatt wird vermurlich mit der Einser-Alice untergehen. Köln wird’s verkraften und der Rest der Medienrepublik auch.

  5. Irene sagt:

    Das mit der männlichen Eins ist ein Mythos. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass solche Typen sowohl bei Frauen als auch Männern äußerst unbeliebt sind. Wer wirklich ganz nach oben will, muss in den allermeisten Fällen wirklich was drauf haben. Was wir Frauen meist übersehen: Wir sind zwar den Männern ebenbürtig, oft sogar besser, wenn es um die mittleren Positionen geht. Wenn es um Spitzenleistungen geht, dominieren aber die Männer zahlenmäßig ganz klar. Deshalb gibt es von denen mehr Top-Manager, Wissenschaftler, herausragende Musiker, Maler usw.

  6. illith sagt:

    was ist denn das für eine merkwürdige schlussfolgerung….?! *kopfkratz*

  7. Irene sagt:

    … eine schlüssige Schlussfolgerung eben…

  8. Max sagt:

    Seltsam, dass meine eigenen Beobachtungen, so oft diesen Untersuchungen widersprechen….
    Würde hier die Arbeitswelt meines Vaters (66) beschrieben, würde ich zustrimmen.
    Aber ich erlebe das genau andersrum.
    Die Frauen schreien rum, kommandieren, machen sexuell anzügliche Bemerkungen und trinken auf den Betriebsfesten zuviel.
    Die Männer lassen sie machen, halten den Mund und na ja grinsen nur.

  9. profin sagt:

    @max: Da greift bei dir der Effekt, der schon vor längerem bei Grundschul-Lehrern beobachtet wurde. Es ging um Aufmerksamkeitsverteilung auf Jungen und Mädchen. In der Auswertung wurde festgestellt, dass ca. 2/3 der Lehreraufmerksamkeit bei den Jungen ist. Dies wurde den Lehrern mitgeteilt, die versuchten, ihr Verhalten hin zu gleichmäßig verteilter Aufmerksamkeit zu korrigieren.
    Lehrer und Schüler wurden danach befragt und kamen alle zu dem Fazit, die Mädchen würden bei der AUfmerksamkeit nun definitiv bevorzugt. Die Video-Auswertung ergab allerdings keine 50/50 Verteilung sondern noch immer zugunsten der Jungen (ca. 60/40, kann ich raussuchen wenn gewünscht)

    Oder auch: Wir erleben das Heute als Standard und gehen daher gerne davono aus, dass das Heute gerecht ist.

  10. profin sagt:

    Und was die Realitäten am Arbeitsplatz betrifft: Gerade in Elefantenrunden, z.B. von Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften überwiegen männliche Führungsrituale, die stark an den guten alten Tarzan erinnern.

  11. proziel sagt:

    Hallo,
    vor einigen Tagen bin auch auf den Artikel gestoßen und konnte mir das Kommentieren nicht verkneifen.

    http://prozielmarketing.wordpress.com/2008/11/21/wie-es-richtig-geht-konnen-sie-sehr-schon-bei-anne-will-beobachten/

    Wann finden wir (Männer und Frauen) einen gangbaren Weg hin zu einer Normalität, die lebbar ist?

    Viele Grüße aus Bielefeld