Ich bin untröstlich: Am 3. März 2010 schrieb ich meinen letzten Mutti-Blog-Beitrag. So war das nicht geplant. Aber so ist es gekommen. Auf Mutti Erna ist leider kein Verlass.

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de
Wenn ich heute hier sitze und darüber nachdenke, was los war, bin ich nicht ganz sicher. Es war eine Anhäufung mehrer Faktoren, die ineinander spielten.
1. Die Themen. Auf einem feministischem Blog über das Muttisein zu schreiben impliziert immer, über das Muttisein irgendwie auch aus einer feministischen Perspektive schreiben zu wollen. Nicht, dass mir das schwer gefallen wäre. Ich hatte eine Liste, auf der ich viele Themen gesammelt hatte, die ich ansprechen wollte. Zum Beispiel die Rolle des Vaters. Oder die geschlechtsspezifische Codierung von Babys, damit man auch auf 100m Entfernung sieht, ob es sich um einen Jungen oder um ein Mädchen handelt. Ich wollte aber auch und vor allem über das Thema „Zufriedenheit und Mutterglück oder Bitterfotze?“ schreiben. Dieses Thema wühlte mich aber innerlich so sehr auf, dass ich es nicht fertig brachte, darüber zu schreiben. Ich habe es stattdessen einfach verdrängt.
2. Die Abwechslungsthematik. Wenn frau den lieben langen Tag nichts anderes im Kopf hat, als Kümmern und Muttisein, dann ist es schwer erträglich, dass auch noch die Schreiberei sich mit diesem Thema befassen soll. Irgendwie hatte ich vom Muttisein einfach ein bisschen den Overkill, wollte wenn schon, dann ein bisschen Abwechslung reinbringen. Fand es deprimierend, diese Rolle auf nahezu allen Ebenen meines Daseins einnehmen zu sollen. Das hatte ich mir vor der Geburt auch anders vorgestellt. In meiner Vision von einem Muttiblog war ich selbstbewusst und zufrieden mit dem Leben als feministische Mutter. Das war ich aber nicht. Zu sehr bestimmte nur das Muttersein mein Leben. Mir dürstete es nach „echter“ Abwechslung. Natürlich kam ich mir deswegen auch noch schlecht vor.
3. Der Frust. Die Bitterfotze war unerwartet oft Bestandteil meines Mutterlebens. Ein halbes Jahr war ich einfach „nur zuhause“. Denn leider musste mein Liebster sich einen neuen Job suchen und wie das so ist: keine Möglichkeit Elterzeit zu nehmen im ersten halben Jahr. Freie Wirtschaft eben. Dafür bin ich nicht gemacht! Ich lenkte mich mit allerhand Aktivitäten ab, angefangen beim Sport (zwei Mal pro Woche), über das Kochen (jeden Tag ein neues leckeres Gericht ausprobieren) bis hin zu einem unstillbaren Bedürfnis viel Zeit im Freien zu verbringen, da es dort dem Baby viel besser ging als drinnen – und damit eben auch mir. Der Frust war irgendwann so groß, dass ich noch während ich stillte wieder anfing mit Rauchen (natürlich nur abends, nach der „letzten Brust“), da ich unbedingt ein Laster als „Ventil“ für meinen Frust brauchte! Das Gefühl, dass alle Leute um mich herum einfach sorgenlos ihr Leben weiterlebten, während ich auf dem Abstellgleis geparkt mit meinem Baby an der Brust stand, es bereitete mir keine Freude. Ich bekam eine Migräne und zwischen dem Liebsten und mir entspann sich der klassische postnatale Beziehungsstress.
Das neue Leben in neuen Bahnen
Seit September geht das Baby, das inzwischen laufen kann und mit sprechen anfängt, in eine Kita. Es ist ein Segen! Ich kann wieder arbeiten und mich austoben. Ich bin entspannter und zufriedener mit mir selbst. Aber natürlich habe ich nicht gerade viel Zeit. Das erste Jahr in einer Kita ist anstrengend, da die Kinder dort alle möglichen Keime aufnehmen und ausbrüten – das Immunsystem will gestärkt werden. Und so habe ich es auch seither nicht geschafft, mich einem der vielen Themen, die auf meiner Liste standen, anzunehmen.
Ich werde auch in Zukunft meine ganze Mutter-Energie vor allem in die eigene Familie stecken und meine restliche Energie in andere Projekte. Deswegen ist dieser auch mein letzter Beitrag im Muttiblog, das ja aber von Adele und Hannah ganz großartig fortgeführt wird. Aber ein paar Sachen möchte ich euch doch noch mit auf den Weg geben, ein paar Dinge von meiner „Liste“, einfach so – lose und wild durcheinander.
Beware!
– Männer: Weggehen während die schwangere oder stillende Liebste allein zu Hause (oder mit Baby allein zu Hause) bleibt, ist end-scheiße! Entweder, ihr seid solidarisch und bleibt auch daheim, oder ihr „besorgt“ ihr nette Gesellschaft. Und am nächsten Tag nicht zu gebrauchen zu sein, weil ein Kater auskuriert werden muss, ist dann doppelt unsolidarisch.
– Eltern: sagt rosa und hellblau den Kampf an! Sagt in Geschäften laut und deutlich, dass ihr leider nichts davon kaufen werdet, da ihr rosa und hellblau scheiße findet. Sagt es euren Verwandten und sagt es in euren Blogs! Die Botschaft muss sich verbreiten, denn angeblich bestimmt ja die Nachfrage das Angebot.
– Stillen ist schön – nicht stillen ist Freiheit! Vergesst das nie, liebe Muttis – egal wie lange ihr stillen wollt. Ich kenne zu viele Mütter, die aus hormonellem Pflichtgefühl heraus immer weiter und weiter gestillt haben, obwohl es ihnen bereits deutlich an die Substanz ging (weil zum Beispiel das Durchschlafen-Ding sich nicht einstellte oder weil der Eisenmangel sich zum Schlafmangel dazugesellte).
– Lest „Die Deutsche Mutter – der lange Schatten eines Mythos“ von Barbara Vinken.
Ich wünsche euch alles Gute und Liebe!
Eure Erna

Schreibe einen Kommentar
Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.