In einem kürzlich erschienenen Artikel auf huffingtonpost.com mit dem Titel „Don’t Forget to Have Kids“ gibt die Autorin Mika Brzezinski jungen Frauen nicht nur Karriere-Tipps, sondern warnt auch davor, zu lange mit der Familienplanung zu warten, denn „einen Job zu finden ist hart, aber den Mann fürs Leben zu finden ist noch viel härter.“
Unter den ersten sieben Ratschlägen findet man bekannte Weisheiten wie „Liebe, was du tust“, „Habe keine Angst und stelle dich unbequemen Situationen“ und „Lerne, mit Kritik umzugehen und von deinen Fehlern zu lernen“, aber auch problematische Aussagen wie „Du musst stets bemüht sein, dich von unten nach oben zu arbeiten und so lange unten zu bleiben, bis deine Zeit kommt“ und „Du musst unter extremen Bedingungen hart und vor allen Dingen viele Stunden arbeiten“. Eine Kurzanleitung für’s Leben gibt Brzezinski dann mit ihrem fünften Ratschlag:
Fifth, you must know how to make the most out of all your talents. That means if you’re brilliant, lead with your brains. If you’re savvy, go with your gut. And if you are luckier than me and are born beautiful, at least make sure you wash your hair regularly and wear a clean blouse.
(zu deutsch: Fünftens musst wissen, wie du das Beste aus deinen Talenten machen kann. Das heißt: Wenn du brilliant bist, dann benutze dein Gehirn. Wenn du gesunden Menschenverstand hast, gehe nach deinem Bauchgefühl. Und wenn du mehr Glück hattest als ich und hübsch geboren wurdest, achte darauf, zumindest regelmäßig dein Haar zu waschen und eine saubere Bluse zu tragen.)
Ihr letzter (und wie sie betont auch wichtigster) Ratschlag an die vielen jungen Frauen ist allerdings, vor lauter Konzentration auf die Karriere doch nicht zu vergessen, einen Mann zu suchen, ihn zu heiraten und Kinder zu bekommen (und, wie ich annehme, in dieser Reihenfolge).
Äh. Wie bitte?
In Brzezinski’s Welt gibt es anscheinend nur heterosexuelle Frauen, die 60 Stunden in der Woche arbeiten würden, heiraten wollen, einen Kinderwunsch haben und sich gerne belehren lassen, nicht zu „vergessen“ Kinder zu bekommen, denn andere Frauen werden in diesem Text nicht angesprochen. Trotzdem formuliert sie ihre Tipps als universelle Lebensweisheiten für die gesamte Frauenwelt und entwirft somit eine Lebensanleitung für junge Frauen, welche nur mit der Triade Mann-Kinder-Karriere perfekt scheint. Damit blendet sie andere Lebensrealitäten völlig aus, wobei sich die Frage stellt, was mit jenen Frauen ist, die keine Kinder möchten und/oder Frauen lieben und/oder den Kinderwunsch einfach gerne in die Ferne schieben?
Auf doubleX.com spricht Amanda Marcotte noch einen anderen wichtigen Punkt an:
Telling women that having kids is the most important thing they can do makes the deliberately childless laugh at you, but for women who can’t have kids, it’s much like telling them they aren’t even real women.
(zu deutsch: Frauen zu erzählen, dass Kinderkriegen das allerwichtigste sei, was sie tun können, lässt die bewusst Kinderlosen vielleicht über dich lachen, aber für all jene Frauen, die keine Kinder haben können, ist es, als würde man ihnen sagen, dass sie keine richtigen Frauen wären.)
Und selbst Frauen, die Kinder&Heirat durchaus in Betracht ziehen, könnten einige von Brzezinski’s Tipps befremdlich finden: Neben dem lächerlichen Ratschlag an all die hübschen und vermeintlich nicht so hellen Frauen, doch stets eine frische Bluse zu tragen, frage ich mich, wie hilfreich es sein mag, Durchhaltevermögen und harte Arbeit zu propagieren, wenn die Arbeitswelt selbst keine gerechten Strukturen bereitstellt: Bekanntlich kommt es doch weniger auf Können sondern oftmals auf informelle Netzwerke an, von denen Frauen weniger profitieren als Männer. Gut ausgebildete und fleißige Frauen gibt es zur Genüge – an ihrer Bereitschaft hart zu arbeiten kann es also nicht liegen. Anstatt eine Arbeitswelt zu kritisieren, die familienunfreundlich ist und in der frappierende Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen herrschen, werden Frauen dazu angehalten „unter extremen Bedingungen hart und viel zu arbeiten“. Doch soziale Ungleichheiten werden nicht einfach nur durch harte Arbeit beseitigt.
Neben all den Ratschlägen, die Missstände in der Arbeitswelt kaum thematisieren und völlig an der Lebensrealität vieler Frauen vorbei gehen, habe ich eigentlich nur noch eine Frage:
Was ist eigentlich mit den Männern?
Ich warte noch auf den Tag, an dem ich über einen Artikel stolpere, der Männer dazu aufruft, ein frisches Hemd zu tragen, sich ordentlich anzustrengen und nicht zu vergessen, früh zu heiraten und Kinder in die Welt zu setzen.

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