Zwischen Frauen-Wrestling, 80s-Glam und Feminismus: Schaut GLOW!

von Charlott
Dieser Text ist Teil 31 von 31 der Serie Die Feministische Videothek

Gefühlt alle wunderbaren Serien durchgestreamt und Ihr wisst noch nicht so recht was Ihr als nächstes gucken sollt? Dann haben wir da was für Euch! Wir empfehlen: Die erste Staffel von GLOW, die seit 23. Juni bei Netflix on air ist und direkt unsere Herzen erobert hat.

Worum geht`s? Darum: In den 1980ern wird eine Gruppe von erfolglosen Schauspielerinnen und Außenseiterinnen für ein neues Fernsehformat gecastet – und zwar für eine Frauen-Wrestling-Show. Etwas, worauf die meisten der Gecasteten erstmal nicht besonders viel Lust haben – und das macht das Ganze natürlich umso unterhaltsamer. „Sie wrestlen mit weiblichen Stereotypen!“, versucht der etwas abgehalfterte Filmemacher Sam das Konzept zu verkaufen. Und dann kommt aber alles immer wieder ganz anders. Die Serie schafft die schwierige Balance zwischen Momenten, die eine_n laut auflachen lassen, ernsthaften Dialogen und Auseinandersetzungen sowie zunehmend komplexerwerdenden Wrestlingchoreographien. Das macht alles einfach sehr viel Spaß, und wer es noch nicht getan hat sollte schnellstens zur Fernbedienung greifen und zuschalten!

Warum kommt Glow genau zur richtigen Zeit?

Charlott: Derzeitig ist bei Supergirl Pause zwischen Staffel zwei und drei und ich habe Entzugserscheinung nach einer entspannten Serie mit tollen Frauen und ein paar super Kampfszenen. Und dann ist da noch diese Welt außerhalb des Bildschirms, von der eine ab und an mal etwas Abstand braucht – GLOW bietet sich dafür perfekt an, ohne dass die Serie zum Kopfausschalten einlädt.

Nadia: Weil die letzte Staffel „Orange is the new black“ mir persönlich etwas zu nervig, streckenweise ableistisch und manchmal langweilig war – und weil GLOW so einen wunderbaren Cast hat und vom Soundtrack bis zur Story bis zur 80s-Trash-Glam-Optik einfach alles stimmt.

Fangirl von:

Charlott: Sydelle Noel als Cherry Bang aka „Junkchain“ und Britney Young als Carmen Wade aka „Machu Picchu“. Aber auch Kia Stevens und Kate Nash und eigentlich möchte ich mich kaum festlegen, denn auch wenn es Hauptdarstellerinnen gibt, so ist GLOW doch auch vor allem eine Ensemble-Leistung.

Nadia: Kia Stevens als Tammé Dawson aka „The Welfare Queen“, Kate Nash als Rhonda aka „Britannica“ und natürlich Betty Gilpin als Debbie Eagan aka „Liberty Belle“. Betty schrieb auch den wunderbaren Text „What It’s Like to Have Pea-Sized Confidence With Watermelon-Sized Boobs“ – unbedingt lesen!

Lieblingsszene

Charlott: Hier betreten wir jetzt Spoiler-Territorium! In einer späteren Folge stellt eine der Protagonistinnen fest, dass sie schwanger ist. Sie entscheidet relativ zügig für einen Schwangerschaftsabbruch und lässt diesen durchführen. Für mich eine der besten Repräsentationen von Abtreibung, die ich bisher in Serien/ Filmen gesehen habe: die Dialoge, die Perspektive und die Emotionen. In einem Interview haben die Macher_innen der Serie über genau diese Szenen gesprochen und wie sie perfekt zum Fokus der Serie passt: Kontrolle über den eigenen Körper. (Achtung, der Artikel ist direkt so bebildert, dass man weiß um wen es geht.)

Nadia:  Ich war bei dieser Serie tatsächlich sehr anfällig für den Hetenschmonz (shame on me). Eine Superszene: Die, in der Debbies geschasster Hohlkopf-Ehemann wieder im gemeinsamen Haus auftaucht und insistiert, dass er wieder zuhause schlafen will. Wie sie „Mach doch!“ sagt, sich das Baby schnappt und ins Hotel abhaut – flawless. Außerdem mochte ich die Schminkszene von Sheila the She Wolf. Und die Story mit dem Schwangerschaftsabbruch: Schon jetzt ein Classic!

Bester Wrestling-Move

Charlott:

Nadia: Warum auch immer, ich liebte jede Kampfszene mit Britney Young aka Carmen Wade aka „Machu Picchu“. Und Debbie.

Lieblingstrack aus dem Soundtrack

Charlott: Der super Soundtrack wird noch der Stoff vieler Think Pieces in diesem Internet sein. In meinem Kopf hat sich vor allem Go-Go’s „We Don’t Get Along“ gleich festgesetzt.

Nadia: Direkt verliebt in Patty Smyth (feat. Scandal) mit „The Warrior“:

Insider

Nadia: Kia Stevens ist im wahren Leben ebenfalls eine berühmte Wrestlerin, und zwar Awesome Kong! Und Britney Young, die Machu Picchu spielt, war vor ihrer Rolle in „GLOW“ für mehrere Filme als Produktions-Sekretärin tätig, unter anderem für „SpongeBob Schwammkopf 3D“.

Davon wollen wir mehr…

Charlott: Einige Charaktere sind in diesen ersten Folgen noch wenig beleuchtet – ich möchte einfach mehr über alle diese Frauen erfahren. Also ja mein Wunsch ist einfach: noch viele Staffeln mehr.

Nadia: Ich möchte eigentlich nur noch 5 weitere Staffeln, dann bin ich zufrieden!

Fazit

Charlott: Das erste Mal habe ich Wrestlingmatchs mit 16 gesehen, weil es in Südafrika, wo ich zu dem Zeipunkt lebte, ständig im Fernsehen lief. Ich fand es vor allem etwas befremdlich. Hätte mir damals jemand gesehen, dass ich heute eine Serie rund um Wrestling anpreisen würde, ich hätte viel und gut gelacht. Aber was soll ich sagen, GLOW macht einfach sehr viel sehr richtig.

Nadia: Wer auf 80er-Optik, ordentliche Pop-Mucke, tolle Frauen und Wrestling steht ist hier richtig.




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Eintrag geschrieben: Montag, 10. Juli 2017 um 12:00 Uhr unter Kultur. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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