Wie mein Kind ein Junge wurde

von Melanie
Dieser Text ist Teil 38 von 45 der Serie Muttiblog

Ich hab mir lange und viele Gedanken darüber gemacht, wie ich das mit der ‘geschlechtsneutralen’ Erziehung meines Kindes halten will. Was das für mich überhaupt – bei einem Säugling, bzw. Kleinkind (er ist jetzt knapp 2 Jahre) – bedeutet.

Ich bin an einen Punkt gekommen, wo ich nicht mehr an die Möglichkeit ‚geschlechtsneutraler’ Erziehung glaube. Einfach, weil es in meinem Umfeld scheinbar nicht möglich ist. Auch wenn einige schwedische Kindergärten Konzepte für geschlechtsneutrale Erziehung haben – ich finde den Begriff schon problematisch. ‚Neutral’ ist nämlich in einer Welt, in der alle ziemlich kategorisch in zwei Geschlechter eingeteilt werden keine Option. Kinder werden immer als Mädchen oder Junge „angerufen“. Abgesehen davon sehe ich meinen Einfluss auf die Erziehung meines Kindes zwar keineswegs als unwichtig, aber doch bescheiden an, wenn man überlegt, mit wem Kinder täglich zu tun haben: Erzieher_innen, andere Kinder und deren Eltern/Bezugspersonen, weitere Verwandte und Bekannte…

Unabhängig von Klamotten, die immer wieder ein brennendes Thema sind (siehe fuckermothers, stilhaeschen, oder zum cross-dressing laufmoos) und Spielzeug (siehe dasnuf) drängen sich mir ein paar Beobachtungen auf, die ich an konkreten Beispielen schildern möchte:

– Geschenke: Wir haben von Bekannten und Verwandten viele gebrauchte und neue Spielsachen bekommen. Schon zur Geburt befanden sich darunter Fahrzeuge in allen Variationen. Autos, LKWs, Flugzeuge, Tieflader, Autotransporter und Züge. Sogar Wimmelbücher über Flughäfen, Bahnhöfe und Co. Als Minime 9 Monate alt war, waren wir bei einer Freundin, die eine Kiste mit Spielsachen holte, damit das Kind beschäftigt ist. Erst drückte sie ihm ein Stofftier in die Hand. Als Minime es einmal von allen Seiten in den Mund genommen hatte, war sein Interesse verloschen. „Vermutlich interessiert Dich hier sowas mehr, was?“ sagte sie und stellte ihm dann eine Spielzeugautowaschanlage vor die Nase. Auch hier erlosch das Interesse nach einer ersten Erkundung mit Mund und Händen. In einer anderen Runde war eines der ersten Worte eines neun Monate alten Knirps „Auto“. Die Mutter eines Mädchen sagte daraufhin: „Meine Tochter spielt gar nicht mit Autos“ und nach einer kurzen Pause fügte sie hinzu: „Aber wenn ich jetzt so überlege, wir haben auch gar keine Spielzeugautos…“ Und später fühlen sich dann Journalisten bemüßigt zu schreiben, dass ihr Sohn ja schon früh „das testosterongetriebene Standardprogramm“ aufführte… Während es scheinbar ein Ritual zu sein scheint, Mädchen zum ersten Geburtstag eine Puppe mit dazu passendem Buggy zu schenken. Minime fand diese Buggies auch super. Besonders als er laufen lernte klaute er auf dem Spielplatz gerne anderen Kindern ihre Buggies und fuhr sie durch die Gegend. Ich äußerte gegenüber einigen Verwandten, dass sich Minime also zum Geburtstag einen wünscht. Mit sehr viel vorangehender Überzeugungsarbeit bekam er dann einen Holzwagen, der, wenn man den (natürlich rosanen!) Bezug abnimmt, aussieht wie ein Bollerwagen. Ein Buggy für einen Jungen geht halt nicht. (Und diesen Holzwagen kann man leider auch nicht zusammen klappen und mit auf den Spielplatz nehmen…)

– Aussehen: Ich habe Eltern erlebt, die sehr empört reagieren, wenn man fragt, ob ihr Kind ein Junge oder Mädchen ist (ich habe selber die Frage nie gestellt, „das/ihr/dein Kind“ hat bis jetzt meist gereicht, wenn ich den Namen nicht kannte). Minime wird auch oft für ein Mädchen gehalten. Selten sehe ich die Notwendigkeit, das aufzuklären. Als mich neulich jemand fragte, wie die Kleine denn heiße, nannte ich den Namen und stellte verwundert fest, dass man den Namen offensichtlich auch für einen Mädchennamen halten kann (das war allerdings nicht meine Absicht bei der Namenswahl…). Insbesondere hält man ihn für ein Mädchen, wenn er Anziehsachen mit Lila- oder Rottönen sowie pastelliges (selbst wenn es nicht rosa ist) trägt. Blau dagegen scheint nicht immer als „eindeutig“ zuordnend zu fungieren. Auch ich schließe mich Jokes Ansicht an, meine Bedürfnis, mein Kind nicht schon den geschlechtlichen Stereotypen anhand der Kleidung zuzuordnen, nicht auf dem Rücken des Kindes auszutragen.

– Verhalten: Viel spannender finde ich eine andere Beobachtung, nämlich, dass das gleiche Verhalten zweier Kinder unterschiedlich interpretiert oder bewertet wird, je nachdem, ob es ein Mädchen oder ein Junge zu sein scheint. Auch das fing schon sehr früh an: Wenn ein Mädchen viel weinte, hieß es oft: „Ach, die ist heut sehr weinerlich/anhänglich/unausgeglichen“. Das gleiche Verhalten bei einem Jungen wird kommentiert mit „Er hat schlecht geschlafen/ist müde/überdreht“ – dem Verhalten geht im letzteren Fall also ein „echter“ Grund voraus, während es beim Mädchen scheinbar willkürliches Verhalten ist.
Situationen werden ebenfalls unterschiedlich kommentiert. Fällt ein Junge hin, heißt es „Och, war nicht so schlimm, steh wieder auf“. Fällt ein Mädchen hin, heißt es zwar oft auch: „Och, war nicht so schlimm“ es wird aber ergänzt mit „komm her, ich tröste Dich“.

– Heteronormativität: Ich find es total süß, wenn kleine Kinder einander umarmen oder küssen. Was mich jedoch erstaunt, ist, dass da schon romantische Gefühle hinein interpretiert werden. Küsst ein Junge ein Mädchen oder ein Mädchen einen Jungen scheinen manche Eltern schon die Hochzeitsglocken läuten zu hören. „Ach guck mal, die Beiden, was ein süßes Paar…“.

Bis jetzt sind das eine Reihe von Beobachtungen, die im Einzelnen vielleicht wenig ausmachen, in ihrer Gesamtheit aber doch alle Versuche, dem was entgegen zu setzen, relativieren. Deshalb bin ich neugierig: Wie ist Eure Wahrnehmung? Sind das Einzelfälle, die ich zufällig in meinem Umfeld* erlebe und was erlebt ihr? Versucht ihr eure Kinder möglichst unabhängig von geschlechtsstereotypen Einordnungen zu erziehen oder haltet ihr das für unmöglich? Welche „Probleme“ begegnen Euch? Welche Positivbeispiele habt ihr erlebt?

*: Mein Umfeld heißt in der Regel – Heterokleinfamilien, in denen Geschlechterstereotype wenig hinterfragt werden…

 




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Eintrag geschrieben: Mittwoch, 6. März 2013 um 9:00 Uhr unter Familien_politik. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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44 Kommentare

  1. caro sagt:

    Hallo Melanie,
    ich kann mich deinen Beobachtungen nur anschließen. Mein Kind ist jetzt 3 1/2 und ich versuch(t)e bisher immer sie zumindest davon fernzuhalten, sich und andere zu kategorisieren. Das bedeutet also, dass ich mit ihr immer darüber rede, wenn sie sagt, dass da gerade ein Mann oder eine Frau xyz macht. Ich frage sie dann also immer, woher sie das weiß und dass sie das auch nicht so behaupten kann und dass das auch eigentlich egal sei etc. Sie hat sich also angewöhnt über andere Personen als Mensch zu sprechen und über andere Kinder als Kind. Da bin ich auch schon mal wahnsinnig stolz drauf, dass das so funktioniert hat.
    Was das Umfeld angeht, stoße ich jedoch auch immer wieder an meine (Toleranz)Grenzen: da sind so unzählige kleine Vorkommnisse, die vor allem die Kleidung betreffen.
    z.B. letzte Woche, als das Kind krank war, fragten alle 3 Ärztinnen, bei denen wir waren, doch tatsächlich das Kind, ob sie sich den Schlüppi von ihrem Bruder gemopst hätte, weil da ein Bagger oder so was zu sehen sei.
    z.B. letztens im Bus als ein Kind eine Beobachtung über uns anstellte und die Mutter(?) sagte „ja, das ist dem Jungen da drüben“. Nachdem sie von ihrem anderen schon größeren Kind darauf angesprochen wurde, dass es sich aber wohl eher um ein Mädchen handele, sagte sie, dass das ja wohl nicht stimme, denn Mädchen hätten ja eher so rosa und lila an und das meinige hatte eine grüne Jacke und blaue Hose an (die rosa Schuhe und Mütze konnten es dann wohl nicht rumreißen).
    z.B. wenn die Großeltern immer sagen „du bist so ein großes Mädchen und so lieb etc.“
    z.B. wenn im Kindergarten gesagt wird, dass das ja typisch Mädche sei, dass … usw. (und wir haben schon einen Hippie-Kindergarten, wo es kaum pinke und blaue Kinder gibt).
    Das ließe sich jetzt noch unendlich fortführen.
    Ich versuche, die Selbstbestimmung des Kindes dann an erste Stelle zu setzen. Wenn ich gefragt werde, ob es ein Mädchen oder Junge ist, antworte ich je nach Situation, dass es halt ein Kind ist oder sage, dass sie das Kind bitte selbst fragen sollen, dass ich das doch nicht wissen kann. Lustigerweise kommt dann von Kinderseite auch gerne mal die Antwort, ein Eichhörnchen, Seepferdchen oder Goldglitzer-Einhorn zu sein :D meistens redet sie auch von sich als Kind. Die Reaktionen darauf sind meist sehr irritiert.
    Ich bin mittlerweile auch ein bisschen resigniert. Ich habe keinen Bock, jedesmal mich genötigt zu fühlen, zu betonen, dass sie kein Junge ist, vor allem weil ich sie damit ja auch wieder kategorisiere. Es ist einfach verdammt schwer, gegen diese Übermacht an Ignoranz anzukommen.
    So, ich glaube, das reicht erstmal.
    Ahoi

  2. accalmie sagt:

    Danke für diesen interessanten Artikel, Melanie :)!

    @caro:

    Lustigerweise kommt dann von Kinderseite auch gerne mal die Antwort, ein Eichhörnchen, Seepferdchen oder Goldglitzer-Einhorn zu sein :D

    <3 <3 <3!!!

  3. Mer sagt:

    Sehr spannend! Ich hab keine Kinder, hab aber auch schon oft überlegt, wie ich das mit der „neutralen“ Erziehung machen würde – oder besser gesagt: machen könnte.

    Und dann erlebe/ beobachte ich jeden Tag in meiner Arbeit, wie kleine „Jungen“ und „Mädchen“ durch Kleidung eine vorgeschnittene Geschlechts-Identität aufgedrückt bekommen. Ich arbeite in einem Klamottenladen, und natürlich erlebe ich die Familiendynamik hier nur in einem sehr kurzen Moment, kann keinerlei Aussage über Erziehungsstil etc. treffen, aber was ich wirklich JEDEN TAG sehe, ist dass für „Jungen“ blau gekauft wird, für „Mädchen“ rosa. Sogar die Abteilungen sind danach ausgerichtet ( blaue vs. rosa Wände; die Beleuchtung ist in beiden Abteilung auch anders, Marketingpsychologe at its finest….).
    Und ab und zu kommen dann Eltern/ Erziehungsberechtigte/Grosseltern/etc. zu mir an die Kasse und fragen mich, ob die kleine Laura/ der kleine Tom denn auch grün/gelb/orange/blau/rosa tragen kann. Ich sage dann immer, dass man doch das Kind selber fragen soll, ob ihm die Farbe, das Motiv, der Stoff etc. gefällt und er das Kleidungsstück anziehen möchte.
    Einmal hab ich aber was erlebt, das hat mir mein kaltes, bitteres Herz gebrochen. Ein kleiner Junge ( von seinen Grosseltern so identifiziert) entdeckte ein Diadem mit Rosa und Glitzer und hat es sich geschnappt und aufgesetzt. Er sah sich im Spiegel an und sagte „Oh, ich bin so hübsch!!“, seine Grossmutter nahm ihm das Diadem ab und sagte „Nein, das ist für Mädchen!“ Er hat diese Erklärung überhaupt nicht verstanden, oder als relevant eingeschätzt ( good for you, kid!!!) Er begann zu weinen, aber die Grossmutter blieb standhaft, wiederholte immer wieder „Das ist für Mädchen, du bist ein Junge!“ Was er auch nicht „verstanden“ hat.
    Fand ich furchtbar. Zum Einen hat die Grossmutter hier – bestimmt nicht böswillig – ihrem Enkelkind etwas, das ihm Freude bereitet hat, der kulturell konstruierten Kategorie „Geschlecht“ wegen „verboten“. Ich habe da auch über seine Aussage „Ich bin so hübsch!“ einiges nachgedacht, und denke inzwischen, dass die Oma auch das gestört hat – ein kleiner Junge wird ja doch nicht oft als „hübsch“ bezeichnet, das ist ja eher für „Mädchen“ üblich, wobei es doch genauso wichtig ist, auch kleinen „Jungen“ ein gutes Selbstwertgefühl, Selbstbild und Körpergefühl zu vermitteln.

    Wenn das Diadem nicht so teuer gewesen wäre, hätte ich es ihm gekauft. Ganz ehrlich.

  4. Christine sagt:

    Hi Melanie,
    ich kann dir auch total zustimmen. Ich sehe unsere Tochter (21 Monate) auch mit einem Kulturwissenschaftlichen Blick (Ethnologie, Genderforschung) aufwachsen und staune immermehr was passiert wenn wir raus gehen und andere meist Mütter mit Kindern treffen, oder sie in die Kinderbetreuung bringe. Manche Kinder von oben bis unten in Rosa! und ja auch unser Kleiderschrank leidet sehr unter den Farben Rot, Blümchen, Pünktchen, und leider nur wenig Kleidung, die einfach mal nichts über das Geschlecht aussagt. Die wenigen tollen Stücke lase ich sie ständig tragen, aber auf dem Secondhandmärkten gibt es leider auch nur eben diese sehr begrenzte Auswahl. Als ich ohne Kind einkaufen war, war die erste Frager stets „Für einen Jungen oder ein Mädchen?“
    In einer Kindergruppe, die ich leite versuche ich sehr stark aufzupassen, dass den Kindern nicht so sehr feste Kategorien übergestülpt werden. Allerdings fängt man selbst an zu glauben dass da was dran ist, an der Genetik Theorie, wenn das eigene Mädchen ständig von anderen Jungs eine übergebraten, oder weggenommen bekommt. ich hoffe doch immernoch sehr stark das sie auch anfängt sich zu wehren, oder „Nein“ zu sagen, statt einfach verzweifelt loszuheulen.
    Eine meiner Erziehungsregeln, heißt nicht umsonst „Lass dein Kind soviel machen wie es selber kann und sich dabei niht in Gefahr bringt oder etwas kaputt macht“. Und wenn es etwas zu reparieren gibt, dann gibt es mehr ergeiz es aaleine ohne die Hilfe von meinem Mann zu schaffen. Nur schade dass ich mich nicht mit den tollen Werkelmaschinen im Keller auskenne. Und im Sommer gibt es gegen all diesen rosa Mädchen-Mädchen Quatsch auch sehr gute rezepte: Capoeira tanzen, klettern gehen, unter die Röcke ne kurze Hose ziehen und das Kind auf die Bäume schicken!
    wie du siehst, bei uns werden wohl alle keine Chance auf Freundschaft haben, die nur zu Hause sitzen und mit Rosa Zeugs spielen.
    Vielen Dank, auch nochmal für das Thema, ich werde das ganze mal in unserer Kidnerbetreuung thematisieren und bald berichten.
    Grüße Christine

  5. Melanie sagt:

    Danke für Deine Beobachtungen? Hast Du Einfluss darauf, wie der Verkaufsbereich gestaltet ist? Ich erlebe nämlich auch oft, dass die Läden schon eine Vorteilung vorgeben – unterstützt etwa, dass über manche Regale Fotos von Jungs sind, auf der anderen Seite von Mädchen (wo alles rosa ist). Vielleicht lässt sich da für ein bisschen Gender Trouble sorgen???

  6. Esther sagt:

    Hallo Melanie,

    mein eigener Blog (http://doinggenderbiografie.blogspot.de/2013/03/ich-nehm-alles-zuruck.html) versucht genau dieses Thema zu dokumentieren: Welche Erfahrungen mache ich mit der Geschlechtssozialisation meines Kindes.

    Auf die Idee gebracht hatte mich folgendes Ereignis: Ich sprach mit einer Arbeitskollegin darüber, was ich eigentlich gern machen würde: Geschlechterforschung, sagte ich ihr. Sie meinte: „Du interessierst dich dafür? Dann kannst Du mir bestimmt erklären, warum mein Sohn, der erst anderthalb ist, lieber mit Baggern spielt, als mit Puppen. Das muss doch was mit den Genen zu tun haben, oder? Wir haben das nämlich nicht befördert.“ Darauf hin frage ich sie, seit wann sie dieses Verhalten denn beobachtet. „Na, seit ein paar Monaten, seit er in die KiTa geht.“ und dann fragte ich sie, ob sie den Eindruck hätte, dass dort auf geschlechtsneutrales Spielen wert gelegt würde. Das verneinte sie.

    Viele viele Male habe ich auch von Menschen aus der Generation meiner Eltern gehört, sie hätten ja ihre Kinder geschlechtsneutral erzogen aber das Ergebnis wäre dennoch den Stereotypen entsprechend gewesen. Also muss es doch in den Genen liegen.

    Ich dachte mir: Das liegt daran, dass unsere Wahrnehmungsschärfe für das vielfältige Doing Gender im Leben unserer heranwachsenden Kinder sehr schwach ausgeprägt ist. Die vielen tausend Kleinigkeiten, die im Endeffekt die Herausbildung der geschlechtlichen Identität sicherstellen, die nehmen die meisten Menschen gar nicht wahr. Also dachte ich mir, ich versuche diese Ereignisse bei meinem Kind im Rahmen meiner Möglichkeiten zu dokumentieren. Einfach um mir ein Bewusstsein für die Vorgänge zu schaffen und so ein Grundlage für Reflexion zu haben. Und auch, um es für die Nachwelt zu dokumentieren (ich halte die Auswertung von Tagebüchern für eine interessante empirische Methode der Sozialforschung).
    Ich muss zugeben, sehr viele Posts gibt es noch nicht. Mein Kind ist erst ein Jahr alt und ich wohne recht abgelegen. Angeregt durch Deinen Post muss ich in den nächsten Tagen mal über Spielzeuge reflektieren…

    Viele Grüße
    Esther

  7. Melanie sagt:

    Ich erlebe auch kleine Jungs, die eins übergebraten bekommen und losheulen – es wird nur anders darauf reagiert (verkürzt zusammen gefasst). und WENN ein mädchen sich wehrt, sind doch alle irgendwie wieder schockiert…
    ich mag rosa zwar auch nicht so gern, aber ich finde es immer falsch, sie und das, was damit assoziiert wird, abzuwerten – das ist nämlich Teil des Problems, glaube ich. Rosa ist eine Farbe von Vielen und man mag sie oder nicht. Aber das Programm heißt dann „rosa – niedlich – Mädchen – …“ und wird irgendwie abgewertet. Das Problem ist nicht die Farbe. Es ist die Besetzung mit „NUR für Mädchen“, während (hell)blau auch bei Mädchen geht. Ich glaub, Du weißt, was ich meine. Das eine ist die Norm, das andere für Mädchen.

  8. Melanie sagt:

    werde Deinen Blog interessiert verfolgen!

  9. Mer sagt:

    Hi Melanie-

    ich bin nur Aushilfe, hab da also wenig bis gar keinen Einfluss drauf, leider.
    Den Gender Trouble versuche ich also an der Kasse loszutreten ;)

  10. pitz sagt:

    ich finds wichtig, wie man dem kind selber begegnet. dass das umfeld wieder und wieder und wieder gendert und heteronormiert ist leider keine überraschung und oft genug kann man sich auch nicht angemessen dagegen wehren. ich habe die erfahrung gemacht, dass es mir angenehm ist, die biologischen geschlechter meiner kinder auszublenden, wenn ich über sie schreibe, weil ich dann selber besser einschätzen kann, welches verhalten vom kind kommt. es ist eine freiheit, die ich mir bewusst nehme und in gewisser weise auch den kindern gebe. dazu gehört auch, nicht enttäuscht zu sein, wenn das kind eine zeit lang rollenmustern sehr entsprechen möchte. im alltag kann ich das natürlich nicht so radikal machen, mir passieren auch von zeit zu zeit zuschreibungen. ich denke, viele leute wollen umdenken, sich ein bisschen lockern, aber das ist manchmal nicht so einfach, besonders, wenn man unter stress steht. man sollte nur immer weiter machen, sich mit anderen eltern vernetzen, mit den großeltern diskutieren.

    eine nette story am rande: die kinder spielten im kiga „eltern und kind“, allerdings konnten sie sich nicht entscheiden, wer vater und wer mutter sein soll – also spielten sie nach kurzer beratung einfach, dass sie eine regenbogenfamilie sind. so entspannt, fand ich super!

    ein aktuelles problem ist bei uns das finden eines ganz leichten schulranzens, der keinen sexistisch fundierten augenkrebs verursacht. gibt es sowas für unter 150 eur? würde mich sehr freuen, wenn mir ja jemand weiterhelfen könnte.

  11. Lila sagt:

    Hmm. Wird aber auch alles in den letzten Jahren immer extremer, oder?

    Meine Geschwister und ich sind „erst“ Anfang 20, aber schon wir können sagen „damals war das noch nich so“. Dabei ist „damals“ immerhin die kompletten 90er.
    Meine Geschwister sind Zwillinge und mein Bruder hatte lange Haare (was damals auch als „Rocker“ interpretiert werden konnte), führ mit meiner Schwester mit lilanem Buggy Wettrennen und wurde um dieses „coole racing – Gerät“ durchaus beneidet. Lego „Piraten“ waren für alle da, ne Carrerabahn wollten auch die Mädchen, wir spielten sowohl Kasperletheater als auch „einkaufen“ als auch Sandkuchenbacken. Auch die Jungs haben in der Grundschule Sticker getauscht. Auch Diddl und Pokemon war bei weitem nicht so „exclusiv“. Irgendwie weiß ich nicht wann der Zeitpunkt kam als das alles ein Problem wurde. Wann fing das mit „nur noch rosane Dinge für Mädchen kaufen können“ an? Wann waren nicht mehr die 3 Grundfarben Symbol für „Kinderspielzeug“? Jetzt sind Rot Gelb Blau ja auf einmal „Jungsspielzeug“. Gibts da irgendwie Forschung, was und wann den Umbruch ausmachte?

  12. Melanie sagt:

    ich glaube, keine Forschung explizit dazu, wann/warum Kinderspielzeug und -anziehsachen wieder geschlechtsdifferenzierter werden. Der Rahmen ist eher: Offensive Geschlechterdiskriminierung wird weniger (oder genauer: unsichtbar gemacht) und daher auf ’subtilere‘ Ebenen verlagert. Man darf nicht mehr sagen, Mädchen können kein Mathe, man legt dann so ein T-Shirt auf und vermittelt das Gleiche…

  13. Die Kommentare zum Verhalten bzw. die Bewertung dessen sind meiner Meinung nach besonders problematisch. Die Tochter einer Freundin zum Beispiel ist in der Spielgruppe oft ziemlich wild und rennt herum und reißt den anderen Kindern die Spielsachen weg. Das wurde beim Elterngespräch gleich als „problematisch“ besprochen. Weil sie nicht zur Ruhe kommen kann, unausgeglichen ist usw. Bei einem Jungen mit ähnlichen Verhalten hieß es nur: „Er muss sich halt austoben.“

  14. Christine sagt:

    Ein bisschen Trouble machen in den Läden finde ich super. Vielleicht in zusammenarbeit mit http://pinkstinks.de/?
    Ein anderer wichtiger Teil ist Bewusstsein in den Köpfen dafür schaffen, dass Kinder eben nicht NUR auf ihre Geschlechter reduziert werden und auch diese nicht beschränkt werden. Was für eine RIESEN DISKRIMINIERUNG dieser wundervollen kleinen Menschen, nicht alles ausprobieren zu dürfen!

  15. ach ja, und @Lila ich kenne auch keine Forschung dazu (fände ich auch sehr interessant!), aber Gewinnmaximierung ist wohl einer der banalsten Gründe für die exzessive Geschlechterdifferenzierung bei Kleidung und Spielsachen.

  16. Doreen sagt:

    Mein Kind ist ja fast gleichalt wie deins und auch mir fiel schon kurz nach der Geburt auf, dass wir von Freunden und Familie eigentlich nur rosa Sachen geschenkt bekamen. Oder als seltene Alternative auch lila.
    Ich mag eigentlich beide Farben, aber will mein Kind auch nicht schon von Geburt an darauf festlegen. Andererseits kann ich eben, wie du schon schreibst, auch nicht den Einfluss der Außenwelt komplett neutralisieren, ich finde es nämlich auch wichtig, dass mein Kind auch zu anderen Menschen als mir viel Kontakt hat, der nicht ständig von mir reglementiert wird.
    Also versuche ich, das ganze nur etwas abzuschwächen, indem ich ihr Kleidung kaufe, die noch vergleichsweise sanft gegendert ist (also zum Beispiel mädchenhaft geschnitten oder mit Blümchen bedruckt oder rosa, aber nicht alles gleichzeitig), außerdem hat sie auch einige Teile, die eher aus der „Jungs-Abteilung“ kommen. Aber ich habe auch bemerkt, dass typische Mädchen-Sachen viel stärker gendern als typische Jungs-Sachen, „Mädchen in Jungs-Sachen“ wird gesellschaftlich ja allgemein auch viel eher akzeptiert, auch bei Erwachsenen.

    Was Spielzeug angeht, versuche ich sowohl Autos als auch Puppen da zu haben. Da die Verwandtschaft einfach lieber Puppen und ähnliches schenkt, konzentriere ich mich mehr darauf Autos und Lego zu kaufen. Mein Kind spielt mit beidem gerne und ich bin auch davon überzeugt, dass da das Angebot die Nachfrage bestimmt, Kinder können eben nur mit dem spielen, was da ist, und wenn beispielsweise ein Junge keine Puppen da hat, wie sollte er sich dann dafür interessieren?

    Insgesamt wächst mein Kind sicher nicht geschlechtsneutral auf, ich versuche aber, ihr zu vermitteln, dass ihr trotzdem alle Möglichkeiten offen stehen, indem ich dafür sorge, dass sie alle Farben mal trägt und mit allem mal spielen kann und sich genauso schmutzig machen darf wie Jungs das oft dürfen. Mit der Zeit wird sie sicher eigene Ansichten dazu entwickelt, was sie tragen und womit sie spielen will, das wird dann natürlich berücksichtigt, egal ob das dann jungs- oder mädchenhaft ist, bisher scheint ihr aber noch alles gleich gut zu gefallen.

  17. lesbomat sagt:

    Hi zusammen,

    ich bin keine Mutter, finde das Thema aber ebenfalls spannend. Da ich selbst als sehr untypisches, weil burschikoses Mädchen galt und mir das als Kind auch jahrelang anhören musste gebe ich zu bedenken, dass es sicher eine sehr große Bandbreite an Mädchen (und auch Jungs gibt). Es wird also auch rosaliebende Prinzessinnen geben, die sich gerne Krönchen aufsetzen, diese würden sich ebenso diskriminiert fühlen wie ich, als mich meine Eltern ins Ballett gesteckt haben, wenn sie Blau tragen müssten. Deshalb finde ich es es am wichtigsten, dass die Eltern die Individualität ihres Kindes mitentdecken und fördern, auch wenn es nicht ins Gender Mainstreaming oder in die Heteronormative Gesellschaft passt.

  18. Marie sagt:

    @Lila Ich muss da an das „Typisch Mädchen“ Buch von Frau Grabrucker denken, das wurde 1985 geschrieben und seite jeher herrschen so krasse Unterschiede in der Erziehung. Das Buch lag bei meiner Frauenärztin im Wartezimmer, das hab ich während der Schwangerschaft dort immer gelesen und dachte nur: ich bin ’79 geboren und meine Eltern leben das klassische Rollenklischee, ohne hinterfragen.— da kann ich mir ausmalen, was ich da früh- und spätkindlich alles an „Frauen-Erziehung“ mitbekommen habe ;-)

  19. name(requiriert) sagt:

    @pitz: die sind leider teurer: http://www.waschbaer.de/Schulranzen–10197d.html

    aber ich würde eh generell nur ökokram kaufen, der ökotest hat mal schulranzen getestet-so viel chemiescheiß der dann über die haut aufegnommen wird…

    den find ich auch toll:
    http://www.avocadostore.de/products/5918-ranzen-tasche-jaime-ma-mer-coq-en-pate
    http://www.avocadostore.de/products/5895-kinder-rucksack-grenouille-coq-en-pate

    die hier sind auch cool:
    http://www.ergobag.de/kollektion

    bunt und wohl öko?

  20. name(requiriert) sagt:

    cool an den letzetn ist dass diese Motiev-Patches auch ausgetauscht werden können und man kann wohl sogar sein eigenes machen. kann nur nicht sagen wie teuer das teil ist.^^ http://www.ergobag.de/kollektion/kletties

  21. IngeborgIJ sagt:

    Genauso mache ich es auch, Nina bekommt nur rosa Klamotten geschenkt und ich kaufe blaue und andere Farben dazu. Was mir vor allem irritiert, ist die Bilder auf den Klamotten. Rosa ist eine tolle Farbe, aber wieso ?! stehen da immer Schmetterlingen, Prinzessinen und Blumen da drauf? Die blaue Sachen haben tollen Robotter und Flugzeuge. Ich kombiniere die Sachen immer und probiere so viel wie möglich an zu deuten, dass Nina auch sehr gerne andere Farben geschenkt bekommt. Ich habe mich aber noch nicht getraut Leuten, wenn wieder was ‚tolles‘ geschenkt würde, ehrlich zu sagen das Nina KEINE Prinzessin, aber ein Baby ist, und das wir das Geschenk nicht so gerne haben…

  22. TinTin sagt:

    @IngeborgIJ

    Diese Frage stellen sich die Kinder in unserer Kita auch immer wieder. Ich habe nichts gegen rosa. Rosa ist eine Farbe, so wie gelb und orange auch Farben sind. Aber diese Kombinationsgeschichten nerven einfach nur.
    Ein Kind das gerne ein rosanes Kleid mit einem Tyrannosaurus-Rex darauf tragen möchte, hat leider Pech gehabt.

    Oder wie es Hannah (4 J.) mal so treffend formulierte: „Ich finde es echt scheiße, dass wir hier keine rosanen Glitzerfußbälle haben!“

  23. Jana sagt:

    Liebe Eltern, wieso gibt es nur so wenig von Euch???
    Warum begegne ich euch nicht auf Spielplätzen und in der Kita? Warum sind wir so viele Einzelkämpferinnen?
    Meine Güte, wenn ich meinen Sohn mit Zopf und Spangen in die Kita schicke, wie seine Schwester, so ernte ich inzwischen zwar Toleranz bzw. mir persönlich wagt da niemand Kritik zu äußern, aber ich merke deutlich den Unterschied der Kommentare an das Kind:
    Anstelle von: „Oh, du hast ja heute hübsche Zöpfe“ hört er: „Oh, du hast heute auch einen Zopf?“ – und die Kinder sind sehr sensibel darin, den Unterschied zwischen Entzücken und Erstaunen heraus zu hören. Und alle Kinder wünschen sich Anerkennung. Der Wunsch nach Spangen und Zöpfchen hat bei ihm also schon wieder deutlich nachgelassen, während meine Tochter im Glitzerspangenwettkampf nahezu aufgeht…

  24. Max sagt:

    Den ersten Trick den wir gemacht haben war uns gar nicht erst sagen zu lassen ob es ein Junge oder Mädchen wird… so waren wenigstens die ersten Geschenke alle Geschlechtsneutral ;)

    Mit meinen Eltern klappt es mittlerweile ganz gut das sie überwiegend sinnvolle und nicht geschlechtsbezogene Geschenke schenken. War aber auch ca. 1,5 Jahre regelmäßige Diskussion nötig.
    Bei ihnen haben wir auch den Vorteil das es auch eine nahezu gleichaltrige Cousine gibt so dass für beide Geschlechter Spielzeuge vorhanden sind. Und da Kinder oft das wollen was der andere hat wird auch die ganze Bandbreite an Spielzeugen von beiden Kindern genutzt.

    Komplett geschlechtsneutral gehen wir mit unserem Kind nicht um, denn ich bin der Meinung das er auch ein „Gefühl“ für die Geschlechter entwickeln sollte. Die Unterteilung ist einfach allgegenwärtig und auch bei der Erlernung der Sprache wichtig (z.B. Artikel). Bei Klamotten, Spielzeug und Verhaltensweisen versuchen wir allerdings keine Geschlechtsspezifischen Einschränkungen zu machen.
    Er darf gern sowohl seine beste Freundin und auch seinen besten Freund auf den Mund küssen.

    Im Kindergarten haben wir einen guten Mix. Eine junge Erzieherin die die Genderproblematik kennt und eine ältere die viel Erfahrung hat (es gibt ja auch noch andere Dinge außer Gender die im Kindergarten gut laufen sollten). Das ergänzt sich ganz gut. Außerdem haben wir nur wenige Eltern die ihre Töchter Püppchenhaft erziehen und anziehen. d.h. wenns mal Streit gibt sind auch genug Mädchen dabei die sich „Rüpelhaft“ benehmen ;)

    Ein teilweise Genderproblem haben wir allerdings schon. Unser Sohn ist für sein Alter schon sehr stark. Er kann fast alle Mädchen und die Hälfte der Jungs aus seiner Kita-Gruppe so festhalten das sie sich nicht losreißen können. Hätte nicht gedacht das wir schon mit 3 Jahren das Thema körperliche Überlegenheit thematisieren müssen.

  25. ka sagt:

    Ggf könnte man auch einfach einen aufnäher suchen und das aufbügeln&festnähen.
    Sowas sollte recht einfach&schnell gehen.

  26. Luna sagt:

    Dass mit der Regenbogenfamilie-spielen find ich einfach total toll!
    Da herrscht wirklich ein aufgeschlossenes, akzeptierendes und offenes Klima. Wow.

    Bitte mehr Kommentare und Erfahrungsberichte!!

  27. sturmfrau sagt:

    Ich stand an Weihnachten vor zwei Jahren vor dem unerwarteten Problem, Papierkörbe für die Kinderzimmer unserer Nichten kaufen zu sollen. Ich hätte ehrlich gesagt nicht gedacht, dass es sogar dabei die knallharte Aufteilung in Jungs- und Mädchenpapierkörbe gibt. Die für Jungen gedachten waren mit Autos, Blitzen, Baggern dekoriert, die für Mädchen gedachten mit Delphinen, Pferden und Glitzerblümchen. Papierkörbe! Sogar sowas banales muss man heute farblich markieren. Ich hätte gern was in netten Knallfarben erstanden, mit Punkten, Sternen – was weiß denn ich. Aber nicht diesen Rummel.

    Ich bin inzwischen Tante von drei Nichten und zwei Neffen und gebe mir erhebliche Mühe, sie halbwegs geschlechtsneutral zu beschenken, aber das ist ziemlich schwierig. Die beiden ältesten Nichten erhalten von uns meistens spannende Brettspiele oder Bücher – da weiß man dann, dass sich der kleine Bruder auch irgendwann mit einklinken kann, ohne dass es da Streitereien um solche Zuschreibungen gibt. Wir haben mit ihnen auch immer draußen Fußball gespielt, aber das gestaltete sich irgendwann schwierig, weil es da schon von Eltern, Tanten, Cousins und Cousinen die Beeinflussung dahingehend gibt, dass das eine Jungs-Nummer zu sein hat.

    Meine mittlere Nichte überraschte mich übrigens mal beim Einkaufsbummel mit meiner Schwiegermutter, und ich habe mich von Herzen gefreut.

    Problematisch ist meines Erachtens, dass zwar inzwischen auch die blaue Latzhose für das Mädchen in Ordnung zu sein scheint, oder zumindest weitgehend toleriert wird. Würde man aber einen Jungen im rosa Rüschenkleid in die Kita oder Schule schicken, dann würden die Ausgrenzungen und Sanktionen der anderen Kinder und möglicherweise auch der Erzieher nicht lang auf sich warten lassen. Mehr noch als ein „starkes“ Mädchen fürchtet man inzwischen einen „schwachen“ Jungen.

  28. Michael F. sagt:

    Liebe Melanie, danke fürs Teilen deiner Erfahrungen und die Einblicke, wie die eigenen Ansprüche, keine Geschlechterklischees zu reproduzieren, mit der Realität der Kindererziehung zusammenstoßen. Mensch kann halt nur ihr_sein Bestes geben und hoffen, dass trotz dem heteronormativen Grundrauschen etwas hängenbleibt. Dafür weiterhin viel Energie!

    @Lila u. Melanie wg. Pink/geschlechterdifferenziertes Spielzeug: Kennt ihr vermutlich schon aber falls nicht: Mir fällt dazu spontan der Video von Anita Sarkeesian (Feminist Frequency) zur Geschichte von Lego ein: http://www.feministfrequency.com/2012/01/lego-gender-part-1-lego-friends/
    Zur Geschichte von Pink als Mädchenfarbe und den Marktsegmentierungsstrategien, die dazu geführt haben hat Peggy Orenstein in „Cinderella ate my Daughter“ einiges geschrieben: http://peggyorenstein.com/books/cinderella.html

  29. […] ist die Welt, in der mein Kind zum Mädchen wird: Hier gibt es […]

  30. Lisabeth sagt:

    HMM… mein Sohn bekam einen Puppe und eine Buggy als die kleine Schwester zur Welt kam, dir kleine schwester konnt von Anfang an mehr mit HAmmer und ZAnge anfangen als mit Puppen, sie hatte nur die eine, mit der ich als Kind rumgeschleppt hab ( btw war bei mir auch die einzige ). Der Sohn ist Kindergärtner, die Tochter studiert MAschinenbau..
    geschelchtslose Erziehung gi8bt es nicht wiel es keine geschlechtslosen Menschen gibt un d ich finde shcon, man sollte am NAmen erkennen könne,k ob man es mit Männlein oder Weiblein zu tun hat… Mann und Frau sind nicht gleich aber GLEICHWERTIG. Fargt man, was ist besser, rot oder blau ? nein, es ist verschieden aber gleich gut oer gleich shclecht, kommt eben oimmer drauf an., wofür grad ;)

  31. Melanie sagt:

    Warum soll man denn am Namen oder der Kleidung erkennen können, ob es sich um Junge oder Mädchen handelt? Und warum/worin sind Männer und Frauen nicht gleich? Was haben sehr kleine Unterschiede mit einer Unterteilung zu tun, der die Menschen nicht mehr entkommen, auch wenn sie das gern würden? Wir machen ja auch nicht schon von weitem sichtbar, ob ein Kind Lego mag oder Playmobil, ob es Bücher mag oder nicht und ob es Katzen lieber mag als Hunde. Warum gibst Du dann dem Unterschied Mädchen/Junge so viel Raum oder hälst es für nötig, dass dort Eindeutigkeit herrscht? Wie ich ja geschrieben habe, lässt es sich in der Realität oft nicht vermeiden, dass diese binäre Einordnung Realität wird – aber was ist zuerst da, Henne oder Ei?

  32. Die Spurensucherin sagt:

    Mein bisheriger familiärer Tiefpunkt (bin selbst noch nicht Mutter) in Sachen dichotome Welteinteilung: Meine Eltern waren mit meinem Neffen einkaufen. Er wollte unbedingt eine weiße Jacke mit Pelzkragen. Sie wollten nicht, dass er eine weiße Jacke bekommt, weil sie so schnell unansehnlich wird, fanden es allerdings besser, ihm die Jacke mit den Worten auszureden: „Du kannst doch keine Jacke mit Pelz anziehen, da lachen dich ja auf dem Schulhof alle aus, weil du aussiehst wie ein Mädchen“. Er hat das natürlich überhaupt nicht verstanden, die Stimmung war im Keller und mein Neffe im Besitz einer dunkelblauen Jacke, die er nicht mochte. Plus einer Reihe von Selbstzweifeln, die er vorher nicht hatte (vor allem weil meine Schwester in dieser Hinsicht einen echt tollen Job macht). Als meine Eltern mir die Geschichte (stolz!) erzählt haben, dachte ich nur „Oh mein Gott, wo soll ich da bloß anfangen?“ Sie haben das Problem überhaupt nicht verstanden…

  33. sister_luck sagt:

    Was mich rasend macht:

    „Dein Kind sieht ja aus wie ein richtiger Junge.“
    „Der hat ja ein echtes Jungs-Gesicht.“
    „Du hast ja einen echten Jungen.“

    Diese Sprüche habe ich mehr oder weniger ab Geburt gehört – jetzt ist der ‚Lausbub‘ 3.5 Jahre alt. Ja, er hatte nie lange Locken oder ein Schleifchen im Haar, aber trotzdem!

    Der echte Junge spielt liebend gerne mit Baggern und Piraten, aber sein erstes Lieblingsspielzeug war seine Plastik-Küche und auch heute wird immer noch gerne gekocht.

  34. IngeborgIJ sagt:

    @Lisabeth, Gleichwertigkeit bedeutet leider nur, dass verschiedene Rollen gleich bewertet werden. Traditionelle Rollverteilung kann aber in eine gleichwertige Gesellschaft bestehen, eine Frau muß eine gute Mutter sein und ein Mann ein guter Jäger. Ich möchte lieber, dass der Vater meines Kindes ein genau so wichtigen Elternteil ist wie ich, und das meine Tochter Jägerin werden kann, wenn sie will. Erst dann sind Mann und Frau gleichberechtigt únd gleichwertig.

    Ich finde es ganz toll, dass deine beide Kinder ein Beruf ausüben, was die richtig lieben, aber wenn mann die Kinder in der heutige Generation nicht ein wenig mehr Genderneutral erzieht als jetzt der Fall ist, werden in 20 Jahre nur noch Prinzessinen bestehen statt richtige Frauen und für Jungs werdet es ganauso schlimm sein. Davon bin ich überzeugt.

  35. Jane sagt:

    @Lisbeth

    es gibt aber nicht nur „Männer“ und „Frauen“. Woran willst du denn die Zuschreibung fest machen? Die Welt ist nunmal etwas komplexer, auch für Kinder.

  36. Jane sagt:

    MIch macht dieses denken, die Unterschiede, die zwischen Menschen bestehen, dem Geschlecht zuzuschreiben und zu zementieren immer deshalb besonders wütend, weil ich glaube, dass die Kinder nur eine Facette des ganzen sind, sozusagen das „receiving end“. Ich höre von meiner Mutter auch oft ein „ein Kind braucht Mutter und Vater“, das ist für mich die Fortsetzung davon. Das Kind hat sich bitteschön in das System einzufügen, und die Eltern haben als Schlussfogerung auch „Rollenvorbilder“ zu sein. Wenn man versucht das genau zu definieren, was denn männlich und weinblich ist, wird es bei Kindern ziemlich absurd und bei Erwachsenen erst recht. Ich finde das ziemlich diskrimierend.

    @Spurensucherin: Ich denke ständig darüber nach (weilich ständig in der Situation bin), wie ich mich und mein „unpassendes/schädliches/resigniertes/trauriges/blablabla“ Verhalten zu verteidigen? Wie macht man sowas?

  37. c3po sagt:

    Warum Kinder die sich selber als Mädchen erkennen rosa Kleider wollen obwohl sie Rosa nicht lieber haben als andere Farben: http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.2044-835X.2011.02027.x/abstract

    Für Mädchen zum anhören: https://www.youtube.com/watch?v=LivLXKooBXg
    Da wär mal eine „Jungs“version davon fällig, finde ich.

  38. sturmfrau sagt:

    Bisweilen geschieht Bemerkenswertes. Heute tauchte mein älterer Neffe (4 Jahre und laut Aussage des gesamten Umfelds ein „echter“ Junge, was auch immer man darunter zu verstehen hat) auf einer Familienfeier mit rotlackierten Nägeln auf. Keine dummen Kommentare. Ich nehme an, es war einfach kindliche Experimentierfreude. So unkompliziert kann es also auch gehen.

  39. Tina sagt:

    Ich glaube, zusätzlich zu dem Glauben an das binäre Geschlechtersystem gibt es bei Menschen, die Kinder in einer normative Richtung schieben wollen, noch die Motivation, die Kinder vor gesellschaftlicher Diskriminierung (sowohl für die aktuelle Situation (z.B. Hänseln in der Schule), als auch für später) bewahren zu wollen.

    Und dieses Risiko halte ich für sehr real, vor allem bei „femininen“ Jungs*. Ich halte es in den meisten Fällen trotzdem für falsch, weil es ja die Entfaltung der Persönlichkeit der Kinder behindert, und es den Kindern die Nachricht vermittelt, dass sie nicht so sein dürfen, wie sie sind, dass sie falsch sind. Besser wäre es da schon, sie bei entsprechenden Anfeindungen zu unterstützen und ggf. zu verteidigen. Ich finde das Motiv aber doch nachvollziehbar, vor allem, wenn für die betreffenden Erwachsenen klar ist, dass sie kein persönliches Problem mit der abweichenden Genderperformance haben, aber das Kind vor Schaden bewahren wollen – und diese Unterscheidung auch kommunizieren können.

  40. horsti sagt:

    Ausgerechnet in meinem sehr schlauen Buch über Fehlgeburten aus anthropologischer Sicht (Motherhood lost – A feminist account on pregnancy loss in America von Linda L. Layne) habe ich eine plausible Erklärung dafür gefunden, warum Kleidung und Co bei immer kleineren Kindern immer krasser gegendert wird. Weil ich die Stelle nicht wiederfinde, muss ich das mal aus meiner Erinnerung wiedergeben, könnte etwas stumpf klingen:
    Früher wuchsen Kinder in Großfamilien und kleineren begrenzten Gemeinden auf. Das heißt, alle, die mit dem Kind umgingen, kannten es und sein Geschlecht; es war nichts, das man immer wieder neu vorstellen musste. Je öffentlicher wir leben, umso mehr ändert sich das, umso mehr Menschen begegnen wir, die das Geschlecht unserer Kinder nicht kennen, denen durch codierte Kleidung Möglichkeiten gegeben werden, das Kind anzusprechen, mit dem Kind umzugehen. Sozusagen ein stilles Outing.
    Bah, ich wünschte, ich würde diese Stelle wiederfinden, weil die gut die Ambivalenz wiedergegeben hat, wie diese „Handlungsfähigkeit“ zwar Erwachsene mit mit einem Set von Mustern (Übersetzungsfail in meinem Kopf) ausstattet, aber damit auch bestehende Gesellschafts- und Geschlechterverhältnisse bestätigt und verfestigt.

    Ich bemerke dieses Phänomen gerade auch auf Twitter, wo das Geschlecht von Kindern in reinen Texttweets ja nicht durch Kleidung preisgegeben werden kann. Die meisten Eltern, denen ich folge, habe geschlechtsspezifische Spitznamen für ihre Kinder, wie Babymädchen, Babykerl, Herr Kind, Adventsjunge, Sohn x, etc.
    (Wenn jemand das liest und sich angesprochen fühlt, ich mein das nicht als Kritik/Wertung sondern als Beobachtung. Ich will niemandem das Recht absprechen, das eigene Kind zu benennen.)

    Und ich beobachte, welche Geschenke die Nichte meines Freundes von den Großeltern bekommt, wie, wenn sie sagen „L. wünscht sich eine Puppe“ das nicht der Wunsch des Kindes ist, das ich noch nie außerhalb der Aufforderung von der Großmutter mit einer ihrer Puppen spielen sah, sondern der Wunsch der Großmutter. Die dem Kind auch erklärt „Kleider sind nur was für Frauen und Mädchen, Männer tragen Hosen.“ Ich weiß nicht, wie ich auf sowas reagieren soll, es ist ja nicht mein Kind, ich kann nicht abschätzen, inwiefern das ein Thema für die Eltern von L. ist, ich will anderen Leuten nicht in ihre Erziehung reinpfuschen, das steht mir nicht zu. Und trotzdem. Hmpf.
    Zu Weihnachten bekam L., sie ist zwei, von den Großeltern ein Bügelbrett.

    Mir fällt noch so hundert viel mehr dazu ein, jedes Ding einen eigenen Blogeintrag wert. Danke für deinen Text, Melanie. Danke für die vielen guten Kommentare. <3

  41. LisaM sagt:

    Ein anderer Aspekt ist auch noch die verschleiernde Benennung von Spielzeug: ich bin der Meinung, Jungen spielen sehr wohl mit Puppen, man nennt sie nur gemeinhin „Actionfiguren“.
    Wenn im Bekanntenkreis so eine Diskussion aufkommt, dann will mir niemand glauben, dass dieser Rosa-/Blaufimmel nichts mit Genetik zu tun hat und dass die Farben noch vor knapp 80 Jahren genau umgekehrt zugeordnet wurden. Deswegen irritiert es mich immer extrem, wenn gerade Großmütter und -väter genauso auf rosa und blau bestehen. Diese Generation ist doch auch ohne ausgekommen, oder?

  42. IngeborgIJ sagt:

    Genau, LisaM!

    Es ist ganz toll euch auf dieser site zu ‚treffen‘, aber wie können wir auch andere Leute erreichen? Wie redet man am besten mit Großeltern? Am besten bevór traditionelles Spielzeug verschenkt würde….

    Die meiste Reaktionen sind und bleiben: Ok, hab‘ vergessen, dass du ja *Feministin* bist, aber deine Tochter/Sohn ist diesen *Feminismus* doch egal. Er/Sie mag Blau/Rosa und freut sich uber das Bugeleisen/Aktionfigur, lass das Kind in Ruhe….

    Meinen Freund hat auch schon, als er eine Arbeitskollegin gesagt hat, dass er sein Kind vesorgt und auch Elternzeit nimmt die Bemerkung bekommen: Ah ja, bei euch zu Hause ist alles umgedreht, deine Frau ist Boss?!?!?! Wie reagiert man darauf??

    Ok, wir auf Mädchenmannschaft sind uns alle einig, und jetzt? Wie reagiert man auf solche Bemerkungen, die man JEDEN Tag bekommt? Wie mach ihr das? Hat jemand noch einen guten Rat?

  43. Melanie sagt:

    erstmal vielen dank für all die tollen kommentare! hätte nicht gedacht, dass es so viele werden… – gute frage, wie man mit diesen beobachtungen, die wohl alle hier machen, umgehen soll. ich befürchte, es wird eine tägliche anstrengung bleiben, immer wieder darauf aufmerksam zu machen, dass es nicht nötig ist, kleine kinder schon so stark zu gendern, ihnen vorzugeben, was sie zu mögen haben und ihnen vorzusagen wie sie angeblich sind. ich bin schon auf die elternabende in der kita gespannt, bzw. auf alles, was da so passieren wird…

  44. […] auf welche Weise. Noch kann ich nur lesen, was andere dazu schreiben, z.B. Melanie für die Mädchenmannschaft, oder Esthilavista, die beobachtet wie Geschlecht an ihrem und den Kindern in ihrem Umfeld gemacht […]