Wie Firmen „unauffällig Chefinnen verhindern“

von Anna-Sarah

Ich hatte hier ja mal ein bisschen an Heide Oestreichs Schreibtonfall rumgemäkelt. Letzte Woche hat Oestreich dann in der taz einen Beitrag über die Frauenquote bzw. über die äußerst, nun ja, flexible Handhabung dieses Instruments seitens der Politik gebracht, und den finde ich dann doch ziemlich lesenswert: Unter dem Titel „Erfolgreich Chefinnen verhindern“ legt sie auf originelle Weise dar, welche Mechanismen mit dazu beitragen, dass Frauen im Job oftmals weitgehend von bestimmten Positionen ausgeschlossen bleiben – obwohl es doch immer heißt, auf den so genannten Führungsebenen gelte einzig das Leistungsprinzip und Frauen hätten strukturell doch die gleichen Möglichkeiten, dort „etwas zu werden“, wie Männer; wenn ihnen keine glanzvolle Karriere gelänge, wollten oder könnten sie wohl halt einfach nicht so recht. (Anmerkung: Ich persönlich lese aus Gründen selten Kommentare in bestimmten öffentlichen Foren, jedenfalls nicht gründlich, auch nicht in der taz online, deshalb kann ich den „Härtegrad“ diesmal nicht vollständig einschätzen – ich vermute jedoch aufgrund bisheriger Erfahrungen mit (Anti-)Diskriminierungsthemen dort, dass eine Triggerwarnung für die Kommentarsektion möglicherweise angebracht sein könnte. Die üblichen Nazivergleiche sind jedenfalls auch am Start.) Anhand von zehn To-do-Punkten gibt sie (fiktiven?) Personalverantwortlichen eine Liste von sarkastisch-satirischen Ratschlägen an die Hand, durch deren Befolgung sich der berufliche „Aufstieg“ von Frauen wie erwünscht  verhindern lasse. Zum Beispiel:

4. Allgemeine Abwehr von weiblichen Führungskräften

Untersuchen Sie, ob die Bewerberin beim ersten Wind schon umfällt: Seien Sie aggressiv: „Warum um Himmels willen sollen wir Sie einstellen? Sie haben doch nichts zu bieten.“ So sieben Sie junge Talente ohne Sozialkompentenz aus. Tritt eine Frau anders auf, als Sie erwartet haben, nämlich forsch und selbstbewusst, müssen die Alarmglocken klingeln: Wollen Sie einen so schwierigen Charakter in der Abteilung haben?

Denken Sie auch an die Kunden: Würden die wirklich diese (oder eine) Frau akzeptieren?

Machen Sie neumodischen Quatsch nicht mit: keine Präsentation oder gar ein Konfliktgespräch als Aufnahmetest. Da schneiden Frauen oft besser ab als im Gespräch, in dem Männer gern ihren allgemeinen Durchblick präsentieren.

Wenn Frauen schnell zum Punkt kommen und konkret Lösungen anbieten: Bedenken Sie, dass das für eine Führungsaufgabe irrelevant ist. Hat diese Frau den großen Überblick, den es für den Chefposten braucht?

Unterschätzen Sie keinesfalls Qualifikationen, die eher Menschen ohne Familienpflichten vorweisen können: Auslandsaufenthalte, lange Publikationsliste, Kongresse. Leider sind Frauen da ja oft schwächer bestückt.

Ich behaupte einfach mal: In dieser „Bedienungsanleitung“ ist fieserweise garantiert für jede berufstätige Frau was dabei, das ihr irgendwie bekannt vorkommt…




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Eintrag geschrieben: Dienstag, 13. Dezember 2011 um 20:54 Uhr unter Gewalt, Ökonomie. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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6 Kommentare

  1. Miriam sagt:

    Ich weiß nicht, ich finde den Artikel echt arg klischeehaft. Und da sind auch genug Punkte drin, die jedem berufstätigen Mann bekannt vorkommen aus eigener Erfahrung.

  2. Vkar sagt:

    Uahh,
    sind die Kommentare wieder unterirdisch.
    Den Artikel fand ich fies. Also sehr gut. Satire muss weh tun :D

  3. Weatherwax sagt:

    Weitere Zitate dieser Glosse:
    „Eine Frau verhält sich oft anders als Männer.“
    „Man muss auch mal ein längeres Gespräch über Fußball und Autos führen dürfen. Natürlich spricht man bei diesen Themen eher die Männer an.“
    „Oder bergsteigen. Oder wärmen Sie Ihre Biwak-Erfahrungen aus der Zeit bei der Bundeswehr wieder auf mit einem entsprechenden Ausflug, an dem dann wohl eher die Männer teilnehmen.“

    Fast die ganze Glosse stützt sich auf stereotype Eigenschaftszuschreibung, u.a. auch Frauen seien grundsätzlich zurückhaltender/höflicher als Männer, könnten ihre Qualifikation selten darstellen usw. usf. Eine sehr misslungene Glosse.

  4. maria sagt:

    ich behaupte einfach mal, dass der artikel absichtlich für jede frau was dabei hat (eigentlich auch für jeden mann, aber auf den wird ja in der flexiquote gar nicht gezielt). ich hab’s ehrlich gesagt als sarkastisch verstanden beim lesen.
    und ich freu mich, dass ihr nochmal was drüber schreibt, beim selber-mach-sonntag war ich mit posten hiervon ja schon etwas spät dran :-)

  5. Anna-Sarah sagt:

    @Weatherwax: Danke für den Hinweis. Ich habe teilweise ähnliche Beobachtungen bei dem Artikel gemacht wie du. Gleichzeitig hatte ich aber den Eindruck, dass hier deutlich gemacht werden soll, dass solche stereotypen Vorstellungen eben besonders bei denjenigen wirksam sind, die „Frauen verhindern“ (wollen) – und weniger die Aussage, dass „Frauen wirklich so und so sind“. Die Aussage “Eine Frau verhält sich oft anders als Männer.” finde ich in diesem Zusammenhang nicht allzu problematisch, denn die gesellschaftliche Tatsache, dass bei Frauen* und Männern* teilweise unterschiedliche Verhaltensweisen als sozial erwünscht gelten und dementsprechend akzeptiert und sanktioniert werden, wirkt sich ja oftmals auch auf das Verhaltensrepertoire aus, welches Frauen* und Männer* in unterschiedlichen Kontexten an den Tag legen. In sofern finde ich es vertretbar, wenn konkret in einer solchen Glosse eine derartige Aussage getroffen wird. Du hast aber sicher Recht, dass es in dieser Hinsicht zumindest ambivalente Stellen in dem Artikel gibt.

  6. Weatherwax sagt:

    @maria
    Dass für alle Frauen – und auch Männer – etwas dabei ist, liegt schlicht am Barnum-Effekt. Die Autorin der Glosse hat es trickreich angestellt, z.B. Schüchternheit mit der positiv bewerteten Höflichkeit gleichzusetzen, damit alle sich eher damit identifizieren:
    „Falls die Bewerberin so höflich ist, Sie nicht zu unterbrechen, um für sich Werbung zu machen, ist sie zu schüchtern für den Job.“

    Im übrigen funktioniert die Glosse m.E. ja nur dann, wenn im Hinterkopf immer stereotype Frauen-/Männerbilder hängen, wie dass Frauen kein Fussball mögen oder ungern Biwaken. Die Wahrheit ist aber, dass Männer genauso ungern Biwaken und die regnerischen Nächte in der Dackelgarage beim Bund nur sehr, sehr selten zurücksehnen.