Vaterfreuden

von Anna

Neulich auf dem Weg zur Arbeit ist mir folgendes passiert:
Ein Vater stand mit Kinderwagen oben an der U-Bahn-Treppe. Ich bot an, ihm tragen zu helfen, was er dankend annahm. Mein „Soll ich helfen?“ hatte jedoch auch ein Mann gehört, der samt weiblicher Begleitung die Treppe schon ein Stück unten war. Dieser kam dann wieder nach oben, sich wortreich entschuldigend, dass er keine Hilfe angeboten sondern einfach vorbei gegangen war. Dabei versuchte er, mir den Kinderwagen aus der Hand zu nehmen (was ich abwehrte). Es war ihm sichtlich unangenehm, dass er die Situation übersehen hatte und in seiner ausschweifenden Erklärung fiel schließlich auch der Satz: „Bei einer Frau bleibt man eher mal stehen, an einem Mann geht man irgendwie vorbei“.
Inzwischen hatten wir den U-Bahn-Steig erreicht und der junge Vater suchte sichtlich genervt schnell das Weite.

Ich kann den Vater gut verstehen, dass er genervt war. Meine Großmutter erzählt gerne, dass mein Opa Mitte der 50er als meine Mutter auf die Welt kam der erste Mann war, der im ganzen Wohngebiet einen Kinderwagen geschoben habe und wie viele schiefe Blicke und Sprüche er dafür kassierte. Manchmal habe ich den Eindruck, was den Umgang mit Vätern angeht, hat sich seit dem nicht so viel verändert.

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Mir kommt es so vor, dass kaum jemand mit einem engagierten Vater neutral umgeht. Das geht schon mit der Formulierung los, hat schon mal jemand von einer engagierten Mutter gehört? Eben. Wenn ein Mann alleine mit seinen Kindern unterwegs ist, weiß, welche Windelgröße gerade die aktuelle ist und welcher der Lieblingsrock der Tochter, dann ist er gleich ein engagierter Vater. Und als dieser wird er permanent von seiner Umwelt beobachtet und bewertet. Das kann natürlich positiv geschehen, von sehr freundlich bis hin zu überschwänglicher Begeisterung. Oder der Vater hat mit abwertenden, misstrauischen oder gar beleidigenden Kommentaren zu kämpfen. So bekam ein befreundeter Vater von den Arbeitern einer Baustelle zu hören, das mit dem Tragetuch sei ja bei einer Frau gerade noch okay, aber bei einem Mann ginge das mal so gar nicht. Der gleiche Vater berichtete mir auch, dass wenn er mit beiden Kindern alleine unterwegs sei, er sich immer wie auf dem Präsentierteller fühlen würde. Blicke und Bemerkungen würden bei kaum einer Straßenbahnfahrt ausbleiben. Und auch positive Kommentare können ganz schön nerven und sind letztendlich nicht weniger sexistisch als die abfälligen – wenn auch nicht so böse gemeint. Denn es ist ziemlich herablassend, wenn fremde Menschen es für besonders erwähnenswert halten, dass man(n) ja – erstaunlicherweise! – total gut zurecht kommen würde mit den Kindern. Kommt irgendwer auf die Idee, so was einer Mutter zu sagen, die einfach nur mit ihrem Kind einkaufen geht? Nicht zu vergessen natürlich die Passanten, die mit Argusaugen über den Umgang mit den Kindern wachen, denn einem Vater muss wohl rund um die Uhr auf die Finger gesehen werden, ob er auch alles richtig macht.

Männer, die ihre Vaterrolle aktiv ausüben sind anscheinend immer noch nicht in den Köpfen angekommen, Männer mit Kinderwagen immer noch ein Phänomen. Die Gründe dafür sind sicherlich vielschichtig. Gewiss hängt viel mit der Überhöhung der Mutter(rolle) vor allem in Deutschland zusammen, welche sowohl in der Politik als auch im Privaten immer wieder betont und manifestiert wird. In entsprechenden Internetforen liest man zuhauf von Frauen, die ihrem eigenen Mann nicht mal zutrauen, die Windeln des gemeinsamen Kindes zu wechseln. Geht ein Mann länger als zwei Monate in Elternzeit, kann er sich je nach Arbeitgeber und Kollegenkreis auf blöde bis beleidigende Sprüche einstellen. Ein mir bekannter Vater musste den Arbeitgeber wechseln, weil der alte ihm sehr deutlich zu verstehen gab, dass er über die gesetzliche Verpflichtung hinaus nicht bereit sei, sich auf Vätermonate oder familienfreundliche Arbeitszeitmodelle einzulassen. Der einzige gesellschaftliche Bereich, in dem Väter inzwischen allgemein akzeptiert zu sein scheinen, sind diverse mäßige Werbespots für Kaffee oder Fertigkuchen (richtig backen kann der arme Mann natürlich nicht).

Väter, bitte, traut und zeigt euch! Bindet euch die Kinder auf Bauch und Rücken und erobert die Spielplätze! Lasst euch bitte von den blöden Kollegensprüchen nicht entmutigen und bleibt auch mal daheim, wenn euer Kind krank ist und ihr euch kümmern wollt.

Wir brauchen wirklich dringend eine Selbstverständlichkeit im Umgang mit Vätern, sei es in der Straßenbahn, auf dem Spielplatz oder im Job. Ich trag auch gerne weiter die Kinderwagen.




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Eintrag geschrieben: Mittwoch, 12. August 2009 um 20:56 Uhr unter Familien_politik. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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35 Kommentare

  1. petra sagt:

    Warum so genervt vom Mann, der seine Hilfe anbot nachdem er die Situation übersehen hatte? Er hatte doch selbst eingesehen, dass sein Verhaltensmuster „Männer übersieht man gern“ falsch war. Wenn es ihm so wichtig war zu helfen, hätte ich ihn gelassen.

  2. Anna sagt:

    Kurz zur Erklärung:
    Es wäre – selbst wenn ich gewollt hätte – nicht mehr wirklich möglich gewesen, den Kinderwagen zu „übergeben“, wir hatten schon ein paar Stufen zurück gelegt und hätten den Wagen nicht unkompliziert abstellen und die Träger wechseln können.

  3. Andrea sagt:

    Hm, von engagierten Vätern habe ich noch nichts gehört, aber ich sehe und kenne viele. Kommt vielleicht drauf an, wo man das beobachtet?

  4. Roland sagt:

    äh… also aus eigener Erfahrung würde ich Vätern vom Besuch von Spielplätzen abraten. Da hängen immer diese furchtbar engagierten Mütter rum, die ihre armen Bälger keine 2min aus den Augen lassen können und sich noch in die kleinsten Kleinigkeiten einmischen müssen. Und dann immer dieses endlose Geschwätz darüber, wie „unglaublich toll entwickelt“ die Brut schon ist. So was eträgt mann wirklich nur schwer. Meine Lütte fand Spielplätze sowieso langweilig, da war es bei Vati auf Arbeit viiiieel spannender. Große Autos und richtig laute Maschinen sind aber auch lustiger als TÜV-geprüfte Kinderspielplätze. :D

  5. Marcel sagt:

    Sehr, sehr guter Artikel, bravo!

  6. Hallo!

    Ich habe so einen emanzipierten Mann zuhause, gerade jetzt ist er daheim und ich im Büro (wir arbeiten beide 50 % und wechseln uns ab).

    Für das Umfeld sind wir im nettesten Fall „sonderbar“ für die meisten aber einfach nur „Idioten“. Unsere Kleine war ausschließlich bei ihm im Tragetuch – ich konnts nach dem Kaiserschnitt gar nicht und mein Mann hätt mich auch nicht gelassen. ;-) Erst jetzt mit Rückentrage hab auch ich sie manchmal, aber eher die Ausnahme.

    Gratuliere zu deinem Blog, hoffe meines wird auch einmal so umfangreich.

    Alles Liebe
    Erika

  7. Matze sagt:

    Applaus auch von mir für den Artikel, sehr sehr gut.

    Zum hilfsbereit gewordenen Mann wäre noch zu erwähnen, dass man das Verhalten auch durchaus als sexistisch gegenüber Frauen ansehen kann, nach dem Motto: „Eine Frau sollte so etwas nicht tragen müssen, wenn ein Mann in der Nähe ist.“

  8. steve, the pirate sagt:

    Ganz toller Artikel.

    Wenn ich mich in meinen Freundeskreis so umschaue, dann gehört mein Vater zu den wenigen, die sich aktiv um uns Kinder gekümmert haben.

    Es wird ja gerne die traditionelle Famlie hochgelobt als kontrast zu den Alleinerziehende. Allerdings ist in vielen traditionellen Famlien der Vater so gut wie nicht den Leben der Kinder vorhanden und wenn dann hauptsächlich als strafende und strenge Instanz.

  9. Anna sagt:

    Matze, dieses Fass wollte ich auch noch aufmachen, aber ja, ich fand das durchaus sexistisch.

  10. Marcel sagt:

    @Erika Pernold & alle anderen: „wir arbeiten beide 50 % und wechseln uns ab“

    Der Anteil solcher, fortschrittlicher Haushalte liegt zur Zeit bei unter 5 Prozent.

    Woran liegt das?

    Danke für die Antwort(en)

  11. Patricia sagt:

    Ich würde mich wundern, wenn mein Arbeitskollege nicht wüsste, welchen Rock seine Tochter am liebsten anzieht. Er erzählt so viel von ihr, dass selbst ich weiß, was sie am liebsten spielt, isst, trinkt …

  12. Katharina sagt:

    @Marcel:
    Das liegt an vielen verschiedenen strukturellen und gesellschaftlichen Gründen. Ein struktureller Grund wäre z.B., dass man mit zwei 50%-Stellen oft schlechter lebt (was Gehalt, Karriere angeht) als mit einem 100%-Gehalt (das aufgrund der Karriere üppig ausfällt).
    Der gesellschaftlichen Gründe sind viele: hauptsächlich geronnene Meinungen, die auf Erfahrungen beruhen, aber auch auf dem, was man so hört. Wobei Erfahrungen auch nicht immer zuverlässig sind, denn wenn ich mal einen ungeschickten Mann gesehen habe, inwiefern sind dann alle Männer ungeschickt? Solche Meinungen eben: Mamas können das besser. Die Frauen wollen das doch so. Die Kollegen würden mich schief angucken. Der Chef erlaubt das nie. Wenn Sie schon so anfangen, dann können Sie Ihre Karriere vergessen. Ich habe mich entschieden, einen engagierteren Kollegen zu befördern. Usw…

  13. palü sagt:

    anna, das unterschreibe ich!

  14. x sagt:

    @Katharina: exakt!

    Um meine Mutter zu zitieren: „Dein Bruder/Vater kann das eh nicht / würde das eh nur falsch machen, also mach ich es lieber selber“…….

    Ich habe daraus meine Schlüsse gezogen und gelernt: Bei Sachen, die ich nicht machen will / die ich (zu Recht) abgeben will, stelle ich mich einfach blöd an…. Bzw. mache klar, dass die andere Person irgendwas das genauso gut (inwiefern qualifiziert einen das herumtragen eines Babys in einer Gebärmutter zum Windelwickeln????).

  15. Chräcker sagt:

    Ich bin seit der Geburt meiner Tochter vor 10 Jahren Hausmann.

    Ich wurde, sehr selten, darauf angesprochen, immer positiv.

    Man(n) ist in dieser Rolle, und vor 10 Jahren sogar noch etwas mehr, ein Exot. Ich fand es nie schlecht, daß die Leute eben darauf reagieren. Daran sieht man ja, daß sie nachdenken. Und eben (um)denken.

    Die meisten Männer bemitleiden einen etwas, aber wenn ich dann, man mag mir diese etwas plumpe und auch leicht sexistische Replik verzeihen, denen auf die Frage „warum machst Du das überhaupt“ erkläre: „ich kann mich tagsüber mit Kunden rum ärgern, oder mit dem Geld meiner Frau Deine Frau zum Frühstück einladen“ – erreichte ich immerhin ein „zucken“ um deren Mundwinkeln. (zur Ehrehrettung meiner Frau: es gibt bei uns natürlich kein Mein-Dein-Geld!)

    Aber ansonsten. Nur positive Reaktionen und reine Akzeptanz.

    Hm, gut, ich wurde noch nie zu einer Tubberparty eingeladen, aber herrje…. ich seh das als Vorteil.

  16. Ich will auch gerne mal engagierter Vater werden, und mir dann von lieben Frolleins die Treppe rauf und runter helfen lassen;) übrigens schöne Beobachtungen…

  17. Chräcker sagt:

    Glaub mir, als Mann: dieser Beruf Hausmann hat nicht zu unterschätzende Vorteile, und das meine ich nicht mal schwiemelig amourös.

    Jaja, er hat auch Nachteile. Da oberste Prinzip sollte dabei auch nicht die Karrierechancen (danach) sein, das Geld (wer verdient denn gerade mehr – das war übrigens eindeutig ich bei uns.) etc, sondern: beide Seiten sollten ihren jeweiligen Job gerne und freiwillig machen.

    Zu meinem und unserem Glück habe ich bei der Frage des „zuhausbleibers“ die Hand gehoben und den Zuschlag bekommen.

  18. Marcel sagt:

    @Kathrin: „dass man mit zwei 50%-Stellen oft schlechter lebt (was Gehalt, Karriere angeht) als mit einem 100%-Gehalt (das aufgrund der Karriere üppig ausfällt)“ Mit halb soviel Geld auskommen ist tatsächlich schwer. Ob aber im Falle eines einzigen Verdienstes automatisch davon ausgegangen werden kann, dass dieses üppig ausfällt, weil Karriere gemacht wurde- dann müssten wir ja in einer Gesellschaft voller Karrieristen leben. Aber das reduzierte Einkommen, ds ist ein ganz elementarer Punkt- auf den im allgemeinen überhautp nicht eingegangen wird, wie auf sovieles andere auch. Die Gründe dafür sind mir völlig schleierhaft.

    Eigentlich habe ich mir- die unter 5 Prozent sind ein Fakt, keine Erfindung- wesentlich mehr Antworten erwartet. Allgemein fällt mir allmählich auf, dass hier drinnen- und das ist jetzt eine Kritik, nebst all den guten in diesem Blog- auf zum Teil meiner Ansicht nach wesentliche Punkte gar nicht erst eingegangen wird. Das finde ich ausgesprochen schade. Zum Beispiel Aufsichtsratsquote für Frauen- das tönt ja nur politisch gut und beruhigt die Gender bewegten Gemüter- aber weist man darauf hin: Schweigen. Oder Lohnunterschiede: Nachweislich nicht bei 24 Prozent- Link eingestellt, Ergebnins: Schweigen. Gut, ich muss zugeben, dass ich immer etwas amputiert argumentiere- das ist mein Fehler- aus erwähnten Gründen. Vieleicht liegt’s ja auch daran. Und wenn nicht- nun, ich denke, dafür wird es auch Gründe geben- schlimmstenfalls nach dem Motto: Was nichts sein darf, ist einfach nicht. Merdith bringt jeweils fundierte Beiträge, die eine gesamtheitliche Sichtweise umfassen. Die Reaktionen sind regelmässig ganz bescheiden.

    Das finde ich ausgesprochen schade.

    Danke wenigstens für Deine Antwort, Kathrin!

  19. profin sagt:

    Zweierlei

    1. Minderheiten als Exoten
    Sog. engagierte Väter sind (noch) die Minderheit, aber gelten eben als „spannend“ und das Thema wird auch sehr von den Medien gehypt. Haufenweise Väter-Erziehungsbücher „Wie ich Rokko groß zog“ in den Läden.
    Meines Erachtens schadet es den hier in Deutschland lebenden meist heterosexuellen weißen Männern nicht, auch mal zu erleben, dass man einer Minderheit angehört, die unter Dauerbeobachtung ist, ob positiv oder negativ.
    Dabei aber volles Verständnis dafür, dass es nervt, wenn jede der Handlungen als besonders erwähnenswert positiv oder negativ bewertet wird und nichts einfach selbstverständlich ist.

    2. Entspannter Umgang engagierter Väter untereinander
    Sehr erfrischend finde ich die entspannte Selbstverständlichkeit von engagierten Vätern untereinander. Wenn „ohne Beobachtung“ dann wird auch mal genüsslich die Kindesentwicklung diskutiert.
    Oder ein Highlight: drei tolle Väter, die Wickeltische im öffentlichen Raum diskutierten, inclusive Zugang zu Damentoiletten, seltenen Wickeltischen auf Herrentoiletten oder – immer häufiger – auf der (neutralen!) Behindertentoilette, wo das Kind so schön am Alarmband zeihen kann.

    Last: Falls wir nicht eh gemeint waren: Ein süddeutscher Arbeitgeberverband hat meinem Partner den Teilzeitantrag aus Familiengründen abgelehnt mit dem Verweis auf die Kleinbetriebsklausel. Sie haben einen guten Techniker mit ihrer hinterwäldlerischen Politik verloren. Und ein schlauer innovativer kleiner Arbeitgeber der Druckbranche hat einen Fachmann gewonnen dank flexiblen Arbeitszeiten und Heim-Arbeit.

  20. englerin sagt:

    Ich erlebe es oft, wenn wir zum Beispiel mit Mann und Mäusen einkaufen sind, ich aber ein paar Regale weiterstehe, daß andere meinen Mann loben, wie toll er doch ist, daß er alleine mit zwei Kindern einkaufen geht. (Halloooo???) Sobald ich zum Wagen dazukomme, schweigen sie und sind weg.
    Mein Mann geht öfters aber auch tatsächlich alleine einkaufen mit den beiden Mädels und es kommt wohl nicht selten vor, daß andere Mütter (!) und Frauen ihm die Einkäufe auf’s Band und dann wieder nach der Kasse in den Wagen räumen. Ganz ehrlich? Wenn es solche Menschen gibt, verzichte ich gerne auf alleine-den-Wocheneinkauf-für-vier-Personen zu erledigen… *vogelzeig*
    Ich arbeite neben der Vollzeitbetreuung unserer 18monatigen Tochter 20 Wochenstunden im Drei-Schicht-Betrieb, nebenbei mache ich die komplette Wäsche und gut zwei Drittel des Haushaltes. (Küche macht meist der Herr Gemahl und ab und an saugt er mal die Wohnung. Das bißchen Rest darf ich machen). Außerdem gehe ich täglich mindestens 2-3 Stunden mit den Kindern Spazieren/Spielplatz/Freunde treffen.
    Aber das zählt ja alles nichts in dieser wundervollen kinderlieben Gesellschaft…
    Ich finde dennoch, daß die Reaktionen, den Vätern gegenüber oft viel zu übertrieben sind.
    Andererseits hätte mein Mann gerne zwei Monate Elternzeit genommen. Ging von seiner Firma (europaweit tätig und sicherlich kein Kleinbetrieb) aus nicht, denn einen adäquaten Ersatz hätte er schon zwei Jahre vorher anfangen müssen, einzuarbeiten.. Ja, klar.. *augenroll*
    Zum Glück haben sich unsere Kinder als Geburtstage Freitag- bzw Sonntagnacht ausgesucht. Ich will nicht wissen, ob ich allein gelassen worden wäre, wenn die Geburt unter der Woche losgegangen wäre..

    jm2c
    englerin

  21. Chräcker sagt:

    Echt Englerin? Da muß ich mal nacher bei der Supermarktkasse SAUERREI rufen. Ich, als Hausmann, muß immer alles selber einpacken und werde nicht mal gelobt! *zwinker* – also das ist mir noch nie passiert. Hm, oder bedeutet das, das alle Hausfrauen meinen: macht der das aber schlecht? – oho, ich sollte da wohl an meiner Arbeitsqualität arbeiten!

    Aber ernsthaft. Das würde mir auch extrem auf den Senkel gehen, wenn mich jetzt alle bemuttern, äh, behausfrauen würden.

    Den einzigen Bonus, den ich als Hausmann da sehe, ist der Umstand, daß man bei dieser nervigen „ich bin die bessere Hausfrau und Mutter“-Klamotte nicht mitmachen muß und aussen vorgelassen wird. („Mein Kind war mit eins schon trocken und lernt nun Unterwasserschach“ etc.)

  22. Marcel sagt:

    …Statistisch betrachtet, sind Hausmänner eine völlig irrelevante Grösse: Grössenordnung 1 bis 1,5 Prozent.

    Die Gründe dafür dürften vielfältig sein.

    Mehr Hausmänner bitte! Und nun ein Blick auf die Erwerbs- und Bildungsstatistiken…

  23. englerin sagt:

    Mein Vater war übrigens auch immer Hausmann, da meine Mutter schlichtweg mehr Spaß in ihrem Job hat und er lieber mit den Kindern daheim war. Und das ist schon mehr als 28 Jahre her…
    Damals war er ein echter „Einzelkämpfer“. Die Leute haben mich immer ungläubig angestarrt, wenn ich gesagt habe, daß mein Vater bei uns zuhause ist und meine Mutter arbeitet. *schulterzuck*

  24. Markus sagt:

    Ich gehe mit meiner Tochter lieber auf den Schultern Wandern als im Tragetuch, meine Frau lieber im Tragetuch…wo ist das Problem? Ich mag keinen Kinderwagen und trage meine kleinen lieber…könnte sich meine Frau nicht vorstellen…ja, auch bei „normalen“ Dingen wie Einkaufen, am Spielplatz, den Weg zum Kindergarten…dennoch ist es mir echt zu hart, wenn mein Kollege mit mir über Kinderwagenmarken sprechen will..echt zu hart..auch wenn niemand mich beobachtet. Ich fühle mich keinesfalls wie eine Minderheit auch wenn ich engagiert bin. Ist eine Frage des eigenen Selbstverändnis und der Art wie man auftritt. Ich verstehe die ganze Diskussion nicht. Ich liebe es mit meiner vier jährigen Tochter schwimmen zu lernen, schifahren zu lernen, Sie stundenlang auf den Berg zu tragen, aber ich lasse mich nicht als Ausstellschild für Väter mit Kinderwagen missbrauchen.

  25. Thomas sagt:

    Ich staune immer wieder, mit welcher Vehemenz Manche ihre traditionelle Rolle verinnerlicht haben.
    Kürzlich musste ich erleben, wie ein Gast der Hotelmanagerin, die für die Reisegruppe zu ihrem Geburtstag ein Glas Sekt spendieren wollte, das Tablett mit den Gläsern mehr oder weniger gegen ihren Willen aus der Hand riß, um es für sie zu tragen. Die Frau war sehr kompetent und wollte es eigentlich gar nicht, gab dann aber um des Friedens willen nach.

    Von manchen Frauen wird ein solch aufgezwungenes Kavaliersdenken als Bevormundung empfunden, m.E. zu recht. Etwas belesene Selbstwahrnehmung und Selbstreflektion könnte da bei Manchen wirklich nicht schaden.

    Als sichtbarer Vater bin ich eigentlich immer gut und zuvorkommend behandelt worden, von Frauen und Männern und manchmal mit einer gewissen anteilnehmenden Freude wie auch letzte Woche, wo ich mit meiner Tchter eine Woche unterwegs war.

    M.E. nach werde ich wohl auch immer noch als kleine Rarität wahrgenommen, was für mich ein Indiz dafür ist daß engagierte Väter unerwarteterweise scheinbar noch nicht Normalität sind.

  26. cara sagt:

    Ich beobachte, dass es zweierlei Reaktionen zu engagierten Vätern gibt.

    Es gibt die kritischen Blicke, ob er denn das auch alles kann und richtig macht, und das Kind ja nicht irgenwie falsch oder an den falschen Stellen anfasst.

    Und es gibt die bewundernden Blicke, mit denen er regelrecht als Held betrachtet wird, weil er ja so modern und emanzipiert ist.

    Beides totaler Sexismus in meinen Augen. Warum lassen wir Väter nicht einfach mal Väter sein? Warum wird ein Vater entweder für zu blöd gehalten, mit seinem Kind umzugehen, oder als Held für etwas bewundert, was man von jeder Mutter als Selbstverständlichkeit erwartet?

    Nicht nur Frauen oder Männer müssen sich emanzipieren, die ganze Gesellschaft muß umdenken.

  27. Marcel sagt:

    …und halte ich einer Frau die Türe auf, fühlt sich diese in ihrer Kernkompetenz (?) angegriffen, reisst mir die Tür wieder aus der Hand, schmeisst sie zu- und dann..? Hatten wir diese Argumentation nicht schon einmal in den Achzigern? Retropspektiv?

    Nö, Thomas: Ich bin einfach ein Vater- und was andere davon halten, speziell diejenigen, die mir ihren politisch-ideologisch motivierten Verhaltenskodex aufzwingen wollen, die lasse ich einfachaussen vor.

  28. Thomas sagt:

    @Marcel: Ich stimme Dir zu, wenn Du entindividualisierende Bevormundungsideologien ablehnst. Wer die Vaterschaft ungezwungen leben kann, sollte dies ohne Vorgaben weiterhin so tuen wie er es für richtig hält.

    Ich habe auch meine Vaterschaft besser allein und ohne Vorgaben entwickeln können, ohne daß mir ständig jemand kritisch über die Schulter schaut.

    Ich habe auch genug Fälle erlebt, wo dies nicht gelang und sich die Väter dann zurückgezogen haben. Wie die Kinder einmal damit umgehen werden, ist ein anderes heikles Thema.

    „Die Wahrnehmung differenzierter Bedürfnisse oder einfach nur ein Gespür dafür, was nötig ist, damit sie sich wohlfühlen und nicht ständig Gefahr laufen zu dekompensieren, fehlt vielen Männern. Das ist auch nicht verwunderlich, denn früher waren die Frauen dafür zuständig. Sie wussten um die Bedürfnisse der Männer und was für ihr Wohlbefinden nötig war. Aber diesen Job übernehmen sie heute immer weniger.“

    (Quelle : Überlisten Sie ihr Beuteschema, Dr. Woinoff, S. 70).

    Die Liste der Quellen ließe sich fortsetzen über Astrid von Friesen, die in der Beziehung eine Art „Exil“ des harten Alltags erleben, Björn Süffke im Buch „Männerseelen“ wie auch Steve Biddulph oder Hr. Kropp-Wichmann.

    Wer sich davon angesprochen fühlt, hat die individuelle Möglichkeit für sich noch Neuland zu entdecken und damit für sich auch unabhängiger zu werden.

    Daß alte Rollenmuster noch gefördert und „belohnt“ werden (der ideale Abteilungsleiter ist 35, 2 Kinder und ein Haus mit einer dicken Hypothek), findet sich immer wieder.

    Ich denke, es gibt Männer, die sich unter einem Erklärungszwang sehen, wenn sie „weibliche“ Tätigkeiten übernehmen. Dazu gehört auch ein Einlassen auf eine aktive Vaterschaft.

  29. Emily sagt:

    Mich würde mal interessieren ab wann ein Vater denn als „engagierter Vater“ gilt. Reicht Windeln wechseln und Gute-Nacht-Geschichten vorlesen oder muss man(n) dazu mindestens Teilzeit arbeiten oder zu Hause bleiben?
    Begriffe, die derartig schwammig sind, sollte man meiner Meinung nach am besten nicht benutzen, da jeder darunter etwas anderes verstehen kann. Das führt sonst zu Missverständnissen.

  30. Thomas sagt:

    Auf diese Weise möchte ich auf einen Beitrag aufmerksam machen, der in FrauTV am 3.9. gesendet wird.

    http://www.wdr.de/tv/frautv/sendungsbeitraege/2009/0903/thema_02.jsp

  31. Thomas sagt:

    Es gibt eine Menge unentdecktes Land für Männer, wie bereits Björn Süfke in „Männerseelen“ schrieb.

    Der Titel wurde angenehm aufbereitet und angereichert mit vielen interessanten Empfehlungen und Ratgebern – wie von FrauTV gewohnt. Sehr lesenswert :

    http://www.wdr.de/tv/frautv/sendungsbeitraege/2009/0903/thema_02.jsp

    „Wie ein Mann in eine neue Rolle findet
    Als Thomas S. (46) vor elf Jahren erfuhr, dass seine Freundin, mit der er nicht zusammen lebte, von ihm schwanger war, reagierte er mit Panik. …“

    „Unbekannte Gefühle und ein Schwur fürs Leben“

  32. sich erinnernder Leser sagt:

    Kann es sein, daß es schlimmer geworden ist? Vor Jahren bis Jahrzehnten war es doch noch ganz normal, wenn ein Vater mit seinen Söhnen unterwegs war (naja, jedenfalls soweit sie den Windeln entwachsen waren)?

  33. Angelika sagt:

    Meiner Meinung nach kommt es auch auf die Region an, in der der ‚engagierte‘ Vater ein ‚engagierter‘ Vater werden möchte… Mein Freund würde gern einmal in Teilzeit arbeiten. Aber in unserem ganzen Bekanntenkreis – und dieser ist beachtlich – kennen wir nicht einen Mann, der in Teilzeit arbeitet, geschweige denn, dass uns auch nach längerem Grübeln ein Arbeitgeber eingefallen wäre, von dem wir annehmen können, dass er einem Mann einen Teilzeitjob anbieten würde.

    Wir leben relativ ländlich und der Gedanke „Emanzipation und Feminismus“ scheint auf Eis zu liegen.

    Ich bin gespannt, ob wir es als Paar schaffen von unseren alten Strukturen wegzukommen und für uns eine familiengerechte Lösung finden, vorallem da ich gerne arbeiten gehe und mein Partner sich gern auch um die Familie kümmern würde.

    Danke für den Artikel, er hat mich nachdenklich gestimmt.

  34. Schussel sagt:

    Wir leben ein 50/50-Modell, beide waren eine Zeit lang in Vollzeit zuhause (ich 11 Monate, er 6 Monate, Ungleichheit wegen Stillen) und jetzt arbeiten wir beide Teilzeit. Und ich kann dem Artikel nur zustimmen.

    Mein Mann wurde anfangs in (nur von Müttern besuchten) Spielgruppen dafür gelobt, wie gut er das mit dem Wickeln macht. Dabei musste er sich ein Grinsen oder Kopfschütteln verkneifen, weil er das doch schon einige Monate tat. Wurde schon mal eine Mutter eines 1-Jährigen dafür gelobt, dass sie so toll wickeln kann? Genau.

    Mein Mann wird auf dem Spielplatz gefragt, ob er denn alleinerziehend sei. Ah, nein? sie dachte nur, weil er ständig tagsüber hier und alleine mit dem Kind sei.. Werden Mütter, die tagsüber alleine mit den Kindern unterwegs sind, gleich als „bestimmt alleinerziehend“ eingeordnet? Natürlich nicht.

    Mein Mann bekommt allerlei „lustige“ Sprüche dafür, dass er so stark aus dem Job aussteigt. Lieblingsfrage: „Und was willst Du dann so machen, wenn Du zuhause bist?“. Ich werde höchstens gefragt, ob ich denn wirklich „schon wieder so viel“ arbeiten will, ob das denn geht? Ob das denn klappt, mit dem Mann daheim, ja, kann der das denn (O-Ton mein Chef)?

    Wir werden meist etwas seltsam dafür belächelt, dass bei uns hauptsächlich der Mann den Haushalt wirft, wäscht und putzt. Ich koche. Entweder er wird dafür gelobt, oder ich werde beneidet, weil ich „so einen tollen Mann“ habe. Wieviele Frauen, die ganz traditionell den Haushalt machen, werden dafür als besonders toll angesehen, und wieviele Männer werden beneidet, weil die Frau die Wäsche macht? Ist doch normal, richtig, die Frau macht das eben, die ist ja auch zuhause…

    Und so erlebt man genau das jeden Tag. Ich bin „berufstätige Mutter“, während die meisten Väter einfach nur Angestellte, Manager, Bäcker, … sind, achja, und zwei Kinder im Lebenslauf haben. Ich habe eine sogenannte „Doppelbelastung“, während Männer auch nach der Ankunft des Nachwuchses eben arbeiten gehen, ganz normal.

    Aber ich will nicht alles schlecht reden. Wir sehen zwar tagsüber kaum Väter, aber immerhin, wir kennen Väter, die ihre Kinder genauso in der Bauchtrage durch die Gegend tragen und genauso nachts aufstehen, die die Schuhgrößen kennen und kranke Kinder trösten. Väter nehmen zwar nur wenig Elternzeit, und oft nur gleichzeitig mit der Mutter, aber immerhin, sie nehmen sich Zeit. Ich hoffe, dass der Fortschritt zwar langsam, aber vorhanden ist. Ich will niemandem ein Lebensmodell vorschreiben, aber ich will, dass solche Modelle wie unseres wenigstens so normal werden, dass wir nicht mehr wie bunte Hunde oder verbohrt-alternative Spinner angesehen werden. Einfach normal eben. (Mein Mann ist pessimistischer; er glaubt, das geht schon alles wieder rückwärts…)

  35. Julian sagt:

    Ich bin auch eher pessimistisch, da ich zur Zeit einfach keine Avancen seitens der Politik sehe, was das neue Rollenverständnis angeht. Im Gegenteil: Ich glaube eher sie, die CDU, will das traditionelle Bild stärken. Ständig wird von den „guten alten (konservativen) Werten“ geredet, z.B. vom ach so beliebten Guttenberg. ICH höre da eindeutig auch immer ein bisschen „Mütter müssen gestärkt werden“ mit.