Unter Männern

von Franziska

Hi,

ein paar Monate sind seit der Europawahl im Juni vergangen und beim Zurückblicken merke ich: Ich habe schon jetzt eine ganze Menge Erfahrungen als Abgeordnete gemacht. Interessanterweise immer wieder ähnliche.

Bei Akkreditierungen werde ich – jung, weiblich, blond – gefragt: Für welchen Abgeordneten holen Sie denn die Papiere? Diese Frage wiederholt sich jedes Mal, wenn ich offiziell ein Dokument abholen will, mich eintragen muss etc. Als junge blonde Frau wird man also sofort in die Kategorie ‚Assistentin von älterem männlichen Abgeordneten‘ gesteckt? Klar ist auf jeden Fall: Europaabgeordnete sind im Durchschnitt alt und männlich.

Interessant ist auch die Arbeit in den Ausschüssen. Ich wurde von meiner Fraktion, den Grünen, in den Auswärtigen Ausschuss, und stellvertretend in den Haushalt- und den Frauenausschuss gewählt. Die Zusammensetzung dieser Ausschüsse fällt schon sehr auf: Überwiegen im Auswärtigen und Haushaltsausschuss die Männer, gibt es im Frauenausschuss so gut wie keine. Am enttäuschendsten war die Wahl des Vorstands des Auswärtigen Ausschusses in der ersten Sitzung. Ein Vorsitzender und vier Stellvertreter, alle männlich, alle über 50 Jahre alt (und natürlich alle weiß).

Ich konnte die erste Sitzung nicht enden lassen, ohne dieses traurige Erscheinungsbild zu kommentieren. Meine erste Redezeit im Europaparlament verwendete ich also darauf, mein Bedauern über diese archaische Zusammensetzung zum Ausdruck zu bringen. Schweigen im Raum. Wer wagt da, sich so zu äußern? Zögerlich klatschen die Frauen aus meiner Fraktion, andere schlossen sich an, aber alles bleibt verhalten. Der neugewählte Präsident schließt schnell die Sitzung, aber nicht ohne vorher in meine Richtung zu sagen: „Auf eine hoffentlich gute Zusammenarbeit!“ Mal sehen …

In den letzten Wochen waren Frauen im Parlament schon ein riesiges Thema in Brüssel. Eine neue Kommission ist zu besetzen und es zeigte sich, dass die große Mehrheit der 27 Mitgliedsländer Männer für die Kommissionsposten vorschlugen – insgesamt wurden bis jetzt nur fünf Frauen vorgeschlagen. Das war Anlass für uns Grüne, eine fraktionsübergreifende Kampagne zu starten, unsere Drohung lautet: Wenn die neue Kommission nicht mindestens so viele weibliche Mitglieder hat wie die jetzige, werden wir en bloc im Europaparlament dagegen stimmen. Dafür brauchen wir natürlich auch die Stimmen einiger Männer. Mal sehen, ob es klappt.

Wir hoffen nun, dass mit der Ernennung von Lady Ashton als EU-Außenministerin der Druck fuer die Kommissionsbesetzung nicht sinkt, hier herrschen immer noch ’saudi-arabische Verhälntnisse‘. Für viele überzeugte Europäerinnen und auch für mich als Außenpolitikerin ist Lady Ashton eine Enttäuschung: Sie soll den neuen EU-Auswärtigen Dienst aufbauen, und dies ohne außenpolitische Erfahrung. Aber diese Kritik soll nicht unseren Elan schmaelern. Wir kritisieren viele der vorgeschlagenen Männer ja auch, ohne daraus abzuleiten, dass es falsch ist, Männer generell zu nominieren.

So long, eure Franziska




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Eintrag geschrieben: Dienstag, 24. November 2009 um 14:30 Uhr unter Zeitgeschehen. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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27 Kommentare

  1. Katharina sagt:

    Hallo Franziska,

    sehr mutig, deine Kritik an den ‚archaischen Zuständen‘ so offen
    vorzubringen! Lass dich nicht entmutigen, wenn du keine offene
    Unterstützung kriegst – die wenigsten Menschen, Männer wie
    Frauen, setzen sich gerne abseits. Die meisten (Frauen) haben
    wahrscheinlich ganz privat für sich ‚recht hat sie‘ gesagt.
    Ich finde es übrigens ganz super, dass du Abgeordnete geworden
    bist. Ich habe dich mal ‚live und in Farbe‘ bei einer Podiumsdiskussion
    gesehen und war schwer beeindruckt. Mein Mann übrigens auch,
    trotz Blondheit ;o)

  2. Christian sagt:

    Respekt.
    Diese Zustände müssen angekreidet werden. Ich hoffe, dass es genug Männer und Frauen gibt, die deine Initiative unterstützen.
    Und ich stimme Katharina zu: es gibt nicht genug Leute, die den Mut haben, sich abseits zu stellen. Deswegen nochmal, Respekt.

  3. jj sagt:

    Franziska,

    „Ein Vorsitzender und vier Stellvertreter, alle männlich, alle über 50 Jahre alt (und natürlich alle weiß).“

    Ja, die meisten Europäer sind halt weiß, wenn sie nicht in der Sonne waren. Und im Herbst scheint die ja nicht mehr so kräftig. Also was die Hautfarbe betrifft kann man wohl kaum davon sprechen, daß die Abweichung von der Grundgesamtheit bedeutend wäre. Was das Generationen- und Geschlechterverhältnis betrifft – ja und nein. Natürlich wäre es nicht falsch, wenn das demographische Profil der Gesellschaft auch im Parlament klarer abzulesen wäre, aber generell finde ich das Sotomayor-Argument höchst problematisch: Wenn DU willst, daß Dir alte, weiße Männer vertrauen, als Abgeordnete richtige Entscheidungen im Gesamt- und nicht nur im Partikularinteresse zu treffen, dann kannst umgekehrt nicht sagen, daß sie dazu nicht in der Lage wären, nur weil sie alt und weiß sind…

  4. Katharina sagt:

    jj, ich glaube, dass das nicht der Punkt ist: Natürlich sollten wir nur Politiker
    nach Europa schicken, denen wir vertrauen, und wünschenswerterweise
    sollten wir auch denen vertrauen, die nicht aus unserer gesellschaftlichen
    Gruppe stammen. Aber die Entscheidungen, die dort zustandekommen, hängen
    eben nicht nur von der Kompetenz ab, sondern auch vom spezifischen
    Blickwinkel der beteiligten Personen. Wenn das Personen mit verschiedenem
    Hintergrund sind, kann man hoffen, dass auch die gemeinsam getroffenen
    Entscheidungen möglichst viele Perspektiven berücksichtigen. Wenn aber
    alle (oder die meisten, oder die mächtigsten) der Personen aus EINER
    gesellschaftlichen Gruppe stammen (weiß, alt, männlich), dann wird mit
    ziemlicher Sicherheit vor allem dieser Blickwinkel berücksichtigt. Ohne
    dass ich den entsprechenden Personen Ignoranz vorwerfen will. Nein, das
    ist ein ganz normaler Effekt: Mein eigener Blickwinkel ist für mich erstmal
    der wichtigste. Deshalb, und nicht aus irgendwelchen Quotenüberlegungen,
    brauchen wir verschiedene Politiker.
    Auf Unternehmen und Aufsichtsräte lässt sich dieses Argument übrigens
    auch sehr schön erweitern.

    Und noch ne Frage:
    Seit einiger Zeit geht mein Kommentar-Eingabefeld über den rechten
    Seitenrand raus, deshalb muss ich immer Zeilenumbrüche einfügen.
    Woran könnte das denn liegen?

  5. Helga sagt:

    jj, Franziska hat nirgendwo geschrieben, dass die alten, weißen Männer nicht in der Lage wären, über Partikularinteressen hinaus zu handeln. Aber, wie Du bereits selbst bemerkst, wird so weder die Gesellschaft abgebildet, noch werden Vorbilder oder Identifikationsfiguren für den Rest der Bevölkerung geschaffen.

    Außerdem gibt es in einige europäischen Ländern bereits große Anteile nicht-weißer Mitbürger, deren Repräsentation, wie die von (weißen) Menschen mit Nicht-EU-internem Migrationshintergrund, sehr schleppend anläuft.

  6. Udo sagt:

    Nun ja, es gibt auch eine große Anzahl an eher „einfachen“ Bewohnern sprich ArbeiterInnen in Europa. Deren Anteil an der Bevölkerung dürfte so bei 70% liegen, im Parlament bei vielleicht 5% wenn überhaupt, deren Sichtweise auf die Welt weicht auch stärker von der des wohlhabenden ab, als die Sichtweise der wohlhabenden Frau von der des wohlhabenden Mannes. Vielleicht würde deren Abwesenheit bei politischen Entscheidungsprozessen ja stärker auffallen, wenn sie schwarze Punkte auf der Stirn hätten…

    „Überwiegen im Auswärtigen und Haushaltsausschuss die Männer, gibt es im Frauenausschuss so gut wie keine. “

    Und wie sieht es im Männerausschuss aus? ;-)

  7. Mat sagt:

    @Udo: Na na, das geht ja fast in Richtung Clara Zetkin ;)

    Über die Repräsentanz von Arbeitern sollte man bei den Grünen lieber nicht nachdenken.

  8. Katharina sagt:

    Udo hat sicher recht mit seiner Kritik, was die Repräsentanz von Arbeitern
    angeht. Aber man kann das doch nicht gegen die Geschlechter- und
    Hautfarbenfrage ausspielen! Frauen haben ganz eindeutig andere
    Interessen als Männer, auch wohlhabende, denn sie waren
    jahrhundertelang eine quasi-rechtlose gesellschaftliche Gruppe, und
    das spiegelt sich halt immer noch in der Gesellschaft wider. Deshalb muss
    auch (!) darauf geachtet werden, dass Frauen angemessen vertreten sind.
    Auch, neben anderen Gruppen mit separaten Interessen. Selbstverständlich
    müssen auch Männer angemessen vertreten sein, aber da müssen wir uns
    zum gegenwärtigen Zeitpunkt wohl keine Sorgen machen.

  9. Rabenmutter sagt:

    @Udo – in Frankreich haben mittlerweile über 63% eines Jahrgangs Abitur – oder dort eben Baccalaureat – Quelle: http://www.kyxar.fr/~jalac/BAC8006.html.

    70% Arbeiter/innen gab es vielleicht in den 50er Jahren.
    Die aktuellen Zahlen liegen sicher viel niedriger.
    Die Parlamente sind sicher nicht representativ – aber die Frage ist – sollte das das Ziel sein?

    @Franziska – wieso schreibst Du, Catherine Ashton hätte keine außenpolitische Erfahrung? Sie ist noch Kommissarin für AUSSENhandel, führt Verhandlungen in der – zugegebenermaßen blockierten – Doha-Runde, hat das Außenhandelsabkommen mit Korea mit Geschick verhandelt.

  10. steve, the pirate sagt:

    Bezüglich weißer und nicht-weißer Europäer:
    Mein Ex ist Halbafrikaner/Halbpreusse. Er ist in der bayrischen Provinz geboren und aufgewachsen.
    Deutsch ist seine Muttersprache. Er ist ein ganz normaler Oberbayer.
    Ich weiß nicht ob ein Abgeordneter, der auch schwarz ist, aber erst vor 10 Jahren aus
    Afrika nach Europa gekommen ist und zuerst Sprache/hiesige Gebräuche etc. lernen musste
    ihn deswegen besser repräsentieren kann nur weil beide die gleiche Hautfarbe haben.
    Ja, ich bin schon dafür, dass Einwanderer anständig repräsentiert werden – würde das
    ganze aber sicher nicht an der Hautfarbe fest machen.

  11. Katharina sagt:

    Ja nee, Hautfarbe ist der falsche Begriff, ist mir schon beim Schreiben
    aufgefallen. Ich dachte, ihr könnt vielleicht reininterpretieren,
    was ich meine ;o)

    Steve, du scheinst das gleiche Problem mit dem Kommentarfeld zu
    haben wie ich, also das es über den rechten Rand ragt. Kann sich da
    nicht mal jemand drum kümmern?

  12. steve, the pirate sagt:

    @Katharina: Ja, ich habe auch das Problem mit dem Kommentarfeld – aber nur
    wenn ich den Explorer benutze. Mit Firefox funzt es wieder.

  13. Katharina sagt:

    Ich kann den Firefox bei mir nicht benutzen. Und so ein Blog sollte
    idealerweise so eingestellt sein, dass er alle gängigen Browser
    unterstützt, oder? Bitte, Webmistresses, seid so lieb und schaut euch das an.

  14. Helga sagt:

    @Katharina: Ich hatte Dir eine Email geschrieben, da ich selber keinen Explorer benutzen kann, kann ich das gerade nicht nachvollziehen. Schick bitte einen Screenshot des Problems an unsere Emailadresse.

  15. Helga sagt:

    Und welche Version vom Internet Explorer die Probleme macht.

  16. Freundchen sagt:

    Version IE6 definitiv

  17. Anna sagt:

    kurzes OT:
    Die Darstellung im IE7 ist problemlos.

  18. Freundchen sagt:

    Bei IE8 ist auch alles ok.

    Wenn ich darf?
    Ich vermute ihr arbeitet im CSS mit dem Statement „position fixed“, dass heisst für neuere IE, dass die Seite auf eine bestimmte Pixelanzahl begrenzt ist. Sprich eventuell 800px?

    Da IE6 den Befehl nicht kennt wurschtelt er das so breit wie er kann, und „sprengt damit den „Rahmen“.

    Um das zu ändern (auf für IE6) müsste man dem einen colspan=“2″ zuweisen

  19. Miriam sagt:

    @ Katharina:

    Und so ein Blog sollte
    idealerweise so eingestellt sein, dass er alle gängigen Browser
    unterstützt, oder?

    Nee, ein Browser sollter sich idealerweise an Standards halten, damit ein Blog in allen Browsern gleich aussieht… Nur leider hat Microschrott ein Problem mit Standards…

  20. Freundchen sagt:

    oder man verwendet einen Browser, der den Standard nicht mehr unterstützt. ;)

  21. Helga sagt:

    Nein, wir arbeiten nicht mit „position fixed“. IE6 ist … *grummel*

  22. Udo sagt:

    @Rabenmutter

    „Die Parlamente sind sicher nicht representativ – aber die Frage ist – sollte das das Ziel sein?“

    Was hat das mit wünschenswert oder nicht zu tun wenn unser Grundgesetz dazu sagt „Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus.“ dann hat das zumindest soweit wie möglich auch so zu sein. Und selbst wenn das Grundgesetz dies nicht sagen würde, wäre es ja egal, sofern die Mehrheit der Menschen etwas anderes will.

    Guten Willen vorrausgesetzt könnte man beispielsweise schon längst über ein Internetportal mit TAN und PIN Sicherung den Menschen die Möglichkeit geben gegen ein neues Gesetz ein Veto einzulegen, (Entscheidung nicht anfechtbar) bzw ein besonders gewünschtes Gesetz mit sagen wir 75% Mehrheit (bezogen auf alle Wahlberechtigten, nicht auf die reinen Teilnehmer) auf eigene Faust zu erlassen. Bei unter 75 aber über 50% könnten Abgeordnete das neue Gesetz dann bestätigen oder verwerfen.

    Aber was rede ich, man sollte doch einfach mal die Menschen fragen wie SIE denn regiert werden wollen, ob nun mit parlamentarischer Demokratie, Volksabstimmungen, oder einem Mix, d.h. wie von mir beschrieben. Ein System welches einen Ewigkeitsanspruch besitzt, ist im Laufe der Geschichte immer gescheitert, mit Gewalt und viel vermeidbarem Leid.

    Ich selber bin zum Beispiel für die Hartz Gesetze und weiß das sie sinnvoll und wichtig waren, wenn auch teilweise schlecht ausbalanciert, und ich weiß auch das sie vom Volk abgelehnt worden wären, aber man kann den Menschen auch nicht irgendwas aufs Auge drücken bloss weil man selber meint dies wäre das beste. Dann müssen die PolitikerInnen halt erklären, erklären und nochmals erklären, und häppchenweise kann auch das durchgebracht werden was von der Mehrheit zumindest nicht abgelehnt wird.

    @Katharina

    „Frauen haben ganz eindeutig andere
    Interessen als Männer, auch wohlhabende, denn sie waren
    jahrhundertelang eine quasi-rechtlose gesellschaftliche Gruppe, und
    das spiegelt sich halt immer noch in der Gesellschaft wider“

    Glaubst du eine studierte Juristin und ein studierter Jurist, haben unterschiedlichere Ansichten gerade in Bezug auf die dominantesten Themen Staatsfinanzen und Arbeitsmarktpolitik als die Juristin und „Frau Peslovski von Kasse 4“ ? Ich glaube Frau Peslovski wird sich mit Harry dem Mechaniker einiger sein, als mit der Juristin.

    Und: Würde es wirklich darum gehen das die Menschen bekommen was sie wollen, unabhängig von Rasse, Geschlecht und sozialer Herkunft, (im Rahmen des Grundgesetzes) warum macht man sich dann nicht gegen ein System stark welches die normalen Bürgerinnen und Bürger von politischer Teilhabe weitestgehend ausschliesst, anstatt es durch lediglich kosmetische Veränderungen von denen man rein zufällig auch selber profitieren würde, (jaja, das verleitet wahrscheinlich auch zu der Annahme ALLE Frauen wären dafür und man bräuchte nur noch ein paar „selbstlose“ Männer) noch in seinem Herrschaftsanspruch zu verfestigen? Alles Eigennutz um selber zu profitieren.

  23. XYZ sagt:

    Wenn Männer und Frauen gleich sind, dann ist es schon etwas komisch zu behaupten, dass Frauen ganz anders oder irgendwie besser denken als Männer.

    Ich denke, dass innerhalb der Gesellschaftsschichten(adeliges Millionärssöhnchen vs. türkische Einwanderin) eine viel größere Streuung an Ansichten und Meinungen herrscht, als zwischen Männern und Frauen.

    Man muss schon sagen, dass viele Parlamentarier gewählt werden, weil sie seriös daherkommen und auf eine lange Erfahrung in bestimmten Bereichen zurückblicken können.

    Und da vor 20-30 Jahren Politik und artverwandte Felder noch reine Männerspielplätze waren braucht man sich nicht zu wundern, dass die „Senioren“, die schon länger dabei sind und die meist das Vertrauen der Wähler genießen oft Männer sind.

    Mit dem Alter wird stets eine gewisse Weisheit verbunden. Als junge, blonde Frau ist man da natürlich neu im Geschäft und noch exotisch, da braucht man sich nicht wirklich wundern.

    Da die nachwachsende Generation jetzt auch immer bessere Bedingungen für Frauen bietet, in der Politik mitzumischen, wird sich das in den nächsten 20-30 Jahren (wenn die jetzigen „Anfänger“ an der Spitze sind) erledigt haben.

    Das, was wir überall sehen, in den Chefetagen oder in der Politik sind Relikte eines Systems, das über viele Jahre Männern die Führungsaufgaben zugeschrieben hat.

    Dennoch finde ich, dass in vielen Parlamenten der Altersschnitt einfach zu hoch ist. Wenn man den Durchschnitt der Bevölkerung nimmt, dann liegen die Parlamentarier doch oft erheblich darüber.

    Die Alten haben vielleicht viel Erfahrung, doch oftmals sind sie zu verkopft und ihnen fehlen die Visionen für eine neue, gerechtere Struktur unserer Gesellschaft.

    Wie sieht es denn eigentlich mit der aktiven politischen Beteiligung von Frauen aus? Gibt es dazu verlässliche Zahlen?

    Gruß

  24. Katharina sagt:

    „Wenn Männer und Frauen gleich sind,“

    von der Anlage. NICHT von den Chancen, der Erziehung und den Interessen.

    “ dann ist es schon etwas komisch zu behaupten, dass Frauen ganz anders oder irgendwie besser denken als Männer.“

    Wer sagt hier was von ‚irgendwie besser‘? Es geht um Diversität. Ich würde auch kein reines Frauenparlament wollen.

  25. Katharina sagt:

    „Ich denke, dass innerhalb der Gesellschaftsschichten(adeliges Millionärssöhnchen vs. türkische Einwanderin) eine viel größere Streuung an Ansichten und Meinungen herrscht, als zwischen Männern und Frauen.“

    Na klar! Und das sollten wir idealerweise auch abbilden! Aber nicht ’stattdessen‘, sondern eben AUCH!

  26. XYZ sagt:

    @ Katharina

    „Es geht um Diversität.“ Ja sicher!
    Aber ich habe oft den Eindruck, dass „mehr Diversität“ nur bedeutet „mehr Frauen“ und nicht „mehr Alles“.

    Die Unterstellung, dass Frauen anders denken als Männer und damit andere Politik machen würden, sofern sie „an der Macht“ wären, halte ich nicht für belegt, noch nicht mal für wahrscheinlich.

    Ich z.B. würde ein reines Frauenparlament wählen, wenn ich davon überzeugt wäre, dass die Leute, die da sitzen das Volk gut vertreten und die Vertreterinnen aus allen Volksgruppen kommen, besonders im Hinblick auf soziale Herkunft (Migrationshintergrund, Arbeiterfamilie, etc.)

    Der männliche Jurist aus gutem Hause in einem Ausschuss wird in seinen Entscheidungen kaum von einem weiblichen Juristen zu unterscheiden sein.

    Daher muss es egal sein, wo wie viele Leute welchen Geschlechts sitzen.

    In anderen Bereichen in denen viele Frauen arbeiten (z.B. sämtliche Gleichstellungsreferate an Behörden und Unis) läuft der Laden doch auch.

    Das soll natürlich nicht bedeuten, dass alles so bleiben soll, wie es ist.
    Ich bin auch für eine völlige Durchmischung, schon allein weil dadurch die Diskussion um Männerbünde im Management und weibliche Erziehungseinrichtungen der Vergangenheit angehören und man sieht, dass überall nur Menschen sitzen, die versuchen ihren Job so gut es geht zu machen.

    Gruß

  27. Thomas sagt:

    @Franziska : Ich bin auch gelegentlich immer wieder über unbewußte Artefakte überrascht. Im Stern vom 5.11. beschrieb eine Frau aus Ostdeutschland, „sie wunderte sich immer über die Berichte von Frauen über angebliche gläserne Decken, bis ich selber daran stieß“. Ich denke mittlerweile, dass berufstätige Frauen zwar akzeptiert sind, aber immer noch eher als für Zubringertätigkeitsfelder zuständig betrachtet werden. Prof. Hollstein hat dies auch 2004 recht gut beschrieben.

    Ich kann nur empfehlen, steter Tropfen höhlt den Stein und es ist auch der Erfolg der Strategie der kleinen Schritte, hier Gewohnheiten zu ändern.

    Meinem Eindruck nach haben die Grünen seinerzeit versucht, die Wehrpflicht abzuschaffen und letztes Jahr las ich von einer Initiative bzgl. gemeinsames Sorgerecht für nichteheliche Väter u.a.

    Und wenn in Brüssel gerade menschengerechte Politik für Frauen und Männer vorangetrieben wird, wäre es schön, dieser Klientel, die dem Eindruck nach keine reine Kompetenz- sondern auch Herkunftselite zu sein scheint, mal ein paar deutliche Hinweise und Schranken zu setzen :

    http://frontal21.zdf.de/ZDFde/inhalt/25/0,1872,7941337,00.html?dr=1

    Es wäre schade, wenn ohne besondere Konsequenzen zur Tagesordnung übergegangen würde, denn dann kann man die Zeit stoppen bis zur nächsten Krise.

    „Think big“ war schonmal ein Kommentar eines Karrieristen, der mit überfrachtetem Ego zu den Sternen greifen wollte, Golf zu seinem neuen Hobby ernannte und bei den Großen mitmachen wollte, bis er ordentlich auf die Nase fiel. In o.g Positionen werden bei falsch verstandener „Verantwortung“ tausende Arbeitsplätze vernichtet.

    Die Bedenklichkeit sehr gut zusammenarbeitender Aufsichträte und Vorstände wurde scheinbar schon 2002 erkannt.

    http://www.corporate-governance-code.de/index.html

    „5.4.4 Vorstandsmitglieder dürfen vor Ablauf von zwei Jahren nach dem Ende ihrer
    Bestellung nicht Mitglied des Aufsichtsrats der Gesellschaft werden, es sei denn ihre Wahl erfolgt auf Vorschlag von Aktionären, die mehr als 25% der Stimmrechte an der Gesellschaft halten.“

    Seit dem 18.06.2009 wurde der Punkt „Diversity“ mitaufgenommen, m.E. aber kein Grund für Euphorie.

    „5.1.2 Der Aufsichtsrat bestellt und entlässt die Mitglieder des Vorstands. Bei der
    Zusammensetzung des Vorstands soll der Aufsichtsrat auch auf Vielfalt (Diversity) achten“