Toilettenschilder und Geschlecht

von Magda

In einem Uniseminar hatte eine Dozentin von mir mal gesagt: Toiletten sind eine der letzten Bastionen der krassen Geschlechter­trennung. Ob sie Recht hat oder nicht – darüber lässt sich bestimmt streiten. Fakt ist, dass es das stille Örtchen meist nur für genau zwei Geschlechter gibt: „Männer“ und „Frauen“. Interessant ist, dass Toiletten­schilder, die wir alle schon in hundert ver­schiedenen Variationen gesehen haben und wohl eher selten ein­gängig betrachten, ziem­lich viel über gesell­schaft­liche Ideen von Geschlecht verraten.

Schon vor über zwei Jahren hat Marissa von This is Hysteria eine wunder­bare Sammlung von (teilweise kuriosen) Toiletten­schildern ver­öffent­licht und diese auch gleich analysiert. Sie kam zu dem Schluss, dass viele Schilder Männer als „Mensch“ (und somit universal) darstellen, während Frauen beispiels­weise als „Mensch mit Rock“ oder „Mensch mit Hijab“ oder „Mensch mit Taille“ dargestellt werden. Viele der Bilder vermitteln essentialistische und geschlechter­stereotype Vor­stellungen von Geschlecht.

So zielen eine Vielzahl der Bilder auch auf die Idee ab, dass Männer und Frauen das Gegen­teil voneinander seien.

Häufig werden Formen zur Dar­stellung von Geschlecht benutzt (wie z.B. wie im Bild rechts Dreiecke): Links zeigt die Spitze des Dreiecks nach unten. So wird ein Körper nach­gestellt, der oben breiter ist (wahr­scheinlich: breite Schultern) und nach unten hin schmaler wird. Zumindest meine gesell­schaftlich geformte Lesart wäre: Das soll wohl ein „Mann“ darstellen. Rechts ist das Drei­eck umgedreht, so dass es für mich so aussieht, als wäre dies ein Kleid. Mein Kopf kombiniert: Aha, das ist das Zeichen für „Frauen“ – da gehe ich rein.

An diesen Artikel von This is Hysteria, den ich euch übrigens sehr empfehle, dachte ich dann auch, als ich folgendes Bild vor ein paar Tagen entdeckte:

Toilettenschild am Hampshire College via „Pride For All“ auf facebook

Dieses Toilettenschild findet mensch am Hampshire College im US-Bundesstaat Massachusetts. „Self-Identified Men“ heißt so viel wie: „sich selbst als Mann definierend“. Der erste Teil des Schilds heißt übersetzt:

Hampshire stellt sich eine Welt vor, in der Geschlecht weder der Grund für Diskriminierung noch für Gewalt ist. Wir sind uns außerdem bewusst, wie wichtig es ist, safer spaces („geschütztere Räume“) für all jene bereit­zustellen, die wegen ihrer Geschlechtsidentität marginalisiert sind (wie Frauen, Trans* und gender-nonkonforme Menschen (…).

Ich finde es gut, wenn Menschen sich über so alltägliche Dinge wie Toiletten­schilder Gedanken machen und versuchen, Zwei­geschlecht­lich­keit aufzubrechen. Wer andere mal so richtig verwirren will, bringt bei der nächsten Party oder Guerilla-Aktion auf einer öffent­lichen Toilette einfach mal andere Schilder an die Toiletten­türen an und wartet, was passiert. Noch keine Ideen? Bei unserer 5-Jahres Feier hatten wir zum Beispiel Toiletten­schilder gebastelt, auf denen draufstand: „Frauen, Lesben, Trans*: Zum Sitzen und zum Stehen“ und „Für alle Geschlechter: Zum Sitzen“.




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Eintrag geschrieben: Freitag, 2. November 2012 um 9:10 Uhr unter Aktivismus. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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28 Kommentare

  1. Jan-Marco sagt:

    Was mich schon immer interessiert hat; ist das etz eig illegal, die ‚andere‘ toilette zu benutzen? muss ich im zweifel meinen ausweis zeigen um zu beweisen, dass ich die richtige benutze? stell ich mir in der schule iwie witzig vor…^^

  2. Stephanie sagt:

    @Jan-Marco: Witzig?! Ich find die Genderpolizei gar nicht witzig, eher ziemlich gewaltvoll.

    Es gibt tatsächlich noch ein drittes „Toiletten-Geschlecht“: Rollifahrer_innen. (Was, wie ich finde, beeindruckend dazu passt, dass das Gender von Leuten, die behindert werden, gesellschaftlich oft weniger wahrgenommen wird als bei Leuten, die ablebodied gelesen werden)

  3. Magda sagt:

    Hallo Stephanie,

    danke für deinen wichtigen Kommentar.

    Eine Frage: Was meinst du mit „GenderPolizei“?

  4. Anna-Sarah sagt:

    @Jan-Marco: Keine Ahnung, wie und ob es da gesetzliche Regelungen gibt und wie die dann im Zweifelsfall überprüft würden. Ich finde es allerdings aus anderen Gründen wichtig, dass es vor allem für Nicht-Männer* die Option gibt, bei Bedarf auf dem Klo unter sich zu bleiben (verschiedene Aspekte von Gewaltschutz).

  5. soylent_glitter sagt:

    Finde ja ehrlichgesagt den Kloschildverwirr-Ansatz auch super. Bspw. mit „sonstige“ und „andere“-Schildern. Oder „Transgender“ auf der einen Seite „Inter*personen“ auf der anderen.
    (Habe beide schon auf dem Klo eines Hackerspaces gemacht. Hat tatsächlich dazu geführt, dass Cis-Männer sich komisch fühlten beim Klobesuch und nicht wussten, wo sie nun hinein sollten. Und das, obwohl diese Menschen da schon länger waren als ich und wussten, dass beide Toiletten baugleich sind – ohne Pissoires.)

  6. L. sagt:

    Die Toiletten, die von „meinem“ Hackerspace mitbenutzt werden, sind beschriftet mit „Frauen – Mädels – Intersex“ sowie „Männer – Buben – Intersex“.

    Ich würde Toiletten ja mit „mit Pissoirs“ und „ohne Pissoirs, dafür mit Wickeltisch“ beschriften.

  7. Thomas sagt:

    Ich verstehe ohnehin nicht, warum wir nicht überall Unisex-Toiletten einführen. Es ist doch total unlogisch [Anm.: Begriff editiert], dass die Männertoilette für gewöhnlich leer ist während die Frauen kilometerlang anstehen.

  8. Anna-Sarah sagt:

    @L.: Aber warum schließen Pissoirs und Wickeltische einander aus? Oder verstehe ich dich falsch und du meinst das nur für diejenigen WCs, wo es tatsächlich so ist, dass es nicht beides in einem Raum gibt?

    @Thomas: Unisex-Toiletten sind super, aber es sollte nach Möglichkeit und je nach den räumlichen Gegebenheiten zusätzlich eine Alternative geben, denn wie ich schon sagte:

    Ich finde es wichtig, dass es vor allem für Nicht-Männer* die Option gibt, bei Bedarf auf dem Klo unter sich zu bleiben (verschiedene Aspekte von Gewaltschutz).

    @Thema generell: Der Haken an rein verbalen WC-Tür-Beschriftungen ist natürlich: Nicht alle können (alles) lesen, nicht alle verstehen deutsch (oder halt die Sprache, in der diese Beschriftung dann eben ist). Die Herausforderung, auch für inklusivere Klo-Konzepte universellere Ausschilderungs-Codes zu finden, bleibt also…

  9. lea sagt:

    @Anna-Sarah
    Wenn man Deinen Einwurf ernst nimmt (und das tue ich durchaus) müsste man aber auch weiterführend sagen dass es auch für Trans* die Möglichkeit geben sollte unter sich zu bleiben…

    Weitergehend währe meine Kritik dann zu fragen wieso „unter sich“? Ich wäre gerne alleine auf der Toilette. Und Frauen die sexuelle Gewalt durch andere Frauen erfahren haben hilft es vermutlich auch wenig, dass Männer ausgeschlossen werden.
    Wieso ist es also nicht möglich Unisex-Toiletten zu bauen die baulich so gestaltet sind, dass es nicht von Relevanz ist was für ein Geschlecht die Mitbenutzer_innen haben? Wenn das aufgrund Platzmangel nicht komplett möglich ist könnte man das wenigstens teilweise realisieren indem man einige Toiletten baut die einen Rückzugsraum bieten für jede Person die das nötig hat! Die Toiletten könnten dann einfach nach Größe symbolisch bezeichnet werden. ‚Groß‘ für Rollstuhlfahrerinnen, ‚mittel‘ als Rückzugsraum und ‚klein‘ für den Rest.

  10. Anna-Sarah sagt:

    @lea:

    dass es auch für Trans* die Möglichkeit geben sollte unter sich zu bleiben

    Ja, deshalb schrieb ich Nicht-Männer*, dabei dachte ich an alle Menschen, die sich nicht als Cis-Mann definieren. Sorry, dass ich das nicht deutlich genug gemacht habe!

    Wieso ist es also nicht möglich Unisex-Toiletten zu bauen die baulich so gestaltet sind, dass es nicht von Relevanz ist was für ein Geschlecht die Mitbenutzer_innen haben?

    Das fände ich auch die Ideallösung für öffentliche WCs: eine bauliche Anordnung, die z.B. gewährleistet, dass die WC-Kabine nicht zu sehr (durch Gänge, Flure) vom „sonstigen Betrieb“ isoliert ist und trotzdem Privatsphäre gewährt. Technisch und architektonisch ist da ja vieles denkbar und möglich. Wenn es denn bedacht würde…

  11. Stephanie sagt:

    @Magda: Ah, sorry, das war mehrdeutig: Ich meinte mit „Genderpolizei“ das Wachen über die Genderordnung, also das Reglementieren, wer wo unbehelligt aufs Klo gehen kann. Also zum Beispiel Menschen auf dem Frauen*/Männerklo, die Sprüche machen oder seltsam schauen, wenn dort andere sind, die nicht ihrem Bild von Frau*/Mann* entsprechen. Oder auch schon die thematisierten Schildchen an sich, die alle in ihre Schublade weisen wollen.

    Ich hatte ganz vergessen, das Genderpolizei als antifeministischer Kampfbegriff benutzt wird, sorry:-( Zuviel auf hatr gelesen vielleicht;-)

    P.S.: Mein „gewaltvoll“ bezog sich natürlich nicht auf alle Klo-Regelungen – Anna-Sarahs Einwand mit dem Schutzraum kann ich total nachvollziehen.

  12. vonhorst sagt:

    Auch mit Bildern ist das manchmal nicht so leicht: ich interpretierte die Dreiecke (eine Version ohne „Köpfe“) auch schon so, dass das Dreieck mit der Spitze nach unten für eine Vulva stehe, das mit der Spitze nach oben für einen (konstruiert, konstruiert) aufgerichteten Penis. Und stand in der Toilette mit Pissoirs. Naja, fast.

    Ein extra Klo für trans* kann übrigens suuuper problematisch sein, weil seine Benutzung jedes mal ein Outing wäre. (Und die Diskussion von „radfems“ darüber, ob Transfrauen die Frauentoilette benutzen dürfen sollten, ist mindestens so problematisch.)

  13. name(required) sagt:

    ich als frau kann udn gehe auch auf männertoiletten wennd ie anderen überfüllt sind-ich schaue dann einfach die andere wand an und ignoriere den rest-und frage vorher ob sich jemand gestört fühlt, was bisher nie der fall war.

    ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass diese option für männer nicht besteht-also auf eine frauentoilette zu gehen wenn diese weniger vll ist.

    ich fände eine räumliche trennung auch gut-ein raum zum hände waschen und ggf gesichtsfarbe rejustieren, davon geht dann ein gang ab der ine inen raum mit toiletten führt die unterschiedlich groß sind, vorne 2 oder 3 die mit rolli und assistent/in benutzbar sind, hinten kleinere.
    und einen gang der zu pissoiren führt.

  14. sagt:

    Irgendwie ist die aktuell übliche Situation nicht sonderlich gut, aber viele Verbesserungen oder Veränderungen würden auch in anderen Punkten Verschlechterungen bringen:

    Wenn man bei zwei Toiletten-Räumen bleibt: Beschilderung: Prototyp-Frau und Prototyp-Mann bilden natürlich nicht jede*n sinnvoll ab. Dafür sind sie mittlerweile sehr bekannt und werden auch international wiedererkannt. Jeder Änderungsvorschlag muss sich daran messen lassen, wie viele Besucher ohne Grübeln die „richtige“ Tür wählen. Dabei ist egal, ob man weilblich versus männlich oder männlich versus potentiell gewahltbedroht und/oder weiblich, oder wie auch immer aufteilt. Ein Verzicht auf das Extrem „Mann=Standard, Frau=Anders“ ist möglich, ohne den Wiedererkennungswert zu gefährden. Ohne Rollenklischees wird es schon schwerer: Frau=Kleid, Mann=Latzhose ist zwar für viele Menschen und in vielen Umfeldern erkennbar, lässt aber zu wünschen.

    Hat man nur einen Toilettenbereich ohne Trennung, aber mit gemeinsamem Waschbeckenbereich, fühlen sich manche Personen hier beim Auffrischen gestört. Das Problem, fremde Menschen (ggf. anderen Geschlechts) beim Besuch zu dicht dran zu haben (Pappwände), lässt sich baulich lösen (kostet etwas Raum und etwas Geld, richtige Wände und Türen einzubauen). Viele Männer würden sich am Pissoir aber nicht wohlfühlen, wenn Frauen dort entlang liefen. Von der vergleichsweise effizienten Raumnutzung (viele Besucher auf wenig Raum in kurzer Zeit) profitieren aber andere durch kürzere Wartezeiten… daher finde ich es geschickt, das beizubehalten. Damit hätte man dann aber einen räumlich getrennten Bereich nur für Männer – ob man eine Asymmetrie will oder auch einen Nur-Frauen-Bereich…?

    Sobald man von mehreren Menschen genutzte Bereiche hat, auch wenn es nur der Eingangsbereich ist, ist die Bedrohungssituation nicht auszuschließen. Komplett-Kabinen (mit Waschbecken und Spiegel) für alle Besucher kommen jedenfalls aus Kosten- und Platzgründen wohl nur sehr selten in Frage.

    Die räumliche Abtrennung von Behinderten-WC hat den Vorteil beim Bau, nur einen großen Raum mit Hilfskonstruktion / Griffen / etc. einplanen zu müssen. Auch hier ist es möglich, anders zu planen – etwa pro Bereich eine große Kabine, dann muss man aber den Aufwand gegen den Nutzen abwägen.

    Je nach Bereich ist die Arbeitsstättenverordnung zu beachten (http://www.gesetze-im-internet.de/arbst_ttv_2004/__6.html) – separate Toiletten sind oft unvermeidlich. Ja, Gesetze kann man ändern – dann sollte man aber eine genaue Erwartung haben, was damit verbessert wird.

  15. L. sagt:

    @Anna-Sarah, Ich meine, ich würde das einfach nach dem beschriften, was drin ist. So völlig ohne Geschlechteraufteilung. Da ist es dann auch egal, ob Wickeltisch und Pissoirs im gleichen Raum sind. Zumindest in meiner total unrealistischen Idealwelt.

    Wenn man dem theoretischen Idealzustand näher kommt, kann man ja auch die Raumaufteilung intelligenter machen. Da ist sehr viel Optimierungsspielraum. Aber so fürs erste fänd ich es jedenfalls toll, einfach nur die Interpretationen zu entfernen und an die Tür zu schreiben, was dahinter ist.

  16. Lukas sagt:

    Ich habe Maschinenbau an einer Staatlichen Uni studiert, in dem Gebäude des Instituts gab es baugleiche Toileten. Sowohl „Männer“ als auch „Frauen“ hatten Pissiors drin.

    Mir wurde von Kommilitonen erklärt, das die Toileten früher eine waren und nur mit Rohbauwänden getrennt wurden. An die Trennung wurde sich Faktisch auch nicht gehalten. Nach den Vorlesungen gingen alle auf eine beliebige Toilete.

    Soviel zur sinnvollen Aufteilung.

    In meinem jetzigen Betrieb gibt es unisex Toileten. Ich tippe mal, dass liegt nicht daran, dass Mensch hier nachgedacht hat und Bewusst entscheiden. Es dürfte eher an dem, laut Gewerkschaft, 1% Frauenanteil an diesem Standort liegen.

  17. Lea sagt:

    Ich hab gestern im Vux in Berlin (veganes café) tolle schildern gesehen. „Hier kann man sitzen“ und „hier kann man sitzen und stehen“. :)

  18. Carsten sagt:

    Schwierige Frage, auf die es, meiner Meinung nach, keine konsensfähige Antwort gibt.
    Ich hatte mal das Erlebniss das auf einer Party plötzlich eine Truppe von 4 Mädchen in die Männertoilette gestürmt sind, da das Frauen-WC überfüllt war. Diskret haben sich diese Mädchen allerdings nicht verhalten, was sich darin geäußert hat, das sie sich kichernd vor das Pissior gestellt haben und den anwesenden Männern beim Urinieren zugeschaut haben.
    Ich möchte damit nur zur Kenntnis geben das ich mir Wünsche, das die Toilette auch für Cis-Männer (wie mich) einen Schutzraum bietet. Sicherlich mag dies ein Einzelfall sein, allerdings war es eine sehr unangehme Situation.

  19. Morphea sagt:

    Dass die geschlechtsneutrale Figur nicht für Herren-WCs, -Duschen oder -Umkleiden verwendet werden sollte, dürfte allen außer den Schildermachern klar sein. (Ich finde übrigens den Schlips ein passendes, weil genauso klischeegeladenes Pendant zum Kleid oder Rock; Hüte wären anachronistisch.) Ob man überhaupt trennen sollte und wonach und wo, sind völlig andere Fragen.

    Seit ich Vater geworden bin, habe ich jede Hemmung verloren, in Damenbereiche zu gehen, wenn sich dort der Wickeltisch befindet, aber auch früher schon bin ich (mir keiner Schuld bewusst) auf freie Rollstuhl-WCs gegangen, wenn alle Herrenklos besetzt waren.

    Die ideale (halb-)öffentliche Bedürfnisanstalt hat einen Schminkbereich, einen Wickelbereich, einen Waschbereich, ggf. einen Duschbereich mit separaten Kabinen, evtl. einen Garderobenbereich, einen Automatenbereich (Binden, Tampons, Kondome, Tabak, Kaugummi, Deo …), einen Urinalbereich mit Sichtschützen und einen WC-Kabinenbereich. Gut fände ich auch eine Anordnung, in der man wie bei Umkleidekabinen im Schwimmbad auf der einen Seite rein und auf der anderen Seite raus zu den Waschbecken geht – das würde u.U. das Klinkenekelgefühl mancher Menschen lindern.

    Viele Stehpinkler kann man übrigens zum Hinsetzen bringen, indem die Klorückwände langweilig und die gegenüberliegenden interessant gestaltet sind.

    Lustig finde ich getrennte Duschen in Unisexsaunen.

  20. Morphea sagt:

    Für alle, die sich wie ich über das Braille im dritten, großen Foto wundern: dort steht, anders als ein Kommentar auf Facebook behauptet, „’Men“ (Apostroph + Großbuchstabe + ‚m‘ + ‚en‘). Ich weiß leider nicht, welche genaue Funktion der Apostroph im Amerikanischen Braille hier erfüllt und wie üblich sie ist.

  21. Milena sagt:

    @thomas

    #Schlangen

    Dass vor den Damentoiletten oft längere Schlangen sind, liegt schlicht und ergreifend daran, dass in den meisten Lokalen mehr Toiletten für Herren als Damen sind (und nicht etwas daran, dass Frauen länger bräuchten). Das wiederum liegt an der Gaststättenverordnung, die früher (davon ausgehend, dass mehr Männer in Gaststätten gehen als Frauen) eine gewisse Anzahl an Toiletten und Urinalen vorschrieb. Zählt man Urinale und Toiletten zusammen, stellt man ein ungleiches Verhältnis fest, meist so etwas wie 3 Damentoiletten und 2 Herrentoiletten plus 4 Urinale (gibt doppelt so viele Toiletten für Damen wie für Herren).

  22. Milena sagt:

    hier nochmal ohne Fehler, dafür mit Beispiellink:

    @thomas

    #Schlangen

    Dass vor den Damentoiletten oft längere Schlangen sind, liegt schlicht und ergreifend daran, dass in den meisten Lokalen mehr Toiletten für Herren als Damen sind (und nicht etwas daran, dass Frauen länger bräuchten). Das wiederum liegt an der Gaststättenverordnung, die früher (davon ausgehend, dass mehr Männer in Gaststätten gehen als Frauen) eine gewisse Anzahl an Toiletten und Urinalen vorschrieb. Zählt man Urinale und Toiletten zusammen, stellt man ein ungleiches Verhältnis fest.

    Beispiel:
    Gaststätten mit Alkoholausschank, Anzahl der Gastplätze: 26 – 60
    Damentoilettenbecken: 1
    Herrentoilettenbecken: 1
    Urinale: 2
    http://www.nuessler.net/fileadmin/user_upload/technische_auflagen_gaststaetten.pdf

  23. Lisa sagt:

    In Skandinavien sind die Unisex-Toiletten ja schon längst verwirklicht und kein Thema. Konkret sieht das meistens so aus, dass die einzelnen Kabinen eine Toilette, ein kleines Waschbecken und einen Spiegel haben – ein Rückzugsraum für jeden. Wickeltische befinden sich vor dem Eingang zu dein einzelnen Kabinen – sind also auch für alle zugänglich.
    Pissoirs sind beispielsweise in Schweden nicht üblich.
    Als Frau* bemerkt man die unisex-Aufteilung übrigens durch deutlich kürzere Wartezeiten. Belustigend wird es dann, wenn man weibliche*, deutsche Touristen sieht, die oft regelrecht angewiedert reagieren, wenn sie auf eine Toilette müssen, die Männer mitbenutzen. Dabei habe ich auch festgestellt, dass Unisex Toilettem signifikant sauberer sind, als reine Damentoiletten, habe aber noch keine Erklärung dafür gefunden.

  24. Anna-Sarah sagt:

    @Lisa: Ich befinde mich gerade auf der Rückreise aus Schweden (leider leider, muss ich sagen :) ) und hab es dort genauso vorgefunden, wie du sagst, was ich sehr angenehm fand, auch in Kombination mit den eher offenen Vorräumen. Was jedoch auch die schwedischen Toilettenschilder, die ich gesehen habe, nicht vermocht haben: wirklich „unisex“ auszudrücken, denn es waren immer 2 Personen abgebildet, eine im Rock, eine in Hosen. In sofern Dichothomie also auch hier…

    Off topic: Mir ist in Göteborg auch aufgefallen, dass die Fußweg-Beschilderung nicht so deutlich (bzw. im Vergleich mit Deutschland anders) gegendert ist, das Piktogramm zeigt, Hand in and, einen großen und einen kleinen Menschen in Hosen. Kann man einerseits als „fortschrittlich“ wahrnehmen, andererseits als herkömmlichen Androzentrismus, je nach Perspektive…

  25. läufer sagt:

    „Mir ist in Göteborg auch aufgefallen, dass die Fußweg-Beschilderung nicht so deutlich (bzw. im Vergleich mit Deutschland anders) gegendert ist, das Piktogramm zeigt, Hand in and, einen großen und einen kleinen Menschen in Hosen. Kann man einerseits als “fortschrittlich” wahrnehmen, andererseits als herkömmlichen Androzentrismus, je nach Perspektive…“

    ich beneide dich, Anna-Sarah.
    wer solche probleme hat, muss ein glücklicher mensch sein!!

  26. Anna-Sarah sagt:

    @läufer: Hm? Welche Probleme?

  27. Morphea sagt:

    Anna-Sarah, auch in der BRD gab es früher (bis in die 70er) einen Mann mit Kind als Fußwegschild, danach eine gerade so als Frau erkennbare Person mit Kind (noch häufig zu sehen) und schließlich seit kurz nach der Wiedervereinigung die Frau mit dem breiten Rock und Kind. Wo Fußgänger verboten sind oder die Straße überqueren oder wo Autofahrer auf sie besonders achten sollen, zeigen die Schilder (bspw. Zeichen 259) übrigens durchweg eine nicht geschlechtlich identifizierbare Figur. Vielleicht interessiert dich die E-Petition an den Bundestag mit der Nummer 37280 http://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2012/_10/_23/Petition_37280.html bzw. eine Abbildung des dort vorgeschlagenen genderneutralen Zeichens 239 bei Wikimedia Commons http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Zeichen_239_neu.svg