Einträge mit dem Tag ‘Slut Shaming’


Gina-Lisa Lohfink: Wenn ein „Hör auf“ nichts mehr wert ist

6. Juni 2016 von Nadia

Triggerwarnung. Für alles.

Was ist das „Nein“ einer Frau wert? Was sind – wenn eine Frau vergewaltigt, die Tat gefilmt, das Video im Internet hochgeladen wird – alle „Neins“ dieser Welt wert? Darf eine Frau leben und arbeiten und sich kleiden wie sie möchte, oder beeinflusst das den Wert einer Frau, den Wert ihres Körpers, ihr Recht auf Unversehrtheit und Schutz in jeder Hinsicht?

Wenn man verfolgt hat, wie Gina-Lisa Lohfinks Vergewaltigung in den Medien seit Tagen bagatellisiert wird, kennt man die Antworten: Nichts. Nichts. Nein. Ja.

Gina-Lisa Lohfink (via Neue Presse)

Gina-Lisa Lohfink (via Neue Presse)

Sexuelle Gewalt wird ausgeübt, wird gefilmt, wird im Internet hochgeladen. Konsens wird verletzt, wird verletzt, wird verletzt. Interessiert aber keinen, denn was Konsens heißt versteht man in Deutschland wahrscheinlich immer noch nicht, auch nicht nach den Vorfällen in Köln an Silvester, obschon die uns ja angeblich zur Antisexismus-Nation Nummer 1 gemacht haben. (mehr …)


Facebook | |


Acht Prozent

17. April 2014 von accalmie

[Inhaltshinweis: Rape Culture]

…entspricht der Zahl derjenigen, die nach einer Anzeige wegen Vergewaltigung auch tatsächlich verurteilt wurden im Jahr 2012. Wie Christian Pfeiffer vom Kriminologischen Forschungsinstitut in einem tagesschau-Interview berichtete, sei es vor 20 Jahren noch in knapp 22 Prozent der zur Anzeige gebrachten Vergewaltigungsfälle zu einer Verurteilung  gekommen. Mit anderen Worten: Im Jahr 2012 gab es bei 92 Prozent aller angezeigten sexuellen Übergriffe keine rechtlichen Konsequenzen für den oder die potentiellen Täter. Das muss also dieses „Opferabo“ sein, von dem Kachelmann und Fans sprachen.

Pfeiffer begründet diesen Umstand zum einen mit der „Überlastung von Polizei und Staatsanwaltschaft“, zum anderen mit der vermehrten Anzahl von Vergewaltigungen im familiären Umfeld, die schwieriger zu beweisen seien. Darüber hinaus spricht Pfeiffer von „gesteigerter Anzeigebereitschaft“ von Frauen, die sich – so Pfeiffer – „nichts mehr gefallen lassen“ würden. Die Ironie, dass die Basis für die Normalisierung einer Kultur, in der Vergewaltigung nur dann als Straftat gilt, wenn das Vergewaltigungsopfer einen ganzen Katalog an Voraussetzungen erfüllt, die sich mit dem zuerst einsetzenden Victim Blaming vereinbaren lassen (Fragen nach Kleidung, nach persönlichem Verhältnis, nach Ort, nach Alkohol-/Drogeneinnahme, nach Grad und Darstellung der Verweigerungshaltung, nach vermeintlich „zweideutigen“ Signalen, nach Grad der Gewaltanwendung, nach Ausformung der Abwehrmaßnahmen, nach persönlichem Ruf, nach gesellschaftlichem Status des Täters, nach Verhalten des Opfers nach der Tat, nach Kontostand, nach Partner_innengeschichte, etc., um eine Tat zu verharmlosen, zu entschuldigen und dem Opfer die oder einen Teil der Schuld zu geben), auch in diesem Interview aufrecht erhalten wurde, blieb Pfeiffer dabei leider verborgen.

Man weiß gar nicht, wo man beginnen soll – mit der Frage nach Prioritäten bei Polizei und Staatsanwaltschaft? Damit, dass sowohl Polizei als auch Staatswanwaltschaft Kompliz_innen sein oder selbst eine Gefahr darstellen können? Mit dem – von Pfeiffer zumindest erwähnten – Umstand, dass die Zahl von Vergewaltigungen im Bekannten- oder Familienkreis nicht gestiegen sein muss, sondern z.B. in der Ausformung von Vergewaltigung in der Ehe erst 1997 überhaupt zum Straftatbestand wurde? Mit dem Fakt, dass genau die fiktive „Grauzone“ nicht vorhandenen Einverständnisses, die Vergewaltiger bewusst instrumentalisieren, indem sie die Tat zwar zugeben, aber von „Einvernehmlichkeit“ phantasieren und in ihrer kalkulierten Annahme gesellschaftlich unterstützt werden, dass ein „Nein“ (oder das Fehlen eines klar und freiwillig kommunizierten „Ja“) nicht genug ist, keine neue oder erstaunliche Erkenntnis, gar Entschuldigung ist für die niedrigen Verurteilungsraten?

Dass selbst gestiegene Anzeigebereitschaft in keinem Verhältnis zur Dunkelziffer steht – unter anderem veranschaulicht durch die Aktion „Ich habe nicht angezeigt“? Dass ohne Wimpernzucken zu skandieren, dass Frauen sich heute „nichts mehr gefallen lassen“ würden, der massen­wei­sen Miss­achtung des Grund­rechts auf kör­per­liche Selbst­be­stim­mung und Un­ver­sehrt­heit nicht nur wi­der­spricht, son­dern se­xu­elle Über­grif­fe als Privat­problem von Frauen, sich kör­per­lich zu wehren und_oder An­zei­ge zu er­stat­ten als Fra­ge des eigenen Selbst­bewusst­seins, des persönlichen Willens und der rei­nen Eigen­ver­ant­wor­tung tri­via­li­siert und indi­viduali­siert, und da­bei sowohl Täter_innen als auch kulturelle Nor­mier­ungen von (hetero­norma­tiv und ge­schlechts­essentia­list­isch prä­sentier­ter) Sex­uali­tät, Konsens/Ein­ver­nehm­lich­keit/Zu­stim­mung aussen vor lässt – wir also wieder beim Victim Blaming angekommen sind? (mehr …)


Facebook | |


Elektro, Herrenclubs und die Krise der Männlichkeit – kurz notiert

24. April 2013 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 193 von 349 der Serie Kurz notiert

10 Pionierinnen elektronischer Musik und queere Musik_erinnen of Color, die ihr unbedingt kennen solltet.

In Boston sind durch einen Terroranschlag auf den Boston Marathon mehrere Menschen gestorben. Die Medien berichteten ohne Unterlass – leider nicht ohne Rassismen zu bemühen, wie Bitch Magazine berichtet.

Obwohl immer behauptet wird, dass wir in einer hypersexualisierten Gesellschaft leben, wird anscheinend nur sehr selten ehrlich über Sex gesprochen. Eine neue Webseite soll dem entgegenwirken, berichtet Salon.com.

Der Guardian widmet sich „The Sessions„, einem Film, der Behindertwerden und Sex thematisiert. Ebenfalls im Guardian: Ein Bericht über #ShoutingBack, das Pendant zu #Aufschrei in Großbritannien.

Eine neue Ausgabe des Zines Masculine Femininities wurde veröffentlicht.

In Oldenburg wurde einer Frau der Wunsch auf die „Pille danach“ verwehrt.

100 Prozent Mann sammelt Positionen, die noch nie von Frauen eingenommen wurden. Welcome to the Herrenclubs!

Der Guardian hat einen Nachruf auf Bi Kidude, der ersten Sängerin Zanzibars, veröffentlicht.

„Die im Anschluss an den #Aufschrei geführte Debatte über die Krise von Männlichkeit ist eine Form altbewährten Konservatismus“, schreibt Claire Horst für Analyse & Kritik.

Disney hat die hauseigenen Prinzessinnen einem Redesign unterzogen: Nach wie vor finden sich kaum Charaktere of Color unter den Figuren und Heldinnen wie Mulan oder Pocahontas wurden mit dem neuen Make Over weiß „gewaschen“, kritisiert sparksummit.com.

Eine Modelagentur warb vor einer Klinik für Essstörungen in Schweden um neue Klientinnen, berichtet dieStandard.at.

In Hamburg fand vergangenes Wochenende erstmals eine Frauenflüchtlingskonferenz statt. Die Junge Welt sprach mit Eylem Silan, die sich in der Vorbereitungsgruppe engagierte.

Eine Highschool-Studentin wurde von ihrem Direktor bedroht, weil sie eine Anti-Verhütungsmittelveranstaltung an ihrer Schule öffentlich kritisierte.

Servicepost für Cis-Frauen auf autostraddle.com: Mit Trans*frauen interagieren, ohne ständig Transphobie zu reproduzieren.

Zimbabwe hat mit einer überwältigenden Mehrheit für einen Entwurf gestimmt, nach der nun Geschlechtergerechtigkeit und Frauenrechte in der Verfassung Eingang findet.

Auf addicting.info finden sich zehn verschiedene Begriffe, die eigentlich viel besser passen würden als „Pro Life„, ein Begriff mit dem sich Abtreibungsgegner in den USA schmücken.

Body Love Wellness kritisiert den aktuellen Werbeclip von Dove.

Termine in Berlin und Gießen findet ihr nach dem Klick

(mehr …)


Facebook | |



Anzeige