Einträge mit dem Tag ‘Schule & Uni’


Sexismus hacken an der Uni: „UNICUM vom Campus kicken!“

7. Dezember 2012 von Gastautor_in

Wir haben neulich schon kurz über das UNICUM-Tüten-Ärgernis berichtet.  Laura*, Studentin und studentische Hilfskraft an der Uni Marburg, hat dankenswerterweise nochmal aufgeschrieben, was das Problem ist – und was mensch dagegen tun kann und sollte.

Eine Tüte Sexismus bitte

Der Hörsaal sieht aus, als hätte hier ein Müllsturm getobt. Oder ein Kindergeburtstag bei McDonalds stattgefunden. Die Studis sickern in die Flure ab und auf den Klappstuhl- und Tischreihen bleiben Berge ausgepackter Papiertüten, zerknüllter Werbezettel und leerer 15g-Chipstüten zurück. Verwirrt und kopfschüttelnd packe ich meine Sachen zusammen und starre immer wieder auf die „Wundertüten“, die überall herumliegen: Eine halbnackte Frau, die gerade ihren Gürtel öffnet, blickt mich lasziv an und fordert mich auf „Mach deine Idee zu Geld!“. Worum es bei dieser Aufforderung gehen soll, kann ich anscheinend zwischen ihren Beinen erfahren: Die Facebook-Adresse zu einem Wettbewerb ist unten klein aufgedruckt. Er endet auf „moneybox“, direkt in ihrem Schritt.

Von der Vorlesung habe ich nicht viel mitbekommen; die hundertfache Kopie dieses anonymen, austauschbaren weiblichen ‚Norm‘körpers, der sich als Sexualobjekt anpreist und die umfassende Akzeptanz dieser Darstellung um mich herum … Wie soll ich da den Ausführungen zu „Klassen und Objekten“ folgen? Dass in der Programmierung eigentlich alles ein Objekt sein kann, demonstriert der Professor an dem Textstring „anna“. „anna“ ist ein Objekt. Ich schaue auf die Tüten. In welchem Film bin ich denn hier gelandet.

Was ist passiert?

Dienstagnachmittag, 20. November, Uni Marburg: Im Foyer werden zu Hunderten sogenannte Wundertüten von UNICUM verteilt. Die Wundertüten sind mit rosa und blauen Streifen markiert und werden dementsprechend an ‚Männer‘ und ‚Frauen‘ verteilt. Mit Grausen erinnere ich mich daran, dass sich Freund_innen von mir schon im letzten Semester darüber geärgert haben: In den Männertüten waren Rasierer und Energydrinks, in den Frauentüten Nagellack und: zuckerfreie Energydrinks.

Wir haben an unserer Uni ein Zentrum für Gender Studies und feministische Zukunftsforschung; Seminare, in denen es um Konstruktion von Geschlecht geht; Professorinnen, die zu feministischen Themen publizieren; Vorlesungen zur Kritik der Geschlechterverhältnisse… In geschlossenen Seminaren reden wir über Sexismus, über Reproduktion von Geschlechterverhältnissen. Und im offenen Foyer werden Materialien verteilt, die all diese Auseinandersetzungen nichtig scheinen lassen? Wozu über Selbstbestimmung, über Geschlechtergerechtigkeit reden – wenn doch eine Wundertüte besser weiß, in welche Kategorie ich gehöre (rosa), wie meine Bedürfnisse sind (Nagellack), wie ich zu sein habe (zuckerfrei) und wo meine gesellschaftlichen Möglichkeiten sind (der weibliche Körper als sexualisiertes Objekt) …?

Wer sich bisher nicht vorstellen konnte, was Ökonomisierung bzw. Kommerzialisierung von Bildung(sräumen) heißt: Genau das heißt es – den eigenen Raum Werbeträgern zur Verfügung stellen, welche sich nicht um ethische Grundsätze scheren. Bildung als gesellschaftskritisches Moment, als Möglichkeit zur Selbstbestimmung und als gemeinsame Auseinandersetzung mit Konflikten und Perspektiven? Davon bleibt wenig übrig, wenn Werbung Einzug in Bildungseinrichtungen hat. Denn ‚Sex sells‘, das ist bekannt, und in unmittelbarer Konsequenz eben ‚Sexism sells‘.

UNICUM vom Campus kicken!“

Wie ging es weiter in Marburg? Ein offener Brief an das Präsidium der Uni, Forderung einer öffentlichen Stellungnahme, Kopien an die Frauenbeauftragten, Aufrufe an Freundinnen und Mailverteiler, Veröffentlichung des Briefs im Internet (nachzulesen hier).

Das Präsidium lässt für die Gestaltung der Tüten entschuldigen und gelobt Besserung – keine öffentliche Stellungnahme, nur eine Antwort an die Absender_innen der Beschwerdemails. Dezentral Diskussionen in Gremien und Univeranstaltungen. Solidaritätsbekundungen der Frauenbeauftragten. Unbekannte Frauen, die sich per Mail für die Beschwerde bedanken, weil sie auch längst die Nase voll haben.

Das Free Education Movement Marburg (freedumm) ruft eine Aktion ins Leben: „UNICUM vom Campus kicken!“. Die UNICUM-Magazine finden sich an zahlreichen (Fach-) Hochschulen und glänzen nicht nur bei ihren Werbegeschenken mit sexistischen Inszenierungen, Darstellungen von klischeehaften Mann-Frau-Beziehungen und allgemeinem Wettbewerbsgebrösel.

Was tun?

Hier findet ihr eine Petition (und lesenswerte Begründung), die sich gegen die weitere Verteilung von UNICUM-Produkten an (Fach-) Hochschulen wendet.

Ich kann vielleicht nicht jedes sexistische Plakat in der Stadt abhängen, nicht jeder frauenverachtenden Werbung Einhalt gebieten. Aber Sexismus ist ein System, das eben gestützt oder gestürzt wird. Sexistische Übergriffe, gesellschaftliche Hürden qua Geschlecht und herabwürdigende Darstellungen von Frauen hängen systematisch zusammen und müssen dementsprechend auf allen Ebenen angegangen werden. Einen Hersteller von sexistischer Propaganda bin ich nicht zu dulden bereit – nicht an einem Ort, auf den ich Einfluss nehmen kann. Wenn ihr auch nicht bereit dazu seid, dann setzt die Verantwortlichen eurer Uni unter Druck, UNICUM von eurem Campus zu verbannen. Als ersten Ansatz, gegen Kommerzialisierung und gegen Sexismus in euren eigenen Räumen vorzugehen.


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Triggerwarnungen, weiße Abwehrstrategien und “Frauenliteratur” – die Blogschau

16. Juni 2012 von Nadine
Dieser Text ist Teil 159 von 203 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Warum es manchmal besser ist, klein zu sein: Comics bei Ninia La Grande.

Paula widmet sich auf ihrem Blog ausführlich Triggerwarnungen und den Un_Möglichkeiten, die Gewaltförmigkeit von Sprache zu umgehen.

Sabine Mohamed schreibt für Publikative.org über weiße Abwehrstrategien und alltäglichen Rassismus.

Antje Schrupp findet: Macht und Politik sind nicht dasselbe.

Lernkultur, Notebooks und Konzentration: Kathrin Ganz bloggt über ihre Erfahrungen als Dozentin.

Das Sofakissen kritisiert sexistische Kackscheiße beim Musikhaus Thomann – mit Stellungnahmen der Verantwortlichen.

Anerkennung und Lob sind toll. Abwertung eigener Fähigkeiten hingegen nicht, findet ryuu.

Interviews mit den Bands und Künstler_innen, die beim diesjährigen Antifee (Feministisches Festival in Göttingen) auftreten, findet ihr auf monsters.blogsport.de

Literatur von Frauen = Frauenliteratur? Melusine von Gleisbauarbeiten übt Kritik.

Termine und Call for Papers nach dem Klick.

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Wer war… Gloria Anzaldúa?

15. Mai 2012 von Magda
Dieser Text ist Teil 30 von 33 der Serie Wer war eigentlich …

Die mexikanisch-amerikanische Schrift­stellerin, Kultur­wissen­schaftlerin und Aktivistin Gloria Evangelina Anzaldúa wurde 1942 in Texas (USA) geboren und gilt als eine der populärsten Vertreterinnen der Queer Theorien und der Chicano/a-Literatur in den USA. Sie forschte ins­besondere zu den Ver­knüpfungen von Geschlecht, Kultur und Sexualität und prägte auf neue Art den Begriff ‚mestizaje’, welcher einen Zustand fernab eines binären entweder/oder Konzepts beschreibt und Raum für eine Viel­zahl an (wider­sprüchlichen) Identitäten schafft.

Anzaldúa, 1990, am Smith College. Quelle: flickr (K. Kendall) CC BY 2.0

Anzaldúa veröffentlichte zahlreiche Essays, Ge­dichte, Kurz­­geschichten und Kinder­­bücher, unter­richtete an verschiedenen Universitäten in den USA und war Mitherausgeberin der 1981 erschienenen Anthologie This Bridge Called My Back: Writings by Radical Women of Color, in der auch Audre Lorde vertreten ist.

Ein oft zitiertes Werk ist Borderlands / La Frontera: The New Mestiza (1987). In diesem Buch werden eine Viel­zahl an Grenzen thematisiert und über­schritten – literarische, spirituelle, sexuelle, sprach­liche sowie sozio-politische Grenz­ziehungen. Durch einen Mix aus mehreren Variationen von Englisch und Spanisch sowie die Verbindung von auto­biographischen und theoretischen Elementen werden so konventionelle Form-, Genre- und Sprach­kategorien in Frage gestellt. Aus diesem Buch stammt auch das berühmte Zitat von Anzaldúa: “Wild tongues can’t be tamed, they can only be cut out”, welches übersetzt so viel heißt wie: ”Wilde Zungen können nicht gezähmt, sondern nur rausgeschnitten werden”.

Kurz vor Erhalt ihres Doktor­titels an der University of California in Santa Cruz starb Gloria Anzaldúa heute vor acht Jahren im Alter von 62 Jahren.

Zum Weiterlesen: “Grenzen überschreiten - Chicanas schreiben im Spannungs­feld von Ethnie, Geschlecht und Sexualität” (PDF) von Rosa Zechner.

Für die Reihe “Wer war…” freuen wir uns über eure Vor­schläge oder auch Gast­blogger_innen, die ihre Lieblings­feminist_innen vorstellen. Vorschläge/Beiträge einfach an unser Kontaktformular senden.


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Racial Profiling, Männlichkeitsdebatten und Lego – kurz notiert

26. April 2012 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 149 von 190 der Serie Kurz notiert

In Uganda wird derzeit heftig über den Umgang der Polizei mit Frauenechtlerinnen debattiert. Seit einem Jahr gibt es immer wieder Vorfälle, zuletzt wurde die Aktivistin Ingrid Turinawe angegriffen, so der Daily Monitor.

Die Petition “Stoppt Racial Profiling” wartet auf eure Unterschriften.

Queerlamefatfemme schreibt über die Notwendigkeit von safer spaces im Netz und Solidarität mit Betroffenen von sexualisierter Gewalt.

In der Medizin stellen Frauen inzwischen 70 Prozent der Studienanfängerinnen – dennoch behindern „positive Vorurteile“ ihren Aufstieg auf der Karriereleiter, berichtet die Ärztezeitung. Auch an Risikobewertungen von Tätigkeiten müsse man arbeiten, besonders wenn es um den Mutterschutz geht.

Inzwischen gibt es die ersten Videos von “Words of Women from the Egyptian Revolution” (wir berichteten). In Episode 5 erzählen Hanan Sadek und ihre Tochter Mona El-Sabbahy, wie sie den Sturz des Regimes auf der Straße begleiteten. Die weiteren Folgen gibt es auf YouTube. (Die deutschen Untertitel wurden inzwischen vervollständigt, vielen Dank!.)



Eine Mutter schreibt ihrer Tochter einen Brief und bedauert, dass diese in einer Gesellschaft aufwachsen muss, in der Mädchen-sein als das schlimmste der Welt angesehen wird.

Die Musikerinnen von Pussy Riot bleiben weiterhin in Haft. In Dresden gab es eine Soli-Aktion für Pussy Riot in der Frauenkirche.

Mehr Lesefutter gibt es mit der neuen Ausgabe der an.schläge. Dieses Mal geht es unter anderem um Männlichkeitsdebatten und die Frage, wie sieht er eigentlich aus, der emanzipierte Mann.

Schauspielerin Vanessa Williams hat zusammen mit ihrer Mutter ihre Memoiren “You have no idea” geschrieben – und erzählt darin erstmals, wie sie sexuell belästigt wurde und dass sie eine Abtreibung hatte.

Aktivistinnen von Spark Movement waren zu Gast bei Lego, um über die Repräsentation von Frauen und Mädchen zu sprechen – Lego Friends wird leider bleiben, aber in allen anderen Sets sollen künftig mehr weibliche Figuren auftauchen, berichtet die Daily News.

Wer eine Reihe in die USA plant, sollte vorher bei Jezebel vorbeischauen. Im “War on Women” wird es derzeit allerorten ungemütlicher für Frauen, diese zehn Orte sind allerdings besonders furchteinflößend.

Termine

In Berlin wird am Samstag, den 28. April, die erste Riot Grrrl Compilation Release Party gefeiert.

Ab Donnerstag, 10. Mai 2012, ab 20 Uhr wird es einen neuen Stammtisch in Berlin geben: “Feminismus wagen”, und zwar in der BEGINE Frauenkneipe. Die Organisatorinnen (Feministische Partei Die Frauen, Landesmitfrauenverband Berlin) laden ein: “Wir wollen mit dir und allen interessierten Frauen in einer offenen und konstruktiven Atmosphäre über Frauenpolitik diskutieren.” Dieser Stammtisch wird zukünftig jeweils am 2. Donnerstag ab 20 Uhr in der Begine stattfinden.


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Wenn Browser Frauen wären – Sexismus im Informatikunterricht

4. November 2011 von Gastautor_in
Dieser Text ist Teil 19 von 27 der Serie Der Kommentar

Emma ist Informatikstudentin im dritten Semester und hat ihr eigenes feministisches Blog (das sie an dieser Stelle lieber unerwähnt lässt) und schaut gerne Filme und Fernsehen, auch wenn sie sich die ganze Zeit nur über deren Inhalte aufregen kann. Emma erlebte eine ekelhaft sexistische Informatikstunde und schrieb für die Mädchenmannschaft ihre Geschichte auf. Falls du auch gerne mal etwas von der Seele schreiben möchtest, sag’ bescheid!

Englisch-Modul… oder wie ich es gerne nenne: Desaster.

Aufgrund meines Studienplans muss ich 150 Stunden in einem Nebenfach belegen und es bietet sich an, Englisch zu wählen, da ich im weiteren Verlauf meines Informatik-Studiums einen Sprachnachweis benötigen werde – und weil Englisch weniger Arbeit bedeutet, als fast jedes andere Fach.

Erste Stunde, 33 Leute, davon vier Frauen (inklusive mir). Gut, das ist nicht ungewöhnlich. In einer meiner Übungen bin ich die einzige Frau unter 30 Leuten. Weniger als der geringe Frauenanteil störte mich mit fortschreitender Zeit jedoch das Gebaren meines Kursleiters, genauer, wie er die ganze Zeit betonte, dass Apple-Produkte derart überlegen seien und ich bei mir dachte: “Klar, wenn man es sich denn leisten kann, kann man sicher toll damit angeben.” Denn, seien wir ehrlich – die Software von Apple ist auch nicht besser als Linux. Nur ungleich teurer. Im Laufe der Stunde wurden dann einige Fragen vorgegeben, die reihum von allen Anwesenden beantwortet werden sollten. Darunter: Welcher war der erste Computer, an dem ihr gearbeitet/gespielt habt? Wie immer zählten einige Teilnehmer die MHz-Zahl auf (und andere Werte, die mich nicht weniger interessieren könnten), aber was meine Nerven mehr zu beanspruchen drohte, war die Antwort der Mehrheit der männlichen Studierenden: “Der Computer meines Vaters.” Diese Antwort wurde nach kurzer Zeit nur noch mit einem gedämpften “Natürlich” quittiert.

Und ich dachte mir: “Schön für euch, bei mir war’s der Computer meiner Mutter”, aber da ich mir nicht suggerieren lassen wollte, dass ich nur aus diesem Grund dieses ‘ungewöhnliche’ Studium gewählt hatte, beschränkte ich mich auf “Eltern”. Vor dieser meiner Antwort lag aber schon ein kleines Sahnehäubchen, das mich nichts Gutes ahnen ließ. Ein Student (einer dieser Typen, der die Bestätigung der Gruppe aufsaugt und dem kein Witz dafür zu dumm ist), sagt:

“Der erste Computer, an dem ich arbeitete, war der meiner Großmutter.” (Gelächter im Raum)

Meine Gedanken: “Was ist daran so abwegig?” Meine Großmutter hat sich in die Bedienung von Computern eingearbeitet, mein Opa weiß immer noch nicht, wie’s geht und will es auch nicht lernen.‘ Der Student sagte dann:

“Nee Scherz, der meines Vaters.” (Noch mehr Gelächter)

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Neuer Lesestoff aus den Cultural Studies

7. Juni 2011 von Verena
Dieser Text ist Teil 53 von 72 der Serie Die Feministische Bibliothek

Für die Anthologie „Dekonstruktion und Evidenz“ haben sich Kulturwissenschaftlerinnen der Universität Lüneburg zusammen getan, um soziale Kategorien wie „Geschlecht“, „Rasse“ und „Nation“ in ihrer medialen Darstellung zu untersuchen.

Die Einsicht, dass in medialen, wissenschaftliche und politischen Diskursen produziertes Wissen gesellschaftliche Wirklichkeit nicht abbildet, sondern ‚Wahrheit’ durch bestimmte Diskursregeln erst hergestellt wird und zudem immer mit Machtwirkungen verknüpft ist, zieht sich als roter Faden durch die Texte der Autor_innen dieses Bandes

Dieser Satz, den die vier Herausgeber_innen, Irina Hennig, Merle-Marie Kruse, Steffi Hobuß und Tanja Thomas ihrer Einleitung voranstellen, wird für die meisten ihrer Leser_innen nicht bahnbrechend neu sein, gibt aber den Hinweis, dass sich hier auch nicht Gender-Initiierte  zurecht finden können. Unter dem Stichwort „Ausgangspunkte“ folgen zwei Kapitel, die Grundsätzliches über poststrukturalistische Theorien vorstellen und auch wenn ich persönlich die Theorie nonchalant überblättert habe, ein Seitenblick zeigt mir, dass die grundlegenden Ideen und Prinzipien dekonstruktiver Theorie greifbar vermittelt wird.

Diesem Prinzip – anschaulich den theoretischen Ansatz darlegen und dann die Analyse mit gut dokumentierten Beispielen vorstellen – folgen auch die Aufsätze dieses Sammelbands. Egal ob Miriam Stehling die neoliberalen Prinzipien geschlechtsspezifisch verlangter Handlungen anhand von „Germany’s next Topmodel“ analysiert oder Wera Mohns Patten den „Konstruktionen von Mutterschaft und Gender in den Filmen Juno und Knocked Up“ nachspürt, die Autor_innen bleiben nah am Forschungsgegenstand und nutzen den popkulturellen Bezug alltagsnah.

Überhaupt liegt hier die große Stärke der Anthologie: Sie stellt die Verunsicherung der Autor_innen anhand der Beschäftigung von (De)Konstruktionen in Medienkulturen genauso bewusst heraus, wie das Positive der Weiterentwicklung von Gedanken und Wissen:

Wie wichtig ihnen in diesem Rahmen auch die Gelegenheit für die Reflexion über Denkbewegungen, der Austausch über Verstörung und Verunsicherung wie über Freude an Erkenntnisfortschritten war, haben die Autor_innen beschrieben. […] Die Beschäftigung mit Rassismus- und Nationalismustheorien oder Critical Whiteness Studies produziert häufig Phasen der Sprachlosigkeit angesichts der Anstrengung der Vermeidung, aber auch angesichts der Unvermeidlichkeit des Wiederholens von Verallgemeinerungen, kollektivierenden und differenzstiftenden Formulierungen. (weiterlesen …)


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“Lesben und Schwule sind ungewollt kinderlos, von Staats wegen” – Kurz notiert

11. Mai 2011 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 105 von 190 der Serie Kurz notiert

Noch ein paar Stunden kann die Petition “Stop the ‘Kill the Gays’ Law Now” (deutsche Version: “Stoppt das Anti-Homosexuellen Gesetz in Uganda“) unter­schrieben werden. Diese fordert den ugandischen Präsidenten Museveni dazu auf, ein Veto gegen das Gesetz einzulegen, das lesbische, schwule, bisexuelle und trans* Lebens­weisen unter Todesstrafe stellen würde.

Jürgen Kriege schrieb auf frauensprache.com die Er­fahrungen sei­nes Autor_innen­teams auf, wel­ches un­bewusst Ge­schlechter­stereo­type in einem Mathe­matikbuch reproduzierte.

Kristina Schröder hat es sich zum Ziel gesetzt, die finanziellen Hilfen bei der künstlichen Befruchtung aufzustocken, um “ungewollt kinderlose Paare besser zu unterstützen”. Auf die Frage, ob auch Homo­sexuelle davon pro­fitieren, ant­wortet die Familien­ministerin aus­weichend. Julia Seeliger bringt es in der Taz auf den Punkt: “Lesben und Schwule sind ungewollt kinderlos, von Staats wegen.”

Fundstück der Woche und passend zum Mutter­tag auf thesocietypages.org: Mutter und Tochter vereint in Glück­seligkeit – und zwar beim Saubermachen!

Lori von feministing.com macht sich Ge­danken über den Tod Osama Bin Ladens und die teils skurrilen Reaktionen wie Freude und Jubel. Sie analysiert, welche Rolle Gender dabei spielen könnte und ver­linkt ein sehens­wertes Video, in dem Kin­der zum Tod Bin Ladens befragt werden.

Das Projekt Deaf Not Dumb hat ein wunderbares Rap-Video in Gebärdensprache gemacht und prangert die dis­kriminierende An­nahme an, dass gehör­los oftmals mit dumm gleich­gesetzt wird.

Der Forschungsbereich Gender & Medien der Universität Wien hat einen Call for Pape (doc) ausgerufen: ”GFM Best Publication Award Gender&Medien”. Eingereicht werden können wissen­schaft­liche Aufsätze in deutscher oder englischer Sprache, die im Jahr 2010 publiziert worden sind. Deadline: 31. Mai 2011.


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Endlich Artikel mit mehr als zehn Sätzen

7. April 2011 von Helga
Dieser Text ist Teil 68 von 116 der Serie WWW Girls

In jeder Folge der WWW Girls stellen wir euch eine Bloggerin und ihr Weblog vor. Heute:

hurra!

Wie heißt du?
Eva Schulz.

Seit wann bloggst du?
Seit 2005. Damals brachten mir meine Großeltern (!) einen aus einer Frauen­zeitschrift ausgerissenen Artikel über Weblogs mit und meinten, „das wäre doch was für dich!“

Drei Bloggerinnen mit weißen Laptops auf denen der Venusspiegel prangt, darum der Slogan - Feminists of the WWW: unite

(c) Frl. Zucker, fraeuleinzucker.blogspot.com

Warum hast du damit angefangen?
Weil auf der Jugendseite der Lokalzeitung zu wenig Platz war und die Redakteure dort meinten, Artikel, die länger als zehn Sätze sind, wollten junge Leute nicht lesen.

Worüber schreibst du?
Ich blogge über Kino und Kochen, Medien und Uni, Reisen und Alltag. Im Grunde geht alles, was mir passiert und von dem ich denke, das könnte auch noch für andere interessant sein. Inzwischen schreibe ich aber nicht mehr nur, sondern twittere auch und mache Videoblogs. Die sind besonders aufwendig, aber – zu­mindest für mich selbst – auch immer ein besonderes Highlight.

Was dir ohne Internet nicht passiert wäre:
Dem Internet verdanke ich einige meiner besten Freunde, mehrere Jobs und meine Uni. In zweiter Reihe: Tipps und Rezepte für wunderbare Reisen, kulinarische Genüsse und faszinierende Lektüre.

Wovon braucht das Internet mehr:
Wirklich schöne WordPress-Templates, die zugleich frisch, modern und seriös wirken; Online-Journalismus, der die Möglichkeiten des Web 2.0 so richtig aus­reizt; eine ausgiebigere Verlinkungskultur.

Frauen im Web haben…
…ein Recht auf pinkfarbene Links!

Deine tägliche Web-Lektüre:
Was von Freunden, uarrr.org, ein-fremdwoerterbuch.blogspot.com, was mit Me­dien, was mit schönen Bildern, was mit Mode, was mit Kochen. Und das Uni-Intranet.

Tipps und Bewerbungen für die WWW Girls an post(at)maedchenmannschaft.net.


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Kurz verlinkt: rassistische Werbetafeln, männliche Legofiguren und studentische Prostituierte

2. März 2011 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 97 von 190 der Serie Kurz notiert

In Anatolien demonstrierten Frauen für das Recht auf Minirock. Sie richteten sich gegen die Aussage eines Theologieprofessors, der behauptete, dass Frauen, die sich „aufreizend“ kleiden, sich nicht wundern sollten, wenn sie vergewaltigt würden. Frauengruppen liefen Sturm und stellten richtig: Ob Minirock oder Voll­verschleierung, Schutz vor Missbrauch und Vergewaltigung bieten beide Klei­dungs­stücke nicht.

Die FAZ stellt in einem Video die Rollstuhltennisspielerin Katharina Krüger vor. Sie ist mit 20 Jahren bereits fünfmalige deutsche Meisterin und hat auch an den Paralympics 2008 teilgenommen. Vom Fußgängertennis unterscheidet sich Roll­stuhl­tennis übrigens nur in einer Regel: Der Ball darf zweimal aufkommen.

In New York City wurde eine rassistische Anti-Abtreibungswerbetafel mit Aufschrift „Der gefährlichste Ort für ein afroamerikanisches Kind ist der Mutter­leib“ aufgehangen. Diese wurde nach massivem Protest wieder ab­ge­nom­men!

Warum sind die Standardfiguren in Legosets eigentlich so oft männlich? Diese Frage trieb Melitta Walter um und das Spiegel TV Magazin ging ihr nach. Ob Bauarbeiter oder Polizist, fast jeder Beruf wird mit männlichen Figuren aus­ge­liefert, eine Professorin findet sich erst in der Phantasiewelt „Atlantis“. Wer sich mehr Vielfalt wünscht, muss sie leider selbst herstellen.

Im März vergangenen Jahres preschte die Telekom als erstes deutsches Un­ter­nehmen vor und gab sich eine Frauenquote (wir berichteten). Anastassia Lauter­bach übernahm daraufhin die Spitzenposition im Produkt- und In­no­va­tions­bereich. Jetzt wurde sie entlassen, nachdem sie zuvor bereits von der Tele­kom degradiert worden war, berichtet Spiegel Online.

Eine Kritik zur PartypolitikLadies trinken für lau” gibt es auf feministing.

Auf Direkte Aktion könnt ihr einen Beitrag zur „studentischen Pros­titu­tionsliteratur“ lesen, die die Lebensrealität von geschätzt 100.000 10.000 Studierenden in Deutschland beschreibt, die neben ihrem Studium im Sexgewerbe arbeiten: „Prostitution in einer prekarisierten und globalisierten Arbeitswelt“.

Britische homosexuelle Muslim_innen kämpfen für ihr Recht auf Ehe und sprechen mit BBC über Glauben, Sexualität und die so genannte nikah, ein muslimischer Ehevertrag. Muslimah Media Watch berichtet ebenfalls.

Fallopian Falafel – אשת חיל - ist ein unkommerzielles feministisches Fanzine in Jerusalem, welches im Mai 2007 erstmalig erschien. Es handelt von Femi­nis­men in Israel und thematisiert alle Formen von Unterdrückung. Leider hat die Herausgeberin Hadass S. Ben-Ari den letzten Call für das Magazin ausgerufen und hofft nun auf rege internationale Beteiligung – die Themen sind frei wählbar. Mehr Infos gibt es auf der Homepage.

Barbara Streidl war anlässlich zum 100. Internationalen Frauentag zu Gast bei einer Diskussionsrunde zum Thema “Ohne Gleichstellung keinen Fortschritt” im Willy-Brandt-Haus.


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Kritik an Polyamorie, Queer und Androzentrismus – Links der Woche

26. Januar 2011 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 92 von 190 der Serie Kurz notiert

MuslimaMediaWatch und Gender Across Borders suchen Autor_innen! Interessieren euch Friedensprozesse und die Situation von Frauen im Mittleren Osten oder habt ihr einfach Lust schreibend an einem feministischen Projekt mitzuwirken? Dann ran an die Tasten!

Terre des Femmes fordert die Bundesregierung auf, nicht an der Ehebestandszeit zu rütteln. Im Rahmen eines neuen Gesetzes zur Bekämpfung von Zwangsheirat ist geplant, diese von zwei auf drei Jahre zu erhöhen. Demnach müssten Verheiratete, die dem_der Ehepartner_in nach Deutschland gefolgt sind, ein Jahr länger auf die Möglichkeit einer unabhängigen Aufenthaltserlaubnis verzichten. Trennen sich beide in dieser Zeit, bedeutet das für den_die zugezogene Ehepartner_in die sichere Abschiebung ins Herkunftsland. Die restriktive Zuwanderungs- und Asylpolitik Deutschlands wäre allein schon Grund zum Ärger, doch Opfer häuslicher Gewalt würde diese Regelung besonders hart treffen.

Warum Männer eine deutlich geringere Lebenserwartung als Frauen haben, ist schon oft diskutiert worden. Die FAZ berichtet, was vermutlich daran schuld ist: Zigaretten.

Queer ist tot!? – Im Interview mit dieStandard.at erklärt Soziologin und Philosophin Roswitha Scholz, warum Queer Theorie angeblich nicht an herrschenden Geschlechterverhältnissen und gesellschaftlichen Strukturen gerüttelt hat. Auch andere neuere feministische Theorien bekommen ihr Fett weg: Sie seien lediglich defizitäre Erklärungs- und Lösungsansätze in Krisenzeiten. Die Kategorie Geschlecht müsse neu und stets fundamental (mit)gedacht werden.

Im Clutch Magazine schreibt Dan Tres Omi, wie er schwarzer Feminist wurde und wie sich das Leben zwischen männlichem Privileg und Rassismus gestaltet.

Bei den Studierenden und den Promotionen haben Frauen heute weitestgehend gleichgezogen, danach aber sinkt ihr Anteil im akademischen Betrieb immer noch deutlich. Inside Higher Ed präsentiert eine neue Studie, die das teilweise erklärt. So müssen Assistenzprofessorinnen US-amerikanischer Unis mit Nachteilen rechnen, wenn sie Bachelorprogramme betreuen, für ihre männlichen Kollegen gilt das nicht. Außerdem klagen sie schon lange, überproportional häufig Service- und Gremienaufgaben übertragen zu bekommen, die dem akademischen Aufstieg ebenfalls nicht zuträglich sind. Auch diese Klagen konnte die Studie untermauern.

MsMagazine freut sich (und wir uns mit), dass die belgische Tennisspielerin Kim Clijsters keine Abwertungen ihres Körpers akzeptiert. Sie konfrontierte einen Interviewer mit einem charmanten Lächeln vor fast 40.000 Zuschauern mit seinem Sexismus und Lookism.

Polyamorie nur für die Eliten? Soziologe Thomas Schroedter erklärt im Gespräch mit Jungle World, warum sich nicht jede_r eine polyamoröse Beziehung leisten kann und inwiefern sich in dieser Beziehungsform bürgerliche Werte und Vorstellungen von Liebe spiegeln.

Je erfolgreicher und selbstbewusster Frauen sind, desto geringer sind angeblich ihre Chancen bei Männern. Männer und ihre Angst vor Frauen mit Macht, wurde schon mehrfach wissenschaftlich untersucht. Androzentrismus galore. Gähn. Trotzdem gibt es dazu mal wieder eine neue Studie, die Molly Lambert von theHairpin.com sarkastisch und humorvoll kommentiert.

Aufrufe und Termine nach dem Klick


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