Einträge mit dem Tag ‘rape culture’


Wie sieht Vergewaltigungskultur aus? Genau so.

22. August 2016 von Charlott

Vielleicht ist es zynisch, aber wer in den letzten Wochen den Prozess gegen Gina-Lisa Lohfink beobachtet hat, überrascht der Ausgang nur bedingt. Und trotzdem ist er natürlich ein Schlag in die Magengrube. Für Lohfink selbst. Und für alle anderen, die sexualisierte Gewalt erlebt haben. Am Ende des heutigen Prozesstages wurde Gina-Lisa Lohfink, die zuvor zwei Männer aufgrund einer Vergewaltigung angezeigt hatte, wegen falscher Verdächtigung zu einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen à 250€ verurteilt.

Das ist doppelt fatal, einmal für die Einzelperson (und allein das sollte schlimm genug sein), aber dann auch darüber hinaus als gesellschaftliches Zeichen: Sexualisierte Gewalt wird eh bereits nur sehr selten zur Anzeige gebracht. Neben den Gründen, die bisher dazu führten nicht anzuzeigen, kommt nun noch die offensichtliche Gefahr bei einer abgewehrten Anzeige zurück verklagt zu werden. Bei den katastrophalen Verurteilungsquoten für Vergewaltiger lassen sich die Konsequenzen leicht ausmalen.

Bereits vor zwei Monaten fragte Nadia Shehadeh in einem Artikel:

Was ist das „Nein“ einer Frau wert? Was sind – wenn eine Frau vergewaltigt, die Tat gefilmt, das Video im Internet hochgeladen wird – alle „Neins“ dieser Welt wert? Darf eine Frau leben und arbeiten und sich kleiden wie sie möchte, oder beeinflusst das den Wert einer Frau, den Wert ihres Körpers, ihr Recht auf Unversehrtheit und Schutz in jeder Hinsicht?

Die Antwort wurde heute wieder einmal glasklar gegeben: Es ist nichts wert. Daran ändert auch erst einmal nichts, dass in der Zwischenzeit im Hauruck-Verfahren ein Gesetz erlassen wurde, welches ein „Nein“ als solches gelten lassen möchte (und gleichzeitig die Lage für Asylsuchende verschärfte). Das Problem sind nicht ausschließlich die einzelnen Gesetze. Sondern vielleicht auch die Grundstruktur dieses Rechtssystems. Es ist eine Vergewaltigungskultur, wie sie sich in den Gerichtssälen zeigt, auf den Titelseiten vieler Zeitungen und im alltäglichen Gespräch.

Die Verteidigung von Gina-Lisa-Lohfink hat angekündigt in Berufung zu gehen. Die Proteste und Unterstützung für sie werden hoffentlich weiter stattfinden. Für heute Abend bleibt nur die Wut. Und das Lesen einiger Tweets:


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Clean Eating, #TeamGinaLisa und jüdisches Leben in Berlin – kurz verlinkt

10. August 2016 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 323 von 324 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Links

Hengameh Yaghoobifarah war am Montag beim weiteren Prozesstag um Gina-Lisa Lohfink, dort sagte einer der Täter aus und der Bericht beim Missy Magazine macht (leider natürlich nicht überraschend) wütend.

Der Bundesgerichtshofes hat einen Antrag auf einen Geschlechtseintrag als „inter/divers“ abgelehnt. Die Kampagnengruppe Dritte Option, die das Verfahren inhaltlich vorbereitet und während der bisherigen Dauer begleitet hat, schreibt in einer Presseerklärung zu dem Fall.

Bei der Trans*Inter*Tagung in München haben 40 Menschen, die sich als nichtbinär oder genderqueer verstehen, Forderungen an Gesellschaft, Medizin und Politik zusammengetragen. Die Ergebnisse dieses ersten Brainstormings hat der Trans Recht e.V. veröffentlich. (Link zu PDF)

In der ZEIT interviewt Mareice Kaiser die Bestatterin Lea Gscheidel. Sie sprechen über den Umgang mit Trauer und Tod, Vertrauen und Seifenblasen.

„Deutschland vermisst jüdische Kultur? Hier sind wir und so denken wir. Ein Gruppenporträt der Dritten Generation, der Enkel von Holocaustüberlebenden in Berlin„, schreibt Mirna Funk ebenfalls bei der ZEIT.

Teresa Buecker hat bei Edition F mit der Fotografin Kirsten Becken über ihr Mutter-Tochter Kunstprojekt zu Schizophrenie „Seeing Her Ghosts – Art Book Project“ gesprochen.

englischsprachige Links

Großartiges Video bei KQED: Die Musikerinnen Michelle Gonzales (frühere Drummerin von Spitboy) und Christine Tupou (Try the Pie) essen Tacos und sprechen über ihre Erfahrungen als Frauen of Colour in der weiß-männlich dominierten Punkszene.

New study finds men are often their own favourite experts on any given subject“ – Eine Überschrift, die quasi alles sagt und hier sicher wenige überrascht. In der Studie ging es um das Zitierverhalten von Wissenschaftler_innen.

Gleich zwei wichtige neue Texte von Flavia Dzodan gibt es bei Medium: Zum einen schreibt sie über „Clean Eating and Dirty Women„, zum anderen geht es in „My feminism will be capitalist, appropriative and bullshit merchandise“ um die kommerzielle Verwertung ihres wahrscheinlich berühmtesten Zitats „My feminism will be intersectional or it will be bullshit.“.

Termine in Berlin, Leipzig und Münster

12. bis 14. August in Münster: Es findet ein queer_feministisches Sommercamp mit Vorträgen, Workshops, Musik und vielem mehr statt.

13. August in Berlin: Um 13 Uhr beginnt die Demonstration zu #NiUnaMenos. (FB-Link) Auf deutsch schrieb Stefany hier über die Hintergründe.

Ab dem 15. August in Leipzig: Los geht es beim Sidekick Leipzig e.V. – Feministisches Thai-/Kickboxen und Selbstbehauptung! Geflüchtete FrauenTransInter können dort kostenfrei trainieren. (FB-Link)

22. August in Münster: Hengameh Yaghoobifarah spricht ab 19 Uhr über die „Abwertung von Femininität in queeren Kontexten„. (FB-Link)

23. August in Berlin: Ab 17 Uhr beginnt das III. M*straßen-Umbenennungsfest. (FB-Link)

Zur Mitte der Woche versammeln wir hier regelmäßig Links zu wichtigen Analysen, Berichten und interessanten Veranstaltungen. Was habt ihr in der letzten Woche gelesen/ geschrieben? Welcher Text hätte mehr Aufmerksamkeit verdient? Und was für feministische Workshops, Lesungen oder Vorträge stehen in den nächsten Wochen an?


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Überall rape culture und Protest gegen das Teilhabegesetz – kurz verlinkt

8. Juni 2016 von der Mädchenmannschaft

deutschsprachige Links

Maria Wersig schreibt beim Gunda-Werner-Institut zur Stellung von Alleinerziehenden: „Verbesserungen für Alleinerziehende gehen nur langsam voran. Vielleicht weil sie zu über 90 Prozent Frauen sind? Während Reformen auf sich warten lassen, die zum Beispiel die Unterstützung bei ausfallendem Kindesunterhalt (ein sehr häufiges Problem für Alleinerziehende) verbessern, steht nun im Rahmen der sogenannten Rechtsvereinfachung des SGB II eine Verschlechterung der Situation Alleinerziehender und ihrer Kinder an.“ Die Kürzungen, von denen sie dort schreibt, konnten glücklichweise erst einmal abgewandt werden. (FB-Link)

Im Interview mit der Berliner Zeitung kritisiert Verena Bentele, Behindertenbeauftragte des Bundes, das geplante Teilhabegesetz. Derweil gehen auch die Proteste gegen das Gesetz weiter, berichtet konbinet unter der Überschrift „Wir kommen täglich wieder„.

Hurraki weißt darauf hin, dass es seit Mai das Buch „Fragen Sie einfach!: Deutsche Grammatik in leichter Sprache“ zu kaufen gibt.

Das Jüdische Museum Berlin sucht zum 01. September eine studentische Hilfskraft für das Outreach Programme des Bereichs Bildung. Bewerbungsschluss ist der 17. Juni.

englisschsprachige Links

Accalmie hat ihre Tweets zu rape culture, konkret zur geringen Strafe für Brock Turner (dem sonst laut dem Richter ja die Zukunft verbaut wäre) in den USA und dem victim blaiming im Fall von Gina-Lisa Lohfink.

Zum Fall Brock Turner argumentiert Anne Theriault „Men See Themselves In Brock Turner—That’s Why They Don’t Condemn Him„.

Sacha’s Blog stellt die Kampagne #LawNeedsFeminismBecause vor.

Im Guardian schreibt Homa Khaleeli über Schwarze Frauen, die durch Polizeigewalt in den USA starben, und Kimberlé Crenshaws Aktivismus diese nicht vergessen zu lassen.

Catcalling Or Fatcalling? Both Suck, But Why Do We Only Talk About One?„, fragt Catherine Bouris bei The Vocal.

In den USA läuft gerade der Film Me Before You an, der auf dem gleichnamigen Roman beruht. s.e.smith analysiert im Bitch Magazine die ableistischen Grundannahmen, die der Geschichte zu grunde liegen. [CN: Diskussion von Suizid]

Zur Mitte der Woche versammeln wir hier regelmäßig Links zu wichtigen Analysen, Berichten und interessanten Veranstaltungen. Was habt ihr in der letzten Woche gelesen? Welcher Text hätte mehr Aufmerksamkeit verdient? Und was für feministische Workshops, Lesungen oder Vorträge stehen in den nächsten Wochen an?


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Gina-Lisa Lohfink: Wenn ein „Hör auf“ nichts mehr wert ist

6. Juni 2016 von Nadia

Triggerwarnung. Für alles.

Was ist das „Nein“ einer Frau wert? Was sind – wenn eine Frau vergewaltigt, die Tat gefilmt, das Video im Internet hochgeladen wird – alle „Neins“ dieser Welt wert? Darf eine Frau leben und arbeiten und sich kleiden wie sie möchte, oder beeinflusst das den Wert einer Frau, den Wert ihres Körpers, ihr Recht auf Unversehrtheit und Schutz in jeder Hinsicht?

Wenn man verfolgt hat, wie Gina-Lisa Lohfinks Vergewaltigung in den Medien seit Tagen bagatellisiert wird, kennt man die Antworten: Nichts. Nichts. Nein. Ja.

Gina-Lisa Lohfink (via Neue Presse)

Gina-Lisa Lohfink (via Neue Presse)

Sexuelle Gewalt wird ausgeübt, wird gefilmt, wird im Internet hochgeladen. Konsens wird verletzt, wird verletzt, wird verletzt. Interessiert aber keinen, denn was Konsens heißt versteht man in Deutschland wahrscheinlich immer noch nicht, auch nicht nach den Vorfällen in Köln an Silvester, obschon die uns ja angeblich zur Antisexismus-Nation Nummer 1 gemacht haben. (mehr …)


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„Fonds sexueller Missbrauch“ – zwischen Facepalm und High Five

3. Juni 2016 von Hannah C.

“Schnelle unbürokratische Hilfen” sollte es für Menschen, die als Kinder in der eigenen Familie bzw. im familiären Umfeld von Täter_innen sexualisierte Gewalt erfahren haben, geben.
So war der Fonds “sexueller Missbrauch” (kurz: FSM) als Teil eines ergänzenden Hilfesystems entstanden. Als struktureller Lückenfüller zwischen Leistungen der Krankenkassen, Unfallversicherungen und jenen nach dem Opferentschädigungsgesetz (kurz: OEG) gedacht, sollte der Fonds all jene Betroffenen auffangen, die keinerlei oder zu wenig Hilfen zur Auf- und Verarbeitung ihrer Erfahrungen erhalten bzw. einfordern können.

Kurz – man konstruierte eine Sonderlösung, die toll klingt, gut gemeint ist und ganz sicher stellt, dass sich an grundlegend exkludierenden Strukturen genau nichts ändert.

Nun meldete sich der “unabhängige Beauftragte zu Fragen sexuellen Kindesmissbrauchs” Johannes-Wilhelm Rörig mit der Nachricht zu Wort, der Fonds, welcher mit 100 Millionen € geplant war, sei nach wie vor nur bis zur Hälfte eingezahlt und diese Hälfte sei nach bald mehreren tausend Anträgen und entsprechenden Auszahlungen in absehbarer Zeit ausgeschöpft.

Für Antragsstellende, die gerade erst einen Antrag gestellt haben und jene, die seit geraumer Zeit auf die Bearbeitung ihres Antrages warten, eine schwierige Botschaft – für den Diskurs hinter dem Fonds und über die von Täter_innen sexualisierte Gewalt an Kindern allgemein, der Auftakt zu einer weiteren Runde “how to not solve the real problems”.

“Die Länder sollen ihren Anteil zahlen” – fordert Rörig.
“Der Bund ist in der Pflicht” – antworten manche Länder. Andere Länder hingegen begründen ihre Zahlungsverweigerung damit, dass das OEG reformiert werden sollte, statt Sonderlösungen wie diesen Fonds zu etablieren und zu stabilisieren.

Viele konkret Betroffene bleiben in dem Hin und Her zwischen Facepalm und High Five zurück.
Das Opferentschädigungsgesetz ist in seiner Form nicht für die Mehrheit der Fälle von Gewalt in der Kindheit und ihren Folgen anwendbar. Die Mehrheit der passierenden Fälle von durch Täter_innen sexualisierte Kindesmisshandlung kommen weder je zur Strafanzeige, noch werden allgemein bzw. alleinverantwortlich kausal im Zusammenhang mit gesundheitlichen Problem anerkannt.
So werden Jahr für Jahr etliche Anträge auf Leistungen nach dem Opferentschädigungsgesetz aufgrund von Gewalterfahrungen in der Kindheit mit Begründungen abgelehnt, die Betroffene in der eigenen Aufarbeitung zurückwirft und in eine strukturelle Isolation zwingt.

Eine Reform des OEG ist, wenn man die Nummer mit der Sozialstaatlichkeit, der Menschlichkeit und der Gerechtigkeit politisch wie gesetzlich ernsthaft verankern möchte, absolut notwendig und also ein auch im Sinne der als Kinder zu Opfern von sexualisierter Gewalt gewordenen Menschen, erhobener Einwand gegen die Stützung des Fonds.

Betroffene von (sexualisierter, aber auch anderen Formen von) Gewalt in der Kindheit, stellen eine Personengruppe dar, für die weder die Gesetzgebung noch die Öffentlichkeit derzeit einen bewussten Blick hat.
Die Aufforderung des UBSKM an ebenjene Betroffene trotz aufgezeigter Geldknappheit weiterhin Anträge auf Leistungen aus dem “Fonds sexueller Missbrauch” zu stellen, “um politischen Druck zu erzeugen”, gibt ebenfalls Anlass zu der Annahme, man hielte die in den Anträgen formulierten Nöte und Bedarfe der ehemaligen Opfer für optional und damit guten Gewissens für moralpolitisches Hin-und-Her nutzbar.

Als die Bitten um Hilfen von Menschen, die zu Opfern wurden, an einen Staat, der es versäumt hat, sich um den Schutz und die Versorgung aller von ihm reglementierten Menschen zu kümmern, die sie darstellen, werden sie jedenfalls weder öffentlich erwähnt noch politisch gewichtet.


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Frauen im Sport, der Superfeminist des Jahres und Körperwahrnehmungen – die Blogschau

16. April 2016 von accalmie
Dieser Text ist Teil 1 von 295 der Serie Die Blogschau
CC: Dino Gravato.

CC: Dino Gravato.

Anlässlich des 200. Geburtstages von Ada Lovelace gibt es momentan eine Sonderausstellung im Paderborner Heinz Nixdorf Museums-Forum. Die femgeeks berichten: „Die Ausstellung ist nicht nur sehr interessant und gut gemacht, sondern sie ist auch bitter nötig, wenn man sich den Rest des dortigen Computermuseums anschaut: Zwei riesige Etagen mit Exponaten und Biografien, die männliche Geschichte(n) erzählen.“

„es hat sich was verändert, fast ohne dass ich es merkte. mein körper ist nicht mehr so sehr mein feind. auch wenn er nicht funktioniert. auch wenn etwas weh tut,“ konstatiert bluespunk in „my body is not my enemy.“

Diaspora Reflektionen schreibt an/über ihren Bruder, (unterschiedliche) Diskriminierungserfahrungen und Solidarität.

Erstmalig wurde der Preis für den „Superfeministen des Jahres“ vergeben – A++ Ranting hält die Laudatio.

Beim Blog der Feministischen Studien geht es um Frauen im Civil Rights Movement der USA und um die Intersektionalität von #BlackLivesMatter.

„Hätte die Entstehung fester Strukturen in der Naziszene ohne den Verfassungsschutz vielleicht sogar verhindert werden können? Vieles deutet darauf hin,“ kommentiert der Freitag.

„Wie wir unser Eltern-Baby-Zentrum gründeten“ – einen „utopischen Rückblick“ gibt Antonia bei umstandslos.

Bald mit eigener Webseite, jetzt jedoch schon auf Facebook gestartet: SportFrauen widmet sich allen Themen und Nachrichten, die sich um Frauen im/und Sport drehen.

„Sechsunddreißig“ – Melanie denkt bei glücklich scheitern über den Geburtstag, Lebenswege und Lernprozesse nach. (Happy Birthday :)!)

Habt ihr diese Woche etwas geschrieben, gezeichnet oder aufgenommen, das hier nicht verlinkt wurde? Kennen wir eure tolle Webseite/tollen Blog etwa noch gar nicht? Dann ab damit in die Kommentare. Regelmäßig verlinken wir Text_Wissens_Produktionen aus dem deutschsprachigen Raum.


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Ke$ha, Comics von und für Frauen und Kartoffel-Ein-Mal-Eins – kurz verlinkt

25. Februar 2016 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 309 von 324 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Links

Magda möchte eine Liste mit Aktivist_innen zusammenstellen, die sich mit Körpernormen und Dickendiskriminierung kritisch auseinandersetzen, um Journalist_innen und Veranstalter_innen eine Auswahl an Menschen in dem Feld zu präsentieren. Willst du mit auf die Liste?
Dann sende folgende Infos an magda(at)maedchenmannschaft(punkt)net: Name / Stadt / Themen / Website bzw. Kontakt/ Du  machst gerne: (Interviews, Workshops…).

Im Jahr 1934 wurden als  jüdisch definierte Namen aus dem phonetischen Alphabet in Deutschland gestrichen. Fortan hieß es: „N wie Nordpol“ statt „N wie Nathan“. Und das ist bekanntlich auch heute noch so…

Hengameh hat jetzt auch eine taz-Kolumne mit dem Titel „Habibitus“ und erklärt in der ersten Ausgabe noch einmal ganz langsam, warum „Kartoffel“ kein rassistischer Ausdruck ist.

In einer weiteren taz-Kolumne („Deutschland, was geht?“) schreibt Nemi El-Hassan: „Ich bin auch so wütend, weil ich meine Eltern in dem Bus von Clausnitz sehe. Wenn ich eines weiß, dann, dass wir alle kollektiv dafür verantwortlich sind, dass Ausschreitungen wie die von Clausnitz ein für alle Mal der Vergangenheit angehören müssen. Sonst haben wir in zwanzig Jahren nichts gelernt.“

Englischsprachige Links

Neela Goshan schreibt bei der Huffington Post über die Präsentation der Studie „Research on the Lived Realities of Lesbian, Bisexual and Queer Women in Kenya“ der Gay and Lesbian Coalition of Kenya (GALCK).

(c) Ed Rhee

(c) Ed Rhee

Warum alle Feminist_innen sich für Kesha interessieren sollten, erklärt Najva Sol bei APW. CBC berichtet vom Gerichtsverfahren um Keshas Vertrag mit Sony und dem Produzenten „Dr. Luke“, dem Kesha sexualisierte und psychische Gewalt vorwirft. Warum Kesha nicht einfach ein Mixtipe veröffentlichen kann und was das über Veträge in der Musikindustrie aussagt, fasste bereits 2015 The Verge zusammen. „#FreeKesha but don’t forget the other women silenced by fear,“ kommentiert Harriet Minter dazu in The Guardian.

„Pro-Life“ ist ein Euphemismus. Wie Think Progress berichtet, gibt es für den Browser Chrome nun eine Erweiterung, die jede Erwähnung von „Pro Life“ in das korrekte „Anti Choice“ ändert.

Bernie Sanders oder Hillary Clinton? Im Prozess der US-amerikanischen Vorwahlen der Demokratischen Partei bezüglich der Präsidentschaftskandidat_innen lautet die Antwort für Schwarze Feminist_innen oft „weder noch“. Warum, zeigt MSNBC.

Beim neuen Podcast von Black Girl Dangerous geht es unter anderem um Beyoncés Super-Bowl- und Kendrick Lamars Grammy-Auftritte – das Transkript findet ihr hier.

Ihr steht auf feministische Comics? „The Complete Wimmen’s Comix“ ist ein über 700-seitiges Comics-Set, mit Werken unter anderem von Trina Robbins, Aline Kominsky-Crumb, Lee Marrs, Alison Bechdel, Willy Mendes, “Hurricane Nancy” Kalish, Malinda Gebbie, Mary Fleener, und Dori Seda. Autostraddle stellt das Sammelwerk vor.

Hammer: Zum Black History Month war die 106-jährige Virginia McLaurin zu Gast im Weißen Haus und veranstaltete eine spontane 30-Second-Dance-Party:

Termine

Auch in diesem Jahr stellen wir für den Frauenkampftag am 8. März Termine in Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammen. Ihr wisst schon von Veranstaltungen/Demos/Screenings/Parties, etc., veranstaltet selbst welche oder habt sonstige Tipps? Dann ab damit in die Kommentare – danke!


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Julian Assange und sein „Freiheitsentzug“

5. Februar 2016 von accalmie

[Inhaltshinweis: Rape Culture]

Es ist nicht auszuhalten. Wie tagesschau.de berichtet, haben „UN-Rechtsexperten“ die „jahrelange Botschaftszuflucht des Wikileaks-Gründers“ in der Botschaft Ecuadors in London als „unrechtmäßig eingestuft.“ Assange müsse sich frei bewegen können, so die „Arbeitsgruppe über willkürliche Verhaftungen,“ und Assange könne Schadensersatz für seinen „Freiheitsentzug“ fordern.

Darf ich kurz fragen: Wir vergessen dabei einfach, dass Julian Assange in die ecuadorianische Botschaft „floh,“ um einer erneuten Befragung zu den Vergewaltigungsanzeigen gegen ihn in Schweden zu entkommen? Julian Assange ist also nun das eigentliche Opfer, obwohl er derjenige war, der Hals über Kopf Schweden verließ, um nicht noch einmal persönlich von der Polizei zu den Vorwürfen sexualisierter Gewalt gegen mindestens zwei Frauen befragt zu werden?

Vor über drei Jahren schrieb ich in einem Blogpost: „Es wurde noch nicht einmal Anklage gegen Assange erhoben bisher. Es geht darum, dass die Polizei ihn auffordert, sich noch einmal befragen zu lassen, woraufhin er eiligst Schweden verließ und nun seine Anwält_innen und Anhänger_innen ein sexistisches „Die CIA hat mich verführt“-Narrativ spinnen lässt in einer Situation, in der es darum geht, dass er zwei Frauen vergewaltigt haben soll. Assange soll gesagt haben, dass Schweden „das Saudi-Arabien des Feminismus“ sei und er das eigentliche Opfer.“

Man kann hier auch anmerken, dass Assange nie die Erzählungen der Frauen, die ihn anklagten, direkt verneinte. Ein Anwalt behauptete, es handele sich bei seiner Verhaltensweise zwar um „Respektlosigkeit“, aber nicht um sexualisierte Gewalt. Offenbar geht Assange (und Fans) davon aus, dass, wenn man einmal „Ja“ zu Sex mit ihm sagt, dieses Einverständnis für immer und für alles gilt, ob man dabei bewusstlos ist oder nicht, ob man dabei körperlich überwältigt wird oder nicht.

Dabei wird Wikileaks benutzt als Quasi-Absolution für seine Handlungen, statt zu erkennen, dass es hier nicht um sein politisches Projekt, sondern um die Person Assange geht; um seine persönlichen Entscheidungen, für die er verantwortlich ist. Weil eine Auslieferung in die USA drohe, dürfe man Assange also nicht für seine persönlichen Entscheidungen haftbar machen – es gehe um das große Ganze. Eine dieser Entscheidungen könnte allerdings gewesen sein, zwei Frauen zu vergewaltigen und dann aus Schweden zu fliehen, bevor er dafür – was, wie wir wissen, sowieso selten geschieht – rechtlich belangt hätte werden können. Eine weitere persönliche Entscheidung Assanges war, sich dann als das „Opfer“ eines „radikalen Feminismus“ zu stilisieren und so zu tun, als sei er ein politischer Geflüchteter aus Australien, der von dem rechtlosen Staat Schweden gejagt würde.

Das ist besonders widerlich im Kontext der Erfahrungen von Geflüchteten. Es ist besonders widerlich, da  im Kontext der Begründung Ecuadors, Assange Asyl zu gewähren, Vergleiche zu „Kriegsflüchtlingen“ gezogen wurden. Es ist besonders widerlich, wenn man an Chelsea Manning denkt, die sonst in Vergessenheit gerät.

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Weitere Texte bei der Mädchenmannschaft, die sich mit Assange und Rape Culture auseinandersetzen, findet ihr hier.

 


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Antisemitismus, Antisexismus vor Gericht und Aktivismus chronisch kranker Frauen – kurz verlinkt

27. Januar 2016 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 1 von 324 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Beiträge

Heute ist der Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust. Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau – dazu ein Gedenkbeitrag von Publikative.org aus dem letzten Jahr.

Im vergangenen Jahr gab es mindestens 302 antisemitische Attacken gegen jüdische Student_innen an US-amerikanischen Universitätscampussen, berichtet die Jerusalem Post. Die Vorfälle sammelte die AMCHA-Initiative.

Der Allgemeinen Studierendenauschuss der Universität Frankfurt wurde von einem selbsternannten „Pick-up Artist“ für seine kritische Berichterstattung über diese sexistische Praxis verklagt. Zu den Hintergründen und Entwicklungen findet ihr mehr auf dem Blog der fantifa.frankfurt.

„Volk – Nation – Identität“: Miteinander, das Netzwerk für Demokratie und Weltoffenheit Sachsen-Anhalt e.V. hat sich das Programm der AfD zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt im März dieses Jahres genauer angeschaut. Keine Überraschung: Es spiegelt die „politische Kernidentität der AfD als völkisch-nationalistische Partei“ wider.

Alle Vorträge der Veranstaltung der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration und des Deutschen Instituts für Menschenrechte zum Thema Frauen auf der Flucht sind nun online.

englischsprachige Beiträge

„Johanna Hedva lives with chronic illness and her Sick Woman Theory is for those who were never meant to survive but did.“ Über chronische Krankheiten, Unsichtbarkeiten und persönlich_politische Kämpfe schreibt Hedva bei mask.

[Inhaltshinweis: Rape Culture] „Let him [Bill Cosby] be exposed for the rapist that he is. […] But also, let’s just not forget to do the same for David Bowie, Hugh Hefner, Woody Allen, Roman Polanski, Jimmy Page, James Franco (who, within the past couple of years, attempted to arrange a hotel hook-up with a 17-year-old girl), Bill Clinton, Ben Roethlisberger, Jerry Sandusky, Terry Richardson, Gerard Depardieu, Donald Trump, Bryan Singer, Jerry Seinfeld, and the many other white men of power and fame who continue to rape and sexually abuse women and girls with impunity and protection“, kritisiert Bobby London bei For Harriet.

Nach 257 Tagen auf See hat die Coxless Crew damit Geschichte geschrieben, das erste weibliche Ruderteam zu sein, das den Südpazifik überquerte.  Mashable erzählt die Geschichte der Reise.

Termine in Berlin

03. 02. in Berlin unter dem Titel „Islamischer Feminismus – Internationale Annäherungen“ lädt die Friedrich Ebert Stiftung ein

12. – 13. 02. in Berlin: „Materialität/en und Geschlecht“ ist das zentrale Thema der 6. Jahrestagung der Fachgesellschaft Geschlechterstudien, die an der Humboldt-Universität zu Berlin stattfindet. (Facebook-Link)

24. 02. in Berlin: „Dear Cis-People“: Sophie Labelle stellt die deutsche Übersetzung des Buchs im „Other Nature“ vor. (Facebook-Link)

 


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Sexualisierte Gewalt, Sichtbarkeiten und Style – Die Blogschau

16. Januar 2016 von Charlott
Dieser Text ist Teil 291 von 295 der Serie Die Blogschau

„Nach nicht mal einer Woche präsentiert die Polizei [in Köln] stolz die ersten Tatverdächtigen. Kurz darauf werden die ersten Männer verhaftet. In der Regel dauert es in Deutschland JAHRE, bis bei Anzeigen von sexualisierter Gewalt auch nur das Geringste passiert. In meinem Falle beispielsweise passiert seit 2,5 Jahren nichts.“, schreibt Don’t Degrade Debs in ihrem Text zu Rassismus meets Rapeculture.

Und auf Identitätskritik gibt es nochmals einen sehr guten Artikel zu sexualisierter Gewalt in Deutschland, über die Vorstellung von Frauen als Besitz, das bedrohliche „Andere“ und die Mär der Falschbeschuldigungen.

Wheelymom wünscht sich mehr Sichtbarkeit behinderter Eltern – sie startete dazu eine Blogreihe.

Anja Wermann hat auf ihrem Blog eine Liste zusammengestellt mit deutschsprachigen und englischsprachigen körperpositiven Webseiten/ Blogs, sowie zu Fotoprojekten und insprierenden Persönlichkeiten.

Erst einmal ein herzliches Glückwunsch zu mittlerweile 1000 Blogeinträgen an Ein Blog von Vielen! In dieser Woche ging es unter anderem um „Erbsenmomente“ im Alltag und um „betroffene Profis„. Zu letzteren heißt es da:

Uns wird oft unterstellt einen privaten Feldzug anzuführen, der vor allem unser eigenes Wohl- und Machtbefinden zur Folge haben soll. Unser Ärger, unsere Wut über Gewalt an anderen Menschen, wird umgedeutet zu einer künstlichen Empörung oder einer pathologischen Übertragung, die letztlich wiederum uns und niemandem sonst dienen soll. Immer wieder werden wir behandelt wie jemand, der zwischen sich und anderen Menschen nicht unterscheiden kann, während er auf Parallelen deutet.

AufZehenspitzen hat die WDR-Doku „Väter – die neuen Helden“ angeschaut und sich angemessen geärgert. Diesen Ärger hat sie in ihren Text zu den „Die “… wenn man uns lässt”-Väter“ gegossen.

Auf dem Blog feministische studien bespricht Dagmar Brunow den Dokumentarfilm „Die Frauen der Solidarność“ von Marta Dzido und Claire Bond Potter schreibt zu „Books That Matter: Twenty-Five Years of Gender Trouble„.

Und zum Abschluss Style-Inspirationen von Queer Vanity: Qozmic Qandi.

Habt ihr diese Woche etwas geschrieben, gezeichnet oder aufgenommen, das hier nicht verlinkt wurde? Kennen wir eure tolle Webseite/tollen Blogs etwa noch gar nicht? Dann ab damit in die Kommentare. Regelmäßig verlinken wir Text_Wissens_Produktionen aus dem deutschsprachigen Raum.


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