Einträge mit dem Tag ‘Postkolonialismus’


“Völkermord verjährt nicht!”

6. April 2012 von Anna-Sarah

Verschiedene Initiativen, Organisationen und Institutionen haben die Kampagne „Völkermord verjährt nicht!“ ins Leben gerufen. Teil der Aktion ist ein Aufruf an die Mitglieder des Deutschen Bundestages zur Anerkennung und Wiedergutmachung des Genozids an den Herero und Nama in der ehemaligen Kolonie „Deutsch-Südwestafrika“, der heutigen Republik Namibia. Inzwischen haben weit über einhundert Initiativen den Aufruf unterzeichnet, so auch die Mädchenmannschaft. Sharon Dodua Otoo (ISD-Bund) und  Christian Kopp (Berlin Postkolonial) informieren über den bisherigen Verlauf:

Auch wenn die CDU/CSU- und FDP-Mehrheit der Bundestagsabgeordneten am 22.3. die Anerkennung des Genozids an den Herero und Nama erneut verweigert hat, kann unsere gemeinsame Kampagne wohl nur als großer Erfolg bewertet werden.

Denn neben dem Antrag der LINKEN “Die deutschen Kolonialverbrechen im ehemaligen Deutsch-Südwestafrika als Völkermord anerkennen und wiedergutmachen” (Drs. 17/8767) trug unser gemeinsames Engagement dazu bei, dass auch SPD und Bündnis 90/Die Grünen unter dem Titel  “Die Beziehungen zwischen Deutschland und Namibia stärken und Deutschlands historischer Verantwortung gerecht werden”  (Dr. 17/9033(neu)) einen (gemeinsamen) Antrag eingereicht haben.

Auch wenn im Antrag von SPD und Bündnis 90/Die Grünen keine Rede von Reparationen ist, bleibt doch bemerkenswert, dass sich nun zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik die gesamte Opposition gegen eine weitere Leugnung des Genozids und für eine Bitte um Entschuldigung ausgesprochen hat.

Von Seiten des Bündnisses haben wir mit der Pressemitteilung vom 24.3. auf die Abstimmung im Bundestag reagiert und den deutschen Oppositionsparteien inzwischen auch Gespräche über die Details ihrer Anträge, über Möglichkeiten eines gemeinsamen Agierens in der Zukunft und über die umfassende Aufarbeitung des Genozids und des deutschen Kolonialismus vorgeschlagen.

In Namibia hat die deutschsprachige Allgemeine Zeitung aus Windhoek nicht nur die deutschen Oppositionsparteien scharf angegriffen, sondern in ihrem Artikel „Vortäuschung falscher Tatsachen“ vor allem auch unsere Glaubwürdigkeit als Unterzeichner/innen der Resolution in Frage gestellt.

Auf der anderen Seite hat der Ovaherero/Ovambanderu Council for the Dialogue on the Genocide 1904 (OCD-1904) das Engagement von deutscher Opposition und Zivilgesellschaft in seiner Pressemitteilung vom 29.3. ausdrücklich begrüßt und nun ganz explizit die deutsche und internationale Öffentlichkeit zum solidarischen Einsatz für “restorative justice” aufgerufen.

Auch diese Kampagne wird als ehrenamtliche No-Budget-Aktion geführt und benötigt daher weiterhin solidarische Unterstützung, die folgendermaßen aussehen könnte:

- tragt unseren gemeinsamen Aufruf zur Unterzeichnung bitte auch an die vielen einzelnen Mitgliedsgruppen von Dachverbänden und Landesnetzwerken sowie an Euch bekannte Initiativen, Institutionen, Kirchengemeinden, Gewerkschaftsgruppen etc. heran.

- informiert auf Euren Webseiten über den Genozid und die Kampagne”Völkermord verjährt nicht!” (www.restitution-namibia.de)

- weist neben der internationalen und nationalen Presse auch die regionalen Medien auf die Thematik und die Kampagne hin

- verweist die Parteiverbände der SPD, von Bündnis90/Die Grünen und von Die LINKE in Euren Bundesländern und Kommunen auf die von der Bundestagsopposition geforderte Aufarbeitung des deutschen Kolonialismus und Förderung postkolonialer Erinnerungskulturen

- setzt euch ein für die Rückführung aller Gebeine, die im Kolonialkontext in Eure Regionen verbracht wurden
Initiativen, Organisationen und Institutionen, die den Aufruf ebenfalls unterzeichnen wollen, können sich wenden an info(at)berlin-postkolonial.de. Es  gibt auch eine Facebook-Seite zur Kampagne – hier geht’s lang.

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Wangechi Mutus „warrior girls“ erobern Berlin

4. Mai 2010 von Verschiedenen
Dieser Text ist Teil 13 von 26 der Serie Der Kommentar

Charlott Schönwetter ist Studentin der Soziologie und Afrikawissenschaften an der Humboldt Universität Berlin und schreibt auf ihrem Blog Afrika Wissen Schaft wissenschaftliche Essays und Hausarbeiten rund um Afrika, Asien, Soziologie und Gender.

Wenn ich an „Mainstream“-Kunstausstellungen denke (hier meine ich Ausstellungen, die nicht aus einem explizit feministischen Kontext entstanden sind), sehe ich vor meinem inneren Auge vor allem Kunst weißer Männer. Nach diesen ersten Erscheinungen muss ich unvermeidlich an das berühmte Plakat der Guerrilla Girls denken, welches fragt: Do women have to be naked to get into the Met. Museum? Unter dem Bild steht erklärend: Less than 5% oft the artists in the Modern Art sections are women, but 85% oft the nudes are female. (“Müssen Frauen nackt sein, um ins Met. Museum reinzukommen? Weniger als 5% der Künstler_innen im Bereich der Modernen Kunst sind Frauen, aber 85% der Nackten sind weiblich”).
Umso mehr freue ich mich, dass am 30. April in Berlin die Ausstellung “My Dirty Little Heaven” von Wangechi Mutu eröffnet wurde – eine Künstlerin, die bereits in San Francisco Museum of Modern Art, im Londoner Tate Modern und im Pariser Centre Pompidou ausgestellt hat.

Wangechi Mutu wurde 1972 in Nairobi geboren. Seit Mitte der 1990er lebt und wirkt sie in New York. Dort hat sie 1996 einen Bacholer of Fine Arts an der Cooper Union und 2000 einen Master of Fine Arts in Yale gemacht. Zuvor studierte Mutu auch Anthropologie. Die Einflüsse dieses Studiums kann man in den meisten ihrer Werke bewundern, denn diese fußen in einer sehr genauen Analyse, wie schwarze Frauenkörper im europäisch-nordamerikanischen Diskurs dargestellt und Bilder von diesen Körpern konsumiert werden. Mutu betrachtet die Widersprüche in den Darstellungen von bestimmten weiblichen und kulturellen Identitäten. Mit ihren Werken zu jenen Identitäten bringt auch Mutu als weibliche Künstlerin nackte Frauen in die Museen der Welt. Ihre verstörenden Bilder aber zeigen nackte Frauenkörper, um zum Nachdenken über Darstellungen von Schwarzen Frauen anzuregen. Obwohl sie eigentlich aus der Bildhauerei kommt, hat sie sich nach dem Studium der Collagen-Technik zugewandt. So kombiniert sie Fotos aus der National Geographic und Vogue gepaart mit Tinte, Farbe, Glitzer zu ihren ambivalenten „warrior girls“, wie sie sie nennt. In diesen Bildern treffen die beiden typischen Stereotypen – „wilde/edle Eingeborene“ und hypersexualisiertes Pin-Up –, die Mutu kritisiert und hinterfragt, direkt aufeinander. Eines ihrer Anliegen ist es außerdem gegen das weitverbreitete Afrika-Bild anzukämpfen, welches Afrika als archaischen Ort imaginiert.

In dem Film der Art Gallery of Ontario über und mit Wangechi Mutu sieht man, wie ihre Collagen entstehen, aber auch wie sie Kunstinstallationen vorbereitet. Sie erzählt in einer angenehm einfachen und direkten Art und Weise über ihre Intentionen.

Einen Teil ihrer Kunst kann man anlässlich ihres Gewinns des „Artist of the Year“ der Deutschen Bank nun bis zum 13.06. im Deutschen Guggenheim Berlin sehen.


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Ringvorlesung in Berlin: “Geschlecht in Wissenskulturen”

20. Oktober 2009 von Magda

An der Humboldt Universität in Berlin findet ab morgen bis Februar 2010 in unregelmäßigen Abständen immer mittwochs 18-20 Uhr eine öffentlich Ringvorlesung zum Thema Geschlecht in Wissenskulturen statt, die sich postkolonialen und queer-theoretischen Perspektiven widmet. In der Beschreibung heisst es:

Postkoloniale und queer-theoretische Analyseperspektiven durchziehen unterschiedlichste Disziplinen und liefern entscheidende Impulse, die Kategorie ‚Geschlecht’ in ihrer komplexen Verfasstheit zu verhandeln. Die Ringvorlesung widmet sich inter- und transdisziplinären Anwendungen dieser Theoriebildungen und fragt nach aktuellen (Re-)Konzeptionalisierungen der Interdependenzen von ‚Geschlecht’, ‚Ethnizität’, ‚Rasse’, ‚Klasse’, ‚Sexualität’ und ‚Behinderung’. Es werden hiermit kritische Interventionen hegemonialer Wissensproduktionen um Geschlecht in verschiedenen akademischen und außerakademischen ‘Wissenskulturen’ in den Blick genommen. Gleichsam werden mit Blick auf die historischen Entstehungsprozesse postkolonialer und queer-theoretischer Ansätze Fragen nach dem Verhältnis hegemonialer und minoritärer Wissensproduktion gestellt.

Der Flyer ist hier als pdf zu finden.


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