Einträge mit dem Tag ‘Islam’


Film, Fernsehen, feministische Forschung – kurz verlinkt

25. Januar 2012 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 136 von 138 der Serie Kurz notiert

In Computerspielen ist der Standardcharakter meist … standard. Weiß, männlich, durchtrainiert. Aber genau wie Gamerinnen die Nase voll haben von leicht bekleideten Busenwundern, sind auch Computerspieler langsam angenervt vom 08/15-Helden. The Mary Sue über Vorlieben bei der Wahl von Spielcharakteren.

Nach Korruptions- und Manipulationsskandalen ist die südkoreanische Parteienlandschaft in Bewegung geraten, berichtet Bikya Masr. Gleich drei Parteien werden nun von Frauen geführt, die zusammen 262 der 299 Sitze der Nationalversammlung kontrollieren. Trotz enormer Fortschritte in den letzten Jahren ist der Anteil von Politikerinnen in Süd-Korea noch relativ niedrig.

Zehn Autoren, die mal so richtig gegen das Literaturestablishment rebelliert hätten, stellte neulich Flavorwire vor. Ob man wen vergessen habe, fragte man immerhin auch. Hatte man: Keine einzige Autorin erschien in der Liste! Aufgrund der Kritik zog die Seite dann nach und stellte zehn „Bad Girls“ der Literaturgeschichte vor.

Nichts wirklich Neues bei Disney: Jungs sind clever, Mädchen werden nach ihrem Aussehen beurteilt, zumindest wenn es nach einer neuen T-Shirt-Kollektion geht. Goofy, Micky und Donald werden nach ihrem Charakter dargestellt, Minnie ist einfach nur “hot”, so Shine.

Sexuelle Belästigung ist, trotz Gesetzen, in Indien weiter ein großes Problem. Care2 berichtet von einem Vater, dessen Sohn erstochen wurde, als er Frauen schützen wollte. Er appelliert an die Regierung, endlich entschlossen gegen Belästigung vorzugehen.

Wahrscheinlich klettern die meisten von uns nicht unbedingt voller Vorfreude auf den gynäkologischen Stuhl. Aber für Frauen, die eine Vergewaltigung erlebt haben, sind diese Untersuchungen nicht selten einfach nur der blanke Horror. Bei Jezebel gibt es  einen Erfahrungsbericht über die  nötigen Vorbereitungen, damit die Untersuchung dennoch so erträglich wie möglich verläuft.

Der Jahresreader 2011 vom Feministischen Institut in Hamburg ist da.

Warum der Gebrauch des vermeintlich cool-subversiven Begriffs “tranny” problematisch ist, ist nachzulesen bei funkyfest.

Sex and the City-Star Cynthia Nixon hat für Kontroversen gesorgt, als sie in einem Interview verkündete, ihre eigene Homosexualität sei frei gewählt.

Die Historikerin Yasemin Shooman hat für die Deutsche Islamkonferenz die Stereotypisierung muslimischer Frauen in öffentlichen Diskursen untersucht.

2012 geht der Marburger Kamerapreis an die Französin Agnès Godard. Godard wurde für ihre exzellente Arbeit in den vergangenen 20 Jahren sowie für ihren Einfluss und ihren Beitrag zum europäischen Kino ausgewählt. Am 2. März wird der Preis im Rahmen der 14. Marburger Kameragespräche verliehen. Die Vorreihe zu den Kameragesprächen beginnt am 8. Februar mit der Vorführung von Zusammen ist man weniger allein (Ensemble, c’est tout) im Marburger Filmkunsttheater.

Allerhand wissenswertes über die explizit antifeministische,  gerne mal am äußeren rechten Rand entlanglavierende Männerrechtsbewegung und ihre Aktivitäten hat das Gunda Werner Institut der Heinrich Böll Stiftung in einer umfangreichen Studie  zusammen getragen. Die komplette Publikation ist als pdf gratis herunterzuladen. Auch der österreichische derstandard berichtet und zitiert einen beteiligten Wissenschaftler: “Es geht den Akteuren – und das sind nicht nur Männer – um die Stärkung oder zumindest den Erhalt männlicher Vorrechte und das Zurückdrängen feministischer Argumentationen bzw. Institutionen. Dies gipfelt teilweise in Vernichtungsphantasien gegen den Feminismus und auch gegen einzelne feministische Personen.”

Und noch ein paar Termine: (weiterlesen …)


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Feminism lesen und gucken: Die Blogschau

1. Oktober 2011 von Verena
Dieser Text ist Teil 127 von 143 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Zwzorza guckt TV und entdeckt einen Beitrag über die libanesische HipHopperin Malikah. Allerdings kommt auch das ZDF nicht an Stereotypen wie jung und sexy vorbei. Ist ja auch total einfallsreich.

Im Comic-Fieber: Ti_Leo rezensiert zwei Comicneulinge. Wonder Woman von Brian Azzarello und Catwoman von Judd Winick. Die eine ist top, die andere flop…

Afrika Wissen Schaft widmet der verstorbenen Friedensnobelpreisträgerin Wangari Maathai einen Nachruf. Mehr zu Maathai ist auch bei fembio nachzulesen.

Ein Fremdwörterbuch träumt vom eigenen Modeblog. Aber stattdessen äußert sie sich erstmal in einem Posting über Qualität und Quantität in der Mode, Konsumwahn und was statt dem neuesten Fummel wichtig sein kann.

Der Band “Karriere eines konstruierten Gegensatzes: zehn Jahre ‘Muslime versus Schwule’”, herausgegeben von Koray Yilmaz-Günay, greift die seit dem 11. September 2011 verschärften Debatten in der BRD zum “Islam” auf. In der Rezension im Mädchenblog heißt es dazu:

Der Band […] führt das für die Debatte unentbehrliche Wissen prononciert zusammen. Er vereinigt Beiträge seit 2003, die neu abgedruckt wurden, und eigens für diesen Band verfasste. Es werden historische Traditionen herausgearbeitet, die im Kolonialismus wurzeln. Es kommen konkrete Erfahrungsberichte und quantitative Auswertungen vor. Und es wird vor allem nachgezeichnet, wie verstärkt seit 2001 – aber auch bereits zuvor – rassistische Entwicklungen in lesbischen und schwulen mehrheitsdeutschen Communities um sich griffen, wie CSDs mittlerweile zu „White Prides“ verkommen, bei denen man sich westlich der vermeintlichen eigenen Überlegenheit und der vermeintlichen Unzivilisiertheit „des Anderen“ versichert.

Noch mal Mädchenblog: Pia regt sich über die aktuelle Kindermodenkollektion von Lidl auf. Rehkitze als Motiv für das schüchterne, verletztliche Mädchen und Wolfmotive für den bösen, aggressiven Jungen. Da hol doch mal einer Rotkäppchen…


Und Mädchenblog zum Dritten: Die Werbekampagne eines kanadischen FriseurInnengeschäfts sorgt für Kritik: Zu sehen ist eine aufwendig, perfekt wirkende Frau mit einem blauen Auge, hinter der ein Mann in dominanter Pose steht.

Eine neue Entscheidung gibt es im Ranftle-Fall, in dem es um den Nachlass eines homosexuellen US-Amerikaners an seinen Ehemann geht. Queernews berichtet.

Hanhaiwen fordert zum Gedankensturm für den kommenden Ada-Lovelace-Day am 7. Oktober auf.

Die Lesbomatin ist vom BH-Zwang genervt und fragt augenzwinkernd, ob er gar die europäische Antwort auf die Burka ist.

Willkommen in der Blogsphäre: Kasimpasa International.

Nicht neu, aber trotzdem einen Klick wert: Berlin-Woman, das Online-Magazin für Berliner Stadtkultur mit einem “weiblichen” Blick.

Und einen Termin gibt es auch noch: Das Magazin Feigenblatt präsentiert am 2. Oktober das Warmup für das Porn-Film-Festival, das vom 26. bis 30. Oktober in Berlin stattfindet. Gezeigt wird – unter Anwesenheit der Regisseurin Jennifer Lyon Bell der Film “Skin. Like. Sun.”, sowie mit “Headshot” eine ältere Arbeit der Regisseurin.


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Norwegen, Hollaback und Funfeminismus – kurz notiert

10. August 2011 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 116 von 138 der Serie Kurz notiert

Hege Dalen und Toril Hansen haben beim Attentat auf Utøya 40 Jugendliche gerettet. Komischerweise wird kaum über sie berichtet, denn als lesbisches Paar passen sie nicht ins übliche Heldenschema. Mehr Gedanken dazu beim Guardian und ein Portät der beiden gibt’s auf queer.de (Anmerkung: Für Hansens Vornamen finden sich zwei Schreibweisen, Toril und Torill. Wer weiß, welche die richtige ist?)

Die Taz stellt ihollaback.org vor, eine Webseite, auf der Frauen von Belästigungen berichten und ihre Wut los werden können.

Der Freitag porträtiert die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle, Christine Lüders.

Die iranische Nachrichtenagentur Fars versucht Frauen mit einer Karikatur zum Kopftuchtragen zu überreden, denn sonst schrumpfe das Gehirn. Golnaz Esfandiari ist nicht begeistert.

In Australien hat ein erster Schönheitswettbewerb für Mädchen eine Kontroverse ausgelöst. Protestant_innen forderten, derartige Wettbewerbe zu verbieten, so die Ärztezeitung.

Teresa Bücker schreibt auf faz.de über eine neue Strategie der VZ-Netzwerke, ihren Mitgliederschwund aufzuhalten: Die Nutzerinnen werden aufgefordert, sich auszuziehen.

Einen „Jihad gegen Gewalt“ haben muslimische Norwegerinnen ausgerufen. Mit Workshops wollen sie vor allem Mütter erreichen, berichtet die New York Times. Viele könnten Fragen ihrer Kinder zum Islam nur schlecht beantworten, da sie nie Religionsunterricht hatten. Mehr Wissen helfe darüberhinaus auch gegen die Angriffe von Islamkritiker_innen.

„Ehren“-Verbrechen sind im Libanon künftig kein Grund mehr zum Herabsetzen des Strafmaßes. Nadine Moawad freut sich und hofft nun, dass auch ein Gesetz zum Schutz von Frauen vor familiärer Gewalt vom Parlament abgesegnet wird.

Feministin, aber bloß keinen Mann vor den Kopf stoßen – Julie Bindel stößt sich im New Statesman am neuen “Funfeminismus” und fordert eine Rückbesinnung auf radikalere Ansätze. Leider schmeißt sie dabei viele verschiedene Dinge in einen Topf und beginnt wieder einmal mit „zweite Welle vs. dritte Welle“.


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Ich rede Seifenblasen

7. Juli 2011 von Kübra
Dieser Text ist Teil 17 von 29 der Serie Das Wort zum Freitag

“Islamistin” nennt er mich, und ich nenne ihn “Säkularist.” Er lacht mit mir mit, wir spielen mit Schubladen und Klischees. Zwei Tage schon sind Lucas und ich auf derselben Konferenz. Wir verbringen viel Zeit zusammen, diskutieren und scherzen.

Manchmal aber begegnet mir Lucas recht zurückhaltend, verkrampft und steif. Das liegt an seiner Erziehung, vermute ich. Kindheit und Jugend hat er an elitären Internaten in Frankreich verbracht. Jetzt besucht er eine renommierte Universität. Er trägt einen dunkelblauen Anzug, Hemd und draußen einen Hut. Lucas ist mir sympathisch mit seiner vornehmen Höflichkeit, die so leicht zu irritieren ist.

Auf dem Weg ins Hotelzimmer hält Lucas mich auf und bittet um ein Gespräch. “Klar.” Er habe einen Fehler gemacht und schäme sich sehr dafür. Jetzt bin ich neugierig. “Ich dachte, du wärst wirklich eine Islamistin”, sagt er. Erst lache ich noch, dann schaue ich ihn ungläubig an. Er meint es ernst. “Ich weiß, das stimmt nicht, und es gibt keinen Grund für diese Annahme. Ich habe dich einfach voreilig in diese Schublade gesteckt.” Mein Gott, frage ich mich. Wie muss ich bloß auf andere Menschen wirken? Ich bin verwirrt, irritiert, schockiert. Er bemerkt meine Verunsicherung. “Jetzt sehe ich, dass du gar nicht so anders bist als ich. In vielen Punkten vielleicht sogar liberaler”, sagt er und: “Bitte verzeih.” – “Ach was, kein Problem”, sage ich eilig. Zwei Tage hat es also gebraucht. Wir verabschieden uns.

Im Hotelzimmer lasse ich die letzten Tage Revue passieren. Und die letzten Jahre.

Eine Freundin erzählte mir kürzlich von einer Podiumsdiskussion, bei der eine Kopftuchträgerin stark feministische Positionen vertrat und das Publikum, ebenfalls feministisch, ihr vehement in jedem Punkt widersprach. Sie hörten nur, was sie hören wollten. Sahen nur, was sie sehen wollten.

Ich erinnere mich an Kommentare zu Artikeln auf meinem Blog und Diskussionsrunden. An das Misstrauen im Gesicht meiner Gegenüber. In ihren Augen spiegelt sich ihr Bild von mir: das Kopftuch und ein bisschen Blabla, in der Luft zerplatzend. Ganz egal wie und was ich sage. Ich rede Seifenblasen.

Mich lässt das Gefühl nicht los, hingehalten zu werden, zu warten. Ich nehme die Demokratie ernst und setze mich für sie ein. Ich arbeite dafür mit, dass es irgendwann eine Gesellschaft gibt, in der man unabhängig von Hautfarbe, Geschlecht, sexueller Orientierung, sozialem und finanziellem Status, Bildungsgrad und körperlichem Zustand selbstverständlich sein kann. Ich träume von Gerechtigkeit und sitze brav auf der langen Bank der Demokratie. In der Hoffnung, dass man mir irgendwann glaubt, mich dann vielleicht auch hört und irgendwann sogar versteht. Wofür?

Damit Menschen auf edlen Rössern dahergeritten kommen, denen man neben dem Schnuller auch die Demokratie, freies Denken und Aufklärung in die Wiege legte, und die mir alles absprechen wollen? Und mit welchem Recht?

So funktioniert Demokratie nicht. So gibt es keine Gerechtigkeit. Niemand hat sie gepachtet. Jeder muss dafür arbeiten und aufgeben. Auch ihr.

(Dieser Text erschien ursprünglich als Kolumne in der Taz.)


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Feminismus Around The Clock

25. April 2011 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 102 von 138 der Serie Kurz notiert

Drei Jahre Missy Magazine! Im Neuen Deutschland gaben die Herausgeberinnen schon vor einiger Zeit ein Interview über Feminismus und Modestrecken, Rebellion und Elternratgeber.

Die Arbeit der queeren Rapperin und Deutschlehrerin Sookee wird in der Berliner Zeitung vorgestellt.

Die ZEIT interviewte die ägyptischen Bloggerin und Aktivistin Noha Atef und unsere Kolumnistin Kübra Gümüsay auf der re:publica 2011 zu politischen Aktivismus und zum Bloggen.

In Wien geht der Ärger weiter: Zum 100. Weltfrauentag hatten die Strickistinnen die Route der Wiener Demo mit urbaner Kunst verkleidet. Trotz einer ausdrücklichen Genehmigung und finanzieller Unterstützung der Stadt entfernte die Straßenreinigung bereits am nächsten Tag wieder alles. Nun sollen die Aktivistinnen dafür auch noch die Kosten tragen, so der Augustin.

muslimahmediawatch zeigt ein Poster der deutschen Sektion der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte, auf dem eine verschleierte Muslima neben Müllsäcken sitzt. Untertitel des Posters: Unterdrückte Frauen werden leicht übersehen.

Ina Freudenschuss hat für dieStandard.at die amerikanische Netzaktivistin Jaclyn Friedman interviewt.

Die feministing.com Autorin Courtney Martin spricht über ihre Arbeit und feministischen Aktivismus.

(via Anne Roth)

Queer/feministische Termine für diesen Monat findet ihr in unserer Übersicht für April.


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Schulversager, weil Gott es will

31. März 2011 von Kübra
Dieser Text ist Teil 10 von 29 der Serie Das Wort zum Freitag

„Gehört der Islam zu Deutschland?” Wenn ich diese Frage noch einmal höre, knallts. Dann schnappe ich mir mein Sprengstoffgürtel und das tickende Bömb­chen unter dem Kopftuch und gehe in die Luft – dorthin, wo dümmliche Fragen nicht hinkommen. In eine Welt frei von pseudo-intellektuellen Stell­ver­treter-Diskussionen. Eine Welt frei von Fragestellern, die eigentlich nur meinen: „Ätsch, ihr Muslime gehört nicht zu uns.“ Weil das aber zu plump wäre, tut er mal eben so, als ginge es ihm um einen ernsthaften lösungsorientierten Diskurs. „Ich meine es ja nur gut mit euch.“

Seit Wochen dröhnt ein höchst frustrierender medialer Diskurs in meinen Ohren, bei dem Selbstverständlichkeiten und Banalitäten ad absurdum diskutiert werden. Ob der Islam zu Deutschland gehört, lässt sich genauso schnell beantworten, wie ob Foucault, Hobbes, Newton, Adam Smith oder Harry Potter zu Deutschland gehören. Die Frage kann doch nicht ernsthaft ernst gemeint sein?

Doch, sie ist ernst gemeint. Kürzlich saß ich im Publikum einer top-besetzten Diskussionsveranstaltung und wollte mir anschauen, wo wir uns diskursmäßig der­zeit befinden. Schockiert musste ich feststellen: Wir sind unten. Ganz tief unten.

Es war ein renommierter Spiegel-Journalist, der die Diskussion offenbar als Niveaulimbo begriff. Woher die Erregungsbereitschaft der Muslime käme, witzelte er. Ihnen fehle es an Sex und Alkohol. Dann fragte er ernst in die Runde ob es einen Zusammenhang zwischen dem Islam und Bildungsverweigerung gäbe.

Sollte ich lachen oder weinen? Aus dem Publikum schaute ich ihn an. Er wich mei­nem Blick aus. Dann stand ich auf, um einen Wortbeitrag zu leisten. Der Herr drehte seinen Kopf weg. „Sie dürfen mich ankucken oder verwirrt Sie meine Exis­tenz?“, fragte ich. Ganz offensichtlich war dem so. Seinen Behauptungen zufolge dürfte ich schließlich gar nicht existieren.

„Iqra – Lies!“ ist das erste Wort, das dem Propheten überliefert wurde. Religiösität bedeutete für mich immer auch mich weiterzubilden, persönlich weiter­zu­ent­wickeln und nach Wissen zu streben. Nie etwas anderes. Nie habe ich Gegenteiliges beigebracht bekommen, gehört oder gelesen. Und da kommt ein schnieker Journalist dahergelaufen und stellt Zusammenhänge her, wo keine sind. Klar, er will eigentlich wissen, warum viele Migranten aus islamisch geprägten Ländern im deutschen Bildungssystem schlecht abschneiden. Dann soll er mir mal einen Schüler zeigen, der nicht lernt, weil er das theologisch begründen kann.

„Sie stellen die falschen Fragen“, sagte ich. Es sind Schicht- und Sozialprobleme, die er da anprangern sollte. Nach der Diskussionsrunde fragte ich ihn, wie er denn zu dieser Haltung komme. „”Ich habe viele Bücher flüchtig gelesen“, erklärte er. „Flüchtig“, wiederholte ich. „Ja, das ahnte ich bereits.“

Dann drehte er sich mit vorgehaltener Hand zu mir um und verriet: „Ich bin kein Islam-Experte. Man lädt mich halt ein. Und ein bisschen muss es ja knallen.“ Apropos knallen, irgendwo unter diesem Tuch müsste das Ding doch sein …

(Dieser Text erschien ursprünglich als Kolumne in der Taz.)


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Kurz verlinkt: rassistische Werbetafeln, männliche Legofiguren und studentische Prostituierte

2. März 2011 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 96 von 138 der Serie Kurz notiert

In Anatolien demonstrierten Frauen für das Recht auf Minirock. Sie richteten sich gegen die Aussage eines Theologieprofessors, der behauptete, dass Frauen, die sich „aufreizend“ kleiden, sich nicht wundern sollten, wenn sie vergewaltigt würden. Frauengruppen liefen Sturm und stellten richtig: Ob Minirock oder Voll­verschleierung, Schutz vor Missbrauch und Vergewaltigung bieten beide Klei­dungs­stücke nicht.

Die FAZ stellt in einem Video die Rollstuhltennisspielerin Katharina Krüger vor. Sie ist mit 20 Jahren bereits fünfmalige deutsche Meisterin und hat auch an den Paralympics 2008 teilgenommen. Vom Fußgängertennis unterscheidet sich Roll­stuhl­tennis übrigens nur in einer Regel: Der Ball darf zweimal aufkommen.

In New York City wurde eine rassistische Anti-Abtreibungswerbetafel mit Aufschrift „Der gefährlichste Ort für ein afroamerikanisches Kind ist der Mutter­leib“ aufgehangen. Diese wurde nach massivem Protest wieder ab­ge­nom­men!

Warum sind die Standardfiguren in Legosets eigentlich so oft männlich? Diese Frage trieb Melitta Walter um und das Spiegel TV Magazin ging ihr nach. Ob Bauarbeiter oder Polizist, fast jeder Beruf wird mit männlichen Figuren aus­ge­liefert, eine Professorin findet sich erst in der Phantasiewelt „Atlantis“. Wer sich mehr Vielfalt wünscht, muss sie leider selbst herstellen.

Im März vergangenen Jahres preschte die Telekom als erstes deutsches Un­ter­nehmen vor und gab sich eine Frauenquote (wir berichteten). Anastassia Lauter­bach übernahm daraufhin die Spitzenposition im Produkt- und In­no­va­tions­bereich. Jetzt wurde sie entlassen, nachdem sie zuvor bereits von der Tele­kom degradiert worden war, berichtet Spiegel Online.

Eine Kritik zur PartypolitikLadies trinken für lau” gibt es auf feministing.

Auf Direkte Aktion könnt ihr einen Beitrag zur „studentischen Pros­titu­tionsliteratur“ lesen, die die Lebensrealität von geschätzt 100.000 10.000 Studierenden in Deutschland beschreibt, die neben ihrem Studium im Sexgewerbe arbeiten: „Prostitution in einer prekarisierten und globalisierten Arbeitswelt“.

Britische homosexuelle Muslim_innen kämpfen für ihr Recht auf Ehe und sprechen mit BBC über Glauben, Sexualität und die so genannte nikah, ein muslimischer Ehevertrag. Muslimah Media Watch berichtet ebenfalls.

Fallopian Falafel – אשת חיל - ist ein unkommerzielles feministisches Fanzine in Jerusalem, welches im Mai 2007 erstmalig erschien. Es handelt von Femi­nis­men in Israel und thematisiert alle Formen von Unterdrückung. Leider hat die Herausgeberin Hadass S. Ben-Ari den letzten Call für das Magazin ausgerufen und hofft nun auf rege internationale Beteiligung – die Themen sind frei wählbar. Mehr Infos gibt es auf der Homepage.

Barbara Streidl war anlässlich zum 100. Internationalen Frauentag zu Gast bei einer Diskussionsrunde zum Thema “Ohne Gleichstellung keinen Fortschritt” im Willy-Brandt-Haus.


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Frauen als Motor demokratischen Wandels in Nordafrika

28. Februar 2011 von Franziska

In den letzen Wochen sind Millionen von Menschen in der arabischen Welt für Frei­heit und Demokratie auf die Straßen gegangen, um für ein Ende von Korruption und Will­kür­herr­schaft einzusetzen. Zur Über­raschung manches West­lers sind Frauen ganz vorne mit dabei – jung und alt, verschleiert und un­verschleiert. Sie sind mittlerweile zum Symbol des Auf­standes geworden. Nun ist es wichtig, dass die Stimmen der Frauen in den angestoßenen Trans­formations­prozessen in Ägypten und Tunesien auch gehört werden. In den aktuellen Ver­handlungen domi­nieren jedoch erneut die alten männlichen Eliten. Europa sollte die Be­teiligung der mutigen und engagierten Frauen­bewegungen an den politischen Re­formen in Tunesien und Ägypten unterstützen. Ohne die Gleich­berechtigung der Geschlechter ist ein dauer­hafter demo­kratischer Wandel zu einer wirklich offenen und gerechten Ge­sell­schaft nicht denkbar. Dies war An­lass und Moti­vation einen direkten Aus­tausch zwischen Frauen­recht­lerinnen aus Tunesien, Ägypten und der EU zu initiieren, welcher am 15. Februar 2011 im Euro­päischen Parlament in Straßburg in Ko­operation mit Ana Gomes (Fraktion der Pro­gressiven Allianz der Sozialisten und Demokraten) mit dem Titel “Women for trans­formation” stattfand. Diskutiert wurden die Rolle und Chancen von Frauen in den Reform­prozessen der beiden Länder, sowie die Mög­lich­keiten für eine konkrete Unter­stützung von Frauen­rechts-Organisationen seitens der EU. Das ganze fand virtuell statt – per live Zu­schaltung und Skype.

Die Teilnehmerinnen unterstrichen, dass gerade im Hinblick auf die bisherige Situ­ation von Frauen die Revolutionen in Tunesien und Ägypten als politischer Be­freiungs­schlag gegen politische Marginalisierung betrachtet werden muss. Frauen sind wichtige Ak­teure im demo­kratischen Trans­formations­prozess, da kaum eine andere ge­sell­schaft­liche Gruppe größeres Inte­resse daran hat, dass sich die Ver­hältnisse tat­sächlich ändern – aber auch daran, dass die bunten Massen­proteste nicht in re­ak­tionären Is­la­mis­mus abgleiten. Eine zentrale Forderung von manchen tunesischen Frauen­organisationen ist daher zum Beispiel eine religiös neutrale Ver­fassung. Außer­dem lenkten die Teil­nehmer­innen die Auf­merk­sam­keit auf den Bedarf einer recht­lichen Gleich­stellung von Mann und Frau in den Ver­fassungs­re­formen, sowie die Einführung von Anti-Dis­kriminierungs­klauseln.

Grundsätzlich gilt, dass die Stellung von Frauen in der Ge­sell­schaft ein Grad­messer für den Erfolg des Trans­formations­prozesses ist. Gleich­zeitig muss jedoch fest­gestellt werden, dass die politischen Akteure, welchen den Reform­prozess aus­handeln, der­zeit allein Männer sind. So ist im ägyptischen Rat für die Ver­fassungs­reform keine Frau zu finden. Die EU sollte daher auch das neue Ge­sicht Nord­afrikas, welches junge Menschen und gerade auch Frauen sind, adressieren. Die Dis­kussions­teil­nehmer­innen forderten deshalb die Europäer im Rahmen der Konferenz dazu auf, eindringlich auf eine politische Beteiligung der Frauen hin­zu­wirken. Kurz­fristig heißt das vor allem: Frauen­organisationen und andere Akteure dabei unter­stützen, um Frauen zur aktiven Teilnahme an den bevorstehenden Wahlen zu ermuntern und sie beim Auf­bau der nötigen Infrastruktur zu unterstützen.

Beratung zu Reformen müsste geschlechtersensibel durchgeführt werden. Eben­so müssen die Europäer darauf hinwirken, dass die neuen, freien Medien nicht wie bisher männlich dominiert werden. Jour­na­list­innen haben viel dazu beizutragen, die Medien der arabischen Welt vom Regierungs­sprach­rohr zu Ab­bildern der neuen gesellschaftlichen Verhältnisse zu machen. Mittel­fristig sollte die EU die Bildungs- und Berufs­chancen der Frauen zu Prioritäten ihrer Politik gegen­über der Region machen.


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Manifesten mit Kübra

24. Februar 2011 von Verena

Einen Hingeh-Tipp für die BerlinnerInnen gibt es heute: Die Buchpremiere zum MANIFEST DER VIELEN

Das Manifest der Vielen ist Gegengift und Pflichtlektüre: Um sich nicht abzuschaffen, muss Deutschland sich neu erfinden. Dreißig profilierte Autorinnen und Autoren schreiben über ihr Leben in Deutschland, über Heimat und Identität, über ihr Muslim- oder Nicht Muslim-Sein anlässlich der Sarrazin-Debatte. Ergebnis ist eine Vielfalt der Stimmen für “das Eigenrecht gelebten Lebens” (Hilal Sezgin). Ein Abend mit Gesprächen, Lesung, Bar und Clubabend: Tanz den Sarrazin!

Mit dabei ist neben Hilal Sezgin, Feridun Zaimoglu und Mely Kiyak auch unsere Kolumnistin Kübra Gümüsay.
Los geht es um 19.30 im Maxim Gorki Theater. Eintritt 12 Euro


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Neues aus der muslimischen Trendethnie

20. Januar 2011 von Kübra
Dieser Text ist Teil 6 von 29 der Serie Das Wort zum Freitag

Bin ich eine Sadistin? Schlummert tief in mir eine andere Kübra? Denn warum sonst geißele ich mich immer wieder mit schlechten Hetzartikeln in deutschen Wochenmagazinen?

Jedenfalls erwischte ich mich kürzlich wieder dabei, wie ich einen solchen Artikel las. Ich wäre fast vom Stuhl gekippt, ging es doch tatsächlich endlich einmal um das noch nie zuvor besprochene Tabuthema Ehrenmord und das Sexualleben „muslimischer“ Jugendlicher in Deutschland (man ist bekanntlich nicht mehr türkisch oder arabisch, sondern nur noch muslimisch).

Wirklich gut wird der Artikel, als er es schafft, durch das ständige Wiederholen einen direkten Zusammenhang zwischen Islam und Ehrenmorden zu kreieren. Das heißt im Klartext: Ehrenmorde wird man nur dann los, wenn man den Islam los wird. Dabei haben Ehrenmorde oft mehr mit der Tradition als mit der Religion zu tun – die Ehrenmorde sogar verbietet. Viele junge Mädchen argumentieren mit ihrer Religion gegen herrschsüchtige Väter und Brüder. Aber nein. Hier schreibt schließlich eine, die es wissen muss. Sie kommt aus dem besagten Kulturkreis. Ergo: Sie besitzt einen Freischein für Undifferenziertheit.

Und das ist schade, weil die Autorin über etwas Wichtiges schreibt. Es gibt Familien und Gesellschaftskreise, die ihre Ehre vom Jungfernhäutchen der Töchter abhängig machen und, um diese Ehre zu retten, auch körperliche Gewalt ausüben würden. Und jeder dieser Fälle ist eine Tragödie.

Schon mit 16 Jahren fuhr ich an Wochenenden zu interreligiösen Veranstaltungen und Dialogprogrammen und erzählte Tagung aus, Tagung ein die gleiche Leier: Nein, Ehrenmorde sind kultur- und traditionsabhängig. Sie sind mit dem Islam eigentlich unvereinbar. Aber natürlich ist jede Religion schon einmal für Gewalt instrumentalisiert worden: das Christentum, welches Nächstenliebe predigt, ebenso der friedfertige Buddhismus. Überall dieselben Fragen, deshalb auch dieselben Antworten. Auch im Fernsehen und sämtlichen Talkshows.

„Muslime kommen unglaubwürdig rüber“, sagte mir eines Tages ein Freund. „Einerseits betonen sie, wie unislamisch Ehrenmorde sind, andererseits findet man immer wieder Fälle, bei denen Religion als Motivation angeführt wird.“ Dass sich in vielen deutschen Städten Muslime seit Jahren aktiv gegen Ehrenmorde und für eine Trennung von Religion und Tradition einsetzen, wusste er nicht. Ehrenmorde sind auch nicht die einzige Tradition, für die der Islam missbraucht wird. Gewalt in der Ehe, schwache Frauenrollenbilder und belastend hohe Erwartungshaltungen an Männer sind nur einige der Missstände.

Wir Muslime müssen diese Missstände weiter diskutieren, intensiver als bisher. Nicht jedoch mit Fingerzeigenden auf Dialogveranstaltungen, wo wir glauben, der Islam als Ganzes stehe auf dem Prüfstand, und uns deshalb sofort in Verteidigungshaltung begeben. Sondern souverän, kritisch und selbstbestimmt innerhalb der muslimischen Communities. Dafür brauchen wir Foren und Formen. Und dann kann die kleine Sadistin in mir ruhen.

(Dieser Text erschien ursprünglich als Kolumne in der Taz.)


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