Einträge mit dem Tag ‘gute Idee’

Frauen im Blaulichtmilieu

Friday, August 22nd, 2008 von Susanne

Dieses Plakat ist ein echter Hingucker, wenn man auf der Straße daran vorbeiläuft. Nach dem ersten Schock, ‘Frauen an den Herd?!’, kommt das Ganze sehr sympathisch rüber. Also doch mal schauen, was das soll. Aha, der Deutsche Feuerwehrverband will die Zahl der Feuerwehrfrauen verdoppeln und hat dafür die Aktion „Frauen am Zug“ ins Leben gerufen. Sie wollen damit ihr “Ziel plakativ und charmant irritierend vermitteln” - was, wie ich finde, gut gelingt.

Die Initiative selbst klingt richtig ambitioniert: Die Feuerwehr hat nicht nur erforschen lassen, warum im Westen nur sechs Prozent und im Osten nur elf Prozent der Feuerwehrleute weiblich sind, sondern daraus dann auch Leitlinien entwickelt, mit denen die Feuerwehr Mädchen und Frauen leichter in den Dienst integrieren können. Mit der Plakataktion soll diese Erneuerung der Feuerwehr nun auch der Öffentlichkeit gezeigt werden.

Männergeschichten: Wie ein Junge häusliche Gewalt erlebt

Thursday, August 7th, 2008 von Meredith

Eve Ensler ist eine von diesen übercoolen Vorbildfrauen. Sie ist nicht nur die Autorin der “Vagina Monologues” (jetzt im Ernst, die sind weniger käsig als man meinen könnte), sondern hat auch die Organisation V-Day gegründet, die sich gegen Gewalt an Frauen weltweit einsetzt, feministische Partys veranstaltet und VM-Aufführungen.

Vor ein paar Monaten bat Ensler ihren Kollegen Mark Matousek, eine Kolumne aufzubauen, in der Männer über Gewalt gegen Frauen schreiben: Ein Basketballer beschreibt seine Kindheit in einem Haus voller Schwestern, ein Vater erklärt seiner Tochter, warum er so oft verreisen muss. Die Männer sollen darüber schreiben, wie sie Gewalt gegen Frauen wahrnehmen, welche Erfahrungen sie selbst gemacht haben.

Eine besonders bewegende Geschichte hat der Arzt Marco Naguib geschrieben – über seine Mutter, die von seinem Vater verprügelt wurde, und über die vielen Versuche, die ihre Kinder unternahmen, sie zu beschützen:

I hadn’t been the first person to suggest that Mama leave Baba, my father and tormentor. On her wedding night, in a boarding house in Beiruit, Baba beat her for the first time. The landlady urged her to pack her things and go, as Mama wiped the running kohl off her face, even offering to buy her a ticket back to Egypt. It wasn’t too late to change her mind, to annul this ill-fated marriage. Mama refused, too ashamed to return home after having eloped to Lebanon with Baba in the first place. She buried her face in the satin of her gown and remembered her mother’s solemn expression the day she left, her head covered in a thin black veil out of respect, refusing to shed a tear.

Also, ich will mehr solche Texte lesen. Leserinnen und Leser, wie geht es euch da?

Ick währ sou gärn Bärlienerinn,

Tuesday, August 5th, 2008 von Meredith

… dann könnte ich nämlich nicht nur zum Femmes ‘R’ US sondern auch zum We B*Girlz-Festival gehen, welches dort seit jetzt stattfindet. Junge Frauen die mit Hiphop zu tun haben, steppen da für ihre Kultur, Identität und yeah, die feministische Sache. Es gibt Breakdance-Workshops, Rap-und Tanzbattles, Diskussionsforen und Grafitti-Kurse. Super, weil die Frau im Mainstreamrap ja oftmals nur aus Arsch & Titten & Goldschmuck zu bestehen scheint, aber gerade der Hiphop für Frauen ein bestärkendes, coolifizierendes Genre sein kann. Ich erinnere mich noch an meine Hiphop-Phase und muss sagen, ich habe mich selten so lässig gefühlt wie in weiten Hosen, Sweatshirts und Adidas Superstars (ja, ist schon ne Weile her) die Straße entlang zu grooven, Cypress Hill im Ohr und den Beat in den Beinen. Wie super muss das dann erst für wirklich kreative junge Frauen sein?

Das reißt nicht nur mich mit, sondern auch unserer aller Alice von Schwarzers Gnaden - die trifft sich nämlich, OMFG, am 9. August zu einem Podiumsgespräch in aller Öffentlichkeit mit MC Pyranja, MC Sookee und der Musikjournalistin Bianca Ludewig. Themen werden Frauenbilder im Rap, Emanzipation, Funktion von Pornografie und Gewalt (klar, gekoppelt) und “die Frage, wie ’sexy’ eine Frau sein darf, wenn sie als Mensch ernst genommen wird”. Das alles wird münden in den Kern aller Pudelinen: “Muss frau sich entscheiden zwischen Bitch und Butch”? Props für MC Schwarzer und ihre Bereitschaft zum Dialog mit der Jugend.

Jetzt mal im Ernst: Ich glaube, das alles wird toll und spannend und mit Sicherheit wird es interessant, was die sich zu sagen haben. Was mache ich eigentlich noch in München? Ach so, stimmt: in der Bibliothek sitzen. Deswegen kann ich euch nur anflehen: Geht hin und erzählt, wie es war!

Das Podium findet statt ab 18.00 in der Alten Feuerwache in Berlin-Kreuzberg, Axel-Springer-Str 40 / 41. Der Eintritt ist frei.

“Ich bin Feministin, aber …”

Tuesday, August 5th, 2008 von Susanne

Unsere Leserin Charlotte arbeitet gerade an einer sehr schönen Seminararbeit: Sie inszeniert Portraits von Feministinnen und Feministen, die mit alten Feminismus-Klischees aufräumen. Gestern haben Barbara (im Bild), Meredith und ich uns schon ablichten lassen. Jetzt seid ihr dran, wenn ihr Lust habt.

Charlotte sucht noch mehr Models, die sich im Foto feministisch positionieren wollen. Wer Lust hat mitzumachen, schreibt ihr einfach eine Mail. Die ganze Serie werden wir nach Abschluss hier in einer Bildergalerie zeigen.

Terminhinweis: Femmes ‘R’ Us

Tuesday, August 5th, 2008 von Katrin

vom 7.-16. August im Radialsystem Berlin.

femmes with fatal breaks

Feminismus in Pop, Musik, Kunst und Film heute

Dieser tolle Kongress beginnt am Donnerstag Abend, 20 Uhr mit der Ausstellungseröffnung, ab 22 Uhr gibt’s Party mit “Femmes with fatal Breaks”, einem flotten DJ-Team. Die Ausstellung wird dann weiterhin vom 8.-16. August täglich von 14.00 bis 0.00 Uhr zu besichtigen sein. Künstlerinnen von London bis New York stellen ihre feministischen Werke aus.

Ein weiteres Highlight ist die Diskussionsrunde am Freitagabend: Zur Frage “Feminism - government’s mission? Economic factor? Insurection” diskutieren Maria do Mar Castro Varela aus Berlin, Chris Straayer und Tiina Rosenberg aus New York.

Am Samstag gibt es zunächst einen Vortrag über Positionen feministischer Filmkritik von Michaela Wünsch, um dann in die Praxis überzugehen, wobei verschiedene Filmscreenings als Beispiele gezeigt werden. Im Künstlerinnengespräch mit Constanze Ruhm und Sabeth Buchmann wird geklärt: “Kann ein Kunstwerk feministisch sein?”, um danach durch weitere Filmscreenings auch dieser Frage nachzuspüren.

Das komplette weitere Programm kann auf der Website von Femmes ‘R’ Us heruntergeladen werden. Und hier geht zu den CVs aller Teilnehmerinnen.

Einzig den DJing-Workshop, der Montag und Dienstag, 11. & 12.08., jeweil von 20.00-0.00 stattfindet, möchte ich noch besonders hervorheben. Wer schon immer einmal selbst mixen und auflegen wollte, kann sich hier einweisen lassen. Ich bin auf jeden Fall auch dabei. DJane zu werden ist nämlich mein heimlicher Traum.

(Foto: © Birgit Wudtke)

Elternprobezeit

Thursday, July 31st, 2008 von Barbara

(c) www.babybedenkzeit.de/ Als Teenager las ich eine Menge Romantic-Thriller, übersetzt aus dem US-Amerikanischen. Mit Knutschgeschichten von Nancy und Nick und Julie und Jerry und einem Schulprojekt, im Rahmen dessen Anne und Andrew ein rohes Ei mit nach Hause bekamen für zwei Wochen Schulferien, Attrappe für ein gemeinsames Baby. Das Ei musste gepflegt werden, und wer es nach den Ferien wieder heil mit in die Schule brachte, bekam eine Eins.

Ein ähnliches Projekt ist die “Elternprobe” in Brandenburg, über die die Taz berichtet. Hier erleben Teenager, wie es sich anfühlt, Eltern zu sein. Ein Armband zeichnet auf, ob die über einen Computer gesteuerten Babies gut betreut werden - ob immer gewickelt, gefüttert und Köpfchen gehalten wird. Nach der Probezeit sehen die Mädchen erschöpft aus - denn auch die Baby-Simulatoren melden sich in der Nacht.

Die Idee, mit programmierten Puppen ungewollten Teenagerschwangerschaften vorzubeugen, stammt von einem amerikanischen Ehepaar. 1993 baute Rich Jurmain zu Hause den ersten Babysimulator, inzwischen werden die RealCareBabys auf der ganzen Welt animiert. Zwei deutsche Pädagoginnen, Edith Stemmler-Schaich und Uta Schultz, bauten in Delmenhorst Mitte der 90er Jahre das Projekt “Babybedenkzeit” auf. In Städten wie Rostock, Freiburg, Koblenz und Wiesbaden gibt es heute so genannte “Babybedenkzeit”-Kompetenzzentren und bundesweit über 300 Einzelprojekte.

Eine gute Vorbereitung für den Ernstfall? Ich denke schon, besonders in Kombination mit der sexuellen Aufklärung, die die Projektmitarbeiterinnen im Rahmen der “Elternprobe” auch immer wieder vornehmen. Wichtig finde ich, dass auch Jungs sich trauen, bei einem solchen Projekt mitzumachen - denn ihr Anteil an einer Teenage Pregnancy ist immerhin 50 Prozent.

Der Vorteil des rohen Eies? Im Vergleich zum Babysimulator beginnt es, schlecht zu riechen. Wie so manche Windel.

Ran an den Mann!

Wednesday, July 23rd, 2008 von Katrin

Vater KindIn der taz gibt es heute ein sehr interessantes Interview mit Familiensoziologe Hans Bertram. Es geht um Familie, Frauen und Männer. Um alte Rollen, neue Visionen, einen anderen Arbeitsmarkt und eigentlich alles, was eben so wichtig wird, wenn erst einmal Kinder da sind.

Auf die Frage, was in Deutschland schief läuft, warum sich nur so wenig Männer für die Erziehung entscheiden, antwortet Bertram:

“Die Mehrzahl der jungen Männer hält an dem typischen Ernährermodell fest. Es gibt einfach noch zu viele Gratifikationen für das alte Modell. Bleiben sie dabei, geht es der Familie finanziell gut - und sie sind angesehen. Es gibt im Augenblick noch wenig Anreize für Männer, für das Kind da zu sein. Die Männerrolle ist stark davon abhängig, dass die Männer gegenüber Frauen gerne attraktiv sind.”

Auch die Frauen halten demzufolge viel zu sehr an diesem alten Modell fest:

“Die wollen den erfolgreichen, berufstätigen Mann. Wenn man sich das Heiratsverhalten anguckt, die heiraten eher nach oben in die sozialen Positionen hinein.”

Und:

“Wir haben unglaublich viel darüber nachgedacht, wie eine moderne Frauenrolle aussehen könnte, wie sie Fürsorge für Kinder und auch für Alte mit ihrer Berufskarriere in Übereinstimmung bringen kann. Aber das Interessante ist, dass wir nie über die Männer reden.”

Aber was tun? Bertram:

“… das, was die Norweger machen. Da bleiben nur die Aktiengesellschaften an der Börse, wo mindestens 40 Prozent beiden Geschlechtes drin sind.”

Und:

“… wir müssen dafür sorgen, dass Frauenberufe genauso gut bezahlt werden wie Männerberufe. Und wir müssen irgendwie sicherstellen, dass die Wertigkeit der Fürsorge für andere genauso wichtig ist wie der ökonomische Erfolg. Solange es unterschiedliche Gehälter und schlecht beleumundete Fürsorge gibt, ist ein fairer Aushandlungsprozess faktisch ausgeschlossen.”

Es ist wirklich erstaunlich, dass in der Kürze eines solchen Interviews so viel Gehalt liegen kann. Also bitte das ganze Interview lesen, lohnt sich!

(Bild von Schoenswetter)

Die Übermütter

Thursday, June 26th, 2008 von Barbara

(c) Flickr Mütter wollen die Chefinnen der Abteilung Babybetreuung sein. Das zumindest könnte man einer Studie der Universität von Ohio nachsagen.

When a mother criticized her partner’s child-care efforts, it often caused him to lose confidence, and even withdraw from caring for the baby. But when a mom praised dad’s efforts, he took a more active parenting role.

Ein Grund dafür sei der große Druck, der auf den Müttern laste, erklärte Co-Autorin Sarah Schoppe-Sullivan von der Ohio State University. Wenn Mütter eh schon für alles verantwortlich gemacht werden, dann möchten sie auch die Verantwortung für alles tragen. Für die Studie wurden 97 Paare beobachtet; ihre Vorstellung über die Aufteilung der Babybetreuung wurde ab dem letzten Drittel der Schwangerschaft abgefragt - und die Realisierung dann drei, vier Monate nach der Geburt des Kindes überprüft. Dass “Vater von Mutters Gnaden” abhänge, wie Focus die Studie beurteilt, ist eine Fehlinterpretation der Ergebnisse. Besser ist eine Neuverteilung der Verantwortung, die Beschreitung des vielleicht nicht so gewohnten und bequemen Wegs. Das meint auch Father-Forscher und Autor Jeremy Adam Smith in seinem Blog:

“Men are evolving, but society, business, and government still drag their collective feet. This breeds unhappiness as well as lawsuits–but perhaps one day we will have the policies that will help us to be the fathers we need and want to be.”

Michelle Obama Watch

Wednesday, June 18th, 2008 von Susanne

Jetzt, wo Barack Obama der Kandidat der Demokraten für das Amt des US-amerikanischen Präsidenten ist, rückt auch seine Frau Michelle weiter in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Michelle Obama ist eine erfolgreiche Anwältin und Feministinnen machten sich schon während der Vorwahlen so ihre Gedanken: nämlich was wohl mit ihr passiert, würde ihr Mann Präsident. Würde das amerikanische Volk nicht verlangen, dass die First Lady ihren Beruf aufgibt, um ihrem Mann den Rücken freizuhalten? Für den Wahlkampf hat sie bereits eine Auszeit genommen - die erste ihrer Karriere.

Das Blog “Michelle Obama Watch” wurde ins Leben gerufen, um die Medienberichterstattung zu Michelle Obama kritisch zu beobachten und zu dokumentieren. Denn mehr als John McCains Ehefrau ist Michelle Obama eine für die Medien interessante Figur: Sie ist selbstständig, engagiert, mit einer eigenständigen Persönlichkeit unabhängig von ihrem Ehemann. Was manche US-amerikanische Medien dazu verleiten zu scheint, sie genauso wie den Kandidaten selbst unter die Lupe zu nehmen. Und bei der Berichterstattung auch gerne mal übers Ziel hinauszuschießen - zum Beispiel als Michelle und Barack Obamas “fist bump” als “terroristische Geste” interpretiert wurde.

Dieses Blog wird auf jeden Fall in den nächsten Monaten regelmäßige Besuche wert sein. Und die Betreiber der Webseite freuen sich über jede und jeden, die bzw. der mitarbeiten möchte, zum Beispiel die europäische Berichterstattung im Auge behalten und über Merwürdigkeiten informieren.

Über Feministe.us

Frauen & Technik

Wednesday, June 18th, 2008 von Susanne

Gestern haben Bundesbildungsministerin Annette Schavan und 40 Spitzenverbände und Unternehmen einen Pakt geschlossen: einen Pakt für mehr junge Frauen in technischen und naturwissenschaftlichen Berufen. Erklärtes Ziel von Wirtschaft und Wissenschaft ist es, Fachkräftemangel vorzubeugen. Das Programm nennt sich MINT - die Buchstaben stehen für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik.

Was vor allem der Wirtschaft nutzen soll, bringt auch für Frauen angenehmenNebeneffekte mit sich: Je mehr Frauen in technischen und naturwissenschaftlichen Berufen arbeiten, desto blasser dürften einige Geschlecherklischees werden, zum Beispiel der beliebte Ausruf”Frauen und Technik!”. Außerdem erhalten Frauen so leichter Zugang zu gutbezahlten Branchen.