Einträge mit dem Tag ‘Gorch Fock’


Homosexualität im Fußball, TV und Computerspielen – Kurz Notiert

14. Juli 2011 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 120 von 362 der Serie Kurz notiert

Charaktere aus Fernsehserien dienen oft als Identifikationsfiguren für Jugendliche. Auf Serienjunkies gab es bereits im Juni anläßlich des 42. Jubiläums des Stonewall-Aufstands eine Übersicht über junge schwule und lesbische TV-Figuren. Dem Thema homosexuelle Charaktere in Computerspielen hat sich die Zeit gewidmet.

Yeah, feministing hat ein Exklusivinterview mit einem Twitter-Hero: Feminist Hulk@feministhulk.

Auf radio.wissen können alle, die sich für Philosophie interessieren, folgende Beiträge hören: „Große Philosophinnen – Die Weisheit ist weiblich“ und „Das Frauenbild der Philosophen – Kleinste Momente großer Denker“.

Feminist Cupcake erklärt Judith Butlers Idee der Performativität und verlinkt auf eine tolle Dokumentation mit ihr.

Undispatch hat eine etwas andere Weltmeisterschaft ausgetragen: Die Gewinnerin des Geschlechtergerechtigkeits-Titels ist Schweden.

Addn.me stellt fest: „Während bundesweit fast jedes Bundesland die Gleichstellung der Ehe mit der eingetragenen Lebensgemeinschaft (ELP) gesetzlich verankert hat, ist Sachsen das einzige Bundesland, welches diese Anpassungen nicht vorgenommen hat.“

DieStandard schreibt über die traurige Tatsache, dass Vergewaltigung in der Ehe in 127 Ländern nicht bestraft wird.

Leck mich, fick Dich“ sind laut dem Sächsischen Landesarbeitsgericht übrigens sexuelle Belästigung, für eine fristlose Kündigung reicht es aber nicht aus, berichtete die Ärztezeitung.

Ein halbes Jahr nach dem tödlichen Unglück auf der Gorch Fock hat Telepolis die daraus enstandenen medialen Debatten untersucht und stellt fest: der Diskurs kommt von rechts außen.

In der taz gibt es einen Artikel zum Umgang der Fussball-Verbände mit Homosexualität im Rahmen der Frauenfußballweltmeisterschaft.

Termine:

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„Truppenbild mit [sexuell belästigter] Dame“ – Gorch Fock Teil 3

15. Februar 2011 von Gastautor_in

Vor etwa zwei Wochen beklagte sich die Stammbesetzung des Ausbildungsschiffes Gorch Fock in einem offenen Brief an Verteidigungsminister zu Guttenberg über den mangelnden Rückhalt, den sie angeblich in der Bundeswehr erfahre. Nach dem Tod von zwei Kadettinnen auf dem Schiff waren Vorwürfe von Misshandlung und sexueller Belästigung gegen die Ausbildungsoffiziere laut geworden. Als Reaktion hatte zu Guttenberg den Kommandanten der Gorch Fock suspendiert, das Schiff ist nach Deutschland zurück beordert worden. Laut Medienberichten will der Verteidigungsminister als Zeichen des guten Willens das Schiff demnächst besuchen.
Nele Moehlmann studiert an der Universität Mainz und arbeitet gerade an ihrer Magistra­arbeit zum Thema „Gender Aspekte von politischer Militär­dienst­ver­weigerung.“ Sie kommentiert den Brief der Besatzung.

Der Brief der Stammbesatzung der Gorch Fock befasst sich unter einer Zwischenüberschrift auch mit den Vorwürfen der sexuellen Belästigung von Soldatinnen an Bord – und weist diese entschieden zurück. Dieser Reflex entspricht zweier Bilder; dem der Gesellschaft „an sich“ und dem der Institution Militär. „Nur Sprüche“ seien es gewesen, dazu noch „lapidar geäußerte“ und selbstverständlich gab es hier auch sofort Maßregelungen, verspricht der Brief, „nämlich eine Musterung mit deutlichen Worten des Kommandanten an die Soldaten“, so der militärische Fachjargon, der den ganzen Brief durchzieht. Zu keiner Zeit hätte es im Übrigen verbale oder körperliche Übergriffe gegen Soldaten gegeben – und das ist nicht witzig, dass hier die nur die männliche Form benutzt wird, das ist tragisch (auch wenn es sicherlich auch Sinn machte, sich mehr mit Homophobie im Militär-Kontext zu beschäftigen, so ist das im Brief an dieser Stelle wohl nicht so gemeint…). Doch es passt so gut ins Bild eines Militärs, das sich eben auch in Deutschland erst vor elf Jahren – und auf Druck – für Frauen geöffnet hat (Kreil-Entscheidung des EuGH am 11.1.2000). So schnell ist nun mal kein gesellschaftlicher Prozess, dass das tradierte Bild des kämpfenden männlichen Soldaten einfach verschwindet. Eine maskulin geprägte Institution wie das Militär hatte (ihrer Meinung und auch der der sogenannten Mehrheitsgesellschaft nach) gute rationale Argumente, als Männerbund zu fungieren. Diesen Argumenten andere, bessere, vor allem aber faire gegenüber zu stellen, braucht leider Zeit. Aber auch Einsicht – an Land und auch an Bord, wie sich an diesem Fall wieder zeigt.

Übrigens:
Die Bundeswehr selbst hat 2008 eine Studie veröffentlicht zur Integration von Frauen, „Truppenbild mit Dame“, heißt der meines Erachtens an sich schon problematische Titel. Der Bericht kommt jedenfalls zu dem Ergebnis, dass die Integration noch längst nicht abgeschlossen sei, dass es z.B. vielen Männer schwerfiele, Soldatinnen überhaupt als gleichwertig zu akzeptieren. Und dann berichten auch prompt 58,2 % der befragten Frauen von sexistischen Bemerkungen (S.76), um nur ein Beispiel zu nennen. Was vor allem auffällt ist, dass es bei allen Fragen zu diesem Komplex einen hohen Anteil auch von Frauen, aber vor allem von Männern gibt, die nicht etwa „mir nicht bekannt“ ankreuzten, sondern das sehr viel entschiedenere „nein“, womit sie das Phänomen sexuelle Belästigung an sich per se ausschlossen. Wahrnehmung und Realität liegen hier – wie so oft in Fällen von Diskriminierung – weit voneinander entfernt.

Links:

Den Bericht „Truppenbild mit Dame“ findet ihr hier
Die taz zum Thema
Der offene Brief der Gorch Fock Stammbesatzung


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Tödlicher Sexismus auf der Gorch Fock

28. Januar 2011 von Meredith

Kurz nachdem die Soldatin Sarah Seele bei einem Klettermanöver von der Takelage des männlichen Marineausbildungsschiffes Gorch Fock zu Tode stürzte, feierte die Besatzung angeblich eine Party. War nämlich Karneval. Diese Meldung macht jetzt schon seit ein paar Tagen ihre Runden durch die Medien, der Stern hat nun einen Ausbilder zu den Vorwürfen befragt. Sven K. bestreitet, dass es sich bei den Feierlichkeiten um eine Party handelte, denn:

Wir haben nicht nackt auf den Tischen getanzt, wie es üblich ist, wenn wir eine Party feiern. Es war definitiv keine Party.

Schön, dass Sven K. offenbar in so eine launige Stimmung gekommen ist, als er sich an die Nicht-Party, sechs Tage nach dem Tod der Soldatin, erinnerte.
Vielleicht ist das Zitat auch zusammengekürzt, wer weiß. Aber auch andere Aussagen aus dem Interview zeigen, dass bei der Besatzung der Gorch Fock offenbar eine anti-empathische, frauenfeindliche und gleichzeitig hypersexualisierte Grundgesinnung herrschte:

Wir sind sechs Wochen an Bord, davon vier auf See. 20 bis 30 Frauen bei 150 Männern, da ist es normal, dass es zu sexuellen Spannungen kommt“, sagt Marinesoldat Sven K. Zu sexuellen Übergriffen könne es aber eigentlich nicht kommen, das sei kaum machbar. Auf dem 90 Meter langen Schiff seien 220 Leute an Bord – da bekomme jeder alles mit.

Äh, „machbar“? Fragt sich nur, ob sich bei so viel Normalität und so wenig Privatsphäre irgendjemand gegen sexuelle Übergriffe geschützt fühlen kann.

Mehr noch: Die kleine Minderheit der Frauen auf dem Schiff war dort offensichtlich nicht willkommen.

Sven K. gibt zu bedenken, dass es bis vor 20 Jahren noch keine Frauen auf deutschen Marineschiffen gab. „Seefahrt ist nicht für Frauen gemacht, sie haben nicht die physische und psychische Stärke, um so lange auf See zu bleiben.“ Es gäbe zwar Ausnahmen, aber man höre ja nicht von ungefähr, dass sich Anwärterinnen vor Überanstrengung in den Schlaf geweint haben. „Frauen müssen dieselbe Leistung bringen wie jeder Mann, sonst brauchen sie sich nicht bei der Marine zu melden.“

Es ist nicht schwer sich vorzustellen, was für ein Klima an einem Ort herrscht, wo die Führungsriege einer ganzen Gruppe gegenüber eine solche Verachtung entgegen bringt. Dass auf irgendwelche Bedürfnisse oder Schwächen eingegangen würde, war hier nicht zu erwarten, schließlich:

Wir sind nicht das Müttergenesungswerk.

Deutlicher kann man es nicht sagen: Die Gorch Fock ist ein zutiefst menschen- und frauenfeindlicher Ausbildungsplatz. Und die pure Anwesenheit von Frauen scheint diesen Zustand noch verstärkt zu haben.

Geschenkt, dass ein rauer Umgangston im Militär normal ist – normal ist übrigens nicht immer gut. Geschenkt auch, dass keine der Frauen auf dem Schiff dazu gezwungen wurde, sich in der Marine ausbilden zu lassen. Doch die Hartherzigkeit, das gefühls- und schwächefeindliche Menschenbild das hier deutlich wird, lässt schaudern, von den dümmlich-ekligen Einschätzungen der „Frauen“ an sich mal ganz abgesehen.

Es wird, aus den Ereignissen und den Aussagen, immer offensichtlicher: Die Gorch Fock war bislang ein Ort, an dem Frauen nicht willkommen waren. Als junge Frau – und vermutlich auch als junger Mann, der nicht nackt auf Tischen tanzen mag – begab man sich dort nicht unter ein faires Kommando, man begab sich in eine Zone, die psychisch und physisch lebensgefährlich war. Wo Schlafentzug als Routinestrafmittel eingesetzt wurde. Wo Männer unter sich sein wollten und sich gegen die ungeliebte Modernisierung ihrer Welt mit ihren Kruppstahlklischees und drakonischem Verhalten wehrte. Wenn sie schon Frauen an Bord akzeptieren mussten, dann würden sie ihnen eben das Leben so schwer wie möglich waren. So klingt das jedenfalls.

Es gibt eine grundsätzliche Sache: Einiges deutet daraufhin, dass sich in Deutschland derzeit ein Normalisierungsprozess vollzieht, was die Bundeswehr und deren Ort in der Gesellschaft betrifft. Der politische Wille dazu ist unbestreitbar, die Entscheidungen der letzten Jahre, aber auch die Diskussion darüber, ob das was in Afghanistan passiert jetzt Krieg ist oder nicht und selbst die Personalie Guttenberg (der schnieke Minister, der darauf angesetzt ist, den militärischen Diskurs zu verändern) sind eindeutige Signale.
Schon lange gab es in Deutschland keinen prominenten Vorfall, der so deutlich zeigte, welche grausamen, tödlichen Folgen strukturelle Frauenfeindlichkeit haben kann. Die Marine hat ihn nun geliefert. Das bedeutet für alle, denen die zivile Gesellschaft wichtig ist, die keine Rückschritte wünschen und Wert auf Menschlichkeit legen, dass wir aufmerksam bleiben müssen.
Es ist nicht harmlos, wenn jemand sagt: Frauen haben nicht die Stärke für diese und jene Aufgabe, also werden wir ihnen zeigen, wie wir sie mürbe und klein machen. Hier gilt auch kein „Das ist nunmal so beim Militär“. Nein, das Militär ist eine Institution, die der Zivilgesellschaft untersteht. Es ist eine Einrichtung, in der Menschen tätig sind und diese Menschen verdienen eine Mentalität, die den menschlichen Umgang, auch mit Schwächen, für selbstverständlich hält.

Danke an Leserin Laura für den Hinweis!


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FJ Wagner und die Gorch Fock: Frauen, die auf Männerschiffen sterben, sind laut BILD-Zeitung selbst schuld

26. Januar 2011 von Meredith

Die Eltern der Soldatinnen Sarah S., die von ihrem Kommandanten einen verantwortungslosen Kletterbefehl erhielt und in den Tod stürzte, und von Jenny Böken, die unter bislang ungeklärten Umständen vor zwei Jahren über Bord ging, werden sich bei BILD-Kolumnist Franz Josef Wagner bedanken. Laut seiner neusten Post, mit dem Titel „Liebe Gorch Fock 2“, ist nämlich die Ursache dieser schrecklichen und verstörenden Vorgänge nicht, dass auf diesem Schulschiff junge Soldatinn_en von – ich sag es nochmal – verantwortungslosen Ausbilder_innen extremen Risiken ausgesetzt wurden. Ist ja auch wurst, dass alles, was man über die Gorch Fock weiß, darauf hindeutet, dass hier wirklich allen Kadetten unabhängig vom Geschlecht die Hölle zur See bereitet wurde. Nein, nein, der Grund ist: Jenny Böken und Sarah S. hatten von Anfang an nichts auf der Gorch Fock zu suchen. Die ist nämlich ein „Männerschiff“. Das erkennt man, laut Wagner, an ihrem Namen. Und Frauen, die sich auf Männerschiffen aufhalten, mag Wagner nicht:

Ich mag keine Frauen als Soldatinnen, ich mag keine Frau, die schießt, ich mag mir keine Frau vorstellen, die aus 40 Metern herunterstürzt.

Deshalb ist für den alten Mann mit dem ungebremsten Laberfluss gar nicht die entscheidende Frage, warum Jenny Böken und Sarah S. sterben mussten. Nein:

Die wichtigste Frage ist, ob Frauen in diese Männerwelt passen.

Denn was Franz Josef Wagner mag, ist ganz einfach und total ungefährlich:

Die Frau, die ich mag, ist eine Frau, die ein Baby, eine Hoffnung, eine Zukunft hat.

Lieber Franz Josef Wagner,

ich möchte mich bei Ihnen bedanken. Dafür, dass Sie ganz offen ausgesprochen haben, wer in Ihren Augen und den Augen Ihrer Leserschaft als Frau ein lebenswertes Leben hat. Danke, dass Sie zeigen, dass Frauen Ihrer Meinung nichts wert sind, wenn sie keine Hoffnung haben, oder keine Babys. Und auch dafür, dass es Ihnen offenbar völlig egal ist, was mit den jungen Männern auf der Gorch Fock geschah. Dass es nämlich Ihrer Ansicht kein Problem ist, wenn ein Mann schießt oder aus 40 Metern hinunterstürzt. Dafür sind Männer Ihrer Meinung nach gemacht. Wir sehen es deutlich: Je normaler das Militär in Deutschland wird, desto normaler wird der alte Chauvinismus. Er ist 1945 offenbar nicht ausgestorben.

Sie sind nicht nur ein unverbesserlicher Misogynist, Herr Wagner. Das wäre ja keine Neuigkeit und auch nichts, über das sich irgendjemand noch aufregen könnte. Sie sind ein Menschenfeind, ein Menschenverächter. Und egal, wie menschenverachtend sich Ihr Arbeitgeber, die BILD-Zeitung seit ihrer Gründung immer und immer wieder geäußert und verhalten hat – es ist ein Skandal und eine Schande, dass solche Texte erscheinen dürfen, in einer Zeitung die sich gerade in diesem Fall als großes Aufklärungsorgan geriert.

Diesmal ganz ohne Grüße,
Meredith Haaf

Weil ich keinen Bock habe, auf die Seite der BILD-Zeitung zu verlinken: Man findet die Kolumne in der Rubrik „News“. Weitere Post an Herrn Wagner: fjwagner@bild.de. In der Kontakt-Rubrik kann man auch an die Redaktion schreiben.


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